Um laufend valide Vergleiche bezüglich der Leistungen der in diesem Jahr zur Gutkörung antretenden Hengste ziehen zu können, habe ich die Statistiken der ABFP & IBOP-Ergebnisse seit 2015 um die aktuellen Ergebnisse des Jahres 2017 ergänzt.
Folgende Grafiken zeigt eine Detailaufstellung aller Hengste, deren Nachkommen im Zeitraum 01.01.2015 – dato mehr als 3 Ergebnisse in IBOP- oder ABFP-Prüfungen erbracht haben:
Reitpferdeprüfung / Rijproef
Der Übersichtlichkeit halber sind in der nächsten Grafik die Hengstväter nach Höhe des Ergebnis-Mittelwerts gereiht:
Deutlich ist hier die immer noch anhaltende Kopfposition von Aarnold 471 zu erkennen. Ebenfalls sehr gute Ergebnisse unter dem Sattel konnten die Nachkommen von Tsjalle 454, Bartele 472, Pier 488 und Teeuwis 389 erbringen.
Dressurfahrprüfung / Menproef
Aus der Menproef liegen insgesamt weniger Ergebnisse vor, da deutlich weniger Pferde eine IBOP in dieser Disziplin absolvieren.
Mit knappem Vorsprung führt in dieser Disziplin der seit einigen Jahren in Südafrika stationierte Dries 421 vor dem momentanen “Rising Star” Aarnold 471. Auf Platz 3 findet sich mit Jisse 433 ein weiterer Jasper 366-Sohn, der Althengst höchstselbst reüssiert auf Platz 4. Auf dem 5. Rang findet sich der im letzten Jahr verstorbene Onne 376.
Bemerkenswert ist sicherlich, dass die Nachkommen von Aarnold 471 bislang in beiden Disziplinen (Rij- und Menproef) hervorragende Leistungen erbringen konnten – dies ist keine Selbstverständlichkeit, zeigt sich bei vielen anderen Hengsten doch eine deutliche Kluft zwischen den Ergebnissen aus den beiden Prüfungsmodi.
Gestern wurden die Ergebnisse des vierten ABFP-Tests 2017 veröffentlicht, der zwischen 01.05 und 15.06.2017 abgehalten wurde. Die 11 Starter lieferten insgesamt weniger spektakuläre Ergebnisse als in den vergangenen ABFP-Runden.
In der Rijproef konnte sich die 2014 geborene Tenice van de Weerdshof (Bartele 472 x Doaitsen 420) mit 80,0 Totalpunkten an die Top-Position setzen. Sie wurde Ende April bereits mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.
Die Menproef wird ebenfalls durch eine Bartele 472-Tochter angeführt – Tjitske van Hilberalti Stb (Bartele 472 x Beart 411P) erreichte 74,0 Punkte und setzte sich damit knapp an die Spitze des insgesamt punkteschwachen Teilnehmerfeldes.
Mit einer Höchstnote von 7,0 führte der einzige teilnehmende Hengst, Ulrik Theyde (Aarnold 471 x Olrik 383) die Tuig-Kategorie an – auch darin blieben spektakuläre Top-Ergebnisse aus.
Unter Einberechnung der aktuellsten ABFP-Ergebnisse ergibt sich nun folgendes Gesamtbild hinsichtlich der Nachkommen noch nicht auf Abstammung gutgekörter Hengste (Min/Max-Berechnung und Mittelwert):
Nach wie vor zeigen sich die Nachkommen von Aarnold 471 (8 Teilnehmer) überproportional stark in der Reit- und Dressurfahrprüfung. Die Nachkommen von Epke 474 (5 Teilnehmer) zeigen sich ebenfalls in beiden Disziplinen talentiert und liegen im Mittel im Gesamtdurchschnitt.
Bei den Nachkommen von Bartele 472 (4 Teilnehmer) und Djoerd 473 (2 Teilnehmer) zeichnet sich bislang ein deutlich positiver Trend unter dem Sattel ab, die Nachkommen von Bartele 472 schnitten dabei deutlich überdurchschnittlich ab. In der Menproef konnten die Pferde bis dato aber nicht überzeugen.
