FriesenFokus: Kleine Papierkunde

Es wird viel diskutiert und ist oftmals von besonderem Interesse – das zum Pferd gehörige Papier.

Grundsätzlich dient ein solches Papier in erster Linie als Abstammungsnachweis, d.h. es werden darin vom ausstellenden Verband die Ahnen des betreffenden Pferdes dokumentiert und diese Abstammung bescheinigt. Daneben enthalten Pferdepapiere zumeist auch noch weitere wichtige Informationen wie Geburtsdatum, Farbe / Abzeichen, Name und Anschrift des Züchters etc.

Im Falle der Rasse des Friesenpferdes ist das KFPS als Mutterstammbuch in erster Linie für die Ausstellung der Papiere / Abstammungsnachweise verantwortlich. Zwar stellen mitunter auch andere Zuchtverbände Papiere für Friesen aus, dies ist i.d.R. aber ein Hinweis auf nicht spezialisierte und / oder unseriöse Züchter. Das KFPS erkennt hinsichtlich der vereinsinternen Zuchtpolitik keine Friesen mit verbandsfremden Papieren an.

Um Friesenneulingen das Lesen und Verstehen von KFPS-Papieren etwas zu erleichtern, möchte ich im Folgenden einen kurzen Überblick über die Informationen geben, die sich aus einem solchen Abstammungspapier eruieren lassen.

Seit Januar 2015 gibt das KFPS seine Abstammungsnachweise für im Hauptbuch registrierte Pferde in einem blau / weißen Corporate-Design aus. Pferde, welche in den Beibüchern registriert sind, erhalten ein schwarz / weißes Papier.

Papier Muster

Davor waren Hauptbuchpapiere in einem charakteristischen gelb/grünen Design gehalten, das auch heute noch vielen Besitzern von älteren Friesen geläufig ist.

Papier Muster alt

Der Informationsgehalt beider Versionen ist gleichwertig, lediglich das Design hat sich geändert.

Welche Informationen sind auf dem Papier enthalten?

Papier Muster mit Übersetzung

Kopfzeile:

  • Register
    Darunter wird angegeben, in welchem KFPS-Register (Fohlenbuch, Stammbuch, Wallachbuch) das Pferd zum Zeitpunkt der Papierausfertigung geführt wird.
  • Geschlecht
    Hengst (Hengst), Merrie (Stute) oder Ruin (Wallach)
  • Reg.-Nummer
    Langversion der KFPS-Registriernummer
  • Chipnummer
    einmalige Nummer des an der linken Halsseite implantierten Mikrochips des betreffenden Pferdes
  • Geburtsdatum
  • Inzuchtkoeffizient (über 6 Generationen errechnet)
  • Stutstamm
    Die Nummer des Stutenstammes kann interessante Erkenntnisse über die Zuchtsicherheit der Abstammungslinie liefern. Stutenstämme können von KFPS-Mitgliedern über die Webseite des KFPS eingesehen werden.
  • Name

Unter der Kopfzeile finden sich folgende Informationen

  • Farbe / Kleur
    Im Regelfall Zwart (schwarz), extrem selten werden auch immer noch Füchse geboren (vos).
  • erlaubte Abzeichen / Aftekenning toegestaan
  • nicht erlaube Abzeichen / Aftekenning niet toegestaan

Rechts unter der Kopfzeile finden sich KFPS-Mitgliedsnummer (R-…), Name und Anschrift des Züchters (Fokker) und der ehemaligen und aktuellen Eigentümer (Eigenaar). Eigentümerwechsel erfordern die Rückstellung des Papiers an das KFPS, wo der neue Eigentümer eingetragen und das diesbezüglich geänderte Papier zurückgesandt wird. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es sehr ratsam ist, beim Veröffentlichen von Papieren in Internetforen etc. diesen Bereich abzudecken oder zu schwärzen, um etwaige Datenschutzverletzungen zu vermeiden.

Der größte Teil des Papiers wird durch die Dokumentation der Abstammung des Pferdes über vier Generationen eingenommen (dazu weiter unten mehr). Rechts daneben befindet sich eine kurze niederländische Erklärung, die klarstellt, dass der Abstammungsnachweis Eigentum des KFPS ist –  deshalb muss dieses Dokument bei Verkauf oder Ableben des Pferdes an den Verband zurückgegeben werden.
Darunter ist das Datum der Ausstellung des aktuellen Papiers vermerkt (Afgegeven).

Register und Prämien

Papier Muster Prämien

  • Registereintragungen
    Unter diesem Punkt werden alle Übertragungen des Pferdes in die verschiedenen Register des KFPS-Stammbuches dokumentiert. Beispielsweise wird hier angeführt, wann eine Stute vom Fohlenbuch (Vb) in das Stammbuch (Stb) übertragen wurde.
  • erhaltene Prämien
    Ein besonderes interessanter Punkt sind die im Papier vermerkten Prämien, die das betreffende Pferd im Laufe seines Lebens erhalten hat. Jede Beurteilung durch eine KFPS-Jury im Zuge einer offiziellen KFPS-Körveranstaltung wird im Papier vermerkt.

Die Abstammung

Der wichtigste und informativste Teil des KFPS-Papiers ist sicherlich der dokumentierte Stammbaum des Pferdes. Hier sind alle Vorfahren über vier Generationen inklusive ihrer Prädikate aufgeführt.
Grundsätzlich ist dabei zwischen der Vaterseite (oberer Zweig des Stammbaums) und der Mutterseite zu unterscheiden. Während die Vorzüge und Schwächen der Vaterseite zumeist bekannt oder relativ leicht zu recherchieren sind, kann die Mutterseite (und darin vor allem die Mutterlinie) viele hochinteressante Details offenbaren.

Der Begriff “Mutterlinie” (nl. moederlijn) bezeichnet die Linie der jeweils weiblichen Vorfahren des Pferdes, d.h. die Mutter, die Großmutter mütterlicherseits usw. Somit findet sich die Mutterlinie als unterster Zweig des Stammbaumes.

Papier Muster ML

Friesenkenner messen diesem Teil des Papiers zumeist besondere Bedeutung bei. Umso mehr und höhere Prädikate sich in der Mutterlinie finden, desto wertvoller die Abstammung des Pferdes.

Folgende Bezeichnungen und Abkürzungen werden in KFPS-Papieren verwendet:

  • Vb M (Fohlenbuchstute)
  • Stb (Stammbuchstute)
  • Ster
  • Kroon
  • Model
  • Pref* (Preferent; die Zahl nach dem * gibt an, wieviele Nachkommen der Stute Prädikate tragen)
  • Prestm (Prestatiemoeder / Leistungsmutter; Stute mit mindestens 3 Nachkommen, die das Sportprädikat tragen oder im Zuge eines IBOP / ABFP mehr als 75 Punkte erreicht haben)
  • Sport / Sport-Elite (Träger des Sport- / Elite-Sportprädikats)

Tragen die Stuten der Mutterlinie in allen vier Generationen höhere Prädikate (Ster oder höher bzw. Preferent), spricht man von einem “vollen Papier” (nl. vol papier), was als besonderes Qualitätsmerkmal gilt.
Das fiktive Pferd im obigen Beispiel würde über ein solches vol papier verfügen.

Für die korrekte Angabe der Abstammung eines Pferdes ist es auch wichtig zu wissen, welche Hengste dafür von besonderer Bedeutung sind.

Papier V - MV - MMVÜblicherweise gibt man die Abstammung eines Pferdes durch die Aufzählung von Vater, Muttervater (d.h. Vater der Mutter) und Mutter-Muttervater (d.h. Vater der Mutter der Mutter des Pferdes) an, jeweils getrennt durch ein “x”. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch nur die Kürzel V, MV und MMV genutzt. Das fiktive Pferd auf obigem Papier hätte die Abstammung Pier 448 (V) x Nykle 309 (MV) x Jochem 259 P (MMV).

PFERD Wels 2018

4 Tage, 250 Aussteller, rund 50.000 Besucher – die PFERD Wels war auch 2018 wieder ein Highlight in der österreichischen und internationalen Pferdefachwelt.

Mit dabei waren selbstverständlich und mittlerweile traditionell auch die Friesenfreunde Österreich, die mit großem Engagement, viel Herzblut und einer ordentlichen Portion Kompetenz das Friesenpferd in glänzendem Licht darstellten.

Wie bereits im Vorjahr präsentierten die FFÖ – unter der Leitung von Obfrau Angelika Mangweth – dem interessierten Publikum täglich zwei Mal die Rasse und ihre Besonderheiten. Daneben war der KFPS-Tochterverein mit einem äußerst schicken Informationsstand vertreten, an dem neben einem breiten Angebot an Infofoldern und wunderschönen Video- und Diashows auch durchgehend persönliche Beratungs- und Informationsgespräche durch die anwesenden FFÖ-Mitglieder geführt wurden.

Die tägliche Showvorführung der FFÖ im zentral gelegenen Krone-Ring war sicherlich eines der Highlights der gesamten Messe, was sich auch an den jedes Mal zum Bersten gefüllten Zuschauerrängen ablesen ließ.

Angeführt wurde der bunte Reigen von den Schwestern Regina und Kristina Radl (Reitstall Radl), wahren Showprofis unter den Friesenleuten, die seit Jahren ein fixer Bestandteil des FFÖ-Showteams auf der PFERD Wels sind.
In wunderschönen Barockkostümen präsentierten sie ihre beiden Wallache Fede und Tristan (Fridse 423 x Fede 350) in einem überaus harmonischen und detailreich inszenierten Pas-des-deux, dem es auch an Elementen aus der S-Dressur und der Zirzensik nicht mangelte.

Ein Novum brachte der ebenfalls traditionelle Auftritt von Claudia Prexl (Friesen Exklusiv) mit sich – sie hatte in diesem Jahr erstmals nicht ihren Valentin eingespannt, der in den letzten Jahren zu einer regelrechten Institution der PFERD Wels avanciert war. Stattdessen brachte Claudia ihren Nachwuchs-Kracher mit, den Sterhengst Hielke van ‘t Grupje (Reinder 452 x Oege 267 P), der vor dem Showbuggy bewies, dass er die großen Fußabdrücke seines Vorgängers durchaus zu füllen vermag.
Darüber hinaus war der schöne Hielke auch der Liebling vieler Besucher am Messestand – sein beeindruckendes Exterieur und sein überaus liebenswerter Charakter machen dieses Pferd zu einem ganz besonderen Rassevertreter.

Neu im Messe-Showteam präsentierten sich in diesem Jahr Sandra Plasser (barockhengste.at) und Gerald Kandler. Sandra sattelte ihr 15-jähriges Bewegungswunder ‘Ramiro’ (Stb-Name Jelmer van Ikkerwâld, Jasper 366 P x Jakob 302), der unter seiner Reiterin sichere Lektionen aus der S-Dressur und zirzensische Gusto-Stückerl präsentierte. Gemeinsam mit diesem schönen Paar präsentierte Gerald Kandler seine 15-jährige Stb-Stute Nynke fan it Jaachpaad (Folkert 353 P x Krist 358), die zeigte, dass nicht nur Friesenhengste als Showpferde brillieren können.

