Friesenfokus – Helden im Viereck: Alexandra Stoya

Unter dem Titel “Friesenfokus – Helden im Viereck” möchte ich Menschen zu Wort kommen lassen, die durch ihren täglichen Einsatz und das Ausleben ihrer Leidenschaft das Friesenpferd ins Rampenlicht des Sports rücken. Ihnen ist es zu verdanken, dass dem Ruf des Friesen als “Kutschpferd” lebende und oftmals erfolgreiche Beweise entgegen gesetzt werden, die eindrucksvoll die Vielfältigkeit und Leistungsfähigkeit dieser wunderbaren Rasse demonstrieren. Dabei ist es für mich persönlich nebensächlich, ob diese ambitionierten und engagierten Reiter international im “großen Sport” starten, oder ihre Friesen regional dem interessierten Publikum präsentieren – sie alle helfen mit bei der Mission, den oftmals unberechtigt schlechten Ruf des Friesen in der Pferdesportszene gerade zu rücken.

Ich freue mich ungemein, eine sehr erfolgreiche und überaus engagierte Reiterin für den ersten Teil dieser Interview-Serie gewonnen zu haben und wünsche meinen lieben Lesern viel Vergnügen beim Lesen dieses wunderbaren Interviews mit Alexandra Stoya!

Helden im Viereck - Alex Stoya

Friesenpanorama International: Friesen haben im Sport vielerorts immer noch einen zweifelhaften Ruf und gelten landläufig als Exoten im Teilnehmerfeld. Wie bist du „auf den Friesen“ gekommen und woher kam deine Motivation, dich mit deinem Pferd im Sport zu präsentieren?

Alexandra Stoya: Die Vorbesitzerin meines ersten Pferdes (ein Shagya-Araber) besaß einen Friesenwallach, von dem ich auch sehr begeistert war. Außerdem hatte meine Freundin einen Friesenwallach, mit dem sie erfolgreich bis zur Klasse L Turniere ritt, einige Male waren wir mit meinem Araber und ihrem Friesen in Paarklassen unterwegs. Diese Kontakte weckten den Friesenvirus in mir, aber es dauerte noch einige Jahre, bis sich der Traum vom eigenen Friesen erfüllte. Anfang 2000 kaufte ich zu meinem Hannoveraner Wallach einen 6 jährigen Friesenwallach (von Leffert) dazu. Ein feines Pferd mit ansprechenden Bewegungen und einer Begabung zur Dressur. Aus privaten Gründen trennten sich unsere Wege nach nur einem Jahr. Aber es stand fest, irgendwann wieder ein Friese. 2004 ging ich erneut auf die Suche und im August des Jahres kam Bernhard El. zu mir. Ein damals 4-jähriger Wallach, leicht angeritten, den ich selber mit stetigem Reitunterricht ausgebildet habe. „Bernie“ war schon immer sehr leicht abzulenken und umweltorientiert, was uns die wenigen Dressurstarts erschwerte. Trotzdem konnte ich mit ihm 2006 das Finale der JFPMDA in Leeuwarden erreichen und dort gelang uns der 4. Platz in der Gesamtwertung.

Meine Hoffnung lag auf meinem Nachwuchspferd Theuntje, sie entwickelte sich zum feinen Dressurpferd, allerdings bin ich lange Zeit nur für mich zu Hause geritten. Erst 2015 begann Theuntjes Turnierkarriere.

Ein Friese ist ein Pferd, wie jedes andere auch. Da ich diese Rasse lieben und achten gelernt habe, stellte sich mir gar nicht die Frage für den Dressursport ein anderes Pferd zu wählen. Entweder mit einem Friesen oder halt gar nicht.

Spaß im Gelände 2016

Geländeritt mit charmanter Begleitung – Copyright: A. Stoya

FPI: Warst oder bist du mit Vorurteilen bzgl. der Rasse deines Pferdes im Sport konfrontiert (von Richtern, Konkurrenten, Zuschauern?) und inwiefern beeinflussen dich die oftmals negativen Vorurteile gegenüber Friesen im Sport?

AS: Einfache Antwort: Ja! Es gibt genug Mitstreiter, die uns belächeln, weil die Friesen ja eigentlich vor die Kutsche gehören. Leider gibt es auch noch einige Richter, die Friesen im Turniersport nicht gerne sehen. Aber davon lasse ich mich nicht beirren oder beeinflussen, denn so weit muss manch anderer erst mal kommen. An manchen Tagen zeigen wir eine gute und korrekte Vorstellung, an anderen Tagen auch mal nicht, wobei ich sagen muss, dass es dann fast immer an mir liegt :).  Jede Dressurprüfung bringt mich ein Stück weiter. Von den Zuschauern gibt es meist nur positive Kommentare, ihnen gefällt oft ein Friese im Dressurviereck.

Training Theuntje 2014-1

Durchaus beneidenswert! Theuntje vom Lohorst im Training unter Alexandra Stoya – Copyright: A. Stoya

FPI: Welche Eigenschaften schätzt du in sportlicher Hinsicht besonders an deinem Pferd bzw. was macht dein Pferd für dich als Reiter besonders sportgeeignet? Gibt es auch rassespezifische Eigenschaften des Friesen, die in deinen Augen sportlich von Vorteil / Nachteil sind? Wenn ja, welche?

AS: Theuntje ist meist motiviert und lernt schnell und lässt sich sehr korrekt durch die Prüfungen reiten. Durch eine vielseitige Ausbildung (Gelände, Dressur und auch Springgymnastik) ist sie recht unerschrocken und durch den Trubel rund um das Dressurviereck lässt sie sich nur ganz selten ablenken.

Vorteile oder Nachteile … sicher gibt es Friesen, die nicht so sehr im Dressurpferdetyp stehen, z.B. mein Bernie. Bei ihm sehe ich das kurze, unterständige Vorderbein als Nachteil, allerdings hat er eine tolle Galoppade. Theuntje ist korrekt gebaut, könnte die Kruppe schöner haben, aber  vor allem verlief ihre Ausbildung korrekt nach der „Skala der Ausbildung“. Wenn man das beherzigt, kann auch ein Friese , der vielleicht nicht so sehr im typischen Dressurpferdetyp steht, korrekt durch Dressurprüfungen gehen. Ob es immer bis in den großen Sport reicht, das liegt sicher auch am Potential von Pferd und Reiter.

Bernie & Alex 2016 - Foto Sabina Wiggins

Bernhard El. & Alexandra Stoya – Foto: Sabina Wiggins

FPI: Beschreibe uns bitte kurz den gemeinsamen sportlichen Werdegang von dir und deinen Pferden.

AS: Mit Bernie habe ich mich nach wenigen Versuchen in A-Dressuren entschieden, dass das vorerst nicht unser Ding ist und ich wartete ab, was mal aus meinem Nachwuchspferd Theuntje vom Lohorst wird. Theuntje zog als Absetzer im Dezember 2006 bei mir ein, wuchs gemeinsam mit einer gleichaltrigen Shettystute auf und stand immer zusammen im Herdenverband mit meinen Wallachen. Liebevoll wurde sie von Charly, einem älteren Tinker-Wallach großgezogen, bis sie später dann auf ihn Acht gegeben hat.

Bei der Ausbildung von Theuntje machte ich von Beginn an einiges anders als bei Bernie, auch hier hatte ich immer guten Reitunterricht und sie wurde nie in Beritt oder Ausbildung gegeben. Ich wollte es selber machen, so gut ich dazu in der Lage war. Schnell merkte ich, dass sie über gute GGA verfügt und sich in der Dressurarbeit gerne angeboten hat. 4-jährig fingen wir mit etwas mehr Dressurarbeit an und auf der Zuchtschau in Assen wurde sie 2010 ins Stammbuch aufgenommen. Am selben Tag gelangen uns in der JFPMDA 66 Punkte und das Ticket für das Finale in Drachten war gesichert. O-Ton des Vorführers: „Ein gutes Pferd für Dressur, aber nicht so gut für den Ring”. In Drachten lief es gut für uns und am Ende stand Theuntje mit 68 Punkten auf Rang 4 der 4-jährigen Stuten.