Auch die Nachkommen von Bikkel 470 (3 Teilnehmer) zeigten bislang beritten bessere Leistungen, liegen insgesamt aber in beiden Disziplinen unter dem allgemeinen Durchschnitt.
Überraschend schwach zeigen sich nach wie vor die Nachkommen von Alke 468 (6 Teilnehmer), die sowohl in der Rij- als auch in der Menproef bis dato nicht mit den Konkurrenten anderer Abstammung mithalten konnten.
Dabei muss beachtet werden, dass der Durchschnittswert in dieser Berechnung sich ausschließlich aus den Leistungen der Nachkommen der in der Grafik berücksichtigten Hengste errechnet.
Nach Thorben 466 haben nun zwei weitere Deckhengste das neue und prestigereiche Elite-Sportprädikat erhalten – der preferente “Friesian King” Jasper 366 und der für seine explosive Vorhand bekannte Wylster 463.
Jasper 366 Preferent Sport-Elite – Topper in jeder Hinsicht
Im KFPS gibt es keinen Leistungsnachweis, den Jasper 366 (*1995, Olof 315 x Franke 251) nicht erbracht hätte – der 1998 gekörte Sportvererber erhielt bereits 2007 das Sportprädikat für seine Leistungen im Dressurviereck unter seinem damaligen Reiter, dem bekannten Pferdesportler Marc-Peter Spahn, der den nur 161 cm großen Hengst sehr erfolgreich bis in den PSG vorstellte. Nun, 10 Jahre später, wurde ihm auch das – dieses Jahr neu in Leben gerufene – Elite-Sportprädikat verliehen.
Dies ist zwar nur einer von vielen Erfolgen, die der 2011 Preferent erklärte Jasper 366 im Laufe seines Lebens gesammelt hat, beweist aber wieder einmal die außergewöhnliche Qualität des auch bei den Züchtern immer noch beliebten “Kaisers unter Königen”.
Jasper 366 Sport-Elite Preferent – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de
Wylster 463 Sport-Elite – Tänzer im Ring
Wylster 463 (*2007, Rindert 406 x Rypke 321) tritt bereits seit seiner Körung im Jahr 2010 immer wieder als echtes Bewegungstalent im Ring der Hengstenkeuring in Erscheinung. Sein explosives Vorbein versetzt das Publikum Jahr für Jahr in Erstaunen. Dass er diese exaltierte Bewegung nicht nur an der Hand zu zeigen vermag, beweist die enorme Ehrung seiner sportlichen Leistungen mit dem Elite-Sportprädikat. Vor allem im Tuigen mit Sybren Minkema an den Leinen machte sich Wylster 463 in den letzten Jahren einen Namen, 2013 wurde ihm das Sportprädikat verliehen.
Wylster 463 Sport-Elite – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de
Großartige Nachrichten von der Dressur-Front erreichten mich heute Morgen – den beiden Grand-Prix-Hengsten Zen ‘fan Panhuys’ Ster (*2007, Dries 421 x Fabe 348 P) und Wirdmer fan ‘e Boppelannen Ster (*2007, Beart 411 P x Jillis 301) im Besitz der Familie Prexl aus Niederösterreich (www.friesen-exklusiv.at) wurde vom KFPS das Elite-Sportprädikat für ihre herausragenden Leistungen in den hohen Dressurklassen verliehen.
Zen ‘fan Panhuys’ Ster Sport ELITE (Dries 421 x Fabe 348 P) unter Ralph Buchberger
Wirdmer fan ‘e Boppelannen Ster Sport ELITE (Beart 411 P x Jillis 301) unter Ralph Buchberger
Beide Hengste wurden von Ralph Buchberger von Jugend an bis zum Grand Prix ausgebildet und werden bis heute aktiv und äußerst erfolgreich (viele Platzierungen und Siege) von ihm auf Turnieren vorgestellt.
An dieser Stelle gehen meine allerherzlichsten Glückwünsche an Claudia und Perry Prexl, die Besitzer dieser beiden Top-Pferde, und natürlich an Ralph Buchberger, der durch sein Können und Engagement ein internationales Aushängeschild für den Dressursport mit Friesenpferden ist.