Eine besondere Überraschung bescherte die souverän und charmant moderierende FFÖ-Obfrau Angelika Mangweth Sandra Plasser, die im ganzen Messetrubel ihren Geburtstag feierte. Mit vollem Einsatz brachte sie das anwesende Publikum dazu, ein gemeinsames “Happy Birthday” für die sichtlich gerührte Sandra anzustimmen, für das sich das Geburtstagskind mit einer besonders starken und von reichlich Applaus begleiteten Ehrenrunde bedankte.

Den Abschluss der Showvorführungen bestritten Sarah Fritzenwanker auf dem wunderschönen Sterhengst Wijnand van de Zwarte Diamant (Fabe 348 P x Heinse 354 P) und Alexandra Buschmann auf ihrem Showman ‘Caruso’ (Stb-Name Japie fan ‘e Hearresyl, Rik 396 x Djurre 284). In einem atemberaubend schön choreografierten Pas-des-deux zu stimmiger Musik rührten die beiden blonden Damen auf ihren schwarzen Prachtburschen das Publikum mit Lektionen aus der hohen Dressur und zirzensischen Elementen. Ein besonderes Highlight bot sich dem Publikum, als Alexandra Buschmann ihrem ‘Caruso’ mitten in der Arena das Zaumzeug abnahm, um ihn nur mithilfe eines blumengeschmückten Halsrings weiter durch die anspruchsvolle Choreografie zu reiten.

Da Sarah Fritzenwanker an zwei Messetagen verhindert war, entschied sich Kristina Radl kurzfristig, für sie im finalen Pas-des-deux einzuspringen. Alexandras ‘Caruso’ und Kristinas Tristan ergaben ein überraschend harmonisches Paar, das die spontan gestaltete Choreografie in Perfektion dem Publikum präsentierte.

In der zweiten Vorführung drehte sich alles um die Friesenzucht und den Rassestandard. Überaus kompetent und charmant führte FFÖ-Obfrau Angelika Mangweth das interessierte Fachpublikum in die Welt von Zuchtschauen, Prädikaten und IBOP-Prüfungen ein. Als “Anschauungsmaterial” hatte Fam. Prexl / Friesen Exklusiv den 4-jährigen Hengst Tymon Ven (Bartele 472 x Sytse 285) mitgebracht, der von Perry Prexl an der Hand und später von der talentierten jungen Reiterin Anna-Lena unter dem Sattel vorgestellt wurde. Der erst seit 2 Monaten in Beritt stehende Junghengste bewies bei seinem ersten großen Auftritt nicht nur seine extravagante Dressurveranlagung, sondern auch das friesentypisch coole Temperament.

Um auch den österreichischen Zuchtprodukten eine Bühne zu bieten, wurde die Rassepräsentation durch den “Liebling der Herzen” ergänzt – der kleine Horten fan Limbach (Erryt 488 x Jasper 366 P) eroberte die Herzen des Publikums im Sturm, wenngleich seine Kapriolen die aus dem Ring moderierende Angelika Mangweth manchmal in ziemliche Bedrängnis brachten.
Seine Mutter Detsje fan ‘e Skâns Ster (Jasper 366 P x Teunis 332 P) bewies darüber hinaus, dass sich die Eleganz und Schönheit der schwarzen Perlen sicher nicht nur auf das männliche Geschlecht beschränkt.

Hinter den Kulissen herrschte eine lockere, humorvolle Atmosphäre und so wurde reichlich gescherzt und gefachsimpelt. Die spärliche Freizeit in den emsigen Messetagen nutzten wir für zahlreiche Spontan-Shootings an den Ufern der Traun, bei denen einige wirklich fantastische Bilder entstanden sind.
Mir war es eine große Freude, auch dieses Jahr wieder ein kleines Rädchen in diesem engagierten Messeteam gewesen zu sein und mit so vielen sympathischen alten und neuen Gesichtern ein paar Tage ganz unser aller Leidenschaft – den Friesen – zu fröhnen.

Levenstotalen 2017 – Statistische Auswertungen

Nachdem die offiziellen Levenstotalen mit der Hengsteninformatie 2018 erschienen sind, wird es Zeit, die Performance der KFPS-Hengste in “alter” Tradition in viele bunte Statistiken zu verpacken :).

Nach den Preferenterklärungen von Olof 315 und insbesondere Norbert 444 stellt sich die Frage, wie es um die aktuellen Preferentschaftspunkte der Top-Hengste bestellt ist, zumal bereits aus dem Vorjahr bekannt ist, dass auch andere Hengste die “magische Grenze” der individuell errechneten Soll-Punktzahl erreicht haben sollten.

Preferentpunkte 2018

Ich habe zur besseren Übersicht die Mindestanzahl von 700 Preferentschaftspunkten mit einer roten Linie markiert und bei den noch nicht preferent erklärten Hengsten die errechnete Soll-Punktzahl (Anzahl registrierter Nachkomen [5-jährig +]*0,51 + 150 Punkte) mit einem grünen Balken neben die tatsächlich bereits erreichten Punkte gestellt (Berechnung ohne Gewähr).

Wie aus der Grafik deutlich ersichtlich, ist es nicht unbedingt logisch nachvollziehbar, warum Onne 376, Doaitsen 420, Jakob 302, Fetse 349 und Andries 415 noch nicht mit dem Preferent-Prädikat ausgezeichnet wurden, obwohl sowohl ihre Soll-Punktzahl als auch ihre tatsächlich erreichten Punkte deutlich über der 700 Punkte-Marke liegen.
Laut Reglement müsste hinsichtlich dieses Umstands eigentlich eine Erklärung des KFPS im NL-PHRYSO erscheinen – man darf also gespannt sein.

In de uitzonderlijke gevallen dat de inspectie reden heeft om af te zien van toekenning, wordt eerst de eigenaar en later in de Phryso de leden hiervan met een uitgebreide onderbouwing en volledige openheid in kennis gesteld.

KFPS-Registratiereglement, Art.13/7

Mit dem Verkauf von Thorben 466 in die USA verlässt wieder ein für die Zucht wertvoller Vererber Europa, auch Tonjes 459 und Date 477 gehen für die kommende Saison zurück in die Vereinigten Staaten und Mewes 438 dürfte bereits in seiner neuen Heimat Südafrika angekommen sein. Grund genug, sich die weltweite Verteilung der KFPS-Deckhengste näher anzusehen.

Hengst nach Land 2018

Derzeit sind 94 Deckhengste (offiziell) aktiv in der Zucht, davon sind 63 in den Niederlanden stationiert, 4 weitere befinden sich in der EU außerhalb NL (darunter der in Deutschland stationierte Maurus 441). Die USA beherbergen (Thorben 466, Tonjes 459 und Date 477 bereits miteingerechnet) 21 KFPS-Deckhengste, in Südafrika sind neben Mewes 438 auch der Top-Vererber Dries 421, GP-Hengst Anders 451 sowie Wierd 409, Tjalf 443 und Fetse 349 aufhältig.

An dieser Stelle möchte ich auch auf den aktualisierten FPI-Hengststammbaum 2018 hinweisen, der einen schnellen Überblick über die direkte Abstammung der aktiven Deckhengste bietet. Die Grafik ist auch im FPI-Hengstregister verlinkt.

Nach den zahlreichen Todesfällen im vergangenen Monat (z.B. Anton 343 P, Ielke 382, Wikke 404) ist es auch interessant, sich mit der aktuellen Alterstruktur der noch lebenden KFPS-Deckhengste näher zu befassen.

Alterstruktur Stand 28-01-2018

Der definitiv älteste noch lebende Deckhengst ist derzeit Ulke 338, der seit 2014 seine Rente genießt – er ist mittlerweile stolze 28 Jahre alt. Möglicherweise wird sein Alter noch vom 1989 geborenen Rypke 321 überboten – bislang wurde über einen eventuellen Tod dieses seit 2009 nicht mehr aktiven (und von Skandalen gebeutelten) Altvererbers nichts veröffentlicht und auch das KFPS führt ihn noch als lebendig, allerdings ist die diesbezügliche Informationslage recht dünn.

Abe 346 wird dieses Jahr 26 Jahre alt, Fetse 349 und Fede 350 feiern 2018 ihren 25. Geburtstag. Mit 23 Jahren folgt darauf der preferente Jasper 366, der kürzlich auf der HK bewies, dass ein Hengst auch in seinem honorigen Alter noch lange nicht zum alten Eisen gehören muss.

Der Altersdurchschnitt der KFPS-Deckhengste liegt derzeit bei 13,52 Jahren, das durchschnittliche Sterbealter (errechnet aus 114 Hengsten mit bestätigtem Todesdatum) liegt bei 17,49 Jahren. Den Altersrekord unter den KFPS-Deckhengsten hält (lt.KFPS-Datenbank) Wybren 236 (1968-2002) mit 34 Jahren, gefolgt von Gerlof 294 (*1984) und Lute 304 (*1986), die beide stolze 30 Jahre alt wurden.

Hohes Alter und lange Deckkarrieren sind neben der Beliebtheit bei den Züchtern ein wichtiger Faktor hinsichtlich des Einflusses, den ein KFPS-Deckhengst auf die Zucht nehmen kann. Neben den gekörten Söhnen, die ein Hengst in die Zucht bringt, sind natürlich auch Anzahl und Qualität seiner Stutnachkommen maßgeblich.

Dahingehend weisen die publizierten Levenstotalen auch die Anzahl der im Stammbuch registrierten Stutnachkommen der einzelnen Hengste und deren Prädikate aus:

Stuten 2018 relativ

An den vordersten 5 Positionen in dieser Topliste nach Anzahl hat sich seit dem Vorjahr nichts verändert, Onne 376 und Beart 411 P haben sich jedoch deutlich weiter nach vorne platziert (ein Trend, der sich wohl noch fortsetzen wird). Besonders eindrücklich ist dabei die Anzahl an höheren Prädikatsstuten (Kroon & Model), die Beart 411 P bislang in die Zucht gebracht hat. Kein anderer Hengst kann ihm darin zur Zeit das Wasser reichen.

Doch auch im prozentualen Bereichen nach Prädikaten finden wir Beart 411 P weit vorne, beim Anteil an Kroon- und Model-Stuten ist er sogar Spitzenreiter unter den Hengsten:

Stuten 2018 prozentual

Züchterliebling Alwin 469 hat sich mit seinen 36 gekörten Töchtern vorläufig noch vor Tsjalle 454 an die Spitze gesetzt. Sein immens hoher Steranteil von 69,44% basiert aber auf einer relativ kleinen Gruppe von Stutnachkommen, somit kann sich dies bereits in der kommenden Körsaison wieder drastisch verändern.

Ein wichtiges Vererbungsmerkmal, das vor allem in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen hat, ist die Leistungsveranlagung für den Sport. Das vom KFPS vergebene Sportprädikat und dessen hochwertige Elite-Version zeichnet Pferde aus, die sich durch besonderen Erfolg im Sport hervorgetan haben. Laut Levenstotalen wurden bis Dezember 2017 1259 Sportprädikate und 44 Elite-Sportprädikate an Nachkommen von KFPS-Deckhengsten vergeben – die stärksten Väter in dieser Hinsicht sind in der nächsten Grafik aufgeführt:

Sportnachkommen

Der im Vorjahr verstorbene Fabe 348 P führt – wie schon im letzten Jahr – die Topliste der Leistungsvererber an. Die meisten Elite-Sportprädikate (3) gehen bisher ex aequo auf das Konto seines Sohnes Sape 381, der sich ebenfalls unter den Top-Hengsten in dieser Aufstellung platzieren konnte und auf jenes von Preferenthengst Beart 411, der in der Liste knapp vor seinem Vater Jasper 366 P auf Platz 2 aufscheint.

