Das Bewertungssystem des KFPS

Friesenliebhaber, die nicht aus den Niederlanden stammen sind wohl manches Mal irritiert, wenn sie mit dem System des KFPS hinsichtlich der Exterieur- und Bewegungsbewertung konfrontiert sind. Ausdrücke wie “ruim voldoende” und “uitstekend” sind nur wenigen Nicht-Niederländern ein ausreichend geläufiger Begriff und oft ist es für uns nicht einfach, die entsprechenden Begrifflichkeiten mit den vergebenen Noten in Einklang zu bringen.

Dabei ist die Sache nicht so schwierig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag, das KFPS-Bewertungssystem beruht nämlich auf der in den Niederlanden gebräuchlichen Skala für Schulnoten, welche sich in 10 Teile gliedert.

Im Folgenden möchte ich diese Skala kurz umreissen:

Bewertungssystem NL

Das niederländische Schulsystem verwendet also ein ausgesprochen differenziertes Notensystem zur Leistungsbeurteilung, welches (für Österreicher und Deutsche ungewohnt) auch noch eine umgekehrte Ziffernwertung enthält (im Gegensatz zu NL und der Schweiz ist eine 1 in Österreich und Deutschland die beste zu erreichende Leistung und wird als “Sehr gut” gewertet). Für mich als Pflichtschullehrer im Brotberuf ist diese Form der Leistungsbeurteilung auch pädagogisch durchaus interessant, aber an dieser Stelle möchte ich den Exkurs in Richtung meiner beruflichen Leidenschaft auch schon wieder beenden.

Es sind also diese im Schulsystem gebräuchlichen Noten, welche die KFPS-Jurymitglieder auf Körungen und Fokdagen an die angebotenen Pferde vergeben.

Nun wird ein Pferd aber nicht einfach im Gesamtbild mit einer Note bedacht, vielmehr wird das Tier durch die Jury regelrecht in Teilbereiche “zerlegt”, welcher jeder für sich eine spezifische Note erhalten.
Im Allgemeinen sind diese Teilbereiche:

  • Rassetyp (nl.: rastype)
    Wird ausgemacht durch das allgemeine Erscheinungsbild, den Kopf, die Halsung den Behang und die Farbe.
  • Gebäude (nl.: bouw)
    Betrifft die Halsung (Kopf-Hals-Verbindung, Genick, Ganaschenfreiheit, Halsstellung und -ansatz), Schulter, Brustkasten, Widerrist, Rücken, Lenden, Kruppe und Oberschenkel- und Kruppenbemuskelung.
  • Fundament (nl.: beenwerk)
  • Bewegung (nl.: beweging)
    Im Allgemeinen sind darunter Schritt (stap), Trab (draf) und Galopp zu verstehen, bei Körveranstaltungen werden die Pferde jedoch traditionell nur in Schritt und Trab an der Hand vorgestellt und bewertet.

Dabei müssen sich die Juroren an den vom KFPS ausgegebenen Rassestandard halten, welcher in den Statuten festgelegt ist und de facto das Idealbild des Friesenpferdes umschreibt.

Das Notensystem ist auch bei der Bewertung von Gebrauchsprüfungen (z.B. IBOP, ABFP) gebräuchlich, die zu bewertenden Einzelkategorien unterscheiden sich dem Anlass entsprechend.

Bei Körveranstaltungen erhalten erwachsene Pferde (mindestens 3-jährig), welche zur Aufnahme in das Stammbuch angeboten werden darüber hinaus einen sogenannten ‘lineaire score‘. Dabei werden anhand einer Tabelle 27 lineaire kenmerken (von schlecht bis gut zu bewertende Einzelbereiche) beurteilt, sowie 5 waardeerende kenmerken (zusammenfassende Einschätzung der o.g. Teilbereiche) beurteilt, welche am Durchschnitt der Rassepopulation gemessen werden.
Das dabei von der Jury ausgefüllte Formular erhält der Besitzer des gekörten Pferdes, die Bewertung ist aber auch für KFPS-Mitglieder im Internet abrufbar und findet darüber hinaus Eingang in die Zuchtwertschätzung des jeweiligen Vatertieres.

juryrapport-friese-paarden

Musterformular für die Eintragung des ‘lineaire score’

Diese Beurteilungskriterien bilden neben einigen anderen Anforderungen (z.B. Mindeststockmaß, Freiheit von unerlaubten Abzeichen etc.) die Basis für die weitere Prämierung eines gekörten Pferdes.

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 4)

Friesenfokus Preferenthengste

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Die ausgehenden 1970er-Jahre und beginnenden 1980er bedeuteten für die KFPS-Friesenzucht eine regelrechte Renaissance.
Die Wirtschaft in Europa und somit auch in den Niederlanden boomte nach den langen, kargen Jahrzehnten, die der Kontinent im Schatten zweier Weltkriege gedarbt hatte – und damit auch die Zucht von Pferden, deren Qualitäten abseits vom landwirtschaftlichen Gebrauch lagen. Es waren diese Jahre, die den Grundstein für das Wiederaufleben des Friesenpferdes im ursprünglichen Typus legten und in denen die Rasse weg vom behäbigen “Tulpentreter” zum hocheleganten Karossier- und später auch Reitpferd entwickelt wurde. Im Gros der damaligen Friesenpopulation war davon freilich noch wenig zu sehen, doch die strenge Hengstenselektion seitens des KFPS tendierte bereits merklich in die oben beschriebene Richtung, was sich auch in den sich später als Stempelhengste erweisenden Beschälern widerspiegelte.
Nicht zuletzt führte die blühende Wirtschaft aber auch zu einer Verbreiterung des Pferdemarktes – das Pferd als Nutztier mochte durch die fortschreitende Technologisierung von Landwirtschaft und Verkehr zwar ausgedient haben, doch die bessere wirtschaftliche Lage des Einzelnen erlaubte nun wieder zunehmend, Pferde auch als Haustiere, Sportpartner und Freizeitgefährten zu betrachten.
Dies spiegelt sich auch in den Deckzahlen wider – 1980 übersprang die Anzahl der vom KFPS registrierten Bedeckungen erstmals die magische Grenze von 1000 – ein Trend, der sich bis weit in die 1990er fortsetzen sollte.


Naen 264 Preferent
11.04.1976 – 01.01.2003, Ferdinand 252 x Kerst 190 P x Held 140, Stam 034

Naen 264 P, der 1976 als Nathan in der Nähe des friesischen Ortes Blauwhuis geboren wurde, wurde im März 1979 als Deckhengst angekört. Bereits zu Beginn seiner Deckkarriere fiel der modern und sportlich gebaute Hengst, der für damalige Verhältnisse recht hochgewachsen war (165 cm Stkm.) auch den Züchtern ins Auge, die ihn im Laufe seiner 17 Jahre andauernden Karriere als Deckhengst reichlich nutzten.
Naen 264 P ist der einzige gutgekörte Sohn von Ferdinand 252 (Tsjalling 253 P x Ritske 202 P), welcher recht stringent innerhalb der damals noch recht stark vertretenen Ritske-Linie gezogen worden war. Mütterlichseits trug Naen 264 P über seine Mutter Truus Model Pref (zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits 20 Jahre alt) die Gene des sehr unverwandt gezogenen Kerst 190 und damit einer Hengstlinie, deren letzter direkter Abkömmling bereits Mitte der 1960er Jahre abgekört wurde. Neben Naen 264 P hatte die überaus erfolgreiche Truus noch zwei weitere Söhne im Deckdienst – den 1976 abgekörten Zjeord 239 (v. Kasper 229) sowie den 1971 geborenen Dagho 247 (v. Tsjalling 235 P), welcher durchaus erfolgreich bis zu seinem Tod 1996 als KFPS-Deckhengst Dienst tat. Darüber hinaus zeichnet sich die Modellstute bis heute als Begründerin einer schier unüberschaubaren Stutlinie innerhalb des Stutenstammes 034 aus, aus welcher zahlreiche Prädikatspferde hervorgingen.

Naen 264 P schaffte, was nur wenigen Deckhengsten des KFPS vergönnt ist – er hinterließ ein bis heute reichendes Vermächtnis und drückte der Friesenzucht insbesondere hinsichtlich Sportveranlagung seinen Stempel auf. Im Laufe seiner Deckkarriere zeugte er 6 als KFPS-Deckhengste registrierte Söhne (Walter 282, Foppe 290, Barteld 292, Hannes 296, Jakob 302 Sport & Ludse 305), deren Hengstnachkommen heute den allergrößten Teil der rezenten Deckhengste in der Ritske-Linie ausmachen. Besonders Barteld 292 konnte über seine Söhne Pyt 325 und dessen heute in Deutschland stationierten Sohn Gjalt 426, sowie Wander 352 und dessen überaus erfolgreichen Nachkommen Doaitsen 420 einen wichtigen Beitrag zur Friesenzucht leisten. Unter anderem in den Pedigrees der Halbbrüder Omer 493 (Gjalt 426 x Karst 362) und Wolter 513 (Fabe 348 P x Karst 362) trägt der Einfluss von Naen 264 P (er schlägt als MV der verdienten Doppel-Hengstmutter Zandra fan Bartlehiem Ster Pref zu Buche) darüber hinaus auch heute noch zu einer breiten Blutstreuung innerhalb der modernen Friesenzucht bei.

Die Stutnachkommen von Naen 264 P zeichneten sich ebenfalls durch hohe Qualität aus – bei 325 im Stammbuch registrierten Stuten erreichten seine Töchter einen Ster-Prozentsatz von beinahe 43%, 5 Stuten erhielten das Modelprädikat, weitere 35 haben bis heute durch außerordentliche Zuchtleistung das begehrte Preferent-Prädikat erreicht, 5 Naen 264-Töchter sind darüber hinaus Prestatiemoeders.

Naen 264 P kann ohne Weiteres als Begründer einer ganzen Linie moderner, sportlicher KFPS-Friesen gesehen werden – sein durchschlagender Einfluss als Stempelhengst ist bis heute sichtbar.

Naen 264 wurde 2008, lange nach seinem Ableben, posthum Preferent erklärt.