Die Decksaison 2017 steuert ihrem Höhepunkt entgegen, während täglich neue Friesenfohlen das Licht der Welt erblicken.
Freyja fan Limbach (Erryt 488 x Jerke 434) – eines der ersten Fohlen des 2015 gekörten Erryt 488
Die laufende KFPS-Statistik weist aber bereits erste Deckzahlen für das Jahr 2017 aus – Zeit für einen kleinen Überblick über diesen Zwischenstand mit den bisherigen TOP 10.
Eise 489 – 86 Deckungen
Jurre 495 – 81 Deckungen
Markus 491 – 79 Deckungen
Norbert 444 – 59 Deckungen
Alwin 469 – 55 Deckungen
Julius 486 – 47 Deckungen
Menne 496 – 46 Deckungen
Elias 494 – 43 Deckungen
Omer 493 – 39 Deckungen
Hessel 480 – 38 Deckungen
Spannend zu sehen ist, dass sich der Trend fortzusetzen scheint, das züchterische Vertrauen vermehrt in sehr junge Hengste zu setzen. Unter den 10 im Moment gefragtesten Hengsten befinden sich mit Norbert 444 und Alwin 469 lediglich zwei, die bereits auf Abstammung gutgekört wurden.
Insgesamt wurden lt. KFPS-Datenbank bislang (Stand 04-06-2017) 1186 Deckungen registriert, diese stammen von 65 unterschiedlichen Hengsten. 40,81% dieser Bedeckungen gehen auf das Konto von Hengsten aus den Körjahrgängen 2015 & 2016, 63,74% der bisherigen Bedeckungen stammen von noch nicht auf Abstammung gutgekörten Hengsten.
Zieht man den Trend der letzten Jahre in Betracht, so dürften sich die Deckzahlen (lt. meiner persönlichen, vorsichtigen Schätzung) in den kommenden Monaten noch ungefähr vervierfachen – die derzeitigen Zahlen sind demnach noch lange nicht das Ende der Fahnenstange und es wird wie jedes Jahr spannend werden, den Trendverlauf weiter zu verfolgen.
Wie die Hengststation de Mersken kürzlich bekannt gab, hat Thorben 466 (Ielke 382 x Sape 381) Anfang Mai die notwendigen Punkte für das Sportprädikat in der Disziplin Mennen erreicht. Mit diesem Resultat erfüllt er nun die Kriterien für die Sportprädikate in allen drei möglichen Disziplinen und dürfte somit der erste KFPS-Deckhengst sein, dem das Prädikat “Elite Sport” verliehen wird.
Thorben 466 Elite Sport – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de
Am gestrigen Freitag, 19.05.2017, tagte der Ledenraad (Vereinsrat), um bis spät in die Nacht hinein die inhaltliche Ausrichtung des KFPS zu diskutieren.
Neben finanziellen und personellen Agenden wurde insbesondere die Frage der Anerkennung weisser Abzeichen thematisiert – die Ankörung von Siert 499 (Dries 421 x Sape 381) hatte diesbezüglich für Unmut zwischen den Vereinsorganen gesorgt, da dessen Anteil an weissen Haaren von einigen Züchtern und KFPS-Mitgliedern als zu großflächig erachtet und die Informationen seitens Keuringskommission und Vorstand diesbezüglich als fehlerhaft bzw. unzureichend kritisiert wurden. Inbesondere entbrannte daraus Anfang des Jahres eine Diskussion um die Kompetenzen der einzelnen Vereinsorgane, die durch die gestrige Sitzung in konstruktive Bahnen gelenkt werden konnte.
Beschlossen wurde unter anderem der verpflichtende Test auf erbliche Abweichungen (Hydrocephalus, OCD – siehe Friesen-ABC) ab diesem Kalenderjahr für alle neuen Sterstuten, sowie alle Stammbuch- und Fohlenbuchstuten, welche züchterisch zum Einsatz kommen. Im Gegenzug wird noch dieses Jahr der diesbezügliche Status aller aktiven Stammbuchhengste veröffentlicht.. Mit diesem Beschluss setzt das KFPS einen akzentuierten Schritt gegen Risikoanpaarungen hinischtlich der bekannten genetischen Anomalien und beweist erneut, wie ein transparenter und professioneller Umgang mit dieser Thematik auszusehen hat.