Mit dieser Bestandsaufnahme der Levenstotalen 2017 starten wir nun bald in die Saison 2018 – die ersten ABFP-Tests laufen bereits und in wenigen Wochen werden auch wieder die ersten Körergebnisse auf ihre Analyse warten. Ich freue mich schon darauf, die deutschsprachige Friesenwelt auch 2018 wieder mit jeder Menge Infos und Wissenswertem zu versorgen :).

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 3)

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Nach dem 2. Weltkrieg steuerte die Population des KFPS-Friesenpferdes zunehmend in eine krisenhafte Entwicklung – mehr und mehr verschwand die Rasse aus dem Alltag der friesischen Bevölkerung und die Populationsgröße schrumpfte auf ein besorgniserregendes Maß zusammen. Dies veranlasste die Reitvereinigung “De Oorsprong” dazu, ab 1967 einen Werbefeldzug für das Friesenpferd zu starten, welcher der Rasse in den folgenden Jahrzehnten zu unerwarteter Popularität verhelfen sollte.

Die Ankörung moderner, typvoller Hengste und die vermehrte Selektion auf die Eignung für den immer populärer werdenden Freizeitsportbereich veränderten den in den Kriegszeiten etablierten Typ des schweren “Landbouwpaard” zunehmend zurück zu den Wurzeln des Friesenpferdes, einem eleganten Karrossier- und Reitpferd mit imposanter Erscheinung und kadenzierten, leichtfüßigen Gängen. Diese Blütezeit der Friesenzucht ebnete den Weg für einige heute noch wohlbekannte Stempelhengste, deren Einfluss die Friesenzucht der Gegenwart formgebend mitprägte.

Mark 232 Preferent
17.04.1964 – 24.06.1986, Tetman 205 x Ritske 202 P, Stam 067

Ausgerechnet ein 1964 abgekörter KFPS-Deckhengst sollte zwei Söhne liefern, die die Friesenzucht so maßgeblich prägen sollten, dass das moderne Erscheinungsbild der Rasse ohne den Beitrag dieser Hengstlinie heute kaum vorstellbar wäre. Es handelt sich um den 1956 geborenen Tetman 205 (Ewold 181 x Age 168), der 1964 abgekört wurde. Seine beiden so einflussreichen Söhne sind der 1962 geborene Jarich 226 (Tetman 205 x Lutsen 192) und der 1964 zur Welt gekommene Mark 232 P.

Mark 232 P zeugte in seinen 22 Lebensjahren 11 gekörte Söhne, darunter die nicht minder einflussreichen Preferenthengste Hearke 254 (aus dessen direkter Linie Hengst-Größen wie Teunis 332 P, Brandus 345 P und Jasper 366 P entstammen)  und Jochem 259 (Vater von Feitse 293 P, Großvater von Leffert 306 P), sowie Ygram 240, dessen direkte Linie vor allem durch seinen Urenkel Maurits 437 und seine 3 gekörten Söhne ebenfalls bis heute weiterbesteht. Als Muttervater von weiteren fünf KFPS-Deckhengsten und Vater unzähliger Prädikatsstuten ist Mark 232 P heute in beinahe jedem Friesenpapier zu finden und gilt somit als einer der maßgeblichsten Stempelhengste der jüngeren KFPS-Geschichte.

Seine Popularität bei den Züchtern wurde zusätzlich durch seine Erfolge bei der Hengstenkeuring befeuert – zwischen 1969 und 1975 wurde der Ausnahmehengst 3-facher Kampioen sowie 4 mal Reserve-Kampioen der HK.

Tsjalling 235 Preferent
21.03.1967 – 07.09.1995, Hotse 223 x Bouke 174 P, Stam 050

Der 166 cm große Sohn des 3-fachen HK-Kampioens Hotse 223 wurde 1970 in den Deckdienst berufen und deckte 18 Jahre lang erfolgreich. Seine Vererbungsleistung bescherte ihm 7 gekörte Söhne, unter denen Ferdinand 252 und Jelmer 297 seine direkte Linie bis in die Gegenwart weiterführen sollten. Seine Töchter brachten ihm wiederum 6 gekörte Enkelsöhne, darunter den abgekörten Sportpionier Adel 357 und den kürzlich verstorbenen Ielke 382.

Tsjalling 235 P selbst wurde 1979, am Höhepunkt seiner Beliebtheit bei den Züchtern, Kampioen der Hengstenkeuring und lieferte im Laufe seiner Deckkarriere eine ganze Reihe einflussreicher Zuchtstuten, darunter z.B. die 1980 geborene Whita Model Pref, die eine wichtige Rolle in der “goldenen” Boszorg-Linie spielte.

Tsjalling 235 P verstarb im Alter von 28 Jahren und wurde 2008 posthum mit dem Preferentprädikat geehrt.

Wessel 237 Preferent
*13.05.1968, Jarich 226 x Ritske 202 P, Stam 044

Wessel 237 P, ein Enkel des abgekörten Tabe 203, wurde ab 1971 in der KFPS-Zucht eingesetzt und deckte bis 1987.
In dieser Zeit wurden 6 seiner Söhne vom KFPS gekört, unter ihnen einflussreiche Vererber wie Oepke 266, Oege 267 P und Djurre 284. Als Muttervater von weiteren 10 Deckhengsten kann man ihn als einen der “Mutterväter der modernen Friesenzucht” bezeichnen, zumal unter diesen Wessel-Enkeln Hengste wie Jurjen 303, Rypke 321 und Folkert 353 P auftauchen.

Sein überaus großer Einfluss auf die Friesenzucht zeigte sich auch im Erfolg seiner Töchter – mindestens 19 von ihnen trugen das Modelprädikat, unzählige weitere wurden mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.

Äußerst erfolgreich verlief auch seine Karriere in der Körbahn – Wessel 237 P ist mit großem Abstand der amtierende Rekordhalter in Sachen HK-Kampioenschap. Zwischen 1973 und 1980 wurde der Hengst ganze 6 Mal zum Kampioen ernannt, 1976 und 1979 war er HK-Reservechampion.

Hearke 254 Sport Preferent – “König der Friesen”
07.04.1973 – 19.09.1994, Mark 232 P x Tabe 203, Stam 043

Wer “KFPS-Friese” sagt, muss auch “Hearke 254 P” sagen – kaum ein anderer Hengst hat sich so in das kollektive Gedächtnis der Friesenszene gebrannt, wie der 1973 geborene Mark 232 P-Sohn aus der Gelbrich Model Pref (Tabe 203 x Held 140 P) Der von M. Brouwer gezogene Hearke 254 wurde 1976 als Deckhengst eingetragen und dominierte die Friesenzucht vor allem in den 1980er-Jahren wie kaum ein anderer vor ihm. 9 gekörte Söhne, 13-facher Muttervater von KFPS-Deckhengsten wie Onne 376, Dries 421 und Norbert 444 P, mindestens 19 Modeltöchter und eine schier unüberblickbare Anzahl an Prädikatsnachkommen brachten dem auch im Tuigsport erfolgreichen HK-Champion von 1985 den Beinamen “König der Friesen” ein. Er trug vor allem über seinen Sohn Reitse 272 P maßgeblich zur Modernisierung der Rasse hinsichtlich Sporteignung bei – ein Umstand, der sich auch heute noch in den dominierenden Vererbern der gegenwärtigen Zucht, Jasper 366 P, Beart 411 P und Norbert 444 P wiederfindet, welche allesamt in direkter oder indirekter Linie sein Blut führen.

Ob seiner unschätzbaren Vererberqualitäten ehrte das KFPS den im Alter von 21 Jahren verstorbenen Hearke 254 P im Jahr 2007 mit dem Preferent-Prädikat.

Jochem 259 Sport Preferent
27.05.1974 – 27.03.1998, Mark 254 P x Gerke 220, Stam 045

Jochem 259 P hatte – wie sein Halbbruder Hearke 254 P – massiven Einfluss auf die moderne Friesenzucht. Auch er war erfolgreich im Tuigsport und übertrumpfte seinen Halbbruder mit Erfolgen in der Körbahn – 1982 wurde er Kampioen der Hengstenkeuring, in den Jahren 1981 und 1983 wurde er zum Reserve-Champion ernannt. Trotzdem blieb er in der Gunst der Züchter in seiner 21 Jahre dauernden Deckkarriere zumeist hinter seinem Halbbruder zurück – nichtsdestotrotz hinterließ der im Alter von 24 Jahren verstorbene Stempelhengst eine beeindruckend erfolgreiche Nachkommenschaft. Unter seinen 5 gekörten Söhnen sollten vor allem Feitse 293 P und dessen Nachkommen eine tragende Rolle in der weiteren KFPS-Zucht spielen, doch auch die Hengste Tjimme 275, Tamme 276 und Jillis 301 trugen die direkte Linie bis in die Gegenwart. Auch als Muttervater konnte er reüssieren, 4 KFPS-Deckhengste tragen ihn auf diese Weise im Stammbaum.

Lammert 260 Preferent
09.01.1975 – 20.01.2003, Bjinse 241 x Evert 216, Stam 043

Lammert 260 P, geboren 1975 bei J. Grijpstra im niederländischen Ederveen, ist eine der tragenden Säulen, die das Überleben der unverwandten Hengstlinie von Age 168 bis in die Gegenwart sicherten. Der 1978 zum Deckdienst zugelassene Hengst war Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre äußerst beliebt bei den Züchtern, er deckte bis zu seinem Tode im Alter von stattlichen 28 Jahren und dank Gefriersperma (in sehr kleinem Umfang) noch mehr als ein Jahrzehnt darüber hinaus – seine letzte Deckung wurde 2016 registriert. Trotz seiner unerreicht langen Aktivzeit als Deckhengst und seiner 5 gekörten Söhne, konnte nur einer seiner gekörten Hengstnachkommen – nämlich Frans 289 – die direkte Linie bis in die Gegenwart retten. Deutlich erfolgreicher war der Einfluss von Lammert 260 P auf Muttervaterseite – unter seinen 10 gekörten Enkeln in indirekter Linie finden sich die überaus bedeutsamen Preferenthengste Olof 315 und Teunis 332. Von seinen über 400 im Erwachsenenalter gekörten Töchtern wurden 39% mit Ster oder höheren Prädikaten ausgezeichnet, 4 Modelstuten stammen von ihm ab und 39 Stuten konnten durch ihre Leistungen in das Zucht das Preferentprädikat erwerben.

Über die frühen Stempelhengste der KFPS-Zucht wurde bereits in Teil 1 und Teil 2 berichtet, im nächsten Teil der Serie möchte ich mich den Preferenthengsten widmen, die dem modernen Friesenpferd zum großen internationalen Durchbruch verhalfen.