Oege 267 Preferent
17.04.1977 – 10.11.1998, Wessel 237 P x Hindrik 222 x Age 168, Stam 002

Oege 267 P (ndl. ausgesprochen ~ “Uche” und nicht wie im deutschsprachigen Raum vielmals gehört “Öge” 🙂 ) wurde im März 1980 als KFPS-Deckhengst angekört und trat seinen Dienst in Tjerkgaast auf der Station von Fr. de Jong an. Der damals 3-jährige Hengst bestach durch einen außerordentlich schönen Rassetyp und viel Behang, wie sich auch heute noch anhand alter Aufnahmen belegen lässt. Der Sohn von Wessel 237 P (siehe Teil 3 dieser Serie) war lang als Deckhengst im Einsatz und gehörte in dieser Zeit über ein ganzes Jahrzehnt hinweg zu den beliebtesten und am häufigsten genutzten KFPS-Vererbern, was die mehr 1800 Decksprünge in seinem langen Leben beweisen.
Mütterlicherseits stammte Oege 267 P aus der 1968 geborenen Wieske Ster Pref (sehr interessant aus Hindrik 222 x Age 168 gezogen). Oege war der erste Sohn dieser Stute, welche im Laufe ihrer Zuchtkarriere noch 13 weiteren Fohlen das Leben schenken sollte und aus deren Nachkommenschaft sich die Hengstmütter von Sytse 385, Take 455 und Wolfert 467 rekrutieren.

Unter den Hengstnachkommen von Oege 267 P finden sich nicht weniger als 7 gekörte KFPS-Deckhengste, von denen nur einer (Wibe 402) abgekört wurde. Sein erster gekörter Sohn, Ritse 322 ist über den 2018 verstorbenen Wikke 404 der Großvater des überaus sportbegabten Aarnold 471 Sport-Elite. Danach folgten Remmelt 323 und der kurz nach seiner Ankörung verstorbene Tieme 330, die sich in direkter Linie nicht bis heute durchsetzen konnten. Als 4. Sohn von Oege 267 P wurde 1995 der immer noch weithin bekannte Anton 343 Sport angekört, welcher 2016 ebenfalls Preferent erklärt wurde und 2018 im stolzen Alter von 26 Jahren in den USA verstarb.
Danach folgte der ebenfalls jung verstorbene Jitse 361, ehe 1999 mit Lolke 371 Sport jener Hengst angekört wurde, dessen direkter Nachfahre Alwin 469 Sport (Felle 422 x Tsjerk 328 P) heute zu den beliebtesten KFPS-Deckhengsten zählt.
Mit diesem großen Vermächtnis an direkten Hengstnachkommen konnte Oege 267 P seinen höchstpersönlichen Zweig im KFPS-Hengstenstammbaum verewigen, welcher wohl aufgrund der Popularität – insbesondere von Alwin 469 – so schnell nicht erlöschen wird.

Ausschnitt HSB Oege 267

Ausschnitt aus dem KFPS-Hengststammbaum / direkte Linie auf Oege 267 P

Doch auch als “Stutenmacher” konnte Oege 267 P sich behaupten. Seine zahlreichen Töchter erreichen einen Steranteil von fantastischen 54,35%, das KFPS zählt darunter 11 Modelstuten, 72 (!!!) preferente Stuten und 11 Leistungsmütter (Prest). Kaum verwunderlich liegt Oege 267 P damit in Sachen Preferentschafts-Punkten bis heute in den vordersten Rängen.
12 seiner Töchter lieferten darüber hinaus ihrerseits KFPS-Deckhengste, darunter der ebenfalls preferente Brandus 345, der leider viel zu früh verstorbene Harmen 424 und der schöne Mewes 438. Als MMV steht Oege 267 im Papier von weiteren 14 KFPS-Hengsten, im Pedigree von Alwin 469 findet man ihn dadurch sowohl in direkter Vaterlinie als auch in der Mutterlinie.

Oege 267 wurde 1996 noch zu Lebzeiten Preferent erklärt.


Reitse 272 Sport Preferent
09.05.1978 – 13.02.1995, Hearke 254 P x Hotse 223 x Eelke 183, Stam 022

Der 1978 geborene Reitse 272 P wurde im Februar 1982 gemeinsam mit seinem Vollbruder Tys 274 als Sohn des später als “König der Friesen” bekannt gewordenen Hearke 254 P in den Deckdienst beordert. Der außergewöhnlich schöne Hengst, der durchaus Ähnlichkeiten zu seinem sehr rassetypischen Vater erkennen ließ, wurde von den Züchtern bereits am Anfang seiner Deckkarriere gerne angenommen und erreichte so im Laufe seiner aktiven Deckkarriere, welche mit seinem relativ frühen Tod (17 Jahre) 1995 endete, auch beachtliche Deckzahlen.
Seine Mutter war die sehr gut züchtende Pauliene Ster Pref (gezogen Hotse 223 x Eelke 183 und damit stark in der Ritske-Linie verankert), welche insgesamt 14 Fohlen zur Welt brachte.

Reitse 272 P brachte insgesamt 7 vom KFPS anerkannte Deckhengste, von denen wiederum 3 abgekört wurden (Obe 314, Tjitte 333 & Reyert 337). Unter den verbleibenden vier Söhnen, welche auf Abstammung gutgekört werden konnten, finden sich dafür aber gleich zwei ganz große Namen – nämlich die der beiden Preferenthengste Olof 315 und Brandus 345, denen ich mich in späteren Kapiteln dieser Serie en detail widmen möchte. Die beiden weiteren gutgekörten Söhne von Reitse 272 sind Anne 340 Sport und Abel 344.

Doch auch über seine Töchter konnte Reitse 272 P gehörigen Einfluss auf die moderne Zucht des KFPS nehmen. Ganze 15 Hengstmütter finden sich unter seinen Töchtern (darunter die Mütter von Ulke 338, Lolke 371, Eibert 419 und Doaitsen 420), als MMV schlägt er sich in den Stammbäumen weiterer 6 Deckhengste nieder (z.B. in denen von Epke 474 und Fonger 478). Von seinen 441 im KFPS-Stb registrierten Töchtern erreichten 46% ein höherwertiges Stutprädikat, die Statistik weist 192 Sterren und 11 Modeltöchter aus. 37 seiner Töchter haben inzwischen die Preferentschaft erreicht, 2 konnten sich als Prestatiemoeders etablieren. Durchaus erwähnenswert für einen Hengst dieser Generation sind auch die 17 registrierten Sport-Nachkommen – eine unüblich hohe Zahl für einen Vertreter dieser Zeit und auch ein Indikator für die außergewöhnliche Sportveranlagung, die der selbst im Tuigsport erfolgreiche Reitse 272 P an seine Nachkommen weitergegeben hat. Besonders hinsichtlich der Verbesserung des Schritts in der Friesenpopulation legte dieser Hengst einen wichtigen Grundstein, welcher v.a. über seinen Sohn Olof 315 und in weiterer Linie über Jasper 366 und Beart 411 weiter verankert wurde.

Reitse 272 wurde 1996 posthum Preferent erklärt.


Im nächsten Teil dieser Serie möchte ich mich den Preferenthengsten widmen, deren Einfluss ganz unmittelbar bis heute spürbar ist – dahingehend stehen die großen Namen Feitse 293, Leffert 306, Olof 315, Tsjerk 328 und Teunis 332 auf dem Programm, die allesamt große Spuren hinterlassen haben und deren direkte Nachkommen auch heute noch eine aktive und wichtige Rolle in der Friesenzucht spielen.

Teil 1, Teil 2 und Teil 3 dieser Serie sind auf den jeweiligen Seiten nachlesbar.

 

FriesenFokus: Bücher, Register & Prädikate

Die Registrierungsmechanismen des KFPS sind für viele Neulinge in der Friesenszene ein Buch mit sieben Siegeln. Dieser FriesenFokus soll diesbezüglich für Aufklärung sorgen, und den Weg durch Bücher, Register & Prädikate von im KFPS registrierten Pferden nachvollziehbar darstellen.

Die Registrierung – Hauptbuch oder Beibuch?

Der erste Schritt bei der Registrierung von Friesen im KFPS ist die Zuteilung zu einem der grundlegenden Zuchtbücher. Dieser Prozess basiert auf der Abstammung des jeweiligen Pferdes und ist im Normalfall eine unabänderliche Einteilung auf Lebenszeit.

Grundsätzlich unterscheidet das KFPS zwischen dem Hauptbuch (nl. Hoofdboek), in dem Friesen mit erwünschter / legitimierter Abstammung registriert werden und den Beibüchern (nl. Bijboek), in denen Friesen registriert werden, deren Eltern (v.a. Väter) nicht unmittelbar als Zuchttiere vom KFPS zertifiziert wurden.
Im Falle abgekörter Deckhengste gilt die Registrierung im BbII ausschließlich für Pferde, die NACH der Abkörung des Hengstes von diesem gezeugt wurden. Nachkommen, die VOR der Abkörung gezeugt wurden bleiben ganz regulär im Hauptbuch registriert.

RegPräd Bücher

Jedes dieser Grundbücher (Hauptbuch, Beibücher I & II und D-Buch) unterteilt sich weiter in drei grundlegende Register: das Fohlenbuch (nl. Veulenboek, Vb), das Stammbuch (nl. Stamboek, Stb) und das Wallachbuch (nl. Ruinenboek, Rb)

Fohlen werden nach ihrer Zuteilung in eines der Zuchtbücher unmittelbar vorläufig in das jeweilige Fohlenbuch aufgenommen (voorloopige Veulenregistratie, VVR). Durch eine Registrierung beim KFPS mittels Haarprobe und der damit einhergehenden Bestätigung der Abstammung gelangen Fohlen aus dem VVR automatisch in das Fohlenbuch (Veulenboek, Vb), wo sie ihr Leben lang registriert bleiben, sofern sie sich nicht für die Aufnahme in andere Register qualifizieren.

Das Stammbuch dient als Register für erwachsene Stuten und Hengste, die sich zur Zucht qualifiziert haben. Im Falle von Stuten geschieht dies durch eine Vorstellung zur Stammbuchaufnahme auf einer KFPS-Zuchtschau im Alter von mindestens 3 Jahren, Hengste hingegen werden nur nach erfolgreicher Absolvierung der Hengstleistungsprüfung (Centraal Onderzoek, CO) und der damit einhergehenden Lizenzierung als KFPS-Deckhengst in das Stammbuch aufgenommen.

Im Ruinenboek (von nl. ruin = Wallach) werden kastrierte Hengste registriert, die im Alter von mindestens 3 Jahren auf einer KFPS-Zuchtschau zur Rb-Aufnahme vorgestellt wurden und sich für diese qualifizieren konnten.