Die Anforderungen für den Erhalt des Sportprädikats in der Disziplin Mennen (Dressurfahren) wurden um eine Startklasse nach oben verlagert (von bisher Z1 auf ZZ). Ab 2018 gilt somit der Erhalt von 5 Ergebnissen über 60% in der Klasse ZZ als Mindestanforderung für den Erhalt des Sportprädikats im Dressurfahren.
Bzgl. der Anerkennung von weissen Abzeichen einigte sich der Ledenraad auf eine deutlichere Formulierung der geltenden Regelung in den Körrichtlinien.
Nachdem innerhalb kurzer Zeit jüngst zwei (ehemalige) KFPS-Deckhengste (der erst 14-jährige Hedser 465 und der abgekörte Jorrit 363) verstorben sind, möchte ich heute einen kleinen Blick auf die aktuelle Altersstruktur der gegenwärtigen Vererber werfen.
Aktuell sind exakt 100 lebende KFPS-Deckhengste registriert (abgekörte Hengste nicht miteinberechnet), diese wurden zwischen 1990 und 2013 geboren.
Die Krone als ältester noch lebender Deckhengst trägt im Moment der am 24.03.1990 geborene Ulke 338 (Tjimme 275 x Reitse 272 P), der seit 2015 nicht mehr aktiv in der Zucht ist und seine Rente bei Willem Wester in den Niederlanden genießt. Anlässlich seines 25. Geburtstages präsentierte sich dieser Nestor nochmals auf der Hengstenkeuring in Leeuwarden mit ungebrochener Lauffreude an den langen Leinen.
Ulke 338 – ein rüstiger Rentner. Foo: Markus Neuroth / friesenwiki.de
Ihren 25. Geburtstag feierten dieses Jahr die beiden Hengste Abel 344 (*18.04.1992, Reitse 272 P x Wessel 237 P) und Abe 346 (*27.04.1992, Jillis 301 x Hearke 254 P). Beide deckten im Jahr 2015 zum letzten Mal.
Auch der in den USA stationierte Preferenthengst Anton 343 (Oege 267 P x Tjimme 275) wird heuer 25 Jahre alt – er wurde am 18.06.1992 geboren, befindet sich aber (mit einer Ausnahme 2015) bereits seit 2011 nicht mehr im aktiven Deckdienst.
Der älteste noch aktive KFPS-Hengst ist der am 27.03.1993 geborene Fabe 348 P (Melle 311 x Romke 234), der im Vorjahr immerhin noch 10 Stuten belegte. Ihm folgt auf dem Fuße der nur kurze Zeit später geborene Fetse 349 (*03.04.1993, Feitse 293 P x Djurre 284), welcher ebenfalls noch 2016 aktiv war und die Friesenzucht in seiner Heimat Südafrika bedeutend mitprägte.
Oldie but goldie – Fabe 348 P ist der älteste noch aktive Deckhengst des KFPS. Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de
Der erfolgreichste noch aktive Althengst ist aber sicherlich der Publikumsliebling Jasper 366 P. Der am 20.05.1995 geborene Olof 315-Sohn feiert in wenigen Tagen seinen 22. Geburtstag und bewies im Januar 2017 im Zuge der Hengstenkeuring erneut, dass er noch lange nicht zum “alten Eisen” gehört. Er fesselte das Publikum mit seiner unfassbaren Präsenz und bestätigte damit seinen Ruf als “Kaiser unter Königen”. Auch bei den Züchtern erfreut er sich ungebrochener Beliebtheit und deckt immer noch in beachtlichen Zahlen.
Am anderen Ende der Altersstruktur finden wir Siert 499 (Dries 421 x Sape 389), der am 26.04.2013 geboren und somit erst kürzlich 4 Jahre alt wurde.
Siert 499 – das jüngste Mitglied im Reigen der ehrwürdigen KFPS-Deckhengste. Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de
Insgesamt zeigt sich das Defilé der KFPS-Stammbuchhengste als recht junge Gesellschaft – ein Großteil der lebenden Deckhengste ist unter 15 Jahre alt, was auch dem züchterischen Boom Anfang der 2000er geschuldet sein dürfte. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit bei 13,3 Jahren.