Zum Starten auf herkömmlichen Turnieren fehlte mir noch die Motivation. Ich bildete Theuntje weiter aus und 6- und 7-jährig wurde sie einige Male von der Tochter einer Stallkollegin erfolgreich in Dressurwettbewerben vorgestellt. Erst als Theuntje 9 Jahre alt wurde, beschloss ich, das Ganze selber mal zu versuchen. Es folgte die Turnierpferdeeintragung bei der FN und im März 2015 ging es dann los. Ich nannte A- und L-Dressuren, erstere mit großen Erfolgen – viele Siege und hohe Platzierungen- letztere mit anfangs niedrigen Wertnoten, bis hin zu 7 Platzierungen in der laufenden Saison.  Dieses bedeutete für die nächste Saison die Höherstufung in Leistungsklasse 4, somit auch startberechtigt in L-Dressuren auf Kandare geritten. Die Saison 2016 war ebenso zufriedenstellend wie in 2015. Nicht mehr ganz so viele Siege wie im Vorjahr, aber viele Platzierungen und einige Siege in A, L und Kandaren-L. Zwei Starts hatten wir in Dressurprüfungen der Klasse L**, in denen wir bereits 3 Punkte für das Sportprädikat sammeln konnten.

2017 geht es weiter, die ersten Schleifen sind gesammelt, aber die Konkurrenz schläft nicht und nach wie vor wird einem nichts geschenkt. Aber noch macht es Spaß und solange Theuntje weiterhin motiviert ist, mache ich gerne weiter.

Theuntje Turnier 2015

Ein schöner Anblick im Viereck: Alexandra Stoya auf Theuntje vom Lohorst – Copryright: A. Stoya

FPI: Welche deiner bisherigen sportlichen Erfolge waren bzw. sind für dich von besonderer Bedeutung? Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?

AS: Besonders stolz bin ich auf das Ergebnis bei der CK in Drachten 2010, 4. Platz bei den 4-jährigen Stuten in der JFPDMA, das war klasse. Natürlich der Titel zum Stadtmeister Dressur in Emden 2015 und der Vizemeistertitel bei den Ostfriesischen Landesmeisterschaften 2015 in der Dressur A/L der Ü-40-Reiter. Ich meine, dass Theuntje der erste Friese überhaupt dort war, der bei der Meisterehrung dort mit einritt. Die zwei zweiten Plätze im Finale des DFZ-Cups 2015 und 2016 haben mich natürlich auch sehr gefreut. Aber insgesamt gesehen bedeutet mir jede einzelne Platzierung etwas, nämlich dass es durchaus möglich ist, sich mit einem gut gerittenen und vor allem korrekt ausgebildeten Friesen in Dressurprüfungen zu beweisen und zu bestehen.

Stadtmeister Emden 2015

So sehen Sieger aus! Stadtmeisterin Emden 2015 – Copyright: A. Stoya

FPI: Wohin soll eure gemeinsame Reise im Sport gehen? Welche weiteren Ziele verfolgst du mit deinem Pferd?

AS: Das nächste Ziel ist das Sportprädikat. In Deutschland sind dafür 5 Gewinnpunkte in der Klasse L** erforderlich. Ab einer Wertnote von 6,0 gibt es 1 Gewinnpunkt, ab 6,5 schon 2 Punkte. Mit meinen zwei Starts in L** im letzten Jahr konnte ich mir mit Noten von 6,2 und 6,8 bereits 3 Gewinnpunkte sichern. Leider sind L** Dressuren weniger ausgeschrieben und in diesem Jahr nehme ich dafür auch weitere Wege in Kauf. Schauen wir mal, ob es dann reicht. Auf lange Sicht wäre es ein Traum, auch einmal in Dressurprüfungen der Klasse M zu starten. Darauf arbeiten wir im Reitunterricht hin, aber natürlich auch an noch mehr Sicherheit in der Klasse L

FPI: Welche Meinung hast du zu den Bemühungen des KFPS und seiner Tochtervereine, die Präsenz von Friesen im Sport zu verstärken?

AS: Friesen im Sport sind eine gute Sache, wer die Möglichkeiten hat, entsprechende Prüfungen selber zu reiten oder sein Pferd vorstellen zu lassen, sollte sie nutzen. Hengste über den Sport zu kören ist doch gut, denn u.U. geben sie gute Eigenschaften für ein künftiges „Sportpferd“ weiter.

FPI: Gibt es für dich auch wichtige Besonderheiten betreffend die Haltung und Pflege deiner Sportpferde? Wie gestaltet sich die Haltung deiner “friesischen Sportler”?

AS: Ich habe im Laufe der Jahre immer versucht, die Haltung meiner Pferde zu optimieren und so artgerecht wie möglich zu gestalten. Meist hatte ich einen eigenen Stalltrakt oder eine Stallgasse in einem normalen Pensionsstall, dazu i.d.R. einen eigenen Paddock und eine eigene Weide, sodass ich weitestgehend mein eigener Herr war. Somit konnte ich die Fütterung und den Auslauf meiner Pferde das ganze Jahr hindurch selber bestimmen. Anfang diesen Jahres habe ich meine Pferde in einen kleinen, privaten Offenstall mit Paddocktrail gestellt. Für meine beiden Stuten gibt es für die Nacht eine schöne offene Box ohne Gitter und tagsüber stehen alle zusammen im Offenstall, können rein und raus, haben eine stets gefüllte Heuraufe vor der Nase und bestimmen selber, wann sie fressen, spielen, dösen oder richtig schlafen wollen. Die Kraftfuttergabe wird von mir je nach Leistung angepasst, ich versorge meine Pferde dahingehend selber. Es gibt ganz einfach Hafer und Pellets, kein besonderes Friesenfutter, kein Barockpferdemüsli, denn auch ein Friese ist letztendlich „nur“ ein Pferd :)!

Meine Pferde sind nicht ein Teil meines Lebens, sie sind mein Leben!

Bernie Sommer 2016

Freunde für’s Leben – Bernhard El. & Alex Stoya – Foto: Sabina Wiggins

FPI: Würdest du dich in sportlicher Hinsicht nach deinen Erfahrungen wieder für einen Friesen als Sportpferd entscheiden und auf welche Kriterien würdest du dabei besonders achten?

AS: Ja, meine Friesen sind für mich nicht nur einfach Pferde, es ist eine Lebenseinstellung. Deshalb steht der nächste Nachwuchs schon auf der Weide, ein kleiner Tsjalle 454 x Sape 381 wartet auf seine spätere Ausbildung bei mir.

FPI: Gibt es abschließend noch etwas, was du aufstrebenden Friesenreitern hinsichtlich Einstieg in den Sport raten oder mit auf den Weg geben möchtest?

AS: Natürlich nicht unterkriegen lassen :). Scherz beiseite, ganz wichtig ist eine gute und pferdegerechte Ausbildung, dazu braucht es keine speziellen Friesenausbilder oder gar Barockpferdeausbilder. Einfach jemanden suchen, der feines Reiten gemäß der Skala der Ausbildung vermittelt. Nichts überstürzen, aber auch nicht erst mit 6 Jahren oder älter mit dem Anreiten anfangen. Eine korrekte Grundausbildung ist das A und O, natürlich gepaart mit einer passenden Ausrüstung für Pferd und auch Reiter.


Zur Person:

Alexandra Stoya, geb. 1969, lebt mit ihrem Ehemann und ihren Pferden in Ostfriesland. Mit ihren im Sport vorgestellten Friesen Theuntje vom Lohorst und Bernhard El. erreichte sie u.a. 2006 und 2010 das Finale des JFPMDA (beide Male mit einem hervorragenden 4. Platz), war 2015 und 2016 Zweitplatzierte im Finale des DFZ-Cups, gewann die Dressur-Stadtmeisterschaft Emden 2015 und wurde Vizemeisterin der Ostfriesischen Landesmeisterschaften 2015 (Dressur Ü40).
Auf Theuntje vom Lohorst startet sie akutell in der Klasse L**.