Stutprädikate & Prämien

Insbesondere im Falle von Stuten existieren eine ganze Reihe von Prädikaten, die ein Pferd im Laufe des Lebens und am Weg durch die KFPS-Register erlangen kann.

Wie bereits oben ausgeführt, besteht die Möglichkeit, eine im Fohlenbuch registrierte Stute im Alter von mindestens 3 Jahren einer KFPS-Jury im Zuge einer Zuchtschau vorzustellen und diese zur Aufnahme in das Stammbuch anzubieten.

Erfüllt die Stute die Kriterien zur Stammbuchaufnahme nicht, so verbleibt sie weiter im Fohlenbuch (niet opgenomen).
Stuten, die sich für die Stammbuchaufnahme qualifizieren, werden entsprechend ihrer gezeigten Qualität mit unterschiedlichen Prämien ausgezeichnet.

  • keine Prämie / geen premie
    Die Stute wird ohne Prämie in das Stammbuch eingeschrieben.
  • 3. Prämie / 3e premie
    Die Stute konnte sich aufgrund ihrer gezeigten Qualität für eine 3. Prämie qualifizieren und wird in das Stammbuch aufgenommen.
  • 2. Prämie / 2e premie
    Stuten mit einer 2. Prämie konnten durch überdurchschnittliche Qualität überzeugen. Zumeist geht mit dem Erreichen einer 2. Prämie auch die Verleihung des Sterprädikats einher. Die Stute wird in diesem Fall als Sterstute in das Stammbuch eingeschrieben.
    In Ausnahmefällen kann das Sterprädikat Stuten mit einer 2. Prämie auch vorenthalten oder nur vorläufig erteilt werden (voorloopig Ster).
  • 1. Prämie / 1e premie
    Der Traum jedes Züchters ist, eine Stute mit 1. Prämie im Stall stehen zu haben. Solche Stuten müssen exzellente Qualität in Exterieur und Bewegung beweisen und erhalten neben dem Sterprädikat auch eine Einladung zur Zentralkörung (Centrale Keuring, CK) nach Drachten. Stuten, die durch besonders hohe Qualität beeindrucken, kommen darüber hinaus auch für die Verleihung eines (vorläufigen) Kroonprädikats in Frage.

Die Verleihung eines Kroonprädikats bedarf aber nicht nur einer entsprechenden Qualifikation auf einer Zuchtschau, die entsprechenden Stuten müssen darüber hinaus auch ihre sportliche Veranlagung beweisen, indem sie im Zuge einer ABFP- oder IBOP-Prüfung mehr als 77,0 Punkte erreichen.

Die Krönung einer Stutenkarriere stellt die Verleihung eines Modelprädikats dar. Dieses höchste KFPS-Stutprädikat wird im Normalfall auf der CK in Drachten an die besten und schönsten Stuten des Stammbuches vergeben. Stuten kommen erst ab einem Alter von 7 Jahren für die Verleihung des Modelprädikats in Frage, sofern sie ihre Sportveranlagung bewiesen (s.o.) und mindestens ein Fohlen gesäugt haben.

RegPräd Stuten

Neben diesen drei Stutprädikaten, die an eine Aufnahme in das Stammbuch gekoppelt sind (Ster, Kroon & Model) gibt es noch weitere Prädikate, die eine Stute unabhängig von ihrer eigenen Körleistung erwerben kann.

  • Sportprädikat, Elite-Sportprädikat
    Wird durch entsprechende Leistungen in einer der vom KFPS anerkannten Sportdisziplinen Dressurreiten, Dressurfahren (Mennen) und Showfahren (Tuigen) erworben.
  • Preferent
    Das Preferentprädikat erreichen Zuchtstuten, unter deren Nachkommen mindestens vier Pferde ein (mindestens) Sterprädikat erhalten haben. Auch Hengste, welche die 2. Besichtigung erreicht haben und Hengste, die vom KFPS gekört wurden bringen Punkte.
  • Prestatiemoeder
    Übersetzt “Leistungsmutter”. Das Prestatie wird an Stuten vergeben, von deren Nachkommen sich mindestens 3 Pferde in sportlicher Hinsicht als besonders leistungsstark erwiesen haben. Dies geschieht durch den Erwerb eines Sportprädikats oder durch das Erreichen einer Mindestpunktzahl von 75,0 in einer ABFP- oder IBOP-Prüfung.

Der Weg der Hengste

Die Möglichkeiten von Hengsten hinsichtlich des Erwerbs von Prädikaten innerhalb der KFPS-Bücher sind im Gegensatz zu Stuten deutlich limitiert.

Hengste bleiben grundsätzlich ein ganzes Leben lang im Fohlenbuch registriert, es sei denn sie werden kastriert und als Wallache in das Ruinenboek aufgenommen oder aber sie absolvieren erfolgreich den harten Weg zum offiziellen KFPS-Deckhengst.

Fohlenbuchhengste können aber im Alter von mindestens 3 Jahren im Zuge einer Zuchtschau vorgestellt werden, um ein Sterprädikat zu erhalten – dabei werden, anders als bei Stuten, keine Prämien vergeben, die Hengste können entweder Ster oder niet Ster erklärt werden. In beiden Fällen verbleiben sie weiterhin im Fohlenbuch registriert.

Das Erreichen eines Sterprädikats ist dabei lediglich eine Festellung überdurchschnittlicher Exterieur- und Bewegungseigenschaften – das Sterprädikat ist KEINE Deckerlaubnis.
Decklizenzen können KFPS-Hengste lediglich über eine erfolgreiche Absolvierung des CO (bzw. VO) erwerben. In Ausnahmefällen werden vom KFPS in Ländern, in denen nur eine erschwerte Zucht mit KFPS-Deckhengsten möglich ist (z.B. in Australien), beschränkte Deckbewilligungen an Fohlenbuchhengste vergeben (Vb H met dekvergunning).

Für Wallache hingegen gilt das selbe Prämiensystem wie bei der Stammbuchaufnahme von Stuten, mit der Ausnahme, dass keine Kroon- oder Modelprädikate an Wallache vergeben werden können. Auch hier reichen die Möglichkeiten vom niet opgenomen (Wallach verbleibt im Fohlenbuch) bis zur Aufnahme in das Wallachbuch mit 1. Prämie und Sterprädikat (Rb Ster).

RegPräd Hengste

Als zusätzliches Prädikat können sich Hengste und Wallach unabhängig ihrer Registrierung für das Sport- oder Elite-Sportprädikat qualifizieren.

Für Stammbuchhengste existiert zusätzlich noch die Möglichkeit ein Preferent-Prädikat zu erhalten. Die Vergabe dieser wirklich außerordentlichen Ehrung basiert auf einem komplexen Punktesystem, in dem auf Grundlage der Nachkommen und deren Prädikate eine Zahl errechnet wird, die in Relation zur Anzahl der gezeugten Nachkommen einen festgelegten Wert überschreiten muss.

 

 

FriesenFokus: Kleine Papierkunde

Es wird viel diskutiert und ist oftmals von besonderem Interesse – das zum Pferd gehörige Papier.

Grundsätzlich dient ein solches Papier in erster Linie als Abstammungsnachweis, d.h. es werden darin vom ausstellenden Verband die Ahnen des betreffenden Pferdes dokumentiert und diese Abstammung bescheinigt. Daneben enthalten Pferdepapiere zumeist auch noch weitere wichtige Informationen wie Geburtsdatum, Farbe / Abzeichen, Name und Anschrift des Züchters etc.

Im Falle der Rasse des Friesenpferdes ist das KFPS als Mutterstammbuch in erster Linie für die Ausstellung der Papiere / Abstammungsnachweise verantwortlich. Zwar stellen mitunter auch andere Zuchtverbände Papiere für Friesen aus, dies ist i.d.R. aber ein Hinweis auf nicht spezialisierte und / oder unseriöse Züchter. Das KFPS erkennt hinsichtlich der vereinsinternen Zuchtpolitik keine Friesen mit verbandsfremden Papieren an.

Um Friesenneulingen das Lesen und Verstehen von KFPS-Papieren etwas zu erleichtern, möchte ich im Folgenden einen kurzen Überblick über die Informationen geben, die sich aus einem solchen Abstammungspapier eruieren lassen.

Seit Januar 2015 gibt das KFPS seine Abstammungsnachweise für im Hauptbuch registrierte Pferde in einem blau / weißen Corporate-Design aus. Pferde, welche in den Beibüchern registriert sind, erhalten ein schwarz / weißes Papier.

Papier Muster

Davor waren Hauptbuchpapiere in einem charakteristischen gelb/grünen Design gehalten, das auch heute noch vielen Besitzern von älteren Friesen geläufig ist.

Papier Muster alt

Der Informationsgehalt beider Versionen ist gleichwertig, lediglich das Design hat sich geändert.

Welche Informationen sind auf dem Papier enthalten?

Papier Muster mit Übersetzung

Kopfzeile:

  • Register
    Darunter wird angegeben, in welchem KFPS-Register (Fohlenbuch, Stammbuch, Wallachbuch) das Pferd zum Zeitpunkt der Papierausfertigung geführt wird.
  • Geschlecht
    Hengst (Hengst), Merrie (Stute) oder Ruin (Wallach)
  • Reg.-Nummer
    Langversion der KFPS-Registriernummer
  • Chipnummer
    einmalige Nummer des an der linken Halsseite implantierten Mikrochips des betreffenden Pferdes
  • Geburtsdatum
  • Inzuchtkoeffizient (über 6 Generationen errechnet)
  • Stutstamm
    Die Nummer des Stutenstammes kann interessante Erkenntnisse über die Zuchtsicherheit der Abstammungslinie liefern. Stutenstämme können von KFPS-Mitgliedern über die Webseite des KFPS eingesehen werden.
  • Name

Unter der Kopfzeile finden sich folgende Informationen

  • Farbe / Kleur
    Im Regelfall Zwart (schwarz), extrem selten werden auch immer noch Füchse geboren (vos).
  • erlaubte Abzeichen / Aftekenning toegestaan
  • nicht erlaube Abzeichen / Aftekenning niet toegestaan

Rechts unter der Kopfzeile finden sich KFPS-Mitgliedsnummer (R-…), Name und Anschrift des Züchters (Fokker) und der ehemaligen und aktuellen Eigentümer (Eigenaar). Eigentümerwechsel erfordern die Rückstellung des Papiers an das KFPS, wo der neue Eigentümer eingetragen und das diesbezüglich geänderte Papier zurückgesandt wird. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es sehr ratsam ist, beim Veröffentlichen von Papieren in Internetforen etc. diesen Bereich abzudecken oder zu schwärzen, um etwaige Datenschutzverletzungen zu vermeiden.