Nachdem ich in Teil 1 und Teil 2 von den jüngeren und noch aktiven Qualitätsmüttern der KFPS-Zucht geschrieben habe, möchte ich mich in Teil 3 zwei hinsichtlich der Leistungsveranlagung außergewöhnlichen Zuchtstuten widmen.
Stuten sind in der öffentlichen Wahrnehmung der Pferdezucht-Szene leider immer wieder etwas unterrepräsentiert, das Hauptaugenmerk liegt auf den “Stempelhengsten”, also jenen männlichen Vererbern, die die Zucht durch die Quantität und Qualität ihrer Nachkommen maßgeblich prägen bzw. prägten. Stuten können an diese Erfolge in quantitativer Hinsicht schon aus den gegebenen biologischen Gründen nicht anknüpfen – selten bringen es selbst äußerst fruchtbare Mütter in ihrer Karriere auf mehr als 15 Nachkommen. Qualitativ betrachtet steht so manche Stute aber einem “Stempelhengst” um nichts nach und insofern ist es mir ein Anliegen, in einer kleinen Serie solche “Qualitätsmütter” zu beleuchten.
Sjiekedame S. Model Pref*8 Prest
Die in Drogeham / NL bei H. Sijtsma geborene Sjiekedame S. besticht bereits auf den ersten Blick durch ihre beeindruckende Sammlung an Qualitätsprädikaten – Modelprädikat, mit 8 Prädikatsnachkommen dubbelpreferent und darüber hinaus noch als Prestatiemoeder eingetragen.
Wenn man noch etwas genauer recherchiert, stößt man aber auch auf ein sensationelles IBOP-Ergebnis aus dem Jahr 1995, bei dem die damals erst 6-jährige Stute ein rekordverdächtiges Ergebnis von 93 Punkten lieferte – darunter mit einer 9,0 für den Trab.
Geboren 1989 als Tochter von Feitse 293 P, stammt Sjiekedame S. aus einer äußerst prädikatreichen Mutterlinie aus Stam 015. Ihre Mutter ist die sterpreferente Walsdame S. (*1980, Tsjalling 235 P x Ritske 202 P), welche wiederum aus der ebenso sterpreferenten Geke (*1973, Ritske 202 P x Age 168) stammt, die Linie läuft weiter auf Tilana Model Pref und Celma Model Pref (v. Obscurant 150).
Als Fohlen erhielt Sjiekedame S. 1989 eine 2. Prämie – 1992 wurde sie mit dem Sterprädikat in das Stammbuch eingetragen, 1995 folgte ihre Modelerklärung. Im Laufe ihrer langen Karriere als Körungspferd sammelte die Ausnahmestute mindestens sieben 1. Prämien, die letzte davon im Jahr 2002 in Drachten.
Als Zuchtstute verdiente sie sich ihre Sporen durch 14 registrierte Nachkommen.
Ihre ersten beiden Fohlen waren zwei 1993 und 1994 geborene Hengste, 1995 folgte ihre erste Tochter Lies fan Bommelsteyn (v. Lute 304), die seit 2002 das Modelprädikat trägt und äußerst erfolgreich als Zuchtstute in den Vereinigten Staaten im Einsatz ist. 2016 brachte diese Stute ihr zehntes Fohlen zur Welt.
1996 brachte Sjiekedame ein weiteres Stutfohlen von Lute 304 zur Welt, es folgten die Hengste Skelte fan Bommelsteyn (*1997, v. Lute 304) und Wout fan Bommelsteyn (*1999, v. Abel 344), welche beide später als Sterwallache in das Ruinenboek eingeschrieben wurden.
