FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 3)

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Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Nach dem 2. Weltkrieg steuerte die Population des KFPS-Friesenpferdes zunehmend in eine krisenhafte Entwicklung – mehr und mehr verschwand die Rasse aus dem Alltag der friesischen Bevölkerung und die Populationsgröße schrumpfte auf ein besorgniserregendes Maß zusammen. Dies veranlasste die Reitvereinigung “De Oorsprong” dazu, ab 1967 einen Werbefeldzug für das Friesenpferd zu starten, welcher der Rasse in den folgenden Jahrzehnten zu unerwarteter Popularität verhelfen sollte.

Die Ankörung moderner, typvoller Hengste und die vermehrte Selektion auf die Eignung für den immer populärer werdenden Freizeitsportbereich veränderten den in den Kriegszeiten etablierten Typ des schweren “Landbouwpaard” zunehmend zurück zu den Wurzeln des Friesenpferdes, einem eleganten Karrossier- und Reitpferd mit imposanter Erscheinung und kadenzierten, leichtfüßigen Gängen. Diese Blütezeit der Friesenzucht ebnete den Weg für einige heute noch wohlbekannte Stempelhengste, deren Einfluss die Friesenzucht der Gegenwart formgebend mitprägte.

Mark 232 Preferent
17.04.1964 – 24.06.1986, Tetman 205 x Ritske 202 P, Stam 067

Ausgerechnet ein 1964 abgekörter KFPS-Deckhengst sollte zwei Söhne liefern, die die Friesenzucht so maßgeblich prägen sollten, dass das moderne Erscheinungsbild der Rasse ohne den Beitrag dieser Hengstlinie heute kaum vorstellbar wäre. Es handelt sich um den 1956 geborenen Tetman 205 (Ewold 181 x Age 168), der 1964 abgekört wurde. Seine beiden so einflussreichen Söhne sind der 1962 geborene Jarich 226 (Tetman 205 x Lutsen 192) und der 1964 zur Welt gekommene Mark 232 P.

Mark 232 P zeugte in seinen 22 Lebensjahren 11 gekörte Söhne, darunter die nicht minder einflussreichen Preferenthengste Hearke 254 (aus dessen direkter Linie Hengst-Größen wie Teunis 332 P, Brandus 345 P und Jasper 366 P entstammen)  und Jochem 259 (Vater von Feitse 293 P, Großvater von Leffert 306 P), sowie Ygram 240, dessen direkte Linie vor allem durch seinen Urenkel Maurits 437 und seine 3 gekörten Söhne ebenfalls bis heute weiterbesteht. Als Muttervater von weiteren fünf KFPS-Deckhengsten und Vater unzähliger Prädikatsstuten ist Mark 232 P heute in beinahe jedem Friesenpapier zu finden und gilt somit als einer der maßgeblichsten Stempelhengste der jüngeren KFPS-Geschichte.

Seine Popularität bei den Züchtern wurde zusätzlich durch seine Erfolge bei der Hengstenkeuring befeuert – zwischen 1969 und 1975 wurde der Ausnahmehengst 3-facher Kampioen sowie 4 mal Reserve-Kampioen der HK.

Tsjalling 235 Preferent
21.03.1967 – 07.09.1995, Hotse 223 x Bouke 174 P, Stam 050

Der 166 cm große Sohn des 3-fachen HK-Kampioens Hotse 223 wurde 1970 in den Deckdienst berufen und deckte 18 Jahre lang erfolgreich. Seine Vererbungsleistung bescherte ihm 7 gekörte Söhne, unter denen Ferdinand 252 und Jelmer 297 seine direkte Linie bis in die Gegenwart weiterführen sollten. Seine Töchter brachten ihm wiederum 6 gekörte Enkelsöhne, darunter den abgekörten Sportpionier Adel 357 und den kürzlich verstorbenen Ielke 382.

Tsjalling 235 P selbst wurde 1979, am Höhepunkt seiner Beliebtheit bei den Züchtern, Kampioen der Hengstenkeuring und lieferte im Laufe seiner Deckkarriere eine ganze Reihe einflussreicher Zuchtstuten, darunter z.B. die 1980 geborene Whita Model Pref, die eine wichtige Rolle in der “goldenen” Boszorg-Linie spielte.

Tsjalling 235 P verstarb im Alter von 28 Jahren und wurde 2008 posthum mit dem Preferentprädikat geehrt.

Wessel 237 Preferent
*13.05.1968, Jarich 226 x Ritske 202 P, Stam 044

Wessel 237 P, ein Enkel des abgekörten Tabe 203, wurde ab 1971 in der KFPS-Zucht eingesetzt und deckte bis 1987.
In dieser Zeit wurden 6 seiner Söhne vom KFPS gekört, unter ihnen einflussreiche Vererber wie Oepke 266, Oege 267 P und Djurre 284. Als Muttervater von weiteren 10 Deckhengsten kann man ihn als einen der “Mutterväter der modernen Friesenzucht” bezeichnen, zumal unter diesen Wessel-Enkeln Hengste wie Jurjen 303, Rypke 321 und Folkert 353 P auftauchen.

Sein überaus großer Einfluss auf die Friesenzucht zeigte sich auch im Erfolg seiner Töchter – mindestens 19 von ihnen trugen das Modelprädikat, unzählige weitere wurden mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.