Der größte Teil des Papiers wird durch die Dokumentation der Abstammung des Pferdes über vier Generationen eingenommen (dazu weiter unten mehr). Rechts daneben befindet sich eine kurze niederländische Erklärung, die klarstellt, dass der Abstammungsnachweis Eigentum des KFPS ist –  deshalb muss dieses Dokument bei Verkauf oder Ableben des Pferdes an den Verband zurückgegeben werden.
Darunter ist das Datum der Ausstellung des aktuellen Papiers vermerkt (Afgegeven).

Register und Prämien

Papier Muster Prämien

  • Registereintragungen
    Unter diesem Punkt werden alle Übertragungen des Pferdes in die verschiedenen Register des KFPS-Stammbuches dokumentiert. Beispielsweise wird hier angeführt, wann eine Stute vom Fohlenbuch (Vb) in das Stammbuch (Stb) übertragen wurde.
  • erhaltene Prämien
    Ein besonderes interessanter Punkt sind die im Papier vermerkten Prämien, die das betreffende Pferd im Laufe seines Lebens erhalten hat. Jede Beurteilung durch eine KFPS-Jury im Zuge einer offiziellen KFPS-Körveranstaltung wird im Papier vermerkt.

Die Abstammung

Der wichtigste und informativste Teil des KFPS-Papiers ist sicherlich der dokumentierte Stammbaum des Pferdes. Hier sind alle Vorfahren über vier Generationen inklusive ihrer Prädikate aufgeführt.
Grundsätzlich ist dabei zwischen der Vaterseite (oberer Zweig des Stammbaums) und der Mutterseite zu unterscheiden. Während die Vorzüge und Schwächen der Vaterseite zumeist bekannt oder relativ leicht zu recherchieren sind, kann die Mutterseite (und darin vor allem die Mutterlinie) viele hochinteressante Details offenbaren.

Der Begriff “Mutterlinie” (nl. moederlijn) bezeichnet die Linie der jeweils weiblichen Vorfahren des Pferdes, d.h. die Mutter, die Großmutter mütterlicherseits usw. Somit findet sich die Mutterlinie als unterster Zweig des Stammbaumes.

Papier Muster ML

Friesenkenner messen diesem Teil des Papiers zumeist besondere Bedeutung bei. Umso mehr und höhere Prädikate sich in der Mutterlinie finden, desto wertvoller die Abstammung des Pferdes.

Folgende Bezeichnungen und Abkürzungen werden in KFPS-Papieren verwendet:

  • Vb M (Fohlenbuchstute)
  • Stb (Stammbuchstute)
  • Ster
  • Kroon
  • Model
  • Pref* (Preferent; die Zahl nach dem * gibt an, wieviele Nachkommen der Stute Prädikate tragen)
  • Prestm (Prestatiemoeder / Leistungsmutter; Stute mit mindestens 3 Nachkommen, die das Sportprädikat tragen oder im Zuge eines IBOP / ABFP mehr als 75 Punkte erreicht haben)
  • Sport / Sport-Elite (Träger des Sport- / Elite-Sportprädikats)

Tragen die Stuten der Mutterlinie in allen vier Generationen höhere Prädikate (Ster oder höher bzw. Preferent), spricht man von einem “vollen Papier” (nl. vol papier), was als besonderes Qualitätsmerkmal gilt.
Das fiktive Pferd im obigen Beispiel würde über ein solches vol papier verfügen.

Für die korrekte Angabe der Abstammung eines Pferdes ist es auch wichtig zu wissen, welche Hengste dafür von besonderer Bedeutung sind.

Papier V - MV - MMVÜblicherweise gibt man die Abstammung eines Pferdes durch die Aufzählung von Vater, Muttervater (d.h. Vater der Mutter) und Mutter-Muttervater (d.h. Vater der Mutter der Mutter des Pferdes) an, jeweils getrennt durch ein “x”. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch nur die Kürzel V, MV und MMV genutzt. Das fiktive Pferd auf obigem Papier hätte die Abstammung Pier 448 (V) x Nykle 309 (MV) x Jochem 259 P (MMV).

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 3)

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Nach dem 2. Weltkrieg steuerte die Population des KFPS-Friesenpferdes zunehmend in eine krisenhafte Entwicklung – mehr und mehr verschwand die Rasse aus dem Alltag der friesischen Bevölkerung und die Populationsgröße schrumpfte auf ein besorgniserregendes Maß zusammen. Dies veranlasste die Reitvereinigung “De Oorsprong” dazu, ab 1967 einen Werbefeldzug für das Friesenpferd zu starten, welcher der Rasse in den folgenden Jahrzehnten zu unerwarteter Popularität verhelfen sollte.

Die Ankörung moderner, typvoller Hengste und die vermehrte Selektion auf die Eignung für den immer populärer werdenden Freizeitsportbereich veränderten den in den Kriegszeiten etablierten Typ des schweren “Landbouwpaard” zunehmend zurück zu den Wurzeln des Friesenpferdes, einem eleganten Karrossier- und Reitpferd mit imposanter Erscheinung und kadenzierten, leichtfüßigen Gängen. Diese Blütezeit der Friesenzucht ebnete den Weg für einige heute noch wohlbekannte Stempelhengste, deren Einfluss die Friesenzucht der Gegenwart formgebend mitprägte.

Mark 232 Preferent
17.04.1964 – 24.06.1986, Tetman 205 x Ritske 202 P, Stam 067

Ausgerechnet ein 1964 abgekörter KFPS-Deckhengst sollte zwei Söhne liefern, die die Friesenzucht so maßgeblich prägen sollten, dass das moderne Erscheinungsbild der Rasse ohne den Beitrag dieser Hengstlinie heute kaum vorstellbar wäre. Es handelt sich um den 1956 geborenen Tetman 205 (Ewold 181 x Age 168), der 1964 abgekört wurde. Seine beiden so einflussreichen Söhne sind der 1962 geborene Jarich 226 (Tetman 205 x Lutsen 192) und der 1964 zur Welt gekommene Mark 232 P.

Mark 232 P zeugte in seinen 22 Lebensjahren 11 gekörte Söhne, darunter die nicht minder einflussreichen Preferenthengste Hearke 254 (aus dessen direkter Linie Hengst-Größen wie Teunis 332 P, Brandus 345 P und Jasper 366 P entstammen)  und Jochem 259 (Vater von Feitse 293 P, Großvater von Leffert 306 P), sowie Ygram 240, dessen direkte Linie vor allem durch seinen Urenkel Maurits 437 und seine 3 gekörten Söhne ebenfalls bis heute weiterbesteht. Als Muttervater von weiteren fünf KFPS-Deckhengsten und Vater unzähliger Prädikatsstuten ist Mark 232 P heute in beinahe jedem Friesenpapier zu finden und gilt somit als einer der maßgeblichsten Stempelhengste der jüngeren KFPS-Geschichte.

Seine Popularität bei den Züchtern wurde zusätzlich durch seine Erfolge bei der Hengstenkeuring befeuert – zwischen 1969 und 1975 wurde der Ausnahmehengst 3-facher Kampioen sowie 4 mal Reserve-Kampioen der HK.

Tsjalling 235 Preferent
21.03.1967 – 07.09.1995, Hotse 223 x Bouke 174 P, Stam 050

Der 166 cm große Sohn des 3-fachen HK-Kampioens Hotse 223 wurde 1970 in den Deckdienst berufen und deckte 18 Jahre lang erfolgreich. Seine Vererbungsleistung bescherte ihm 7 gekörte Söhne, unter denen Ferdinand 252 und Jelmer 297 seine direkte Linie bis in die Gegenwart weiterführen sollten. Seine Töchter brachten ihm wiederum 6 gekörte Enkelsöhne, darunter den abgekörten Sportpionier Adel 357 und den kürzlich verstorbenen Ielke 382.

Tsjalling 235 P selbst wurde 1979, am Höhepunkt seiner Beliebtheit bei den Züchtern, Kampioen der Hengstenkeuring und lieferte im Laufe seiner Deckkarriere eine ganze Reihe einflussreicher Zuchtstuten, darunter z.B. die 1980 geborene Whita Model Pref, die eine wichtige Rolle in der “goldenen” Boszorg-Linie spielte.

Tsjalling 235 P verstarb im Alter von 28 Jahren und wurde 2008 posthum mit dem Preferentprädikat geehrt.

Wessel 237 Preferent
*13.05.1968, Jarich 226 x Ritske 202 P, Stam 044

Wessel 237 P, ein Enkel des abgekörten Tabe 203, wurde ab 1971 in der KFPS-Zucht eingesetzt und deckte bis 1987.
In dieser Zeit wurden 6 seiner Söhne vom KFPS gekört, unter ihnen einflussreiche Vererber wie Oepke 266, Oege 267 P und Djurre 284. Als Muttervater von weiteren 10 Deckhengsten kann man ihn als einen der “Mutterväter der modernen Friesenzucht” bezeichnen, zumal unter diesen Wessel-Enkeln Hengste wie Jurjen 303, Rypke 321 und Folkert 353 P auftauchen.

Sein überaus großer Einfluss auf die Friesenzucht zeigte sich auch im Erfolg seiner Töchter – mindestens 19 von ihnen trugen das Modelprädikat, unzählige weitere wurden mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.

Äußerst erfolgreich verlief auch seine Karriere in der Körbahn – Wessel 237 P ist mit großem Abstand der amtierende Rekordhalter in Sachen HK-Kampioenschap. Zwischen 1973 und 1980 wurde der Hengst ganze 6 Mal zum Kampioen ernannt, 1976 und 1979 war er HK-Reservechampion.