Die im Jahr 2000 geborene Adeldame fan Bommelsteyn (v. Reitse 272 P) sollte sich zu einer der erfolgreichsten Töchter von Sjiekedame S. mausern. Die in ihrem Leben mit unzähligen 1. Prämien bedachte Stute erreichte eine ähnlich hohe IBOP-Punktzahl wie ihre Mutter (91,8 Totalpunkte im Jahr 2004), wurde 2007 zur Modelstute erklärt und trägt seit 2015 das Sportprädikat. Als Zuchtstute brachte sie bisher 9 Fohlen in den Niederlanden zur Welt, darunter 2 Wallache, die bereits mit dem Sterprädikat bedacht wurden.
2001 wurde Sjiekedame Mutter eines weiteren Fohlens von Reitse 272 P – der Hengst Douwe fan Bommelsteyn erlangte später ebenfalls das Sterprädikat.
Die 2002 geborene Gouddame fan Bommelsteyn (v. Onne 376) sollte die dritte Modeltochter von Sjiekedame S. werden. Die Stute lief 2006 eine ebenfalls sehr hoch bewertete IBOP (85,4 Punkte) und wurde 2008 Kroon, 2009 schließlich Model erklärt. Ein Jahr später erlangte sie darüber hinaus das Sportprädikat. 2007 wurde sie zur Reserve-Kampioene der CK in Drachten ausgerufen, sie ist mittlerweile als Zuchtstute in Australien im Einsatz.
2003 folgte ein weiteres Hengstfohlen von Onne 376, 2004 brachte Sjiekedame S. nach einem Umzug in die USA die Ulbert 390-Tochter Nelie of Noble zur Welt, die mit dem Sterprädikat bedacht wurde und seit 2011 im Besitz des Sportprädikats ist.
2006 fohlte Sjiekedame eine Tochter von Anne 340, die im Fohlenbuch registriert ist, 2007 wurde ihre bislang letzte Stertochter, Zarianna of Noble (v. Anton 343 P) geboren. Ihr letztes Fohlen brachte diese außergewöhnliche Zuchtstute schließlich im Jahr 2010 – die Stammbuchstute Heiress of Majestic Friesians (v. Wander 352).
Besonders erfreut war ich darüber, ein Video aus dem Jahr 2011 zu finden, das dieses wunderbare Zuchtjuwel in der Bewegung zeigt:
Aukje Boszorg Model Pref*10 Prest
Eine wohlbekannte Hengstmutter hat ebenfalls ihren Eindruck als hervorragendes Leistungspferd hinterlassen – die aus der prädikatreichen Boszorg-Familie (Stam 050) stammende Aukje Boszorg Model Pref Prest.
Aukje Boszorg wurde am 11. April 1992 bei der Züchterfamilie Bos in den Niederlanden geboren. Ihre 1984 geborene Mutter Hanneke Boszorg Model Pref (Lammert 260 P x Tsjalling 235 P) stammt aus der ebenfalls modelpreferenten Whita (*1980, Tsjalling 235 P x Freark 218), die bis in die 1990er-Jahre hinein viele hervorragende Prädikatstöchter lieferte.
Aukje Boszorg wurde bereits als Fohlen mit einer 1. Prämie bedacht, dieser sollten viele weitere folgen. 1995 wurde sie mit dem Sterprädikat in das Stammbuch aufgenommen, 1998 wurde ihr nach Absolvierung einer IBOP mit sensationellen 92 Punkten das Modelprädikat verliehen.
In der Zucht konnte sie mannigfaltige Erfolge feiern – die äußerst fruchtbare Qualitätsmutter schenkte zwischen 1996 und 2013 nicht nur 17 (!) Fohlen das Leben, ihre Nachkommen waren zu großen Teilen auch äußerst erfolgreich – 3 modelpreferente Töchter, eine Kroon-Tochter, 5 Sternachkommen und der Stammbuchhengst Stendert 447 finden sich in ihrem Abstammungsregister.
Ihre Karriere als Mutterstute begann mit der 1996 geborenen Nanneke Boszorg Stb (v. Oeds 318), 1997 folgte Setse Boszorg (v. Fetse 349). Diese Stute entwickelte sich zu einem außerordentlich erfolgreichen Körungspferd, erhielt ausschließlich 1. Prämien und wurde 2003 Model erklärt. Mit ihren zahlreichen Stutnachkommen gründete sie eine regelrechte Dynastie hochqualitativer Zuchtpferde (eine ihre Töchter ist die in Teil 2 dieser Serie beschriebene Mooi van Setse v.d. Hommershoeve Model Sport Pref) und trägt dahingehend auch das Preferentprädikat.
