FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 1)

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Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

In dieser Reihe möchte ich einen kompakten Überblick über all die Hengste geben, die bis zum heutigen Zeitpunkt aufgrund ihres prägenden Einflusses mit dem Preferent-Prädikat ausgezeichnet wurden.

Ulbe 100 Preferent
*28.04.1894, Nemo 51 x ?

Ulbe 100 ist der erste KFPS-Hengst im Stammbaum aller heutigen Friesen, der mit dem Preferentprädikat ausgezeichnet wurde. Der 1897 gekörte Hengst war der dritte in den Deckdienst beorderte Sohn des Hengststammbaumbegründers Nemo 51 und ist der einzige Hengstnachkomme dieses Vererbers, dessen direkte Linie heute noch fortbesteht. Geboren wurde der 158 cm kleine Hengst vor über 120 Jahren im niederländischen Hemrik bei Friesenzüchter E.P. van der Sluis.
Seinen größten Einfluss auf die Friesenzucht machte Ulbe 100 P zweifelsohne über seine gekörten Söhne Victor 110 und Friso 117 P geltend.

Sultan 105 Preferent
09.04.1897 – 27.05.1910, Drenthe I 91 x De Regent 32

Der 1900 gekörte Sultan 105 P war ein Abkömmling aus der mittlerweile ausgestorbenen Hengstlinie des Landzoon 46. Der in der Stoeterij de Oorsprong gezüchtete Hengst konnte zwar keine eigenen Söhne in den Deckdienst beisteuern, schlägt aber als Muttervater von Us Heit 126 zu Buche, welcher wiederum als Muttervater (u.a. von Knilljes 141) großen Einfluss auf die moderne Friesenzucht nehmen konnte.

Prins 109 Preferent
*27.03.1898, Frits 95 x Onsta II 79

In Siegerswoude, NL bei E.S. van den Bosch geboren, gilt Prins 109 P heute als Begründer einer eigenen Hengstdynastie, deren direkte Linie in den 1950er Jahren ausstarb. Vor allem über seinen Sohn Us Heit 126 konnte er seinen Einfluss auch auf die heutige Friesenzucht geltend machen, darüber hinaus bewies er seine prägende Vererbungsleistung als Muttervater von Paulus 121, Theunis 125, Bisschop 132 und Louw 142.

Alva 113 Preferent
*05.06.1899, De Regent 32 x Graaf Adolf 21, Stam 001

Der 1899 geborene Alva 113 stammte aus der mittlerweile ausgestorbenen Hengstlinie des Prins Hendrik 24. Der in der “Stoeterij de Oorsprong” zur Welt gekommene Alva 113 wurde 1902 vom KFPS gekört und zeugte in seiner, bis zu seiner Abkörung 1915 dauernden Karriere zwei gekörte Söhne – Oom 119 und Stefanus 124 – die gleichermaßen den Endpunkt der direkten Prins Hendrik-Linie darstellen. Zu immenser Bedeutung gelangte Alva 113 P indes als “Stutenmacher”. Seine Töchter (darunter 3 Modelstuten) bescherten ihm 8 gekörte Enkelsöhne, seine  1915 geborene Tochter Olga Hb begründete den  Stutenstamm 032. Im Besonderen war auch die von ihm gezeugte Rienkje Model (*1914) als Hengstmutter von Ynte 130 von großer Bedeutung für die Friesenzucht.
Noch existierende Aufnahmen von Alva 113 P dienen heute oftmals als Beleg dafür, dass der Typ des Friesenpferdes in seinen Ursprüngen keineswegs dem oft zitierten “schweren Schlag” entsprach, sondern deutliche Gemeinsamkeiten mit dem heute gezüchteten, “modernen” Friesentyp aufwies.