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 2)

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

Nach einem Streifzug zu den Ursprüngen der KFPS-Zucht in Teil 1, möchte ich in Teil 2 der Reihe “FriesenFokus: Preferenthengste” auf die prägenden Vererber der Kriegs- und Nachkriegszeit eingehen. Diese Zeit war geprägt von einer regelrechten Krise in der Friesenzucht – die zunehmende Mechanisierung der bäuerlichen Betriebe in Friesland in den Nachkriegsjahren mündete in einer existenzbedrohenden Verkleinerung der Friesenpopulation – 1965 waren nur noch 500 Friesenstuten im Stammbuch registriert. Umso stärker und wichtiger war der Einfluss der bedeutenden Stempelhengste dieser Ära, trugen sie doch maßgeblich zum Erhalt der Rasse bei.

Mengelberg 145 Preferent
17.06.1932 – 01.03.1954, Arend 131 P x Danilo 137 P, Stam 033

1932 in enger Linie als Sohn von Arend 131 P aus der Danilo 137-Tochter Haitske Model Pref gezogen, wurde der 154 cm große Mengelberg 145 im Jahre 1935 als Deckhengst zugelassen. Trotz des harscher werdenden politischen und wirtschaftlichen Klimas im Angesicht des heraufziehenden 2. Weltkrieges, körte das KFPS vier seiner Söhne, darunter den oft als Linienbegründer zitierten Age 168, auf den die kleinste und damit züchterisch wertvollste, heute noch existierende Hengstlinie zurückgeht. Aus dieser spielen in der modernen Friesenzucht vor allem der kürzlich verstorbene Fabe 348 P und dessen Söhne Sape 381, Jorn 430 und Alke 468 eine bedeutende Rolle.
Auch als Muttervater von 4 weiteren KFPS-Deckhengsten prägte Mengelberg 145 P der Friesenzucht seinen Stempel auf, darüber hinaus erreichten 5 seiner Töchter das Modelprädikat.

Nammele 147 Preferent
*14.04.1933, Held 140 P x Theunis 125, Stam 029

Nammele 147 P wurde 1933 im Stall von L.W. Annema in den Niederlanden geboren, seine Mutter war die modelpreferente Aafke (*1921), die zuvor bereits den gekörten Elius 138 (*1925, v. Us Heit 126) gebracht hatte. Der 1937 mit einem Stockmaß von 159 cm gekörte Nammele 147 P zeugte in seiner Deckkarriere 4 gekörte Deckhengste, von denen aber nur einer – Lutsen 192 – seine Abstammungskörung bestand. Trotz der beachtlichen Anzahl an gekörten Söhnen starb die direkte Linie von Nammele 147 P aus, seine Vererbungsleistung gelangte aber durch seine vielen qualitätsvollen Töchter (9 Modelstuten, 5 Hengstmütter) zu prägendem Einfluss. Zu seinen wichtigsten Stutnachkommen zählen u.a. die zu Kriegsende 1945 geborene Eeldertsje Model Pref aus Stam 002, zu deren direkten Nachkommen neben dem Stb-Hengst Murk 196 auch 6 Modelstuten zählen, welche in den Mutterlinien einer ganzen Reihe von KFPS-Deckhengsten auftauchen.

Obscurant 150 Preferent
09.06.1934 – 01.01.1944, Danilo 137 P x Alva 113 P, Stam 019

Der bei J.J. de Vries geborene Danilo 137 P-Sohn Obscurant 150 spielte unter den Preferentengsten der Kriegszeit wahrscheinlich die bedeutendste Rolle. 1937 in den Deckdienst beordert, zeugte er trotz seiner verhältnismäßig kurzen Karriere 10 gekörte Söhne, darunter die später ebenfalls Preferent erklärten Hengste Aize 170 und Bouke 174, sowie Eelke 183, dessen Sohn Ritkse 202 P wiederum für den Fortbestand der direkten Hengstlinie bis in die Gegenwart sorgte. Mindestens 11 Töchter von Obscurant 150 P erhielten das Modelprädikat, zudem ist er der Muttervater von 3 KFPS-Deckhengsten. Seine Mutter Simontje Stb Pref brachte neben Obscurant 150 auch dessen abgekörten Vollbruder Nicolson 146 und den 1930 gutgekörten Fedde 139 (v. Theunis 125) zur Welt.

Stoffel 157 Preferent
*26.04.1937, Danilo 137 P x Arend 131 P, Stam 010

Wie viele Hengste dieser für das Friesenpferd schwierigen Ära, war auch der von S.M. Zonneveld gezogene Stoffel 157 P ein Produkt sehr enger Linienzucht. Seine 1931 geborene Mutter Lep Model war Arend 131 P x Alva 113 P gezogen und somit eine sehr nahe Verwandte des Vredestichter 127 x Alva 113 P gezogenen Danilo 137 P.
Stoffel 157 P wurde 1940 als Deckhengst lizenziert und war bis 1958 in der Zucht, in dieser Zeit lieferte er drei gekörte Söhne, die die direkte Linie aber nicht bis in die Gegenwart tragen konnten. Auch als Muttervater von Yke 206 (v. Aize 170 P) reichte sein Einfluss nicht übermäßig weit, seine Töchter waren jedoch als Zuchtstuten äußerst erfolgreich. Zu ihnen zählen z.B. Zierda Ster, deren Tochter Eeldertsje Model Pref bereits erwähnt wurde, aber auch Elagonda Model, deren Zweig des Stutstammes 118 bis heute fortbesteht. Seine Tochter Aaf II Model begründete einen bis in die Gegenwart wichtigen Zweig des Stammes 008, aus dem u.a. der heute noch aktive Deckhengst Haike 482 hervorging. Iekje Model wiederum begründete den einzigen noch heute bestehenden Zweig des Stutstammes 074 und ist damit eine direkte Vorfahrin der Stammbuchhengste Bente 412, Fridse 423 und Jerke 434.

Aize 170 Preferent
*07.06.1942, Obscurant 150 P x Cremer 136

Der inmitten des 2. Weltkrieges bei J.K. Tromp im niederländischen Harich geborene Aize 170 P stammt aus einer für die damalige Zeit relativ unverwandten Anpaarung. Seine Mutter, die 1927 geborene Modelstute Gepke wurde als Tochter von Cremer 136 aus einer Stammbuchstute von Friso 117 P gezogen und brachte, trotzdem sie 26 Jahre alt wurde, nur 4 im KFPS registrierte Fohlen zur Welt. Aize 170 P, als Deckhengst zu Kriegsende 1945 gekört, brachte im Laufe seiner Karriere 5 gekörte Söhne und einen gekörten Enkelsohn in direkter Linie. Mit diesem – Gauke Lientje 224 (v. Yke 206) – starb seine direkte Linie aus. Die Anpaarung der Töchter von Aize 170 P mit Noldus 198 brachte offensichtlich besonders gute Pferde, wurden aus dieser Blutkombination doch gleich 3 Hengste gekört. Insgesamt waren seine Töchter sehr erfolgreich – mindestens 19 Model- und viele Sterstuten stammen von Aize 170 P ab, welche die nicht zu unterschätzende Vererbungsleistung dieses Prefetrenthengstes bis in die Gegenwart nachwirken lassen.

Bouke 174 Preferent
*10.05.1943, Obscurant 150 P x Elius 138, Stam 040

Ein Jahr nach seinem Halbbruder Aize 170 P wurde 1946 Bouke 174 P in den Deckdienst berufen. Der von J.W. Boersma gezogene Hengst wurde mit 161 cm eingemessen und deckte bis in die 1960er-Jahre erfolgreich. Trotz drei gekörter Söhne und weiteren drei Enkelsöhnen in direkter Linie überlebte auch seine Direktlinie nicht bis in die Gegenwart, Bouke 174 P nahm aber vor allem als Muttervater von 7 KFPS-Hengsten erheblichen Einfluss auf die Friesenzucht. Als solcher steht er z.B. im Stammbaum des ausgesprochen bedeutenden Tsjalling 235 P und auch die Mutter des Sporthengstes Peke 268 stammt von Bouke 174 P. Damit nicht genug, wurde an mindestens 24 seiner Töchter das Modelprädikat verliehen – darunter finden sich bedeutende Zuchtstuten wie Claartje Model Pref, Landsdochter Model und die Doppelhengstmutter Stynke Model Pref.

Ritske 202 Preferent
04.05.1955 – 01.09.1976, Eelke 183 x Tiemen 159, Stam 30

Ritske 202 P ist der erste Preferenthengst in der Geschichte des KFPS, dessen Name bis in die Gegenwart vielen Liebhabern des Friesenpferdes noch ein Begriff ist. Der 1955 bei C.M. van den Akker geborene Eelke 183-Sohn wurde 1958 als Deckhengst gekört und gelangte vor allem in den 60er-Jahren als mehrmaliger Kampioen der Hengstenkeuring (1962, 1964 & 1965) zu Ruhm und Ehre. Doch auch als Vererber ist Ritske 202 P aus der modernen Friesenzucht nicht mehr wegzudenken – über seine 10 gekörten Söhne begründete er eine regelrechte Hengstendynastie (die gerne zitierte Ritske-Linie), aus der u.a. die Preferenthengste Tsjalling 253 und Naen 264 stammen. Noch größer aber ist sein Einfluss als Muttervater – als solcher ist er Teil der Abstammung von nicht weniger als 13 KFPS-Deckhengsten, unter ihnen die an Bedeutung kaum zu überbietenden Stempelhengste Mark 232 P und Wessel 237 P. Dazu gesellen sich ca. 50 von ihm gezeugte Modelstuten und eine große Anzahl Sternachkommen. Bis zu seinem Tod im Alter von 21 Jahren wurden rund 1600 Decksprünge von Ritske 202 P registriert, was ihn in seiner Ära zum wohl bedeutendsten Vererber der KFPS-Zucht macht.

Durch die Bemühungen der Reitvereinigung “De Oorsprong” ab dem Jahre 1967 trat ein Wandel in der Friesenzucht ein – der Friese wurde mehr und mehr als Kulturgut der Niederländer erkannt und geschätzt, und die Zucht erfuhr einen Aufschwung, der sich im sprunghaften Wachstum der Population über die nächsten 20 Jahre niederschlug. Auf die bedeutenden Vererber dieser Blütezeit des KFPS möchte ich in Teil 3 des “FriesenFokus: Preferenthengste” näher eingehen.

FriesenFokus: KFPS-Preferenthengste – Vererber, die die Friesenzucht prägten (Teil 1)

Es ist die höchste Ehrung, die einem KFPS-Deckhengst zu Teil werden kann – das Preferent-Prädikat. Vergeben wird dieser Ehrentitel seit jeher nur an die Vererber, die durch die Leistungen ihrer Nachkommen im Übermaß bewiesen haben, dass ihr Einfluss auf die KFPS-Friesenzucht von prägender Bedeutung ist – dem zu Grunde liegt ein umfassender Berechnungsvorgang, der sowohl die Anzahl registrierter Nachkommen berücksichtigt, als auch deren aufgrund von Prädikatsvergaben nachvollziehbare Leistungen hinsichtlich Exterieur (Ster, Kroon, Model, Stb-Hengst), Vererbungsleistung (Preferent, Prestatiemoeder, Hengstenmoeder) und Sportleistung (Sport, Elite-Sport).

In dieser Reihe möchte ich einen kompakten Überblick über all die Hengste geben, die bis zum heutigen Zeitpunkt aufgrund ihres prägenden Einflusses mit dem Preferent-Prädikat ausgezeichnet wurden.