Bernie 2016 - Foto Sabina Wiggins.JPG

Bernhard El. – Foto: Sabina Wiggins

Zu den Pferden:

Bernhard El. ist ein 2000 geborener Wallach aus der Zucht von R. Elsinga im niederländischen Nijeholtpade. Sein Vater ist der bekannte Sportpionier Jakob 302, er stammt aus der Sterstute Geertje El. (*1994, Oltman 317 x Oege 267 P, Stam 078), die insgesamt 14 Fohlen zur Welt gebracht hat – darunter die Sterstute Elvira El. (v. Anne 340) und die Ster + Sportstute Germa El. (v. Tsjerk 328 P). Alexandra beschreibt ihn als ihren “Fels in der Brandung”.

Theuntje vom Lohorst (geb. 2006) – das Deluxe-Muckel 😉 – stammt aus der deutschen Zucht von D. Pospischil in Edewecht/Wittenberge. Die Brandus 345 P x Pike 316 gezogene Stute erhielt als Fohlen eine 2. Prämie und wurde 2010 in das Stammbuch eingetragen. Unter Alexandra Stoya ist sie derzeit auf dem besten Weg, sich ihr Sportprädikat zu verdienen. Theuntje stammt aus der preferenten Stammbuchstute Eida ut ‘e Mieden (*1996, Pike 316 x Wessel 237 P, Stam 027) von deren 12 Nachkommen bislang 4 mit dem Sterprädikat ausgezeichnet wurden.
Sie befindet sich derzeit auf dem Ausbildungsstand L** und wird weiter gefördert.

Theuntje Training 6

Theuntje vom Lohorst – Copyright: A. Stoya

Yke E. (*2015) ist die Nachwuchshoffnung von Alexandra Stoya. Das Hengstfohlen von Tsjalle 454 aus der Zucht von Y.P. Elgersma im deutschen Westerholt stammt aus der Sterstute Sabina (*2005, Sape 381 x Hearke 254 P, Stam 001). Diese junge Zuchtstute hat bislang 6 Fohlen gebracht. Ihre Mutter wiederum ist die sterpreferente Wina (*1991, Hearke 254 P x Peke 268), die 4 Sternachkommen aus ihren insgesamt 10 Fohlen vorweisen kann.

Yke E - Alexandra Stoya

Yke E. – Foto: Sabina Wiggins

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Alexandra Stoya für die bereitwillige Gewährung dieses Interviews bedanken und wünsche ihr von Herzen alles Gute und viel Erfolg im Sport und mit ihren wunderbaren Pferden!

Titelbild: Alexandra Stoya und Theuntje vom Lohorst / Foto: Sabina Wiggins

Quantitative Entwicklung der KFPS-Zucht 1996 – 2016

Meinen treuen Langzeit-Lesern ist meine Vorliebe für statistische Spielereien schon hinlänglich bekannt – um auch neue Leser damit vertraut zu machen, möchte ich heute einen Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der KFPS-Zucht in den letzten 20 Jahren werfen, auch um die Frage zu beantworten, wie man “hohe Deckzahlen” definieren kann.

Der sehr transparente Umgang des KFPS mit den quantitativen Fakten der eigenen Zuchtgeschichte erlaubt uns den Zugriff auf viele wichtige Daten der vergangenen Jahrzehnte – so u.a. auf sowohl die Gesamtdeckzahlen, als auch auf die Einzeldeckzahlen der lizenzierten Deckhengste.

Wie vielen langjährigen Beobachtern der Friesenzucht bekannt sein dürfte, erholt sich die KFPS-Zucht im Moment langsam von einem enormen Einbruch der Bedeckungszahlen (siehe Grafik).

Nach einem regelrechten Friesenboom im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre, stürzten die Deckzahlen zwischen 2008 und 2014 beinahe ins Bodenlose und erholen sich seither nur langsam.

Entwicklung Deckhengste 002

Für mich stellte sich in Anbetracht dessen die Frage, inwiefern dieser Einbruch der Deckzahlen die Populationsdynamik hinsichtlich des “popular sire”-Effekts beeinflusst hat. Um dieser Frage zu begegnen, habe ich in der oberen Grafik die Gesamtdeckzahlen dem jeweils höchsten Einzelwert (also der besten Deckzahl des Jahres eines einzelnen Hengstes) gegenübergestellt. Interessant daran ist, dass der rapide Rückgang der Total-Deckzahlen der Beliebtheit der jeweilig aktuellen “Modehengste” nicht besonders abträglich gewesen zu sein scheint. Erreichten in den Jahren des Friesenbooms die beliebtesten Hengste 276 (2002, Onne 376) bzw. 302 (2003, Folkert 353 P) von jeweils über 8400 Bedeckungen, so schaffte es im Jahr 2014 der junge Epke 474 auf 209 Bedeckungen bei einem Total von nur knapp über 4000 registrierten Decksprüngen.

Wenn man diese Zahlen in ein prozentuales Verhältnis umrechnet, so zeigt sich, dass in den bedeckungsstarken Jahren auf den jeweils beliebtesten Deckhengst 3,0 – 3,5% der gesamten Bedeckungen entfallen, wohingegen dieser Wert in den bedeckungsschwachen Jahren auf über 5,0% und teilweise sogar auf über 6,0% steigt.

Entwicklung Deckhengste 003

Noch stärker zeigt sich diese Auswirkung, wenn man die Deckzahlen der 5 beliebtesten Deckhengste jeden Jahres zusammennimmt und den prozentualen Wert aus den Totalzahlen errechnet. In den Jahren 2002 und 2003 gingen 14,0 – 15,0% aller Bedeckungen auf das Konto der “Top 5”, seit 2013 liegt dieser Wert konstant bei über 21,0%.

Rechnet man nun den Wert der 15 gefragtesten Deckhengste pro Jahr mit ein, wird anhand der Grafik schnell ersichtlich, welches Problem sich daraus ergibt. Deckten die 15 beliebtesten Deckhengste in den Jahren 2002 und 2003 ca. 35,0% aller Stuten, so stieg dieser Wert im Laufe der Jahre 2014 – 2016 auf konstant über 50,0%.

Dass das aber nicht an einer eingeschränkten Hengstauswahl liegen kann, zeigt die nächste Grafik.Entwicklung Deckhengste 001

Hier habe ich die Anzahl der aktiven Deckhengste pro Jahr (Hengste, von denen mindestens eine Bedeckung registriert wurde) der durschnittlichen Bedeckungszahl/Jahr gegenüber gestellt.

Deutlich zeigt sich hier, dass sich die Anzahl der aktiven Deckhengste seit 2003 in einem konstanten Hoch befindet (erst 2016 fiel diese Zahl erstmals wieder knapp unter 85 Hengste). Die durchschnittlichen Bedeckungen pro Hengst hingegen folgen weitestgehend dem Verlauf der Gesamtdeckzahlen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die jährlichen “Topper” in der Deckstatistik vom Rückgang der Gesamtdeckzahlen nur wenig betroffen sind, lässt dies nur den Rückschluss zu, dass die bei den Züchtern weniger beliebten (dabei aber für die genetische Diversität der Population äußerst wichtigen!) Deckhengste den Einbruch der Bedeckungen massiv zu spüren bekommen. Diese Entwicklung kann man durchaus als besorgniserregend betrachten, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass das Feld der beliebtesten Deckhengste teilweise über Jahre hinweg nur kleinen Änderungen unterworfen ist und zum Teil aus Hengsten besteht, die in enger verwandtschaftlicher Beziehung zueinander stehen.

In den letzten Jahren kann also durchaus beobachtet werden, dass die Friesenzucht in gewisser Weise auf einen “genetischen Flaschenhals” zusteuert, dem nur mit einer – in Bezug zur Gesamtpopulation – überlegten Zucht- und Körpolitik beizukommen ist, der auch einen Appell an die Mitverantwortung der Friesenzüchter beinhalten muss.