Hearke 254 Sport Preferent – “König der Friesen”
07.04.1973 – 19.09.1994, Mark 232 P x Tabe 203, Stam 043

Wer “KFPS-Friese” sagt, muss auch “Hearke 254 P” sagen – kaum ein anderer Hengst hat sich so in das kollektive Gedächtnis der Friesenszene gebrannt, wie der 1973 geborene Mark 232 P-Sohn aus der Gelbrich Model Pref (Tabe 203 x Held 140 P) Der von M. Brouwer gezogene Hearke 254 wurde 1976 als Deckhengst eingetragen und dominierte die Friesenzucht vor allem in den 1980er-Jahren wie kaum ein anderer vor ihm. 9 gekörte Söhne, 13-facher Muttervater von KFPS-Deckhengsten wie Onne 376, Dries 421 und Norbert 444 P, mindestens 19 Modeltöchter und eine schier unüberblickbare Anzahl an Prädikatsnachkommen brachten dem auch im Tuigsport erfolgreichen HK-Champion von 1985 den Beinamen “König der Friesen” ein. Er trug vor allem über seinen Sohn Reitse 272 P maßgeblich zur Modernisierung der Rasse hinsichtlich Sporteignung bei – ein Umstand, der sich auch heute noch in den dominierenden Vererbern der gegenwärtigen Zucht, Jasper 366 P, Beart 411 P und Norbert 444 P wiederfindet, welche allesamt in direkter oder indirekter Linie sein Blut führen.

Ob seiner unschätzbaren Vererberqualitäten ehrte das KFPS den im Alter von 21 Jahren verstorbenen Hearke 254 P im Jahr 2007 mit dem Preferent-Prädikat.

Jochem 259 Sport Preferent
27.05.1974 – 27.03.1998, Mark 254 P x Gerke 220, Stam 045

Jochem 259 P hatte – wie sein Halbbruder Hearke 254 P – massiven Einfluss auf die moderne Friesenzucht. Auch er war erfolgreich im Tuigsport und übertrumpfte seinen Halbbruder mit Erfolgen in der Körbahn – 1982 wurde er Kampioen der Hengstenkeuring, in den Jahren 1981 und 1983 wurde er zum Reserve-Champion ernannt. Trotzdem blieb er in der Gunst der Züchter in seiner 21 Jahre dauernden Deckkarriere zumeist hinter seinem Halbbruder zurück – nichtsdestotrotz hinterließ der im Alter von 24 Jahren verstorbene Stempelhengst eine beeindruckend erfolgreiche Nachkommenschaft. Unter seinen 5 gekörten Söhnen sollten vor allem Feitse 293 P und dessen Nachkommen eine tragende Rolle in der weiteren KFPS-Zucht spielen, doch auch die Hengste Tjimme 275, Tamme 276 und Jillis 301 trugen die direkte Linie bis in die Gegenwart. Auch als Muttervater konnte er reüssieren, 4 KFPS-Deckhengste tragen ihn auf diese Weise im Stammbaum.

Lammert 260 Preferent
09.01.1975 – 20.01.2003, Bjinse 241 x Evert 216, Stam 043

Lammert 260 P, geboren 1975 bei J. Grijpstra im niederländischen Ederveen, ist eine der tragenden Säulen, die das Überleben der unverwandten Hengstlinie von Age 168 bis in die Gegenwart sicherten. Der 1978 zum Deckdienst zugelassene Hengst war Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre äußerst beliebt bei den Züchtern, er deckte bis zu seinem Tode im Alter von stattlichen 28 Jahren und dank Gefriersperma (in sehr kleinem Umfang) noch mehr als ein Jahrzehnt darüber hinaus – seine letzte Deckung wurde 2016 registriert. Trotz seiner unerreicht langen Aktivzeit als Deckhengst und seiner 5 gekörten Söhne, konnte nur einer seiner gekörten Hengstnachkommen – nämlich Frans 289 – die direkte Linie bis in die Gegenwart retten. Deutlich erfolgreicher war der Einfluss von Lammert 260 P auf Muttervaterseite – unter seinen 10 gekörten Enkeln in indirekter Linie finden sich die überaus bedeutsamen Preferenthengste Olof 315 und Teunis 332. Von seinen über 400 im Erwachsenenalter gekörten Töchtern wurden 39% mit Ster oder höheren Prädikaten ausgezeichnet, 4 Modelstuten stammen von ihm ab und 39 Stuten konnten durch ihre Leistungen in das Zucht das Preferentprädikat erwerben.

Über die frühen Stempelhengste der KFPS-Zucht wurde bereits in Teil 1 und Teil 2 berichtet, im nächsten Teil der Serie möchte ich mich den Preferenthengsten widmen, die dem modernen Friesenpferd zum großen internationalen Durchbruch verhalfen.

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 2)

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Nach einem Streifzug zu den Ursprüngen der KFPS-Zucht in Teil 1, möchte ich in Teil 2 der Reihe “FriesenFokus: Preferenthengste” auf die prägenden Vererber der Kriegs- und Nachkriegszeit eingehen. Diese Zeit war geprägt von einer regelrechten Krise in der Friesenzucht – die zunehmende Mechanisierung der bäuerlichen Betriebe in Friesland in den Nachkriegsjahren mündete in einer existenzbedrohenden Verkleinerung der Friesenpopulation – 1965 waren nur noch 500 Friesenstuten im Stammbuch registriert. Umso stärker und wichtiger war der Einfluss der bedeutenden Stempelhengste dieser Ära, trugen sie doch maßgeblich zum Erhalt der Rasse bei.

Mengelberg 145 Preferent
17.06.1932 – 01.03.1954, Arend 131 P x Danilo 137 P, Stam 033

1932 in enger Linie als Sohn von Arend 131 P aus der Danilo 137-Tochter Haitske Model Pref gezogen, wurde der 154 cm große Mengelberg 145 im Jahre 1935 als Deckhengst zugelassen. Trotz des harscher werdenden politischen und wirtschaftlichen Klimas im Angesicht des heraufziehenden 2. Weltkrieges, körte das KFPS vier seiner Söhne, darunter den oft als Linienbegründer zitierten Age 168, auf den die kleinste und damit züchterisch wertvollste, heute noch existierende Hengstlinie zurückgeht. Aus dieser spielen in der modernen Friesenzucht vor allem der kürzlich verstorbene Fabe 348 P und dessen Söhne Sape 381, Jorn 430 und Alke 468 eine bedeutende Rolle.
Auch als Muttervater von 4 weiteren KFPS-Deckhengsten prägte Mengelberg 145 P der Friesenzucht seinen Stempel auf, darüber hinaus erreichten 5 seiner Töchter das Modelprädikat.

Nammele 147 Preferent
*14.04.1933, Held 140 P x Theunis 125, Stam 029

Nammele 147 P wurde 1933 im Stall von L.W. Annema in den Niederlanden geboren, seine Mutter war die modelpreferente Aafke (*1921), die zuvor bereits den gekörten Elius 138 (*1925, v. Us Heit 126) gebracht hatte. Der 1937 mit einem Stockmaß von 159 cm gekörte Nammele 147 P zeugte in seiner Deckkarriere 4 gekörte Deckhengste, von denen aber nur einer – Lutsen 192 – seine Abstammungskörung bestand. Trotz der beachtlichen Anzahl an gekörten Söhnen starb die direkte Linie von Nammele 147 P aus, seine Vererbungsleistung gelangte aber durch seine vielen qualitätsvollen Töchter (9 Modelstuten, 5 Hengstmütter) zu prägendem Einfluss. Zu seinen wichtigsten Stutnachkommen zählen u.a. die zu Kriegsende 1945 geborene Eeldertsje Model Pref aus Stam 002, zu deren direkten Nachkommen neben dem Stb-Hengst Murk 196 auch 6 Modelstuten zählen, welche in den Mutterlinien einer ganzen Reihe von KFPS-Deckhengsten auftauchen.

Obscurant 150 Preferent
09.06.1934 – 01.01.1944, Danilo 137 P x Alva 113 P, Stam 019

Der bei J.J. de Vries geborene Danilo 137 P-Sohn Obscurant 150 spielte unter den Preferentengsten der Kriegszeit wahrscheinlich die bedeutendste Rolle. 1937 in den Deckdienst beordert, zeugte er trotz seiner verhältnismäßig kurzen Karriere 10 gekörte Söhne, darunter die später ebenfalls Preferent erklärten Hengste Aize 170 und Bouke 174, sowie Eelke 183, dessen Sohn Ritkse 202 P wiederum für den Fortbestand der direkten Hengstlinie bis in die Gegenwart sorgte. Mindestens 11 Töchter von Obscurant 150 P erhielten das Modelprädikat, zudem ist er der Muttervater von 3 KFPS-Deckhengsten. Seine Mutter Simontje Stb Pref brachte neben Obscurant 150 auch dessen abgekörten Vollbruder Nicolson 146 und den 1930 gutgekörten Fedde 139 (v. Theunis 125) zur Welt.

Stoffel 157 Preferent
*26.04.1937, Danilo 137 P x Arend 131 P, Stam 010

Wie viele Hengste dieser für das Friesenpferd schwierigen Ära, war auch der von S.M. Zonneveld gezogene Stoffel 157 P ein Produkt sehr enger Linienzucht. Seine 1931 geborene Mutter Lep Model war Arend 131 P x Alva 113 P gezogen und somit eine sehr nahe Verwandte des Vredestichter 127 x Alva 113 P gezogenen Danilo 137 P.
Stoffel 157 P wurde 1940 als Deckhengst lizenziert und war bis 1958 in der Zucht, in dieser Zeit lieferte er drei gekörte Söhne, die die direkte Linie aber nicht bis in die Gegenwart tragen konnten. Auch als Muttervater von Yke 206 (v. Aize 170 P) reichte sein Einfluss nicht übermäßig weit, seine Töchter waren jedoch als Zuchtstuten äußerst erfolgreich. Zu ihnen zählen z.B. Zierda Ster, deren Tochter Eeldertsje Model Pref bereits erwähnt wurde, aber auch Elagonda Model, deren Zweig des Stutstammes 118 bis heute fortbesteht. Seine Tochter Aaf II Model begründete einen bis in die Gegenwart wichtigen Zweig des Stammes 008, aus dem u.a. der heute noch aktive Deckhengst Haike 482 hervorging. Iekje Model wiederum begründete den einzigen noch heute bestehenden Zweig des Stutstammes 074 und ist damit eine direkte Vorfahrin der Stammbuchhengste Bente 412, Fridse 423 und Jerke 434.