Äußerst erfolgreich verlief auch seine Karriere in der Körbahn – Wessel 237 P ist mit großem Abstand der amtierende Rekordhalter in Sachen HK-Kampioenschap. Zwischen 1973 und 1980 wurde der Hengst ganze 6 Mal zum Kampioen ernannt, 1976 und 1979 war er HK-Reservechampion.

Hearke 254 Sport Preferent – “König der Friesen”
07.04.1973 – 19.09.1994, Mark 232 P x Tabe 203, Stam 043

Wer “KFPS-Friese” sagt, muss auch “Hearke 254 P” sagen – kaum ein anderer Hengst hat sich so in das kollektive Gedächtnis der Friesenszene gebrannt, wie der 1973 geborene Mark 232 P-Sohn aus der Gelbrich Model Pref (Tabe 203 x Held 140 P) Der von M. Brouwer gezogene Hearke 254 wurde 1976 als Deckhengst eingetragen und dominierte die Friesenzucht vor allem in den 1980er-Jahren wie kaum ein anderer vor ihm. 9 gekörte Söhne, 13-facher Muttervater von KFPS-Deckhengsten wie Onne 376, Dries 421 und Norbert 444 P, mindestens 19 Modeltöchter und eine schier unüberblickbare Anzahl an Prädikatsnachkommen brachten dem auch im Tuigsport erfolgreichen HK-Champion von 1985 den Beinamen “König der Friesen” ein. Er trug vor allem über seinen Sohn Reitse 272 P maßgeblich zur Modernisierung der Rasse hinsichtlich Sporteignung bei – ein Umstand, der sich auch heute noch in den dominierenden Vererbern der gegenwärtigen Zucht, Jasper 366 P, Beart 411 P und Norbert 444 P wiederfindet, welche allesamt in direkter oder indirekter Linie sein Blut führen.

Ob seiner unschätzbaren Vererberqualitäten ehrte das KFPS den im Alter von 21 Jahren verstorbenen Hearke 254 P im Jahr 2007 mit dem Preferent-Prädikat.

Jochem 259 Sport Preferent
27.05.1974 – 27.03.1998, Mark 254 P x Gerke 220, Stam 045

Jochem 259 P hatte – wie sein Halbbruder Hearke 254 P – massiven Einfluss auf die moderne Friesenzucht. Auch er war erfolgreich im Tuigsport und übertrumpfte seinen Halbbruder mit Erfolgen in der Körbahn – 1982 wurde er Kampioen der Hengstenkeuring, in den Jahren 1981 und 1983 wurde er zum Reserve-Champion ernannt. Trotzdem blieb er in der Gunst der Züchter in seiner 21 Jahre dauernden Deckkarriere zumeist hinter seinem Halbbruder zurück – nichtsdestotrotz hinterließ der im Alter von 24 Jahren verstorbene Stempelhengst eine beeindruckend erfolgreiche Nachkommenschaft. Unter seinen 5 gekörten Söhnen sollten vor allem Feitse 293 P und dessen Nachkommen eine tragende Rolle in der weiteren KFPS-Zucht spielen, doch auch die Hengste Tjimme 275, Tamme 276 und Jillis 301 trugen die direkte Linie bis in die Gegenwart. Auch als Muttervater konnte er reüssieren, 4 KFPS-Deckhengste tragen ihn auf diese Weise im Stammbaum.

Lammert 260 Preferent
09.01.1975 – 20.01.2003, Bjinse 241 x Evert 216, Stam 043

Lammert 260 P, geboren 1975 bei J. Grijpstra im niederländischen Ederveen, ist eine der tragenden Säulen, die das Überleben der unverwandten Hengstlinie von Age 168 bis in die Gegenwart sicherten. Der 1978 zum Deckdienst zugelassene Hengst war Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre äußerst beliebt bei den Züchtern, er deckte bis zu seinem Tode im Alter von stattlichen 28 Jahren und dank Gefriersperma (in sehr kleinem Umfang) noch mehr als ein Jahrzehnt darüber hinaus – seine letzte Deckung wurde 2016 registriert. Trotz seiner unerreicht langen Aktivzeit als Deckhengst und seiner 5 gekörten Söhne, konnte nur einer seiner gekörten Hengstnachkommen – nämlich Frans 289 – die direkte Linie bis in die Gegenwart retten. Deutlich erfolgreicher war der Einfluss von Lammert 260 P auf Muttervaterseite – unter seinen 10 gekörten Enkeln in indirekter Linie finden sich die überaus bedeutsamen Preferenthengste Olof 315 und Teunis 332. Von seinen über 400 im Erwachsenenalter gekörten Töchtern wurden 39% mit Ster oder höheren Prädikaten ausgezeichnet, 4 Modelstuten stammen von ihm ab und 39 Stuten konnten durch ihre Leistungen in das Zucht das Preferentprädikat erwerben.

Über die frühen Stempelhengste der KFPS-Zucht wurde bereits in Teil 1 und Teil 2 berichtet, im nächsten Teil der Serie möchte ich mich den Preferenthengsten widmen, die dem modernen Friesenpferd zum großen internationalen Durchbruch verhalfen.

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