Hengstlinien in Wort und Bild

Für Züchter von Friesenpferden ist es essentiell, die Abstammung der von ihnen gewählten Zuchttiere genau zu studieren und in den Stammbäumen nach Kriterien und Merkmalen zu suchen, die ihrem persönlichen Zuchtziel entsprechen. Doch auch für interessierte Laien kann es höchst interessant sein, sich intensiver mit den Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnissen der Friesen auseinanderzusetzen, ergibt sich dadurch doch oft ein neuer Blickwinkel auf den eigenen Geschmack in Sachen Friesentyp.

Das KFPS macht es uns dabei leicht – zumindest für die Deckhengste wird jedes Jahr ein (abgespeckter) Hengststammbaum publiziert, der die direkte Abstammung (die Hengstlinie) aller aktiven Deckhengste über mehrere Generationen hinweg grafisch darstellt. Darauf fehlen aber größteils abgekörte und verstorbene Hengste sowie “blinde Zweige”, also Hengstlinien, aus denen kein Vererber mehr am Leben ist. Dieser Umstand ist der besseren Übersichtlichkeit geschuldet, vermittelt dadurch aber auch einen etwas verzerrten Eindruck des Stammbaums in seiner Gesamtheit.

Ich habe mir schon vor langer Zeit die Mühe gemacht, einen vollständigen Stammbaum der Hengstlinien (beginnend mit dem Vorfahren aller heute noch aktiven Deckhengste – Nemo 51) grafisch anzulegen, den ich heute mit meinen lieben Lesern teilen möchte (Achtung – Riesengrafik im Anmarsch! 😉 ).

Farblegende: grau = verstorben / rotbraun = abgekört / orange = preferent / blau = aktiv

Hengstlinien 04-05-2017

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Im Folgenden möchte ich gerne etwas näher auf die 6 Hengstlinien eingehen, die in der KFPS-Zucht unterschieden werden. Dazu ist allerdings vorab zu sagen, dass in der Betrachtung der einzelnen Hengstlinien nie vergessen werden darf, dass diese Einteilung nur die direkten Vaterlinien berücksichtigt, nicht jedoch die Abstammungslinien der Mutterstuten. Würde man diese miteinbeziehen, wären die Hengststammbäume so groß, dass sie kaum noch überschaubar und verständlich wären (ich habe ein Gesamtexemplar inklusive Muttervätern angefertigt, welches sich aus eben diesen Gründen nicht als Grundlage für einen Artikel eignet 🙂 ). Insofern muss man bedenken, dass die Hengstlinien in der Realität weitaus enger verflochten und verzweigt sind, als das aus dieser vereinfachten, nur auf der Vaterlinie basierenden Darstellung hervorgeht. Dabei gebe ich auch zu bedenken, dass man zumindest hinterfragen kann, ob man überhaupt vom “Aussterben” mancher Hengstlinien (z.B. der Gerke-Linie) sprechen kann, weil die “Gründerhengste” sich häufig auch über ihre Töchter sehr dominant in andere Hengstlinien einbringen.

Die Ritske-Linie

Hengststammbaum - Ritske

Die Ritske-Linie ist begründet durch den preferenten Ritske 202 (*1955, Eelke 183 x Tiemen 159) und in weiterer Folge durch seinen ebenso preferenten Enkelsohn Tsjalling 235 (*1967, Hotse 223 x Bouke 174 P), auf den alle heute noch aktiven Hengste dieser Linie zurückgehen.

Die Töchter von Ritske 202 P waren äußerst erfolgreiche Hengstmütter, er ist als Muttervater von imponierenden 13 Hengsten eingetragen (darunter Größen wie Mark 232P und Wessel 237 P).

In der direkten Linie ist vor allem der Preferenthengst Naen 264 (*1976, Ferdinand 252 x Kerst 190) zu nennen, welcher der modernen Friesenzucht durch erfolgreiche Nachkommen wie Barteld 292,  Jakob 302 und Doaitsen 420 einen beständigen Stempel aufgeprägt hat.
Aus einem Nebenzweig stammen darüber hinaus der im Dressursport hoch erfolgreiche Arjen 417 und dessen Söhne Wytse 462 und Haike 482.

13 Hengste aus dieser Linie sind beim KFPS als aktive Deckhengste geführt, der in der Grafik noch blau markierte Fede 350 befindet sich bereits seit Jahren in Rente und wird züchterisch nicht mehr genutzt.

Die Wessel-Linie

Hengststammbaum - Wessel

Die Wessel-Linie trägt den Namen des 1968 geborenen Wessel 237 Preferent (Jarich 226 x Ritske 202 P).

Die 10 heute noch aktiven Hengste dieser Linie stammen aus den beiden Wessel-Söhnen Oege 267 Preferent (*1977, Wessel 237 P x Hindrik 222) und Djurre 284 (*1982, Wessel 237 P x Nanne 197). Diese Linie erscheint relativ klein, hat aber in den letzten Jahren durch Thorben 466, Alwin 469 und Aarnold 471 drei sehr gefragte und qualitativ sehr gute Vererber dazu gewonnen.
Das preferente “Mähnenwunder” Anton 343 ist ein wichtiger, noch lebender Vertreter dieser Linie, genießt jedoch schon seit einigen Jahren seinen Ruhestand in den USA.

Die Ygram-Linie

Hengststammbaum - Ygram

Die Ygram-Linie ist eine relativ neue “Erfindung” in der Beschreibung der Hengstlinien. Noch vor wenigen Jahren wurden die Nachkommen von Ygram 240 gemeinsam mit den Nachkommen von Hearke 254 P und Jochem 259 P zur überdimensional großen “Mark-Linie” zusammengefasst (bezogen auf den Vater der drei vorgenannten, Mark 232 P). Durch die Aufspaltung dieser in drei Linien wurde der Stammbaum insgesamt übersichtlicher und leichter nachvollziehbar.

Ygram 240 (*1969, Mark 232 P x Ritske 202 P) war 20 Jahre als Deckhengst aktiv (von 1973 – 1993), seine Deckzahlen erreichten dabei aber nie nennenswerte Höhen. Von seinen 4  Hengstnachkommen konnte sich nur Sierk 326 (*1989, Ygram 240 x Tsjalling 235 P) in nennenswerter Weise durchsetzen, dessen Enkelsohn Maurits 437 in den letzten Jahren 3 Junghengste in die Linie einbringen konnte.

Mit 7 aktiven Deckhengsten gehört diese Linie mit zu den kleinsten, wenngleich sie durch die Ankörung von Eise 489, Markus 491 und Jurre 495 durchaus zukunftsträchtige Vererber beinhaltet.

Die Hearke-Linie

Hengststammbaum - Hearke

Mit 20 aktiven Deckhengsten ist die Hearke-Linie ein überaus starker Zweig mit ausgesprochen hochkarätigen Vererbern. Hearke 254 P (*1973, Mark 232 P x Tabe 203) gilt als einer der einflussreichsten Friesen-Deckhengste der letzten 50 Jahre – als erfolgreiches Tuigpaard posthum mit dem Sportprädikat geehrt, gab der gerne als “König der Friesen” bezeichnete Hengst nicht nur seine Sportbegabung, sondern auch sein hervorragendes Exterieur an 9 gekörte Söhne, als Muttervater an sagenhafte 13 Enkelsöhne und an unzählige weitere Nachkommen weiter.

Die großen Namen dieser Linie sprechen für sich: Reitse 272 P, Teunis 332 P, Brandus 345 P, Jasper 366 P und Beart 411 P! Besonders über die Linie von Jasper 366 und dessen Sohn Beart 411 konnte sich die Hearke-Linie zum wichtigsten Einfluss in der modernen Friesenzucht entwickeln, auch der viel zu früh verstorbene Teunis 332 prägte den modernen Friesen hinsichtlich Rassetyp und vor allem Stockmaß mit.
Mit Jouwe 485, Meinte 490 und dem jungen Siert 499 wurden auch in den letzten Jahren Junghengste aus dieser Linie angekört.