Aize 170 Preferent
*07.06.1942, Obscurant 150 P x Cremer 136

Der inmitten des 2. Weltkrieges bei J.K. Tromp im niederländischen Harich geborene Aize 170 P stammt aus einer für die damalige Zeit relativ unverwandten Anpaarung. Seine Mutter, die 1927 geborene Modelstute Gepke wurde als Tochter von Cremer 136 aus einer Stammbuchstute von Friso 117 P gezogen und brachte, trotzdem sie 26 Jahre alt wurde, nur 4 im KFPS registrierte Fohlen zur Welt. Aize 170 P, als Deckhengst zu Kriegsende 1945 gekört, brachte im Laufe seiner Karriere 5 gekörte Söhne und einen gekörten Enkelsohn in direkter Linie. Mit diesem – Gauke Lientje 224 (v. Yke 206) – starb seine direkte Linie aus. Die Anpaarung der Töchter von Aize 170 P mit Noldus 198 brachte offensichtlich besonders gute Pferde, wurden aus dieser Blutkombination doch gleich 3 Hengste gekört. Insgesamt waren seine Töchter sehr erfolgreich – mindestens 19 Model- und viele Sterstuten stammen von Aize 170 P ab, welche die nicht zu unterschätzende Vererbungsleistung dieses Prefetrenthengstes bis in die Gegenwart nachwirken lassen.

Bouke 174 Preferent
*10.05.1943, Obscurant 150 P x Elius 138, Stam 040

Ein Jahr nach seinem Halbbruder Aize 170 P wurde 1946 Bouke 174 P in den Deckdienst berufen. Der von J.W. Boersma gezogene Hengst wurde mit 161 cm eingemessen und deckte bis in die 1960er-Jahre erfolgreich. Trotz drei gekörter Söhne und weiteren drei Enkelsöhnen in direkter Linie überlebte auch seine Direktlinie nicht bis in die Gegenwart, Bouke 174 P nahm aber vor allem als Muttervater von 7 KFPS-Hengsten erheblichen Einfluss auf die Friesenzucht. Als solcher steht er z.B. im Stammbaum des ausgesprochen bedeutenden Tsjalling 235 P und auch die Mutter des Sporthengstes Peke 268 stammt von Bouke 174 P. Damit nicht genug, wurde an mindestens 24 seiner Töchter das Modelprädikat verliehen – darunter finden sich bedeutende Zuchtstuten wie Claartje Model Pref, Landsdochter Model und die Doppelhengstmutter Stynke Model Pref.

Ritske 202 Preferent
04.05.1955 – 01.09.1976, Eelke 183 x Tiemen 159, Stam 30

Ritske 202 P ist der erste Preferenthengst in der Geschichte des KFPS, dessen Name bis in die Gegenwart vielen Liebhabern des Friesenpferdes noch ein Begriff ist. Der 1955 bei C.M. van den Akker geborene Eelke 183-Sohn wurde 1958 als Deckhengst gekört und gelangte vor allem in den 60er-Jahren als mehrmaliger Kampioen der Hengstenkeuring (1962, 1964 & 1965) zu Ruhm und Ehre. Doch auch als Vererber ist Ritske 202 P aus der modernen Friesenzucht nicht mehr wegzudenken – über seine 10 gekörten Söhne begründete er eine regelrechte Hengstendynastie (die gerne zitierte Ritske-Linie), aus der u.a. die Preferenthengste Tsjalling 253 und Naen 264 stammen. Noch größer aber ist sein Einfluss als Muttervater – als solcher ist er Teil der Abstammung von nicht weniger als 13 KFPS-Deckhengsten, unter ihnen die an Bedeutung kaum zu überbietenden Stempelhengste Mark 232 P und Wessel 237 P. Dazu gesellen sich ca. 50 von ihm gezeugte Modelstuten und eine große Anzahl Sternachkommen. Bis zu seinem Tod im Alter von 21 Jahren wurden rund 1600 Decksprünge von Ritske 202 P registriert, was ihn in seiner Ära zum wohl bedeutendsten Vererber der KFPS-Zucht macht.

Durch die Bemühungen der Reitvereinigung “De Oorsprong” ab dem Jahre 1967 trat ein Wandel in der Friesenzucht ein – der Friese wurde mehr und mehr als Kulturgut der Niederländer erkannt und geschätzt, und die Zucht erfuhr einen Aufschwung, der sich im sprunghaften Wachstum der Population über die nächsten 20 Jahre niederschlug. Auf die bedeutenden Vererber dieser Blütezeit des KFPS möchte ich in Teil 3 des “FriesenFokus: Preferenthengste” näher eingehen.

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 1)

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

In dieser Reihe möchte ich einen kompakten Überblick über all die Hengste geben, die bis zum heutigen Zeitpunkt aufgrund ihres prägenden Einflusses mit dem Preferent-Prädikat ausgezeichnet wurden.

Ulbe 100 Preferent
*28.04.1894, Nemo 51 x ?

Ulbe 100 ist der erste KFPS-Hengst im Stammbaum aller heutigen Friesen, der mit dem Preferentprädikat ausgezeichnet wurde. Der 1897 gekörte Hengst war der dritte in den Deckdienst beorderte Sohn des Hengststammbaumbegründers Nemo 51 und ist der einzige Hengstnachkomme dieses Vererbers, dessen direkte Linie heute noch fortbesteht. Geboren wurde der 158 cm kleine Hengst vor über 120 Jahren im niederländischen Hemrik bei Friesenzüchter E.P. van der Sluis.
Seinen größten Einfluss auf die Friesenzucht machte Ulbe 100 P zweifelsohne über seine gekörten Söhne Victor 110 und Friso 117 P geltend.

Sultan 105 Preferent
09.04.1897 – 27.05.1910, Drenthe I 91 x De Regent 32

Der 1900 gekörte Sultan 105 P war ein Abkömmling aus der mittlerweile ausgestorbenen Hengstlinie des Landzoon 46. Der in der Stoeterij de Oorsprong gezüchtete Hengst konnte zwar keine eigenen Söhne in den Deckdienst beisteuern, schlägt aber als Muttervater von Us Heit 126 zu Buche, welcher wiederum als Muttervater (u.a. von Knilljes 141) großen Einfluss auf die moderne Friesenzucht nehmen konnte.

Prins 109 Preferent
*27.03.1898, Frits 95 x Onsta II 79

In Siegerswoude, NL bei E.S. van den Bosch geboren, gilt Prins 109 P heute als Begründer einer eigenen Hengstdynastie, deren direkte Linie in den 1950er Jahren ausstarb. Vor allem über seinen Sohn Us Heit 126 konnte er seinen Einfluss auch auf die heutige Friesenzucht geltend machen, darüber hinaus bewies er seine prägende Vererbungsleistung als Muttervater von Paulus 121, Theunis 125, Bisschop 132 und Louw 142.

Alva 113 Preferent
*05.06.1899, De Regent 32 x Graaf Adolf 21, Stam 001

Der 1899 geborene Alva 113 stammte aus der mittlerweile ausgestorbenen Hengstlinie des Prins Hendrik 24. Der in der “Stoeterij de Oorsprong” zur Welt gekommene Alva 113 wurde 1902 vom KFPS gekört und zeugte in seiner, bis zu seiner Abkörung 1915 dauernden Karriere zwei gekörte Söhne – Oom 119 und Stefanus 124 – die gleichermaßen den Endpunkt der direkten Prins Hendrik-Linie darstellen. Zu immenser Bedeutung gelangte Alva 113 P indes als “Stutenmacher”. Seine Töchter (darunter 3 Modelstuten) bescherten ihm 8 gekörte Enkelsöhne, seine  1915 geborene Tochter Olga Hb begründete den  Stutenstamm 032. Im Besonderen war auch die von ihm gezeugte Rienkje Model (*1914) als Hengstmutter von Ynte 130 von großer Bedeutung für die Friesenzucht.
Noch existierende Aufnahmen von Alva 113 P dienen heute oftmals als Beleg dafür, dass der Typ des Friesenpferdes in seinen Ursprüngen keineswegs dem oft zitierten “schweren Schlag” entsprach, sondern deutliche Gemeinsamkeiten mit dem heute gezüchteten, “modernen” Friesentyp aufwies.

Friso 117 Preferent
*1901, Ulbe 100 P x Drenthe I 91

Friso 117 P ist wie sein Vater Ulbe 100 P und dessen Vater Nemo 51 ein Hengst, der sich im Stammbaum aller heute noch lebenden KFPS-Friesen wiederfindet, gehen auf ihn doch alle noch aktiven Deckhengste zurück. Der 1901 bei G.G. de Jong geborene Hengst wurde 1904 gekört und mit 164 cm eingemessen – ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlich großes Stockmaß. Friso 117 P konnte sich als Qualitätsvererber sehr gut durchsetzen, fünf seiner Söhne wurden in den Deckdienst berufen, darunter auch der 1913 geborene Paulus 121, der über seine Söhne, die Vollgeschwister Vredestichter 127 und Arend 131 P heute einen “Gabelpunkt” der großen, noch existierenden Hengstlinien darstellt. Als Muttervater von Beint 134 konnte er seinen Einfluss auch in indirekter Linie bis in die heutige Zeit erhalten.

Arend 131 Preferent
*12.04.1921, Paulus 121 x Aäron 114, Stam 013

Der aus der modelpreferenten Irma gezogene Arend 131 P war ein Sohn des bereits erwähnten Paulus 121. Er wurde 1924 in den Deckdienst beordert und war zu diesem Zeitpunkt 162 cm groß, gezogen wurde er von J.W. Hoogterp im niederländischen Deersum.
Arend 131 P ist der Vater der Preferenthengste Held 140 und Mengelberg 145 (neben drei weniger bedeutenden KFPS-Hengsten), zusätzlich festigte er seinen Einfluss auf die KFPS-Zucht als Muttervater von 7 weiteren Deckhengsten, unter welchen der ebenfalls preferente Stoffel 157 besonderer Erwähnung bedarf.

Danilo 137 Preferent
09.04.1924 – 24.12.1948, Vredestichter 127 x Alva 113 P, Stam 032

Der Sohn der Begründerin des Stutenstammes 032, Olga Hb, wurde 1927 durch das KFPS gekört und gelangte in seinen 21 Dienstjahren als Deckhengst zu unschätzbarem und bis heute nachreichendem Einfluss in der Friesenzucht. Der 160 cm große Danilo 137 P aus der Zucht von R. Zonneveld ist heute vor allem als Vater von acht gekörten Deckhengsten ein Begriff, darunter die Preferenthengste Obscurant 150 und Stoffel 157, darüber hinaus ist er als Muttervater von nicht weniger als 10 KFPS-Vererbern eingetragen. Doch auch als “Stutenmacher” konnte Danilo 137 P sich mehr als beweisen – 22 Modelstuten wurden von ihm gezeugt und auch eine der wichtigsten und bekanntesten Linienbegründerinnen des Stammes 050, die 1928 geborene Marianne Hb Pref stammt von diesem Hengst ab.