Ulbe 100 Preferent
*28.04.1894, Nemo 51 x ?

Ulbe 100 ist der erste KFPS-Hengst im Stammbaum aller heutigen Friesen, der mit dem Preferentprädikat ausgezeichnet wurde. Der 1897 gekörte Hengst war der dritte in den Deckdienst beorderte Sohn des Hengststammbaumbegründers Nemo 51 und ist der einzige Hengstnachkomme dieses Vererbers, dessen direkte Linie heute noch fortbesteht. Geboren wurde der 158 cm kleine Hengst vor über 120 Jahren im niederländischen Hemrik bei Friesenzüchter E.P. van der Sluis.
Seinen größten Einfluss auf die Friesenzucht machte Ulbe 100 P zweifelsohne über seine gekörten Söhne Victor 110 und Friso 117 P geltend.

Sultan 105 Preferent
09.04.1897 – 27.05.1910, Drenthe I 91 x De Regent 32

Der 1900 gekörte Sultan 105 P war ein Abkömmling aus der mittlerweile ausgestorbenen Hengstlinie des Landzoon 46. Der in der Stoeterij de Oorsprong gezüchtete Hengst konnte zwar keine eigenen Söhne in den Deckdienst beisteuern, schlägt aber als Muttervater von Us Heit 126 zu Buche, welcher wiederum als Muttervater (u.a. von Knilljes 141) großen Einfluss auf die moderne Friesenzucht nehmen konnte.

Prins 109 Preferent
*27.03.1898, Frits 95 x Onsta II 79

In Siegerswoude, NL bei E.S. van den Bosch geboren, gilt Prins 109 P heute als Begründer einer eigenen Hengstdynastie, deren direkte Linie in den 1950er Jahren ausstarb. Vor allem über seinen Sohn Us Heit 126 konnte er seinen Einfluss auch auf die heutige Friesenzucht geltend machen, darüber hinaus bewies er seine prägende Vererbungsleistung als Muttervater von Paulus 121, Theunis 125, Bisschop 132 und Louw 142.

Alva 113 Preferent
*05.06.1899, De Regent 32 x Graaf Adolf 21, Stam 001

Der 1899 geborene Alva 113 stammte aus der mittlerweile ausgestorbenen Hengstlinie des Prins Hendrik 24. Der in der “Stoeterij de Oorsprong” zur Welt gekommene Alva 113 wurde 1902 vom KFPS gekört und zeugte in seiner, bis zu seiner Abkörung 1915 dauernden Karriere zwei gekörte Söhne – Oom 119 und Stefanus 124 – die gleichermaßen den Endpunkt der direkten Prins Hendrik-Linie darstellen. Zu immenser Bedeutung gelangte Alva 113 P indes als “Stutenmacher”. Seine Töchter (darunter 3 Modelstuten) bescherten ihm 8 gekörte Enkelsöhne, seine  1915 geborene Tochter Olga Hb begründete den  Stutenstamm 032. Im Besonderen war auch die von ihm gezeugte Rienkje Model (*1914) als Hengstmutter von Ynte 130 von großer Bedeutung für die Friesenzucht.
Noch existierende Aufnahmen von Alva 113 P dienen heute oftmals als Beleg dafür, dass der Typ des Friesenpferdes in seinen Ursprüngen keineswegs dem oft zitierten “schweren Schlag” entsprach, sondern deutliche Gemeinsamkeiten mit dem heute gezüchteten, “modernen” Friesentyp aufwies.

Friso 117 Preferent
*1901, Ulbe 100 P x Drenthe I 91

Friso 117 P ist wie sein Vater Ulbe 100 P und dessen Vater Nemo 51 ein Hengst, der sich im Stammbaum aller heute noch lebenden KFPS-Friesen wiederfindet, gehen auf ihn doch alle noch aktiven Deckhengste zurück. Der 1901 bei G.G. de Jong geborene Hengst wurde 1904 gekört und mit 164 cm eingemessen – ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlich großes Stockmaß. Friso 117 P konnte sich als Qualitätsvererber sehr gut durchsetzen, fünf seiner Söhne wurden in den Deckdienst berufen, darunter auch der 1913 geborene Paulus 121, der über seine Söhne, die Vollgeschwister Vredestichter 127 und Arend 131 P heute einen “Gabelpunkt” der großen, noch existierenden Hengstlinien darstellt. Als Muttervater von Beint 134 konnte er seinen Einfluss auch in indirekter Linie bis in die heutige Zeit erhalten.

Arend 131 Preferent
*12.04.1921, Paulus 121 x Aäron 114, Stam 013

Der aus der modelpreferenten Irma gezogene Arend 131 P war ein Sohn des bereits erwähnten Paulus 121. Er wurde 1924 in den Deckdienst beordert und war zu diesem Zeitpunkt 162 cm groß, gezogen wurde er von J.W. Hoogterp im niederländischen Deersum.
Arend 131 P ist der Vater der Preferenthengste Held 140 und Mengelberg 145 (neben drei weniger bedeutenden KFPS-Hengsten), zusätzlich festigte er seinen Einfluss auf die KFPS-Zucht als Muttervater von 7 weiteren Deckhengsten, unter welchen der ebenfalls preferente Stoffel 157 besonderer Erwähnung bedarf.

Danilo 137 Preferent
09.04.1924 – 24.12.1948, Vredestichter 127 x Alva 113 P, Stam 032

Der Sohn der Begründerin des Stutenstammes 032, Olga Hb, wurde 1927 durch das KFPS gekört und gelangte in seinen 21 Dienstjahren als Deckhengst zu unschätzbarem und bis heute nachreichendem Einfluss in der Friesenzucht. Der 160 cm große Danilo 137 P aus der Zucht von R. Zonneveld ist heute vor allem als Vater von acht gekörten Deckhengsten ein Begriff, darunter die Preferenthengste Obscurant 150 und Stoffel 157, darüber hinaus ist er als Muttervater von nicht weniger als 10 KFPS-Vererbern eingetragen. Doch auch als “Stutenmacher” konnte Danilo 137 P sich mehr als beweisen – 22 Modelstuten wurden von ihm gezeugt und auch eine der wichtigsten und bekanntesten Linienbegründerinnen des Stammes 050, die 1928 geborene Marianne Hb Pref stammt von diesem Hengst ab.

Held 140 Preferent
25.02.1928-01.12.1950, Arend 131 P x Paulus 121, Stam 013

Wie sein Vater Arend 131 P wurde auch Held 140 P von J.W. Hoogterp im niederländischen Deersum gezogen. Seine Mutter Clasina Model war eine Vollschwester von Arend 131 P und Vredestichter 127, diese unter heutigen Gesichtspunkten extrem enge Inzuchtanpaarung war nichtsdestotrotz von Erfolg gekrönt. Der nur 154 cm große Held 140 P wurde 1931 als Deckhengst gekört und lieferte die beiden Stmmbuchhengste Nammele 147 P und den 1945 abgekörten Waling 161, welcher trotz seiner nur 2 Jahre dauernden Deckkarriere den Grundstein für eine der erfolgreichsten Hengstlinien der modernen Frisenzucht legte – er ist der Stammvater der Preferenthengste Wessel 237, Mark 242 und Jochem 259. Doch auch die Töchter von Held 140 P gelangten zu großem Einfluss – unter ihnen finden sich 5 Modelstuten, darunter Hinke Model Pref (*1948), die über ihre berühmte Tochter Gelbrich Model Pref (*1961, v. Tabe 203) die Großmuuter des großen Hearke 254 P ist. Über seine Stertochter Roozien ist Held 140 P außerdem der Muttervater von Ytsen 166.

In Teil 2 der Reihe “Friesenfokus: Preferenthengste” möchte ich mich den Hengsten widmen, deren Einfluss als Vererber die Rasse durch das dunkelste Kapitel Europas – den 2. Weltkrieg – manövrierte.

 

Befruchtungsrate als Erfolgsfaktor

Gerade in letzter Zeit wurde – angestoßen durch den Rückzug von Siert 499 aus dem Deckdienst und die massiven Befruchtungsprobleme von Walt 487 – wieder vermehrt über die Relevanz der Spermaqualität und die damit einhergehende Befruchtungsrate von KFPS-Deckhengsten diskutiert.

Diese Faktoren beeinflussen nicht nur maßgeblich den Erfolg eines Deckhengstes hinsichtlich der Anzahl von ihm gezeugter Nachkommen, sondern spielen auch eine wirtschaftliche Rolle für Züchter und Hengsthalter, geht die Bedeckung einer Stute doch immer auch mit einem nicht unwesentlichen finanziellen, logistischen und veterinärmedizinischen Aufwand einher.

Das KFPS versucht diesem wichtigen Punkt durch eine der Körung eines Hengstes vorausgehende Untersuchung der Spermaqualität Rechnung zu tragen (vgl. Reglement Hengstenkeuring, Art. 18 – abrufbar auf kfps.nl). Dabei werden Beweglichkeit (Motilität) und Morphologie der Spermien beurteilt bzw. die Anzahl der morphologisch normalen, beweglichen Spermien (TNB) bestimmt. Der dabei durch das KFPS festgelegte Mindestprozentsatz motiler Spermien von 50% liegt dabei deutlich über den in der Literatur angegebenen Mindeststandards von 35% (vgl. Aurich 2008, S. 318 ff).

Neben den die ursprüngliche Spermienqualität betreffenden Faktoren, die bedingt mit Gesundheitsstatus und Alter des Hengstes korrelieren, liegen weitere wichtige Qualitätsfaktoren aber auch in der Aufbereitung und Lagerung des Samens. Besonders der Versand von gekühltem Frischsperma geht dabei bei unsachgemäßer Verdünnung, Unterbrechung der Kühlkette und / oder zu langer Transportzeit mit einem hohen Risiko von Qualitätsverlusten einher (vgl. Aurich 2008, S. 319).

Da innerhalb des KFPS meines Wissens keine Bedeckungen mittels Natursprung oder Nativsperma mehr erfolgen, sind Stuthalter in besonderem Maße auf die Einhaltung der o.g. Qualitätkriterien seitens der Hengsthalter angewiesen.

Auf Basis der offiziellen Bedeckungs- und Geburtszahlen (abrufbar via kfps.nl bzw. zu finden in der jährlich vom KFPS herausgegebenen Hengsteninformatie), habe ich die betreffenden Zahlen der “Züchterlieblinge” nach Bedeckungen im Zeitraum 2011 – 2015 recherchiert und in einer kleinen Übersichtsgrafik festgehalten:

Korr - Deckungen-Geburten 2011 - 2016

Hier zeigt sich deutlich, dass die unterschiedliche Befruchtungsleistung der Hengste einen maßgeblichen Faktor hinsichtlich ihres Einflusses auf die Gesamtpopulation darstellt – der Beitrag eines Hengstes hängt als nicht ausschließlich davon ab, wieviele Chancen er aus züchterischer Hinsicht erhält.

Im folgenden möchte ich die Befruchtungsleistung im prozentualen Bereich etwas besser veranschaulichen:

Korr - Deckungen-Geburten 2011 - 2016 - beste 20

Reiht man die Hengste nach ihrer Befruchtungsrate (nach offiziellen Zahlen) im Zeitraum 2011 – 2016, so findet man nicht ausschließlich junge Hengste in den vordersten Rängen. Verhältnismäßig langgediente Deckhengste wie Ulke 338, Wikke 404 oder Beart 411 kommen trotz fortgeschrittenen Alters auf sehr hohe Befruchtungsraten.