Nicht minder erfolgreich verlief der Lebensweg der nächsten Tochter von Aukje Boszorg – die ebenfalls von Fetse 349 abstammende Tonne Boszorg wurde 1998 geboren, auch sie erreichte im Laufe ihrer langen und erfolgreichen Karriere zahlreiche 1. Prämien und lieferte 2003 einen IBOP-Score von 80,0 Punkten. 2006 folgte ihre Modelerklärung, seit 2012 ist sie darüber hinaus preferent. Unter ihren bislang 12 Nachkommen finden sich u.a. eine Kroonstute und ein Ster + Sport-Hengst, ihr jüngstes Fohlen wurde 2017 in den Vereinigten Staaten geboren.
Nur ein Jahr später, 1999, brachte Aukje Boszorg erneut ein Stutfohlen zur Welt – Whita Boszorg (v. Krist 358). Sie sollte als dritte der Aukje Boszorg-Töchter das Modelprädikat erhalten und Preferent erklärt werden, darüber hinaus lieferte auch sie ein hervorragendes IBOP-Ergebnis mit 83,0 Punkten (2006). Unter ihren 12 Nachkommen findet man eine Model- und eine Kroon-Stute.
Eine weitere Krist 358-Tochte wurde 2000 geboren, diese Stute konnte aber an die großen Erfolge ihrer Vollschwester Tonne Boszorg nicht anknüpfen. Sie wurde Ster erklärt und trägt das Sportprädikat.
Nach einem früh verstorbenen Stutfohlen im Jahr 2001 brachte Aukje Boszorg 2002 noch ein Krist 358-Tochter namens Hanneke II Boszorg zur Welt, die ebenfalls das Sterprädikat trägt und in der Zucht im Einsatz ist.
2003 folgte die Brandus 345 P-Tochter Jouke Boszorg, die seit 2009 das Kroonprädikat trägt. Ihre 2004 geborene Vollschwester von Brandus 345 P verstarb leider ebenfalls früh.
Nach 9 Töchtern brachte Aukje Boszorg 2005 ihren ersten Sohn zur Welt – dieser von Andries 415 stammende Junghengst wurde später unter seinem Hengstnamen STENDERT 447 weithin bekannt und ist wohl das Krönchen auf den hervorragenden Zuchtleistungen seiner Mutter.
Ihm folgten 2006 und 2007 zwei weitere Hengstfohlen, beide von Fetse 349. 2008 wurde die Jerke 434-Tochter Anthonia Boszorg Ster geboren, 2009 der Vb-Hengst Ennu Boszorg von Harmen 424. Im Jahr 2010 kam die spätere Sterstute Grootheid Boszorg (v. Pier 448) zur Welt, 2013 folgte ihr Vollbruder, der Vb-Hengst Johannes Boszorg.
Ihr letztes Fohlen brachte Aukje Boszorg 2013 zur Welt – die von Maurus 441 stammende Parel Boszorg Stb.
Meinen treuen Langzeit-Lesern ist meine Vorliebe für statistische Spielereien schon hinlänglich bekannt – um auch neue Leser damit vertraut zu machen, möchte ich heute einen Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der KFPS-Zucht in den letzten 20 Jahren werfen, auch um die Frage zu beantworten, wie man “hohe Deckzahlen” definieren kann.
Der sehr transparente Umgang des KFPS mit den quantitativen Fakten der eigenen Zuchtgeschichte erlaubt uns den Zugriff auf viele wichtige Daten der vergangenen Jahrzehnte – so u.a. auf sowohl die Gesamtdeckzahlen, als auch auf die Einzeldeckzahlen der lizenzierten Deckhengste.
Wie vielen langjährigen Beobachtern der Friesenzucht bekannt sein dürfte, erholt sich die KFPS-Zucht im Moment langsam von einem enormen Einbruch der Bedeckungszahlen (siehe Grafik).
Nach einem regelrechten Friesenboom im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre, stürzten die Deckzahlen zwischen 2008 und 2014 beinahe ins Bodenlose und erholen sich seither nur langsam.