Held 140 Preferent
25.02.1928-01.12.1950, Arend 131 P x Paulus 121, Stam 013

Wie sein Vater Arend 131 P wurde auch Held 140 P von J.W. Hoogterp im niederländischen Deersum gezogen. Seine Mutter Clasina Model war eine Vollschwester von Arend 131 P und Vredestichter 127, diese unter heutigen Gesichtspunkten extrem enge Inzuchtanpaarung war nichtsdestotrotz von Erfolg gekrönt. Der nur 154 cm große Held 140 P wurde 1931 als Deckhengst gekört und lieferte die beiden Stmmbuchhengste Nammele 147 P und den 1945 abgekörten Waling 161, welcher trotz seiner nur 2 Jahre dauernden Deckkarriere den Grundstein für eine der erfolgreichsten Hengstlinien der modernen Frisenzucht legte – er ist der Stammvater der Preferenthengste Wessel 237, Mark 242 und Jochem 259. Doch auch die Töchter von Held 140 P gelangten zu großem Einfluss – unter ihnen finden sich 5 Modelstuten, darunter Hinke Model Pref (*1948), die über ihre berühmte Tochter Gelbrich Model Pref (*1961, v. Tabe 203) die Großmuuter des großen Hearke 254 P ist. Über seine Stertochter Roozien ist Held 140 P außerdem der Muttervater von Ytsen 166.

In Teil 2 der Reihe “Friesenfokus: Preferenthengste” möchte ich mich den Hengsten widmen, deren Einfluss als Vererber die Rasse durch das dunkelste Kapitel Europas – den 2. Weltkrieg – manövrierte.

 

Friesenfokus – Helden im Viereck: Alexandra Stoya

Unter dem Titel “Friesenfokus – Helden im Viereck” möchte ich Menschen zu Wort kommen lassen, die durch ihren täglichen Einsatz und das Ausleben ihrer Leidenschaft das Friesenpferd ins Rampenlicht des Sports rücken. Ihnen ist es zu verdanken, dass dem Ruf des Friesen als “Kutschpferd” lebende und oftmals erfolgreiche Beweise entgegen gesetzt werden, die eindrucksvoll die Vielfältigkeit und Leistungsfähigkeit dieser wunderbaren Rasse demonstrieren. Dabei ist es für mich persönlich nebensächlich, ob diese ambitionierten und engagierten Reiter international im “großen Sport” starten, oder ihre Friesen regional dem interessierten Publikum präsentieren – sie alle helfen mit bei der Mission, den oftmals unberechtigt schlechten Ruf des Friesen in der Pferdesportszene gerade zu rücken.

Ich freue mich ungemein, eine sehr erfolgreiche und überaus engagierte Reiterin für den ersten Teil dieser Interview-Serie gewonnen zu haben und wünsche meinen lieben Lesern viel Vergnügen beim Lesen dieses wunderbaren Interviews mit Alexandra Stoya!

Helden im Viereck - Alex Stoya

Friesenpanorama International: Friesen haben im Sport vielerorts immer noch einen zweifelhaften Ruf und gelten landläufig als Exoten im Teilnehmerfeld. Wie bist du „auf den Friesen“ gekommen und woher kam deine Motivation, dich mit deinem Pferd im Sport zu präsentieren?

Alexandra Stoya: Die Vorbesitzerin meines ersten Pferdes (ein Shagya-Araber) besaß einen Friesenwallach, von dem ich auch sehr begeistert war. Außerdem hatte meine Freundin einen Friesenwallach, mit dem sie erfolgreich bis zur Klasse L Turniere ritt, einige Male waren wir mit meinem Araber und ihrem Friesen in Paarklassen unterwegs. Diese Kontakte weckten den Friesenvirus in mir, aber es dauerte noch einige Jahre, bis sich der Traum vom eigenen Friesen erfüllte. Anfang 2000 kaufte ich zu meinem Hannoveraner Wallach einen 6 jährigen Friesenwallach (von Leffert) dazu. Ein feines Pferd mit ansprechenden Bewegungen und einer Begabung zur Dressur. Aus privaten Gründen trennten sich unsere Wege nach nur einem Jahr. Aber es stand fest, irgendwann wieder ein Friese. 2004 ging ich erneut auf die Suche und im August des Jahres kam Bernhard El. zu mir. Ein damals 4-jähriger Wallach, leicht angeritten, den ich selber mit stetigem Reitunterricht ausgebildet habe. „Bernie“ war schon immer sehr leicht abzulenken und umweltorientiert, was uns die wenigen Dressurstarts erschwerte. Trotzdem konnte ich mit ihm 2006 das Finale der JFPMDA in Leeuwarden erreichen und dort gelang uns der 4. Platz in der Gesamtwertung.

Meine Hoffnung lag auf meinem Nachwuchspferd Theuntje, sie entwickelte sich zum feinen Dressurpferd, allerdings bin ich lange Zeit nur für mich zu Hause geritten. Erst 2015 begann Theuntjes Turnierkarriere.

Ein Friese ist ein Pferd, wie jedes andere auch. Da ich diese Rasse lieben und achten gelernt habe, stellte sich mir gar nicht die Frage für den Dressursport ein anderes Pferd zu wählen. Entweder mit einem Friesen oder halt gar nicht.

Spaß im Gelände 2016

Geländeritt mit charmanter Begleitung – Copyright: A. Stoya

FPI: Warst oder bist du mit Vorurteilen bzgl. der Rasse deines Pferdes im Sport konfrontiert (von Richtern, Konkurrenten, Zuschauern?) und inwiefern beeinflussen dich die oftmals negativen Vorurteile gegenüber Friesen im Sport?

AS: Einfache Antwort: Ja! Es gibt genug Mitstreiter, die uns belächeln, weil die Friesen ja eigentlich vor die Kutsche gehören. Leider gibt es auch noch einige Richter, die Friesen im Turniersport nicht gerne sehen. Aber davon lasse ich mich nicht beirren oder beeinflussen, denn so weit muss manch anderer erst mal kommen. An manchen Tagen zeigen wir eine gute und korrekte Vorstellung, an anderen Tagen auch mal nicht, wobei ich sagen muss, dass es dann fast immer an mir liegt :).  Jede Dressurprüfung bringt mich ein Stück weiter. Von den Zuschauern gibt es meist nur positive Kommentare, ihnen gefällt oft ein Friese im Dressurviereck.

Training Theuntje 2014-1

Durchaus beneidenswert! Theuntje vom Lohorst im Training unter Alexandra Stoya – Copyright: A. Stoya

FPI: Welche Eigenschaften schätzt du in sportlicher Hinsicht besonders an deinem Pferd bzw. was macht dein Pferd für dich als Reiter besonders sportgeeignet? Gibt es auch rassespezifische Eigenschaften des Friesen, die in deinen Augen sportlich von Vorteil / Nachteil sind? Wenn ja, welche?

AS: Theuntje ist meist motiviert und lernt schnell und lässt sich sehr korrekt durch die Prüfungen reiten. Durch eine vielseitige Ausbildung (Gelände, Dressur und auch Springgymnastik) ist sie recht unerschrocken und durch den Trubel rund um das Dressurviereck lässt sie sich nur ganz selten ablenken.

Vorteile oder Nachteile … sicher gibt es Friesen, die nicht so sehr im Dressurpferdetyp stehen, z.B. mein Bernie. Bei ihm sehe ich das kurze, unterständige Vorderbein als Nachteil, allerdings hat er eine tolle Galoppade. Theuntje ist korrekt gebaut, könnte die Kruppe schöner haben, aber  vor allem verlief ihre Ausbildung korrekt nach der „Skala der Ausbildung“. Wenn man das beherzigt, kann auch ein Friese , der vielleicht nicht so sehr im typischen Dressurpferdetyp steht, korrekt durch Dressurprüfungen gehen. Ob es immer bis in den großen Sport reicht, das liegt sicher auch am Potential von Pferd und Reiter.

Bernie & Alex 2016 - Foto Sabina Wiggins

Bernhard El. & Alexandra Stoya – Foto: Sabina Wiggins

FPI: Beschreibe uns bitte kurz den gemeinsamen sportlichen Werdegang von dir und deinen Pferden.

AS: Mit Bernie habe ich mich nach wenigen Versuchen in A-Dressuren entschieden, dass das vorerst nicht unser Ding ist und ich wartete ab, was mal aus meinem Nachwuchspferd Theuntje vom Lohorst wird. Theuntje zog als Absetzer im Dezember 2006 bei mir ein, wuchs gemeinsam mit einer gleichaltrigen Shettystute auf und stand immer zusammen im Herdenverband mit meinen Wallachen. Liebevoll wurde sie von Charly, einem älteren Tinker-Wallach großgezogen, bis sie später dann auf ihn Acht gegeben hat.

Bei der Ausbildung von Theuntje machte ich von Beginn an einiges anders als bei Bernie, auch hier hatte ich immer guten Reitunterricht und sie wurde nie in Beritt oder Ausbildung gegeben. Ich wollte es selber machen, so gut ich dazu in der Lage war. Schnell merkte ich, dass sie über gute GGA verfügt und sich in der Dressurarbeit gerne angeboten hat. 4-jährig fingen wir mit etwas mehr Dressurarbeit an und auf der Zuchtschau in Assen wurde sie 2010 ins Stammbuch aufgenommen. Am selben Tag gelangen uns in der JFPMDA 66 Punkte und das Ticket für das Finale in Drachten war gesichert. O-Ton des Vorführers: „Ein gutes Pferd für Dressur, aber nicht so gut für den Ring”. In Drachten lief es gut für uns und am Ende stand Theuntje mit 68 Punkten auf Rang 4 der 4-jährigen Stuten.