Im umgekehrten Sinne findet man unter den Hengsten mit schwächeren Verhältniszahlen auch junge Beschäler, wie z.B. Date 477 oder Djoerd 473:

Korr - Deckungen-Geburten 2011 - 2016 - letzte 20

Natürlich muss man angesichts dieser Zahlen auch im Hinterkopf behalten, dass nicht alleine die Spermaqualität eines Hengstens ausschlaggebend für die erfolgreiche Befruchtung einer Stute ist – oft genug liegt das Problem auf Seiten des weiblichen Tieres, so vertragen manche Stuten z.B. die zur Verdünnung des Versandspermas verwendeten Substanzen nicht oder werden aus anderen Gründen nicht trächtig.

 

Literatur:

Aurich, C. (2008). Reproduktionsmedizin beim Pferd. Gynäkologie – Andrologie – Geburtshilfe (2. Aufl. 2009). Stuttgart:MVS

Auf Papieren kann man nicht reiten!

In unzähligen Diskussionen, Beratungsgesprächen und handfesten Disputen fällt immer wieder dieser Satz, der regelrechte Glaubenskriege auszulösen und die Pferdewelt in “Rassefetischisten” und “Pferderetter” zu teilen scheint: “Auf Papieren kann man nicht reiten!”

Die Zuschreibungen und Vorurteile der einen Gruppe gegenüber der anderen sind beiderseitig oft abenteuerlich und nicht selten bösartig, hämisch und vor Polemik strotzend – und somit ein Anlass, sich der Thematik einmal unaufgeregt, sachlich und in aller Ruhe zu widmen.

In erster Linie gilt es wohl, einige Fakten zu definieren und klarzustellen.

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Hervorragendes Papier unter dem Sattel – Zen ‘fan Panhuys’ Ster Sport-Elite (Dries 421 x Fabe 348 P)

Von nichts kommt nichts

Alle heute lebenden Hauspferde, aber auch die verwilderten Populationen von Brumbys, Mustangs etc. sind wissenschaftlichen Erkenntnissen folgend Angehörige einer domestizierten Form des Wildpferdes (Equus ferus) – die letzte überlebende Unterart dieses einst offenbar formenreichen Artenkomplexes bildet das gefährdete, in der Mongolei beheimatete Przewalski-Wildpferd (Equus ferus przewalski).

Die Stammform der heute rezenten Hauspferde ist nicht eindeutig geklärt (vgl. Wallner et al. 2003; Jansen et al. 2002), Fakt ist aber, dass alle Hauspferde Produkte eines über Jahrtausende anhaltenden Domestikationsprozesses sind.

Die unter dem Domestikationsprozess verstandene “Haustierwerdung” einer Spezies ist maßgeblich durch den Faktor der bewussten oder unbewussten menschlichen Zuchtwahl bei gleichzeitiger Isolation von der wildlebenden Population gekennzeichnet – es findet also eine genetische Veränderung der Spezies aufgrund gezielter Selektionszucht durch den Menschen statt (vgl. Zeder 2012).

Die Aufgliederung der domestizierten Grundform in verschiedene Rassen ist wiederum eine Verfeinerung dieser selektiven Zuchtpraxis. Es kann also die Schlussfolgerung erfolgen, dass alle heute lebenden Hauspferde – egal ob per definitionem einer Rasse zugehörig oder nicht – Produkte selektiver, durch den Menschen gesteuerter Zucht sind.

Dass im Zuge dieser Zuchtwahl mancherorts Buch geführt wird, ist dabei lediglich ein Nebeneffekt – egal ob mit oder ohne Papier, eine Nutzbarmachung der Spezies Equus ferus gelang erst durch gezielte Auslese und züchterische Veränderung. Vereinfacht könnte man also sagen: NUR auf Papieren kann der Mensch reiten, denn ohne generationenlange Zuchtwahl wären Hauspferde in ihrer heutigen Erscheinungsform nicht existent und Reiter würden sich mit der ungezähmten Wildheit von Tarpanen und Thakis konfrontiert sehen.

“Rassepferd” vs. “Weideunfall”

Nun ist die Thematik rund um’s Papier aber etwas diffiziler, als oben dargestellt. Die von Zuchtverbänden ausgestellten Abstammungspapiere sind per se als Dokumentation der Herkunft eines Individuums gedacht und sollen demnach nicht nur die lückenlose Abstammung aus registrierten und der betreffenden Rasse zugehörigen Ahnen beweisen, sondern auch eine klare Abrenzung einer Rasse vom Rest der Hauspferdepopulation schaffen. Wie bereits erwähnt, basiert die Rassezucht auf dem selben Prinzip wie die Domestikation im Allgemeinen, engt aber die grundlegenden Selektionskriterien auf eine Weise ein, die eine mehr oder weniger klare Unterscheidbarkeit einer Subpopulation (Rasse) zum Rest der Population möglich machen –  die Möglichkeiten sind dabei mannigfaltig und reichen von Körperbau, Größe, Farbe, Gangvermögen und Gebrauchsveranlagung, bis hin zu Temperament und Charakter.

Mit dieser Verengung und Festschreibung der Selektionskriterien (der oft zitierte “Rassestandard”) wird auch eine Organisation der betreffenden Züchter notwendig, um eine Populationsgröße zu ermöglichen, die eine tragfähige genetische Basis für den generationenlange Erhalt einer Rasse bildet – so kommen Zuchtverbände zu Stande, die sich mit der selektiven Zucht einer einzelnen Rasse auseinandersetzen und diese organisatorisch voran treiben. Heute ist es üblich, dass die Hohheit über die Definition der Selektionskriterien sowie die damit verbunde Zulassung von Rasseindividuen zur Zucht bei eben diesen Zuchtverbänden liegt, die damit ein Mindestmaß an Qualität hinsichtlich der definierten Rasseeigenschaften in der Population zu implementieren versuchen – es hat demnach einen tieferen Sinn, warum in einem geschlossenen Rassestammbuch nicht jeder Hengst und jede Stute ohne Begrenzung zur Zucht herangezogen werden darf, sondern insbesondere die Hengste mehr oder weniger strenge Auflagen zu erfüllen haben, ehe sie ihren züchterischen Einfluss an die nächste Generation weitergeben dürfen. Damit einher geht auch die permanente Veränderung von Rassepopulationen, die in Anbetracht sich wandelnder Anforderungen (am Beispiel des Friesen sei die immer öfter geforderte Sporteignung genannt) notwendig ist, um ein Fortbestehen einer Rasse zu gewährleisten – denn wo keine Nachfrage besteht, kann keine Pferderasse auf Dauer existieren.

Das Abstammungspapier ist demnach – sofern von einem seriösen und qualitätsbewussten Verein ausgestellt – ein Garant für ein Mindestmaß an Qualität hinsichtlich Zuchtwahl der Vorfahren eines Pferdes. Es macht aber noch lange kein “gutes” Pferd!

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Weide, ganz ohne Unfall – Freyja fan Limbach (Erryt 488 x Jerke 434)

Denn ohne mit der Wimper zu zucken, wage ich zu behaupten, dass es auch ganz hervorragende Pferde gibt, die über keinerlei Abstammungspapier verfügen.
Dies begründet sich in der Launenhaftigkeit der Natur – die Zucht von Tieren ist immer auch ein bisschen Glückssache und die Kombination von Genen zweier Elterntiere ist immer zu einem gewissen Teil ein “Lotteriespiel”. So kommt es vor, dass die Nachkommen zweier absoluter Topper nur “durchschnittlich” sind, wohingegen ein Fohlen aus der ungeplanten Weideliaison zweier Durchschnittspferde sich zu einem hervorragenden Gebrauchspferd mausert.

Nichtsdestotrotz ist die Wahrscheinlichkeit ungemein größer, ein Fohlen zu züchten, das gewünschten Kriterien entspricht, wenn die Vorfahren dieses Fohlens bereits über Generationen nach eben diesen Kriterien ausgewählt wurden – so wird ein Friesenfohlen in den allermeisten Fällen schwarz sein, eine hohe Aufrichtung und überdurchschnittlich viel Behang mitbringen.

Ein den eigenen Qualitätsvorstellungen entsprechendes Pferd aus einer gefestigten Zuchtlinie zu ziehen mag also so etwas wie “Lotto 6 aus 45” sein – ein ebensolches Pferd aber aus zufällig gewählten Eltern zu ziehen, die abstammungstechnisch nach unterschiedlichen oder ganz und gar zufälligen Selektionskriterien gezüchtet wurden, ist mehr wie “Lotto 6 aus 45.000.000”. Dieser Umstand macht es auch notwendig, einen kritischen Blick auf die Neuschöpfung von “Moderassen” zu werfen – viele dieser Rassen sind tatsächlich reine Kreuzungsprodukte und die daraus entstehenden Individuen weisen oft keine nennenswerten Ähnlichkeiten untereinander auf. Dabei von einer neuen Rasse zu sprechen ist demnach in einigen Fällen wahrlich abenteuerlich und spottet der züchterischen Sorgfalt und jahrzehntelangen Arbeit, die hinter der tatsächlichen Etablierung einer gefestigten Rassepopulation stehen.

Insofern haben Abstammungspapiere also durchaus ihre Berechtigung, wenn es um die Qualität und damit auch den finanziellen Wert des Einzeltieres geht. Über den ideellen Wert hingegen können sie kaum etwas aussagen.

Von Züchtern und Vermehrern

Ein weiteres großes Thema drängt sich in der Diskussion um die Wertigkeit von Abstammungspapieren auf – die Verantwortlichkeit von seriösen Züchtern in Zeiten des überbordenden Pferdemarktes.

Eine Eigenheit von Zuchtverbänden ist es nämlich, ihre Mitglieder einem (häufig festgeschriebenen und kontrollierten) Ehrenkodex zu unterstellen, der neben den Regeln hinsichtlich der Qualität der verwendeten Zuchtpferde auch deren ethische und tierschutzkonforme Haltung und Betreuung umfasst. Auch wenn es immer wieder “schwarze Schafe” unter den Vereinszüchtern gibt, so ist die Wahrscheinlichkeit auf ein in ordnungsgemäßen Umständen geborenes und aufgezogenes Pferd aus seriösen Züchterhänden doch recht groß, zumal dann, wenn man die Möglichkeit hat, die dortigen Zustände aufgrund des in den Papieren angebenen Zuchtortes mit eigenen Augen nachzuvollziehen.

Anders hingegen verhält es sich mit Pferden aus nicht nachvollziehbaren Quellen – die häufig euphemistisch als “Weideunfall” oder “Kind der Liebe” angebotenen Tiere ohne Abstammungspapier stammen nicht selten aus scharf kalkulierenden Vermehrerställen, in denen – ohne Rücksicht auf qualitative Zuchtwahl, tierärztliche Betreuungsnotwendigkeit oder tierschutzkonforme Unterbringung und Pflege – Pferde für das Billigsegment des Marktes produziert werden (erschreckenderweise in ähnlicher Form, wie das in Hundekreisen schon seit vielen Jahren publik ist).