Die Jochem-Linie

Hengststammbaum - Jochem

40 aktive Deckhengste laut KFPS zählt die größte der 6 Hengstlinien, die auf den 1974 geborenen Jochem 259 Preferent (Mark 232 P x Gerke 220) zurückgeht. Dieser auch im Tuigsport erfolgreiche Stempelhengst brachte mit Feitse 293 Preferent (*1983, Jochem 259 P x Bjinse 241) einen der einflussreichsten Deckhengste der jüngeren KFPS-Geschichte. Besonders dessen ebenfalls preferenter Sohn Tsjerk 328 (*1990, Feitse 293 P x Nanne 197) konnte eine wahre Dynastie erfolgreicher Nachkommen hinterlassen, die bis heute die Friesenzucht mit dominieren – besonders zu nennen ist hier sicherlich der dreimalige HK-Kampioen Norbert 444, von dem in den letzten Jahren 5 Söhne gekört wurden und der seit Anfang 2016 seine Erfolgskarriere in den USA fortführt.

Auch der preferente Leffert 306 (*1986, Tamme 276 x Oepke 266) entspringt der Jochem-Linie – seine zahlreichen Nachkommen zeichnen sich bis heute in vielen Fällen durch einen unverwechselbaren, “halsbetonten” Look aus, der in der Friesenszene viele Liebhaber gefunden hat. Über seinen 2015 verstorbenen Sohn Mintse 384 ist Leffert 306 P darüber hinaus der Großvater des in den letzten Jahren überaus erfolgreichen Tsjalle 454, der sich anschickt, Norbert 444 den Rang als regierender “Vererbungskönig” abzulaufen.

Die Gerke-Linie

Hengststammbaum - Gerke

Nur noch durch Fabe 348 P und seine drei Söhne Sape 381, Jorn 430 und den jungen Alke 468 ist die Gerke-Linie repräsentiert, zu deren wichtigsten Vertretern der über lange Zeit populäre Lammert 260 Preferent (*1975, Bjinse 241 x Evert 216) zählt, der neben 5 gekörten Söhnen auch 12 Enkelsöhne als Muttervater hinterließ (darunter z.B. Olof 315, Teunis 332 P und Mintse 384).

Der Gründerhengst Gerke 220 (Age 168 x Wouter 162) wurde 1961 geboren und war zwischen 1964 und 1979 als Deckhengst aktiv. Zu seinen wichtigsten Nachkommen zählen kurioserweise nicht seine beiden Söhne, sondern vielmehr die Stute Ottsje Ster Pref, welche als Mutter von Jochem 259 P sozusagen die Gründerstute der oben beschriebenen Jochem-Linie ist.


Über die Hengstlinien gäbe es noch sehr viel mehr zu erzählen, das würde aber die Lesbarkeit des Artikels und damit die Geduld meiner lieben Leser etwas überstrapazieren. Darüber hinaus brauche ich ja auch noch Material für spätere Artikel ;), insofern belasse ich es bei diesem oberflächlichen Überblick. Wer die Muße hat, kann sich natürlich gerne in die grafische Aufarbeitung vertiefen, für Fragen / Beschwerden / Wünsche dazu stehe ich wie immer gerne via E-Mail oder PN auf meiner Facebook-Seite zur Verfügung.

Hochdekorierte Qualitätsmütter – Teil 2

Viele warten schon seit geraumer Zeit auf eine Fortsetzung der Portraitreihe “Hochdekorierte Qualitätsmütter”, deren erster Teil im Februar 2017 erschienen ist.
Das Warten hat nun ein Ende, hier kommt Teil 2!

Stuten sind in der öffentlichen Wahrnehmung der Pferdezucht-Szene leider immer wieder etwas unterrepräsentiert, das Hauptaugenmerk liegt auf den “Stempelhengsten”, also jenen männlichen Vererbern, die die Zucht durch die Quantität und Qualität ihrer Nachkommen maßgeblich prägen bzw. prägten. Stuten können an diese Erfolge in quantitativer Hinsicht schon aus den gegebenen biologischen Gründen nicht anknüpfen – selten bringen es selbst äußerst fruchtbare Mütter in ihrer Karriere auf mehr als 15 Nachkommen. Qualitativ betrachtet steht so manche Stute aber einem “Stempelhengst” um nichts nach und insofern ist es mir ein Anliegen, in einer kleinen Serie solche “Qualitätsmütter” zu beleuchten.

Els F.T. Kroon Sport Pref*5 Prest

Els F.T. ist interessierten Zuschauern der Hengstenkeuring als Pferd des Jahres 2015 bekannt – diese besondere Ehrung wurde der Ausnahmestute aufgrund ihrer außergewöhnlichen Vererbungsleistung zu teil. Und außergewöhnlich ist diese wirklich!

Els F.T. wurde am 05.03.2001 im niederländischen Terwispel bei F. van der Velde geboren. Die Fabe 348 P-Tochter stammt aus der wohlbekannten Hengstmutter Olcha Model Pref Prest (Feitse 293 P x Naen 264 P, Stam 050), zu deren Nachkommen auch der in den USA stationierte KFPS-Deckhengst Sape 381 (*1997, v. Fabe 348 P – Vollbruder von Els F.T.) zählt.

Als Fohlen nicht vorgestellt, erhielt Els F.T. im Jahr 2004 in Garijp eine 2. Prämie und wurde Ster erklärt. Im Jahr 2009 nahm die sportlich geförderte Stute an einer IBOP teil und erreichte schöne 76 Totalpunkte. Ein Jahr später, 2010, erhielt sie auf der Körung in Garijp eine 1. Prämie und erreichte kurz darauf die erforderlichen Ergebnisse, um das Sportprädikat zu erhalten. Noch im selben Jahr wurde die zu diesem Zeitpunkt 9-jährige Els Kroon erklärt.

Ihr erstes Fohlen brachte Els F.T. im Jahr 2005 bei Roelof Tjeerdsma (Friesenzucht “fan ‘e Boppelannen”) – die Doaitsen 420-Tochter Sinne T. fan ‘e Boppelannen erhielt ausschließlich 1. Prämien, wurde bereits 4-jährig Kroon erklärt (mit einem IBOP-Ergebnis von sagenhaften 88 Punkten!) und trägt seit 2012 wie ihre Mutter das Sportprädikat. Daneben wird diese Stute auch züchterisch genutzt – ihre bisher 6 geborenen Fohlen zeigen sich vielversprechend, die älteste Tochter wurde selbst bereits mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.

2006 brachte Els F.T. ein Hengstfohlen von Andries 415 zur Welt, 2007 folgte die Gjalt 426-Tochter Wende T. fan ‘e Boppelannen, die ihrerseits mittlerweile die Prädikate Ster und Sport trägt.
2008 wurde Alger T. fan ‘e Boppelannen Rb Ster Sport (v. Gjalt 426) geboren, der unter Heleen de Haas äußerst erfolgreich im Dressursport reüssiert und mittlerweile auf Intermediaire-Niveau vorgestellt wird.
Ebenfalls von Heleen de Haas im Sport herausgebracht wurde der 2009 geborene Fonger T. fan ‘e Boppelannen Ster Sport (v. Loadewyk 431).
Nach einem Jahr Pause brachte Els F.T. 2011 und 2012 jeweils ein Hengstfohlen von Tjalbert 460, 2013 brachte sie ihre bislang letzte Stertochter zur Welt – Rikst T. fan ‘e Boppelannen (v. Beart 411 P). Ein 2014 geborener Hengst von Norbert 444 sowie zwei Stutfohlen (*2015 v. Beart 411 P, *2016 v. Tsjalle 454) wurden bislang noch nicht vorgestellt.

Yasmijn R. Ster Pref*8 Prest

Auch diese Stute schaffte es bereits einmal ins Rampenlicht der Hengstenkeuring – sie war nominiert für den Titel “Pferd des Jahres 2016”. Der Titel ging zwar an den Deckhengst Eise 489, die züchterischen Hochleistungen von Yasmijn R. bleiben aber überaus bemerkenswert.