Zum Starten auf herkömmlichen Turnieren fehlte mir noch die Motivation. Ich bildete Theuntje weiter aus und 6- und 7-jährig wurde sie einige Male von der Tochter einer Stallkollegin erfolgreich in Dressurwettbewerben vorgestellt. Erst als Theuntje 9 Jahre alt wurde, beschloss ich, das Ganze selber mal zu versuchen. Es folgte die Turnierpferdeeintragung bei der FN und im März 2015 ging es dann los. Ich nannte A- und L-Dressuren, erstere mit großen Erfolgen – viele Siege und hohe Platzierungen- letztere mit anfangs niedrigen Wertnoten, bis hin zu 7 Platzierungen in der laufenden Saison.  Dieses bedeutete für die nächste Saison die Höherstufung in Leistungsklasse 4, somit auch startberechtigt in L-Dressuren auf Kandare geritten. Die Saison 2016 war ebenso zufriedenstellend wie in 2015. Nicht mehr ganz so viele Siege wie im Vorjahr, aber viele Platzierungen und einige Siege in A, L und Kandaren-L. Zwei Starts hatten wir in Dressurprüfungen der Klasse L**, in denen wir bereits 3 Punkte für das Sportprädikat sammeln konnten.

2017 geht es weiter, die ersten Schleifen sind gesammelt, aber die Konkurrenz schläft nicht und nach wie vor wird einem nichts geschenkt. Aber noch macht es Spaß und solange Theuntje weiterhin motiviert ist, mache ich gerne weiter.

Theuntje Turnier 2015

Ein schöner Anblick im Viereck: Alexandra Stoya auf Theuntje vom Lohorst – Copryright: A. Stoya

FPI: Welche deiner bisherigen sportlichen Erfolge waren bzw. sind für dich von besonderer Bedeutung? Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?

AS: Besonders stolz bin ich auf das Ergebnis bei der CK in Drachten 2010, 4. Platz bei den 4-jährigen Stuten in der JFPDMA, das war klasse. Natürlich der Titel zum Stadtmeister Dressur in Emden 2015 und der Vizemeistertitel bei den Ostfriesischen Landesmeisterschaften 2015 in der Dressur A/L der Ü-40-Reiter. Ich meine, dass Theuntje der erste Friese überhaupt dort war, der bei der Meisterehrung dort mit einritt. Die zwei zweiten Plätze im Finale des DFZ-Cups 2015 und 2016 haben mich natürlich auch sehr gefreut. Aber insgesamt gesehen bedeutet mir jede einzelne Platzierung etwas, nämlich dass es durchaus möglich ist, sich mit einem gut gerittenen und vor allem korrekt ausgebildeten Friesen in Dressurprüfungen zu beweisen und zu bestehen.

Stadtmeister Emden 2015

So sehen Sieger aus! Stadtmeisterin Emden 2015 – Copyright: A. Stoya

FPI: Wohin soll eure gemeinsame Reise im Sport gehen? Welche weiteren Ziele verfolgst du mit deinem Pferd?

AS: Das nächste Ziel ist das Sportprädikat. In Deutschland sind dafür 5 Gewinnpunkte in der Klasse L** erforderlich. Ab einer Wertnote von 6,0 gibt es 1 Gewinnpunkt, ab 6,5 schon 2 Punkte. Mit meinen zwei Starts in L** im letzten Jahr konnte ich mir mit Noten von 6,2 und 6,8 bereits 3 Gewinnpunkte sichern. Leider sind L** Dressuren weniger ausgeschrieben und in diesem Jahr nehme ich dafür auch weitere Wege in Kauf. Schauen wir mal, ob es dann reicht. Auf lange Sicht wäre es ein Traum, auch einmal in Dressurprüfungen der Klasse M zu starten. Darauf arbeiten wir im Reitunterricht hin, aber natürlich auch an noch mehr Sicherheit in der Klasse L

FPI: Welche Meinung hast du zu den Bemühungen des KFPS und seiner Tochtervereine, die Präsenz von Friesen im Sport zu verstärken?

AS: Friesen im Sport sind eine gute Sache, wer die Möglichkeiten hat, entsprechende Prüfungen selber zu reiten oder sein Pferd vorstellen zu lassen, sollte sie nutzen. Hengste über den Sport zu kören ist doch gut, denn u.U. geben sie gute Eigenschaften für ein künftiges „Sportpferd“ weiter.

FPI: Gibt es für dich auch wichtige Besonderheiten betreffend die Haltung und Pflege deiner Sportpferde? Wie gestaltet sich die Haltung deiner “friesischen Sportler”?

AS: Ich habe im Laufe der Jahre immer versucht, die Haltung meiner Pferde zu optimieren und so artgerecht wie möglich zu gestalten. Meist hatte ich einen eigenen Stalltrakt oder eine Stallgasse in einem normalen Pensionsstall, dazu i.d.R. einen eigenen Paddock und eine eigene Weide, sodass ich weitestgehend mein eigener Herr war. Somit konnte ich die Fütterung und den Auslauf meiner Pferde das ganze Jahr hindurch selber bestimmen. Anfang diesen Jahres habe ich meine Pferde in einen kleinen, privaten Offenstall mit Paddocktrail gestellt. Für meine beiden Stuten gibt es für die Nacht eine schöne offene Box ohne Gitter und tagsüber stehen alle zusammen im Offenstall, können rein und raus, haben eine stets gefüllte Heuraufe vor der Nase und bestimmen selber, wann sie fressen, spielen, dösen oder richtig schlafen wollen. Die Kraftfuttergabe wird von mir je nach Leistung angepasst, ich versorge meine Pferde dahingehend selber. Es gibt ganz einfach Hafer und Pellets, kein besonderes Friesenfutter, kein Barockpferdemüsli, denn auch ein Friese ist letztendlich „nur“ ein Pferd :)!

Meine Pferde sind nicht ein Teil meines Lebens, sie sind mein Leben!

Bernie Sommer 2016

Freunde für’s Leben – Bernhard El. & Alex Stoya – Foto: Sabina Wiggins

FPI: Würdest du dich in sportlicher Hinsicht nach deinen Erfahrungen wieder für einen Friesen als Sportpferd entscheiden und auf welche Kriterien würdest du dabei besonders achten?

AS: Ja, meine Friesen sind für mich nicht nur einfach Pferde, es ist eine Lebenseinstellung. Deshalb steht der nächste Nachwuchs schon auf der Weide, ein kleiner Tsjalle 454 x Sape 381 wartet auf seine spätere Ausbildung bei mir.

FPI: Gibt es abschließend noch etwas, was du aufstrebenden Friesenreitern hinsichtlich Einstieg in den Sport raten oder mit auf den Weg geben möchtest?

AS: Natürlich nicht unterkriegen lassen :). Scherz beiseite, ganz wichtig ist eine gute und pferdegerechte Ausbildung, dazu braucht es keine speziellen Friesenausbilder oder gar Barockpferdeausbilder. Einfach jemanden suchen, der feines Reiten gemäß der Skala der Ausbildung vermittelt. Nichts überstürzen, aber auch nicht erst mit 6 Jahren oder älter mit dem Anreiten anfangen. Eine korrekte Grundausbildung ist das A und O, natürlich gepaart mit einer passenden Ausrüstung für Pferd und auch Reiter.


Zur Person:

Alexandra Stoya, geb. 1969, lebt mit ihrem Ehemann und ihren Pferden in Ostfriesland. Mit ihren im Sport vorgestellten Friesen Theuntje vom Lohorst und Bernhard El. erreichte sie u.a. 2006 und 2010 das Finale des JFPMDA (beide Male mit einem hervorragenden 4. Platz), war 2015 und 2016 Zweitplatzierte im Finale des DFZ-Cups, gewann die Dressur-Stadtmeisterschaft Emden 2015 und wurde Vizemeisterin der Ostfriesischen Landesmeisterschaften 2015 (Dressur Ü40).
Auf Theuntje vom Lohorst startet sie akutell in der Klasse L**.

Bernie 2016 - Foto Sabina Wiggins.JPG

Bernhard El. – Foto: Sabina Wiggins

Zu den Pferden:

Bernhard El. ist ein 2000 geborener Wallach aus der Zucht von R. Elsinga im niederländischen Nijeholtpade. Sein Vater ist der bekannte Sportpionier Jakob 302, er stammt aus der Sterstute Geertje El. (*1994, Oltman 317 x Oege 267 P, Stam 078), die insgesamt 14 Fohlen zur Welt gebracht hat – darunter die Sterstute Elvira El. (v. Anne 340) und die Ster + Sportstute Germa El. (v. Tsjerk 328 P). Alexandra beschreibt ihn als ihren “Fels in der Brandung”.

Theuntje vom Lohorst (geb. 2006) – das Deluxe-Muckel 😉 – stammt aus der deutschen Zucht von D. Pospischil in Edewecht/Wittenberge. Die Brandus 345 P x Pike 316 gezogene Stute erhielt als Fohlen eine 2. Prämie und wurde 2010 in das Stammbuch eingetragen. Unter Alexandra Stoya ist sie derzeit auf dem besten Weg, sich ihr Sportprädikat zu verdienen. Theuntje stammt aus der preferenten Stammbuchstute Eida ut ‘e Mieden (*1996, Pike 316 x Wessel 237 P, Stam 027) von deren 12 Nachkommen bislang 4 mit dem Sterprädikat ausgezeichnet wurden.
Sie befindet sich derzeit auf dem Ausbildungsstand L** und wird weiter gefördert.

Theuntje Training 6

Theuntje vom Lohorst – Copyright: A. Stoya

Yke E. (*2015) ist die Nachwuchshoffnung von Alexandra Stoya. Das Hengstfohlen von Tsjalle 454 aus der Zucht von Y.P. Elgersma im deutschen Westerholt stammt aus der Sterstute Sabina (*2005, Sape 381 x Hearke 254 P, Stam 001). Diese junge Zuchtstute hat bislang 6 Fohlen gebracht. Ihre Mutter wiederum ist die sterpreferente Wina (*1991, Hearke 254 P x Peke 268), die 4 Sternachkommen aus ihren insgesamt 10 Fohlen vorweisen kann.

Yke E - Alexandra Stoya

Yke E. – Foto: Sabina Wiggins

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Alexandra Stoya für die bereitwillige Gewährung dieses Interviews bedanken und wünsche ihr von Herzen alles Gute und viel Erfolg im Sport und mit ihren wunderbaren Pferden!

Titelbild: Alexandra Stoya und Theuntje vom Lohorst / Foto: Sabina Wiggins