Pferde aus solchen Quellen müssen dabei nicht per se “schlecht” oder krank sein, als Käufer muss man sich aber die Zuschreibung gefallen lassen, als Abnehmer eines Tieres aus derartigen Umständen – ob wissentlich oder nicht – indirekt zum Weiterbestand ebendieser beizutragen.

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Ein schöner Start ins Pferdeleben – Frederik fan Limbach (Erryt 488 x Jerke 434)

Literaturverzeichnis

Jansen, T., Forster, P., Levine, M.A., Oelke, H., Hurles, M., Renfrew, C., Weber J. & Olek, K. (2002). Mitrochondrial DNA an de the origins of the domestic horse. In I. Verma (Hrsg.) PNAS, Ausg. 99/16, S. 10905 – 109010.

Wallner, B., Brem G., Müller, M. & Achmann, R. (2003). Fixed nucleotide differences on the Y chromosome indicate clear divergence between Equus przewalskii and Equus caballus. In H. Lenstra (Hrsg.) Animal Genetics, Ausg. 34/6, S. 453 – 456.

Zeder, M.A. (2012). Pathways of Animal Domestication. In P. Gepts (Hrsg.) Biodiversity in Agriculture: Domestication, Evolution, and Sustainability, S. 227 ff.

 

Wer steht hinter dem Panorama?

Aus aktuellem Anlass möchte ich dem Thema “Unabhängigkeit von Friesenpanorama International” ein paar Zeilen widmen.

Diese Seite, die dazugehörige Facebook-Page und alles drumherum sind ein Ein-Mann-Projekt, das von mir aus purer Leidenschaft und Faszination für das KFPS-Friesenpferd unentgeltlich und in Eigenregie geschaffen wurde. Ich bin als Mitglied der Friesenfreunde Österreich auch ein Mitglied des KFPS, betreibe diese Seite aber nicht als offizielles Organ eines Vereins – weder das KFPS, noch der DFZ, die FFÖ oder ein sonstiger Verein oder Privatmensch haben auf die Inhalte dieses Projekts Einfluss.

Mit großer Freude arbeite ich aber natürlich mit dem Deutschen Phryso und dem friesenwiki.de zusammen, wie allerdings sicher schon einige bemerkt haben, sind viele Artikel exklusiv über das Panorama verfügbar – insbesondere solche, die explizit meine persönliche Meinung vertreten.

Ich kann also in dieser Hinsicht versichern, dass die Berichterstattung im Friesenpanorama zu 100% unabhängig passiert, aber ist sie auch objektiv?

Wie oben bereits erwähnt ist dieses Projekt in seiner Umsetzung zur Gänze auf meinem persönlichen Misthaufen gewachsen – ich versuche zwar redlichst, meine Berichte so objektiv wie möglich zu halten und die KFPS-Friesenszene in ihrer Gänze zu erfassen, aber einer Einzelperson sind durch den eigenen Horizont nunmal Grenzen gesetzt – insofern werden geneigte Leser wohl oder übel damit leben müssen, dass sämtliche hier erscheinenden Artikel auch immer einen Funken meiner subjektiven Meinung enthalten, weil sie schlicht und ergreifend allesamt aus meiner Perspektive geschrieben sind.

Um diese “Einseitigkeit” etwas aufzubrechen, habe ich auch die Idee des “Friesenfokus” umgesetzt, welche andere Perspektiven und Sichtweisen mit in den Kanon des Friesenpanoramas holen soll. Zwar ist aus dieser Reihe gerade erst das erste Interview erschienen, weitere sind aber bereits in Arbeit – nicht nur hinsichtlich des Sports, sondern auch betreffend Zucht und Ausbildung. Ich lege dabei großen Wert darauf, diese Plattform so offen wie möglich zu halten und treffe bewusst keine Vorauswahl der Menschen, die im Zuge des “Friesenfokus” zu Wort kommen. Wer immer auch etwas zu sagen hat, darf sich gerne melden und wird veröffentlicht :).

Mit freundlichen Grüßen,

Richard Blach
Friesenpanorama International

Friesenfokus – Helden im Viereck: Alexandra Stoya

Unter dem Titel “Friesenfokus – Helden im Viereck” möchte ich Menschen zu Wort kommen lassen, die durch ihren täglichen Einsatz und das Ausleben ihrer Leidenschaft das Friesenpferd ins Rampenlicht des Sports rücken. Ihnen ist es zu verdanken, dass dem Ruf des Friesen als “Kutschpferd” lebende und oftmals erfolgreiche Beweise entgegen gesetzt werden, die eindrucksvoll die Vielfältigkeit und Leistungsfähigkeit dieser wunderbaren Rasse demonstrieren. Dabei ist es für mich persönlich nebensächlich, ob diese ambitionierten und engagierten Reiter international im “großen Sport” starten, oder ihre Friesen regional dem interessierten Publikum präsentieren – sie alle helfen mit bei der Mission, den oftmals unberechtigt schlechten Ruf des Friesen in der Pferdesportszene gerade zu rücken.

Ich freue mich ungemein, eine sehr erfolgreiche und überaus engagierte Reiterin für den ersten Teil dieser Interview-Serie gewonnen zu haben und wünsche meinen lieben Lesern viel Vergnügen beim Lesen dieses wunderbaren Interviews mit Alexandra Stoya!

Helden im Viereck - Alex Stoya

Friesenpanorama International: Friesen haben im Sport vielerorts immer noch einen zweifelhaften Ruf und gelten landläufig als Exoten im Teilnehmerfeld. Wie bist du „auf den Friesen“ gekommen und woher kam deine Motivation, dich mit deinem Pferd im Sport zu präsentieren?

Alexandra Stoya: Die Vorbesitzerin meines ersten Pferdes (ein Shagya-Araber) besaß einen Friesenwallach, von dem ich auch sehr begeistert war. Außerdem hatte meine Freundin einen Friesenwallach, mit dem sie erfolgreich bis zur Klasse L Turniere ritt, einige Male waren wir mit meinem Araber und ihrem Friesen in Paarklassen unterwegs. Diese Kontakte weckten den Friesenvirus in mir, aber es dauerte noch einige Jahre, bis sich der Traum vom eigenen Friesen erfüllte. Anfang 2000 kaufte ich zu meinem Hannoveraner Wallach einen 6 jährigen Friesenwallach (von Leffert) dazu. Ein feines Pferd mit ansprechenden Bewegungen und einer Begabung zur Dressur. Aus privaten Gründen trennten sich unsere Wege nach nur einem Jahr. Aber es stand fest, irgendwann wieder ein Friese. 2004 ging ich erneut auf die Suche und im August des Jahres kam Bernhard El. zu mir. Ein damals 4-jähriger Wallach, leicht angeritten, den ich selber mit stetigem Reitunterricht ausgebildet habe. „Bernie“ war schon immer sehr leicht abzulenken und umweltorientiert, was uns die wenigen Dressurstarts erschwerte. Trotzdem konnte ich mit ihm 2006 das Finale der JFPMDA in Leeuwarden erreichen und dort gelang uns der 4. Platz in der Gesamtwertung.

Meine Hoffnung lag auf meinem Nachwuchspferd Theuntje, sie entwickelte sich zum feinen Dressurpferd, allerdings bin ich lange Zeit nur für mich zu Hause geritten. Erst 2015 begann Theuntjes Turnierkarriere.

Ein Friese ist ein Pferd, wie jedes andere auch. Da ich diese Rasse lieben und achten gelernt habe, stellte sich mir gar nicht die Frage für den Dressursport ein anderes Pferd zu wählen. Entweder mit einem Friesen oder halt gar nicht.

Spaß im Gelände 2016

Geländeritt mit charmanter Begleitung – Copyright: A. Stoya

FPI: Warst oder bist du mit Vorurteilen bzgl. der Rasse deines Pferdes im Sport konfrontiert (von Richtern, Konkurrenten, Zuschauern?) und inwiefern beeinflussen dich die oftmals negativen Vorurteile gegenüber Friesen im Sport?

AS: Einfache Antwort: Ja! Es gibt genug Mitstreiter, die uns belächeln, weil die Friesen ja eigentlich vor die Kutsche gehören. Leider gibt es auch noch einige Richter, die Friesen im Turniersport nicht gerne sehen. Aber davon lasse ich mich nicht beirren oder beeinflussen, denn so weit muss manch anderer erst mal kommen. An manchen Tagen zeigen wir eine gute und korrekte Vorstellung, an anderen Tagen auch mal nicht, wobei ich sagen muss, dass es dann fast immer an mir liegt :).  Jede Dressurprüfung bringt mich ein Stück weiter. Von den Zuschauern gibt es meist nur positive Kommentare, ihnen gefällt oft ein Friese im Dressurviereck.

Training Theuntje 2014-1

Durchaus beneidenswert! Theuntje vom Lohorst im Training unter Alexandra Stoya – Copyright: A. Stoya

FPI: Welche Eigenschaften schätzt du in sportlicher Hinsicht besonders an deinem Pferd bzw. was macht dein Pferd für dich als Reiter besonders sportgeeignet? Gibt es auch rassespezifische Eigenschaften des Friesen, die in deinen Augen sportlich von Vorteil / Nachteil sind? Wenn ja, welche?

AS: Theuntje ist meist motiviert und lernt schnell und lässt sich sehr korrekt durch die Prüfungen reiten. Durch eine vielseitige Ausbildung (Gelände, Dressur und auch Springgymnastik) ist sie recht unerschrocken und durch den Trubel rund um das Dressurviereck lässt sie sich nur ganz selten ablenken.

Vorteile oder Nachteile … sicher gibt es Friesen, die nicht so sehr im Dressurpferdetyp stehen, z.B. mein Bernie. Bei ihm sehe ich das kurze, unterständige Vorderbein als Nachteil, allerdings hat er eine tolle Galoppade. Theuntje ist korrekt gebaut, könnte die Kruppe schöner haben, aber  vor allem verlief ihre Ausbildung korrekt nach der „Skala der Ausbildung“. Wenn man das beherzigt, kann auch ein Friese , der vielleicht nicht so sehr im typischen Dressurpferdetyp steht, korrekt durch Dressurprüfungen gehen. Ob es immer bis in den großen Sport reicht, das liegt sicher auch am Potential von Pferd und Reiter.

Bernie & Alex 2016 - Foto Sabina Wiggins

Bernhard El. & Alexandra Stoya – Foto: Sabina Wiggins

FPI: Beschreibe uns bitte kurz den gemeinsamen sportlichen Werdegang von dir und deinen Pferden.

AS: Mit Bernie habe ich mich nach wenigen Versuchen in A-Dressuren entschieden, dass das vorerst nicht unser Ding ist und ich wartete ab, was mal aus meinem Nachwuchspferd Theuntje vom Lohorst wird. Theuntje zog als Absetzer im Dezember 2006 bei mir ein, wuchs gemeinsam mit einer gleichaltrigen Shettystute auf und stand immer zusammen im Herdenverband mit meinen Wallachen. Liebevoll wurde sie von Charly, einem älteren Tinker-Wallach großgezogen, bis sie später dann auf ihn Acht gegeben hat.