Die 1999 bei der Fam. Ruiter in Nij Beets geborene Yasmijn R. war das zehnte Fohlen der sterpreferenten Elsje (* 1983, Meindert 263 x Ritske 202 P). Ihr Vater Teunis 332 P zählte zum damaligen Zeitpunkt bereits mit zu den beliebtesten Deckhengsten aller Zeiten und führte über Jahre hinweg die Statistik der Deckzahlen an. Nichtdestotrotz ging Yasmijn R. aus ihrer ersten Körung im Jahr 1999 ohne Prämie hervor. Ein Jahr später konnte sie als Enter in Drachten eine 2. Prämie erreichen, 2002 wurde sie schließlich als 3-jährige ebenfalls in Drachten mit einer 2. Prämie zur Sterstute erklärt.

Im Jahr darauf brachte Yasmijn R. ihren ersten Sohn zur Welt, den Sape 381-Sohn Jorn S.R. Vb Ster. 2004 folgte ein weiteres Hengstfohlen von Sape 381 (Meint S.R. Vb Ster), 2005 wurde die Stute Sterre S.R. (v. Doaitsen 420) geboren, die später ebenfalls das Sterprädikat erhalten sollte.
2006 kam ein außergewöhnlich schönes Stutfohlen von Folkert 353 P zur Welt – Tinka S.R. wurde bereits 5-jährig mit dem Kroonprädikat ausgezeichnet und erreichte noch im selben Jahr (2011) das Prädikat Sport.
Die 2007 geborene Ypie S.R. (v. Doaitsen 420) wurde ebenfalls Ster erklärt, die 2008 geborene Annemieke S.R. (v. Onne 376) erreichte als zweite Tochter von Yasmijn R. die Prädikate Kroon und Sport.
2009 brachte Yasmijn R. ihre bislang letzte Stertochter, Fenne S.R. (v. Loadewyk 431) zur Welt und wurde im selben Jahr mit dem Preferentprädikat ausgezeichnet.
2010 und 2011 folgten zwei weitere Stutfohlen von Maurus 441 resp. Norbert 444, der 2012 geborene Folkert 353 P-Sohn Nozem S.R. erhielt als bislang letzter Hengstnachkomme von Yasmijn R. das Sterprädikat.
Ein weiteres Stufohlen von Thorben 466 (*2015) sowie ein 2016 geborener Sohn von Haike 482 warten noch auf ihre Körungen im Erwachsenenalter.

Mit bisher 8 Sternachkommen ist Yasmijn R. somit eine der wenigen “dubbelpreferenten” Zuchtstuten – es bleibt abzuwarten, welche Leistungen ihre Nachkommen weiterhin bringen werden und in welche Sphären die Zuchtleistung dieser Ausnahmestute noch vorzudringen vermag!

Mooi van Setse v.d. Hommershoeve Model Sport Pref*4

Mit sehr jungen Jahren reiht sich Mooi van Setse v.d. Hommershoeve in die ehrenvollen Ränge der Elite-Zuchtstuten ein. Die 2004 geborene und 2011 zur Modelstute erklärte Fabe 348-Tochter stammt aus der Zucht De Hommers Hoeve in Gameren, ihre Mutter ist die modelpreferente Setse Boszorg (v. Fetse 349, Halbschwester von Stendert 447!). In den vier ersten Generationen ihrer Mutterlinie (Stam 050) stehen ausschließlich Modelstuten – eine wahre Ausnahme in Sachen Zuchtsicherheit!

Mooi erhielt als Fohlen in Esbeek eine 2. Prämie, 2007 wurde sie mit einer 1. Prämie in das Sterregister eingeschrieben. Nach Absolvierung einer IBOP mit 79,5 Totalpunkten wurde die Stute im Jahr 2009 Kroon erklärt, 2011 erreichte sie das Sportprädikat und wurde schließlich als Modelstute ausgezeichnet.

Obschon erst 13 Jahre alt, brachte Mooi bislang 9 Fohlen, von denen bereits 4 mit dem Sterprädikat bedacht wurden. Dazu zählen die 2009 geborene Extra Mooi fan Dulve Ster Sport (v. Maeije 440), die 2010 geborene Gloria v. Mooi Ster Sport (v. Maurus 441), der Dries 421-Sohn Keimpe van de Demrostables Vb Ster (*2011) sowie dessen 2012 geborener Vollbruder Mazel Tov v. Mooi van de Demrostables Vb Ster. 2010 und 2012 wurden dabei via Embryotransfer jeweils 2 Fohlen dieser hervorragenden Zuchtstute geboren. 2015 brachte sie darüber hinaus ein Stutfohlen von Epke 474 zur Welt, im Vorjahr hatte sie ihr bisher letztes Fohlen von Tsjalle 454 (ebenfalls eine Stute).

Die Zuchtkarriere dieser noch recht jungen Stute ist jedoch noch nicht vorbei und es würde mich nicht wundern, wenn ihr Name noch größere Bekanntheit in den Annalen des KFPS erlangen würde.

 

 

Start der NL-Körungen in Harich und Kronenberg

Am vergangenen Wochenende startete in den Niederlanden die Körungsaison mit zwei großen Körveranstaltungen in Harich (29.04) und Kronenberg (30.04.), in deren Verlauf insgesamt 81 Pferde beurteilt und prämiert wurden.

Überaus erfreulich waren dabei die Fohlenrubriken, im Zuge derer zwei 1. Prämien und acht 2. Prämien an die 10 gestarteten Fohlen vergeben wurden. Einen vielversprechenden Einstand lieferte dabei der junge Nane 492, dessen erster gekörter Sohn Freark D.S. (x Wierd 409) in Harich gleich zu einer 1. Prämie lief. Auch Doekele G. fan ‘e Oasterein (Thorben 466 x Tsjalle 454) erhielt eine orangene Schleife.

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Prima Einstand in die Körungssaison – Nane 492! – Foto: MArkus Neuroth / friesenwiki.de

Eine sehr große Gruppe von ingesamt 32 Vb-Stuten stellte sich auf den beiden Körungen der Stammbuchaufnahme. 13 dieser Stuten wurden aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Qualität mit dem Sterprädikat ausgezeichnet, für Saly fan ‘e Goengamieden (*2013, Tsjalle 454 x Andries 415) und Teunke fan de Slachtedyk (*2014, Wylster 463 x Olof 315) hagelte es darüber hinaus in Harich jeweils eine fantastische 1. Prämie und die damit einhergehende Anweisung zur CK 2017.

Besonders freue ich persönlich mich für Ursula Alig-Infanger aus der Schweiz, deren Zukunftshoffnung Sinne fan Synaeda (*2013, Pier 448 x Tsjerk 328 P) sich in Kronenberg ebenfalls das Sterprädikat verdienen konnte. Herzlichen Glückwunsch!

4 weitere Sterstuten brachten die Körungen der 19 gemeldeten Stammbuchstuten.

Bei den Wallachen wurden nur 2 Pferde gekört, beide erhielten dabei ein Sterprädkiat. Rb Ster mit 2. Prämie wurde der 2013 geborene Siemen van de Hofstad (Beart 411 P x Tsjerk 328 P), eine 1. Prämie wurde an den Uldrik 457-Sohn Tymon van de Kastanjehof (*2014, x Loadewyk 431) vergeben.

Abschließend stellten sich 18 junge Hengste in den separat durchgeführten Vb-Hengstenkeuringen der Stererklärung durch die Jury. 11 davon erhielten das begehrte Sterprädikat, davon jeweils 2 Nachkommen von Beart 411 P, Alwin 469 und Tsjalle 454.

In Kronenberg wurde neben der Körung eine IBOP mit 14 teilnehmenden Pferden (alle in der Rijproef) veranstaltet.