Für mich stellte sich in Anbetracht dessen die Frage, inwiefern dieser Einbruch der Deckzahlen die Populationsdynamik hinsichtlich des “popular sire”-Effekts beeinflusst hat. Um dieser Frage zu begegnen, habe ich in der oberen Grafik die Gesamtdeckzahlen dem jeweils höchsten Einzelwert (also der besten Deckzahl des Jahres eines einzelnen Hengstes) gegenübergestellt. Interessant daran ist, dass der rapide Rückgang der Total-Deckzahlen der Beliebtheit der jeweilig aktuellen “Modehengste” nicht besonders abträglich gewesen zu sein scheint. Erreichten in den Jahren des Friesenbooms die beliebtesten Hengste 276 (2002, Onne 376) bzw. 302 (2003, Folkert 353 P) von jeweils über 8400 Bedeckungen, so schaffte es im Jahr 2014 der junge Epke 474 auf 209 Bedeckungen bei einem Total von nur knapp über 4000 registrierten Decksprüngen.
Wenn man diese Zahlen in ein prozentuales Verhältnis umrechnet, so zeigt sich, dass in den bedeckungsstarken Jahren auf den jeweils beliebtesten Deckhengst 3,0 – 3,5% der gesamten Bedeckungen entfallen, wohingegen dieser Wert in den bedeckungsschwachen Jahren auf über 5,0% und teilweise sogar auf über 6,0% steigt.
Noch stärker zeigt sich diese Auswirkung, wenn man die Deckzahlen der 5 beliebtesten Deckhengste jeden Jahres zusammennimmt und den prozentualen Wert aus den Totalzahlen errechnet. In den Jahren 2002 und 2003 gingen 14,0 – 15,0% aller Bedeckungen auf das Konto der “Top 5”, seit 2013 liegt dieser Wert konstant bei über 21,0%.
Rechnet man nun den Wert der 15 gefragtesten Deckhengste pro Jahr mit ein, wird anhand der Grafik schnell ersichtlich, welches Problem sich daraus ergibt. Deckten die 15 beliebtesten Deckhengste in den Jahren 2002 und 2003 ca. 35,0% aller Stuten, so stieg dieser Wert im Laufe der Jahre 2014 – 2016 auf konstant über 50,0%.
Dass das aber nicht an einer eingeschränkten Hengstauswahl liegen kann, zeigt die nächste Grafik.
Hier habe ich die Anzahl der aktiven Deckhengste pro Jahr (Hengste, von denen mindestens eine Bedeckung registriert wurde) der durschnittlichen Bedeckungszahl/Jahr gegenüber gestellt.
Deutlich zeigt sich hier, dass sich die Anzahl der aktiven Deckhengste seit 2003 in einem konstanten Hoch befindet (erst 2016 fiel diese Zahl erstmals wieder knapp unter 85 Hengste). Die durchschnittlichen Bedeckungen pro Hengst hingegen folgen weitestgehend dem Verlauf der Gesamtdeckzahlen.
In Anbetracht der Tatsache, dass die jährlichen “Topper” in der Deckstatistik vom Rückgang der Gesamtdeckzahlen nur wenig betroffen sind, lässt dies nur den Rückschluss zu, dass die bei den Züchtern weniger beliebten (dabei aber für die genetische Diversität der Population äußerst wichtigen!) Deckhengste den Einbruch der Bedeckungen massiv zu spüren bekommen. Diese Entwicklung kann man durchaus als besorgniserregend betrachten, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass das Feld der beliebtesten Deckhengste teilweise über Jahre hinweg nur kleinen Änderungen unterworfen ist und zum Teil aus Hengsten besteht, die in enger verwandtschaftlicher Beziehung zueinander stehen.
In den letzten Jahren kann also durchaus beobachtet werden, dass die Friesenzucht in gewisser Weise auf einen “genetischen Flaschenhals” zusteuert, dem nur mit einer – in Bezug zur Gesamtpopulation – überlegten Zucht- und Körpolitik beizukommen ist, der auch einen Appell an die Mitverantwortung der Friesenzüchter beinhalten muss.