Bei der Ausbildung von Theuntje machte ich von Beginn an einiges anders als bei Bernie, auch hier hatte ich immer guten Reitunterricht und sie wurde nie in Beritt oder Ausbildung gegeben. Ich wollte es selber machen, so gut ich dazu in der Lage war. Schnell merkte ich, dass sie über gute GGA verfügt und sich in der Dressurarbeit gerne angeboten hat. 4-jährig fingen wir mit etwas mehr Dressurarbeit an und auf der Zuchtschau in Assen wurde sie 2010 ins Stammbuch aufgenommen. Am selben Tag gelangen uns in der JFPMDA 66 Punkte und das Ticket für das Finale in Drachten war gesichert. O-Ton des Vorführers: „Ein gutes Pferd für Dressur, aber nicht so gut für den Ring”. In Drachten lief es gut für uns und am Ende stand Theuntje mit 68 Punkten auf Rang 4 der 4-jährigen Stuten.

Zum Starten auf herkömmlichen Turnieren fehlte mir noch die Motivation. Ich bildete Theuntje weiter aus und 6- und 7-jährig wurde sie einige Male von der Tochter einer Stallkollegin erfolgreich in Dressurwettbewerben vorgestellt. Erst als Theuntje 9 Jahre alt wurde, beschloss ich, das Ganze selber mal zu versuchen. Es folgte die Turnierpferdeeintragung bei der FN und im März 2015 ging es dann los. Ich nannte A- und L-Dressuren, erstere mit großen Erfolgen – viele Siege und hohe Platzierungen- letztere mit anfangs niedrigen Wertnoten, bis hin zu 7 Platzierungen in der laufenden Saison.  Dieses bedeutete für die nächste Saison die Höherstufung in Leistungsklasse 4, somit auch startberechtigt in L-Dressuren auf Kandare geritten. Die Saison 2016 war ebenso zufriedenstellend wie in 2015. Nicht mehr ganz so viele Siege wie im Vorjahr, aber viele Platzierungen und einige Siege in A, L und Kandaren-L. Zwei Starts hatten wir in Dressurprüfungen der Klasse L**, in denen wir bereits 3 Punkte für das Sportprädikat sammeln konnten.

2017 geht es weiter, die ersten Schleifen sind gesammelt, aber die Konkurrenz schläft nicht und nach wie vor wird einem nichts geschenkt. Aber noch macht es Spaß und solange Theuntje weiterhin motiviert ist, mache ich gerne weiter.

Theuntje Turnier 2015

Ein schöner Anblick im Viereck: Alexandra Stoya auf Theuntje vom Lohorst – Copryright: A. Stoya

FPI: Welche deiner bisherigen sportlichen Erfolge waren bzw. sind für dich von besonderer Bedeutung? Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?

AS: Besonders stolz bin ich auf das Ergebnis bei der CK in Drachten 2010, 4. Platz bei den 4-jährigen Stuten in der JFPDMA, das war klasse. Natürlich der Titel zum Stadtmeister Dressur in Emden 2015 und der Vizemeistertitel bei den Ostfriesischen Landesmeisterschaften 2015 in der Dressur A/L der Ü-40-Reiter. Ich meine, dass Theuntje der erste Friese überhaupt dort war, der bei der Meisterehrung dort mit einritt. Die zwei zweiten Plätze im Finale des DFZ-Cups 2015 und 2016 haben mich natürlich auch sehr gefreut. Aber insgesamt gesehen bedeutet mir jede einzelne Platzierung etwas, nämlich dass es durchaus möglich ist, sich mit einem gut gerittenen und vor allem korrekt ausgebildeten Friesen in Dressurprüfungen zu beweisen und zu bestehen.

Stadtmeister Emden 2015

So sehen Sieger aus! Stadtmeisterin Emden 2015 – Copyright: A. Stoya

FPI: Wohin soll eure gemeinsame Reise im Sport gehen? Welche weiteren Ziele verfolgst du mit deinem Pferd?

AS: Das nächste Ziel ist das Sportprädikat. In Deutschland sind dafür 5 Gewinnpunkte in der Klasse L** erforderlich. Ab einer Wertnote von 6,0 gibt es 1 Gewinnpunkt, ab 6,5 schon 2 Punkte. Mit meinen zwei Starts in L** im letzten Jahr konnte ich mir mit Noten von 6,2 und 6,8 bereits 3 Gewinnpunkte sichern. Leider sind L** Dressuren weniger ausgeschrieben und in diesem Jahr nehme ich dafür auch weitere Wege in Kauf. Schauen wir mal, ob es dann reicht. Auf lange Sicht wäre es ein Traum, auch einmal in Dressurprüfungen der Klasse M zu starten. Darauf arbeiten wir im Reitunterricht hin, aber natürlich auch an noch mehr Sicherheit in der Klasse L

FPI: Welche Meinung hast du zu den Bemühungen des KFPS und seiner Tochtervereine, die Präsenz von Friesen im Sport zu verstärken?

AS: Friesen im Sport sind eine gute Sache, wer die Möglichkeiten hat, entsprechende Prüfungen selber zu reiten oder sein Pferd vorstellen zu lassen, sollte sie nutzen. Hengste über den Sport zu kören ist doch gut, denn u.U. geben sie gute Eigenschaften für ein künftiges „Sportpferd“ weiter.

FPI: Gibt es für dich auch wichtige Besonderheiten betreffend die Haltung und Pflege deiner Sportpferde? Wie gestaltet sich die Haltung deiner “friesischen Sportler”?

AS: Ich habe im Laufe der Jahre immer versucht, die Haltung meiner Pferde zu optimieren und so artgerecht wie möglich zu gestalten. Meist hatte ich einen eigenen Stalltrakt oder eine Stallgasse in einem normalen Pensionsstall, dazu i.d.R. einen eigenen Paddock und eine eigene Weide, sodass ich weitestgehend mein eigener Herr war. Somit konnte ich die Fütterung und den Auslauf meiner Pferde das ganze Jahr hindurch selber bestimmen. Anfang diesen Jahres habe ich meine Pferde in einen kleinen, privaten Offenstall mit Paddocktrail gestellt. Für meine beiden Stuten gibt es für die Nacht eine schöne offene Box ohne Gitter und tagsüber stehen alle zusammen im Offenstall, können rein und raus, haben eine stets gefüllte Heuraufe vor der Nase und bestimmen selber, wann sie fressen, spielen, dösen oder richtig schlafen wollen. Die Kraftfuttergabe wird von mir je nach Leistung angepasst, ich versorge meine Pferde dahingehend selber. Es gibt ganz einfach Hafer und Pellets, kein besonderes Friesenfutter, kein Barockpferdemüsli, denn auch ein Friese ist letztendlich „nur“ ein Pferd :)!

Meine Pferde sind nicht ein Teil meines Lebens, sie sind mein Leben!

Bernie Sommer 2016

Freunde für’s Leben – Bernhard El. & Alex Stoya – Foto: Sabina Wiggins

FPI: Würdest du dich in sportlicher Hinsicht nach deinen Erfahrungen wieder für einen Friesen als Sportpferd entscheiden und auf welche Kriterien würdest du dabei besonders achten?

AS: Ja, meine Friesen sind für mich nicht nur einfach Pferde, es ist eine Lebenseinstellung. Deshalb steht der nächste Nachwuchs schon auf der Weide, ein kleiner Tsjalle 454 x Sape 381 wartet auf seine spätere Ausbildung bei mir.

FPI: Gibt es abschließend noch etwas, was du aufstrebenden Friesenreitern hinsichtlich Einstieg in den Sport raten oder mit auf den Weg geben möchtest?

AS: Natürlich nicht unterkriegen lassen :). Scherz beiseite, ganz wichtig ist eine gute und pferdegerechte Ausbildung, dazu braucht es keine speziellen Friesenausbilder oder gar Barockpferdeausbilder. Einfach jemanden suchen, der feines Reiten gemäß der Skala der Ausbildung vermittelt. Nichts überstürzen, aber auch nicht erst mit 6 Jahren oder älter mit dem Anreiten anfangen. Eine korrekte Grundausbildung ist das A und O, natürlich gepaart mit einer passenden Ausrüstung für Pferd und auch Reiter.


Zur Person:

Alexandra Stoya, geb. 1969, lebt mit ihrem Ehemann und ihren Pferden in Ostfriesland. Mit ihren im Sport vorgestellten Friesen Theuntje vom Lohorst und Bernhard El. erreichte sie u.a. 2006 und 2010 das Finale des JFPMDA (beide Male mit einem hervorragenden 4. Platz), war 2015 und 2016 Zweitplatzierte im Finale des DFZ-Cups, gewann die Dressur-Stadtmeisterschaft Emden 2015 und wurde Vizemeisterin der Ostfriesischen Landesmeisterschaften 2015 (Dressur Ü40).
Auf Theuntje vom Lohorst startet sie akutell in der Klasse L**.

Bernie 2016 - Foto Sabina Wiggins.JPG

Bernhard El. – Foto: Sabina Wiggins

Zu den Pferden:

Bernhard El. ist ein 2000 geborener Wallach aus der Zucht von R. Elsinga im niederländischen Nijeholtpade. Sein Vater ist der bekannte Sportpionier Jakob 302, er stammt aus der Sterstute Geertje El. (*1994, Oltman 317 x Oege 267 P, Stam 078), die insgesamt 14 Fohlen zur Welt gebracht hat – darunter die Sterstute Elvira El. (v. Anne 340) und die Ster + Sportstute Germa El. (v. Tsjerk 328 P). Alexandra beschreibt ihn als ihren “Fels in der Brandung”.

Theuntje vom Lohorst (geb. 2006) – das Deluxe-Muckel 😉 – stammt aus der deutschen Zucht von D. Pospischil in Edewecht/Wittenberge. Die Brandus 345 P x Pike 316 gezogene Stute erhielt als Fohlen eine 2. Prämie und wurde 2010 in das Stammbuch eingetragen. Unter Alexandra Stoya ist sie derzeit auf dem besten Weg, sich ihr Sportprädikat zu verdienen. Theuntje stammt aus der preferenten Stammbuchstute Eida ut ‘e Mieden (*1996, Pike 316 x Wessel 237 P, Stam 027) von deren 12 Nachkommen bislang 4 mit dem Sterprädikat ausgezeichnet wurden.
Sie befindet sich derzeit auf dem Ausbildungsstand L** und wird weiter gefördert.

Theuntje Training 6

Theuntje vom Lohorst – Copyright: A. Stoya

Yke E. (*2015) ist die Nachwuchshoffnung von Alexandra Stoya. Das Hengstfohlen von Tsjalle 454 aus der Zucht von Y.P. Elgersma im deutschen Westerholt stammt aus der Sterstute Sabina (*2005, Sape 381 x Hearke 254 P, Stam 001). Diese junge Zuchtstute hat bislang 6 Fohlen gebracht. Ihre Mutter wiederum ist die sterpreferente Wina (*1991, Hearke 254 P x Peke 268), die 4 Sternachkommen aus ihren insgesamt 10 Fohlen vorweisen kann.

Yke E - Alexandra Stoya

Yke E. – Foto: Sabina Wiggins

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Alexandra Stoya für die bereitwillige Gewährung dieses Interviews bedanken und wünsche ihr von Herzen alles Gute und viel Erfolg im Sport und mit ihren wunderbaren Pferden!

Titelbild: Alexandra Stoya und Theuntje vom Lohorst / Foto: Sabina Wiggins