Friso 117 Preferent
*1901, Ulbe 100 P x Drenthe I 91

Friso 117 P ist wie sein Vater Ulbe 100 P und dessen Vater Nemo 51 ein Hengst, der sich im Stammbaum aller heute noch lebenden KFPS-Friesen wiederfindet, gehen auf ihn doch alle noch aktiven Deckhengste zurück. Der 1901 bei G.G. de Jong geborene Hengst wurde 1904 gekört und mit 164 cm eingemessen – ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlich großes Stockmaß. Friso 117 P konnte sich als Qualitätsvererber sehr gut durchsetzen, fünf seiner Söhne wurden in den Deckdienst berufen, darunter auch der 1913 geborene Paulus 121, der über seine Söhne, die Vollgeschwister Vredestichter 127 und Arend 131 P heute einen “Gabelpunkt” der großen, noch existierenden Hengstlinien darstellt. Als Muttervater von Beint 134 konnte er seinen Einfluss auch in indirekter Linie bis in die heutige Zeit erhalten.

Arend 131 Preferent
*12.04.1921, Paulus 121 x Aäron 114, Stam 013

Der aus der modelpreferenten Irma gezogene Arend 131 P war ein Sohn des bereits erwähnten Paulus 121. Er wurde 1924 in den Deckdienst beordert und war zu diesem Zeitpunkt 162 cm groß, gezogen wurde er von J.W. Hoogterp im niederländischen Deersum.
Arend 131 P ist der Vater der Preferenthengste Held 140 und Mengelberg 145 (neben drei weniger bedeutenden KFPS-Hengsten), zusätzlich festigte er seinen Einfluss auf die KFPS-Zucht als Muttervater von 7 weiteren Deckhengsten, unter welchen der ebenfalls preferente Stoffel 157 besonderer Erwähnung bedarf.

Danilo 137 Preferent
09.04.1924 – 24.12.1948, Vredestichter 127 x Alva 113 P, Stam 032

Der Sohn der Begründerin des Stutenstammes 032, Olga Hb, wurde 1927 durch das KFPS gekört und gelangte in seinen 21 Dienstjahren als Deckhengst zu unschätzbarem und bis heute nachreichendem Einfluss in der Friesenzucht. Der 160 cm große Danilo 137 P aus der Zucht von R. Zonneveld ist heute vor allem als Vater von acht gekörten Deckhengsten ein Begriff, darunter die Preferenthengste Obscurant 150 und Stoffel 157, darüber hinaus ist er als Muttervater von nicht weniger als 10 KFPS-Vererbern eingetragen. Doch auch als “Stutenmacher” konnte Danilo 137 P sich mehr als beweisen – 22 Modelstuten wurden von ihm gezeugt und auch eine der wichtigsten und bekanntesten Linienbegründerinnen des Stammes 050, die 1928 geborene Marianne Hb Pref stammt von diesem Hengst ab.

Held 140 Preferent
25.02.1928-01.12.1950, Arend 131 P x Paulus 121, Stam 013

Wie sein Vater Arend 131 P wurde auch Held 140 P von J.W. Hoogterp im niederländischen Deersum gezogen. Seine Mutter Clasina Model war eine Vollschwester von Arend 131 P und Vredestichter 127, diese unter heutigen Gesichtspunkten extrem enge Inzuchtanpaarung war nichtsdestotrotz von Erfolg gekrönt. Der nur 154 cm große Held 140 P wurde 1931 als Deckhengst gekört und lieferte die beiden Stmmbuchhengste Nammele 147 P und den 1945 abgekörten Waling 161, welcher trotz seiner nur 2 Jahre dauernden Deckkarriere den Grundstein für eine der erfolgreichsten Hengstlinien der modernen Frisenzucht legte – er ist der Stammvater der Preferenthengste Wessel 237, Mark 242 und Jochem 259. Doch auch die Töchter von Held 140 P gelangten zu großem Einfluss – unter ihnen finden sich 5 Modelstuten, darunter Hinke Model Pref (*1948), die über ihre berühmte Tochter Gelbrich Model Pref (*1961, v. Tabe 203) die Großmuuter des großen Hearke 254 P ist. Über seine Stertochter Roozien ist Held 140 P außerdem der Muttervater von Ytsen 166.

In Teil 2 der Reihe “Friesenfokus: Preferenthengste” möchte ich mich den Hengsten widmen, deren Einfluss als Vererber die Rasse durch das dunkelste Kapitel Europas – den 2. Weltkrieg – manövrierte.

 

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