Mit satten 80,0 Punkten konnte in dieser Prüfung die 2013 geborene Pippa C. (Norbert 444 x Beart 411 P) reüssieren, die mit diesem tollen Ergebnis gleichermaßen ihr Kroon-Prädikat bestätigen konnte. Ebenfalls zum definitiven Kroon schaffte es darüber hinaus Jitske v.d.B. (*2011, Beart 411 P x Rypke 321) mit 77.0 Punkten.

Weitere beachtenswert gute Ergebnisse lieferten Lief fan Dulve Stb Ster (*2011, Gjalt 426 x Felle 422 – 78,5 Punkte) und Lobke M. Stb Ster (*2011, Pier 448 x Tetse 394 – 77,5 Punkte).
Als prominente Teilnehmerin startete die Kampioene der CK 2016, Pleun van ‘t Lansink. Die 4-jährige 1.Prämie-Sterstute (Norbert 444 x Onne 376) erreichte 73,0 Punkte und konnte damit ihr im Vorjahr erreichtes voorl. Kroon (noch) nicht in ein definitives Prädikat umwandeln.

Neuregelung im österreichischen Tierschutzgesetz – Verkauf von Pferden durch Privatpersonen

Im Moment macht sich große Aufregung in diversen Pferde-Verkaufsgruppen hinsichtlich der Novelle des österreichischen Tierschutzgesetzes breit. Um die Diskussion möglichst sachlich zu halten, möchte ich die nun gültige Gesetzeslage hinsichtlich des Verkaufs von Tieren durch Privatpersonen kurz umreißen und erklären.

Das Österreichische Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (ÖTschG, BGBI. I Nr. 118/2004 in der Fassung vom 29.04.2017) regelt den Verkauf von Tieren durch folgenden, in §8a kundgemachten Gesetzestext:

§ 8a. (1) Das Feilbieten und das Verkaufen von Tieren auf öffentlich zugänglichen Plätzen, soweit dies nicht im Rahmen einer Veranstaltung gemäß § 28 erfolgt, sowie das Feilbieten von Tieren im Umherziehen sind verboten.

(2) Das öffentliche Feilhalten, Feil- oder Anbieten zum Kauf oder zur Abgabe (Inverkehrbringen) von Tieren ist nur im Rahmen einer gemäß § 31 Abs. 1 genehmigten Haltung oder durch Züchter, die gemäß § 31 Abs. 4 diese Tätigkeit gemeldet haben, sofern sie nicht auf Grund einer Verordnung von dieser Verpflichtung ausgenommen sind, gestattet. Dies gilt auch für derartige Aktivitäten im Internet. Ausgenommen davon ist die Vornahme solcher Tätigkeiten im Rahmen oder zum Zweck der Land- und Forstwirtschaft.

Was bedeutet das konkret?

Wer darf in Zukunft Tiere anbieten?

Das öffentliche Anbieten von Tieren ist mit Inkrafttreten des Gesetzes nur noch folgenden Personen erlaubt:

  • lt. § 31 (1) TSchG bewilligte Halter im Rahmen einer gewerblichen oder sonstigen wirtschaftlichen Tätigkeit (z.B. Besitzer von Einstellbetrieben, gewerbliche Händler)
  • Haltern im Rahmen von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben (betrifft vorrangig Nutztiere)
  • lt. § 31(4) TSchG genehmigte oder von der Genehmigung ausgenommene Züchter (von der Genehmigungspflicht ausgenommen sind Züchter von Zierfischen, domestizierten Ziervögeln und Geflügel, Kleinnagern, Kaninchen, Zehnfußkrebsen und Kopffüßern).

Wo dürfen Tiere angeboten werden?

Der Begriff der “öffentlichen Plätze” bezieht sich insbesondere auf das Anbieten auf Internetplattformen (Verkaufsseiten, aber z.B. auch [geschlossene] Verkaufsgruppen auf Facebook), in Printmedien (Kleinanzeigen) und über einen Aushang z.B. im Supermarkt. Privathalter ohne Bewilligung dürfen ihre Tiere zukünftig NICHT mehr auf diesen Wegen anbieten.

Weiterhin rechtens sind z.B. das Anbieten über einen Aushang im Vereinsheim oder durch Mundpropganda (nicht öffentliches Anbieten).

Wie kann ich nun als Privathalter ohne Bewilligung mein Pferd verkaufen?

Zum einen besteht weiterhin die Möglichkeit des nicht-öffentlichen Anbietens (s.o.), zum anderen können gewerbliche Halter (z.B. Stallbetreiber) im Zuge einer Dienstleistung Tiere im Namen von Privathaltern ohne Bewilligung anbieten.

Diese Neuregelung betrifft ausschließlich den Verkauf von Tieren in Österreich!

ABFP- und IBOP-Ergebnisse der letzten Jahre statistisch betrachtet

Da der letzte Artikel hinsichtlich der statistischen Auswertung der aktuellen ABFP-Ergebnisse so viel positive Resonanz hervorgerufen hat, habe ich mich noch etwas stärker in die Statistik vertieft.

Herausgekommen ist eine Übersicht über alle Hengste, deren Nachkommen von 2015 bis dato in der Rij- oder Menproef mehr als 5 Ergebnisse in IBOP- oder ABFP-Prüfungen gebracht haben.

Zur grafischen Darstellung:

Die rote Linie gibt den Punkte- Durchschnitt der jeweiligen Disziplin unter Berücksichtigung aller registrierten Ergebnisse wieder.

Die vertikalen, blauen Balken zeigen die Varianz der Ergebnisse der Nachkommen des jeweiligen Hengstes (niedrigste Punktzahl bis höchste Punktzahl).

Die grüne Querlinie in den blauen Balken markiert die durchschnittliche Punktezahl der Nachkommen des jeweiligen Hengstes.

Unten an der horizontalen Achse finden sich die Namen der Väter der jeweilig geprüften Pferde, die in Klammern angestellte Zahl gibt Auskunft darüber, wie viele Ergebnisse in der Berechnung berücksichtigt wurden. Statistisch betrachtet steigt die Relevanz der Ergebnisse mit der Anzahl der berücksichtigten Datensätze – bedeutet also: viele berücksichtigte Ergebnisse = hohe Aussagekraft.

Aufmerksame Beobachter werden schnell feststellen, dass in dieser Listung mehrere bekannte Hengste fehlen. Dieser Umstand ist dem zeitlichen Ausschnitt der Daten geschuldet – meine detailgenauen Aufzeichnungen zu den IBOP- und ABFP-Ergebnissen reichen nur bis 2015 zurück, aussagekräftige (weil vollständige) Datensätze für einen früheren Zeitraum zu recherchieren ist darüber hinaus recht schwierig.

ABFP - IBOP - 2017 Rij

ABFP - IBOP - 2017

In beiden Statistiken sticht Aarnold 471 mit den bislang außerordentlich hohen Ergebnissen seiner Nachkommen deutlich hervor, dabei muss aber in Betracht gezogen werden, dass diese Zahlen aufgrund der schwachen Datenlage noch keine hohe Aussagekraft haben. Auch Epke 474 und Alke 468 starten in Anbetracht dessen positiv in ihre Nachkommenkörung,

Durch sehr gute Datenlage validiert sind jedoch die überaus positiven Ergebnisse der Nachkommen von Norbert 444, der in beiden Disziplinen deutlich über dem Durchschnitt reüssiert.

Dasselbe gilt für den seit diesem Jahr wieder im Deckdienst stehenden Take 455 und die kürzlich auf Abstammung gutgekörten Hengste Wimer 461 und Wolfert 467, deren Nachkommen ebenfalls in beiden Disziplinen überdurchschnittliche Werte erreichten.

Signifikant bessere Reit- als Fahrpferde liefert offenbar Tymon 456 – seine Nachkommen erreichten in der Rijproef überdurchschnittliche Prüfungsergebnisse, in der Menproef liegen ihre Resultate hingegen knapp unter dem errechneten Durchschnitt.

Beart 411 P – seines Zeichens bekannt als Vererber hervorragender Sportveranlagungen – konnte in den letzten Jahren viele positive Ergebnisse in der gerittenen Disziplin verzeichnen – auch in der Menproef schnitten seine Nachkommen überdurchschnittlich gut ab, wobei beachtet werden muss, dass lediglich 5 Ergebnisse aus dieser Disziplin vorliegen. Sinngemäß gilt dies auch für seinen Vater Jasper 366 P – dabei muss aber auch berücksichtigt werden, dass Jasper 366 mit seinen 22 Jahren mittlerweile zu den “alten Herren” des Stammbuchs gehört. Die immer noch überaus positiven Ergebnisse seiner Nachkommen beweisen damit einmal mehr, in welch tiefgreifender Weise dieser Stempelhengst die Friesenzucht über viele Jahre hinweg im positiven Sinne geprägt hat.

 

 

 

ABFP 2017 – Ergebnisse und Tendenzen

Der ABFP-Test ist eines der wichtigsten Instrumente des KFPS, um die Vererbungsleistung der lizenzierten Deckhengste hinsichtlich der Sportveranlagung zu bestimmen. Nicht umsonst spielen die Ergebnisse aus dieser Leistungsprüfung eine nicht unerhebliche Rolle in der endgültigen Beurteilung der Deckhengste, der sogenannten Abstammungskörung.

Insofern ist es auch jedes Jahr erneut hochinteressant, die Ergebnisse der teilnehmenden Pferde zu verfolgen und in Bezug zu deren jeweiligen Vätern zu stellen, lassen sich so doch laufend Tendenzen hinsichtlich der leistungsbezogenen Vererbungsqualität ermitteln.

Im Jahr 2017 wurden bislang 3 ABFP-Tests abgehalten, in denen auch bereits mehrere Nachkommen von Hengsten gestartet sind, deren Abstammungskörung noch aussteht (Wybren 464, Alke 468, Bikkel 470, Aarnold 471, Bartele 472 und Epke 474). Im Fall von Bartele 472 war dies bislang nur ein einziges Pferd, insofern macht eine Berücksichtigung in der Statistik noch nicht viel Sinn. Von den anderen Genannten liefen aber bereits mehrere Nachkommen (teilweise bereits 2016), was einen statistischen Vergleich der bisherigen Ergebnisse möglich macht.

Dazu habe ich die Ergebnisse aus der Reitprüfung und der Dressurfahrprüfung in zwei separaten Grafiken aufgeschlüsselt:ABFP 2017 - Stand 26-04-2017 Rijproef

ABFP 2017 - Stand 26-04-2017 Menproef

Die rote Linie zeigt dabei den jeweiligen Mittelwert aller Prüfungsergebnisse von Nachkommen der berücksichtigten Hengste in der jeweiligen Disziplin, die blauen Balken umreissen die Varianz der Ergebnisse der Nachkommen des jeweiligen Hengstes (von der niedrigsten bis zur höchsten Punktzahl) – die darin eingezeichnete grüne Linie wiederum gibt den Mittelwert der Ergebnisse der Nachkommen des jeweiligen Hengstes wieder.

Von Wybren 464 wurden bislang 19 Nachkommen in ABFP-Tests vorgestellt, in beiden Disziplinen schnitten die Pferde dabei eher unterdurchschnittlich ab.

Von Alke 468 wurden bislang nur 6 Nachkommen geprüft, deren Leistung vor allem unter dem Sattel deutlich über Durchschnitt lag. In der Menproef konnten die Pferde knapp über dem Mittel reüssieren.

Die 17 geprüften Nachkommen von Bikkel 470 zeigten bislang vor allem vor dem Wagen ein eher schwaches Leistungsbild und schnitten auch unter dem Sattel unterdurchschnittlich ab.

Ganz anders verhält es sich mit den bislang 6 geprüften Aarnold 471-Nachkommen, die in beiden Disziplinen bis dato mit außerordentlich guten Ergebnissen zu beeindrucken wussten und für ihren Vater einen prima Start in die Abstammungskörung lieferten.

Auch die Nachkommen von Epke 474 (5 geprüft) konnten bislang überdurchschnittliche Leistungen erbringen, bei ihnen zeigt sich dabei im Moment ein signifikant höheres Leistungspotential vor dem Wagen als unter dem Sattel.

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die weiteren ABFP-Tests des Jahres bringen und wie diese die momentanen Tendenzen in der Beurteilung der einzelnen Hengste beeinflussen.

 

Super-Topper im ABFP 3

Der heute zu Ende gegangene ABFP 3 (13.03.2017 – 26.04.2017) brachte erneut hervorragende Ergebnisse von den Nachkommen von Aarnold 471.

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Erneut Vater des ABFP-Toppers – Aarnold 471! Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Der absolute Topper in dieser ABFP-Runde (7 Teilnehmer im regulären Ablauf) war der Aarnold 471 x Model Sport v. Beart 411 P gezogene Tymen van ‘t Lansink Ster (*2014).
Er lieferte unter dem Sattel ein Ergebnis von hervorragenden 89,0 Punkten und konnte diese Top-Leistung in der Menproef sogar noch steigern, wo er 90,0 Totalpunkte abzuliefern verstand. Eine glatte 8,0 in der Tuigproef bestätigte seine hervorragenden Allround-Qualitäten und bescherten ihm die aktuelle Kopfposition im Klassement aller bisherigen ABFP-Teilnehmer des Jahres.

Auf dem 2. Platz findet sich der Sterhengst Ubbo v/d Maria Louise Hoeve (*2014, Bikkel 470 x Kroon v. Onne 376) mit ebenfalls hervorragenden 80,5 Punkten in der Rijproef, 75,5 Punkten in der Dressuranspannung und einer 6,0 im Tuig.

Der 3. Platz geht an einen weiteren Aarnold 471-Sohn. Der in Deutschland von H.J. Bothmer gezogene Viktor van den Meyerhöfen Ster (*2014, Aarnold 471 x Kroon Sport v. Mintse 384) brachte es auf schöne 77,0 Punkte sowohl unter dem Sattel als auch in der Dressuranspannung. Auch im Tuig wurde ihm mit einer 7,0 eine gute Veranlagung bescheinigt.

5 Pferde wurden darüber hinaus im 2-wöchigen ABFP-Test vorgestellt, alle starteten dabei unter dem Sattel. Mit ex aequo 74,5 Punkten gingen die beiden Stuten Quincy Ster (*2013, Norbert 444 x Ster Pref. Teunis 332 P) und Silke fan Teakesyl Ster (*2013, Maurits 437 x Ster Pref v. Onne 376, Vollschwester von Markus 491) als Topper dieser Gruppe aus der PRüfung.

Die Detailergebnisse sind wie immer auf kfps.nl abrufbar

CO-Hengst mit beeindruckendem Tuig-Debut

Am vergangenen Wochenende präsentierte sich der zum CO 2017 angewiesene Milan fan Stal Bellefleur (*2012, Norbert 444 x Beart 411) im Zuge des Noordelijke Tuigpaardendag in Luttenberg, NL erstmals in einem Tuigbewerb und erhielt äußerst wohlwollende Kritiken. Mit Robbie van Dijk an den Leinen bewies er eindrucksvoll seine spektakuläre Veranlagung in dieser Disziplin. Milan fan Stal Bellefleur war bereits 2015 zur CO zugelassen worden, verließ diesen jedoch frühzeitig, 2016 startete er trotz Anweisung zum CO nicht.

Milan fan Stal Bellefleur auf der HK 2015 – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Ebenfalls am vergangenen Wochenende lieferte außerdem die in Deutschland gezüchtete Mira-Viktoria vom Lindenbaum tolle Ergebnisse in der Dressuranspannung. Die 2004 geborene Modelstute (Tsjalke 397 x Feitse 293 P) konnte mit Susan Bouwman-Wind an den Leinen ihre letzten notwendigen Punkte für den Erhalt des Sportprädikats holen. Ein großer Erfolg für ihre Züchter (M. Lindner & U. Baumgartner aus Deutschland) und Besitzer (P. Jung & I. Hafner-Jung aus Österreich)!