Quantitative Entwicklung der KFPS-Zucht 1996 – 2016

Meinen treuen Langzeit-Lesern ist meine Vorliebe für statistische Spielereien schon hinlänglich bekannt – um auch neue Leser damit vertraut zu machen, möchte ich heute einen Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der KFPS-Zucht in den letzten 20 Jahren werfen, auch um die Frage zu beantworten, wie man “hohe Deckzahlen” definieren kann.

Der sehr transparente Umgang des KFPS mit den quantitativen Fakten der eigenen Zuchtgeschichte erlaubt uns den Zugriff auf viele wichtige Daten der vergangenen Jahrzehnte – so u.a. auf sowohl die Gesamtdeckzahlen, als auch auf die Einzeldeckzahlen der lizenzierten Deckhengste.

Wie vielen langjährigen Beobachtern der Friesenzucht bekannt sein dürfte, erholt sich die KFPS-Zucht im Moment langsam von einem enormen Einbruch der Bedeckungszahlen (siehe Grafik).

Nach einem regelrechten Friesenboom im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre, stürzten die Deckzahlen zwischen 2008 und 2014 beinahe ins Bodenlose und erholen sich seither nur langsam.

Entwicklung Deckhengste 002

Für mich stellte sich in Anbetracht dessen die Frage, inwiefern dieser Einbruch der Deckzahlen die Populationsdynamik hinsichtlich des “popular sire”-Effekts beeinflusst hat. Um dieser Frage zu begegnen, habe ich in der oberen Grafik die Gesamtdeckzahlen dem jeweils höchsten Einzelwert (also der besten Deckzahl des Jahres eines einzelnen Hengstes) gegenübergestellt. Interessant daran ist, dass der rapide Rückgang der Total-Deckzahlen der Beliebtheit der jeweilig aktuellen “Modehengste” nicht besonders abträglich gewesen zu sein scheint. Erreichten in den Jahren des Friesenbooms die beliebtesten Hengste 276 (2002, Onne 376) bzw. 302 (2003, Folkert 353 P) von jeweils über 8400 Bedeckungen, so schaffte es im Jahr 2014 der junge Epke 474 auf 209 Bedeckungen bei einem Total von nur knapp über 4000 registrierten Decksprüngen.

Wenn man diese Zahlen in ein prozentuales Verhältnis umrechnet, so zeigt sich, dass in den bedeckungsstarken Jahren auf den jeweils beliebtesten Deckhengst 3,0 – 3,5% der gesamten Bedeckungen entfallen, wohingegen dieser Wert in den bedeckungsschwachen Jahren auf über 5,0% und teilweise sogar auf über 6,0% steigt.

Entwicklung Deckhengste 003

Noch stärker zeigt sich diese Auswirkung, wenn man die Deckzahlen der 5 beliebtesten Deckhengste jeden Jahres zusammennimmt und den prozentualen Wert aus den Totalzahlen errechnet. In den Jahren 2002 und 2003 gingen 14,0 – 15,0% aller Bedeckungen auf das Konto der “Top 5”, seit 2013 liegt dieser Wert konstant bei über 21,0%.

Rechnet man nun den Wert der 15 gefragtesten Deckhengste pro Jahr mit ein, wird anhand der Grafik schnell ersichtlich, welches Problem sich daraus ergibt. Deckten die 15 beliebtesten Deckhengste in den Jahren 2002 und 2003 ca. 35,0% aller Stuten, so stieg dieser Wert im Laufe der Jahre 2014 – 2016 auf konstant über 50,0%.

Dass das aber nicht an einer eingeschränkten Hengstauswahl liegen kann, zeigt die nächste Grafik.Entwicklung Deckhengste 001

Hier habe ich die Anzahl der aktiven Deckhengste pro Jahr (Hengste, von denen mindestens eine Bedeckung registriert wurde) der durschnittlichen Bedeckungszahl/Jahr gegenüber gestellt.

Deutlich zeigt sich hier, dass sich die Anzahl der aktiven Deckhengste seit 2003 in einem konstanten Hoch befindet (erst 2016 fiel diese Zahl erstmals wieder knapp unter 85 Hengste). Die durchschnittlichen Bedeckungen pro Hengst hingegen folgen weitestgehend dem Verlauf der Gesamtdeckzahlen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die jährlichen “Topper” in der Deckstatistik vom Rückgang der Gesamtdeckzahlen nur wenig betroffen sind, lässt dies nur den Rückschluss zu, dass die bei den Züchtern weniger beliebten (dabei aber für die genetische Diversität der Population äußerst wichtigen!) Deckhengste den Einbruch der Bedeckungen massiv zu spüren bekommen. Diese Entwicklung kann man durchaus als besorgniserregend betrachten, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass das Feld der beliebtesten Deckhengste teilweise über Jahre hinweg nur kleinen Änderungen unterworfen ist und zum Teil aus Hengsten besteht, die in enger verwandtschaftlicher Beziehung zueinander stehen.

In den letzten Jahren kann also durchaus beobachtet werden, dass die Friesenzucht in gewisser Weise auf einen “genetischen Flaschenhals” zusteuert, dem nur mit einer – in Bezug zur Gesamtpopulation – überlegten Zucht- und Körpolitik beizukommen ist, der auch einen Appell an die Mitverantwortung der Friesenzüchter beinhalten muss.

Hengstlinien in Wort und Bild

Für Züchter von Friesenpferden ist es essentiell, die Abstammung der von ihnen gewählten Zuchttiere genau zu studieren und in den Stammbäumen nach Kriterien und Merkmalen zu suchen, die ihrem persönlichen Zuchtziel entsprechen. Doch auch für interessierte Laien kann es höchst interessant sein, sich intensiver mit den Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnissen der Friesen auseinanderzusetzen, ergibt sich dadurch doch oft ein neuer Blickwinkel auf den eigenen Geschmack in Sachen Friesentyp.

Das KFPS macht es uns dabei leicht – zumindest für die Deckhengste wird jedes Jahr ein (abgespeckter) Hengststammbaum publiziert, der die direkte Abstammung (die Hengstlinie) aller aktiven Deckhengste über mehrere Generationen hinweg grafisch darstellt. Darauf fehlen aber größteils abgekörte und verstorbene Hengste sowie “blinde Zweige”, also Hengstlinien, aus denen kein Vererber mehr am Leben ist. Dieser Umstand ist der besseren Übersichtlichkeit geschuldet, vermittelt dadurch aber auch einen etwas verzerrten Eindruck des Stammbaums in seiner Gesamtheit.

Ich habe mir schon vor langer Zeit die Mühe gemacht, einen vollständigen Stammbaum der Hengstlinien (beginnend mit dem Vorfahren aller heute noch aktiven Deckhengste – Nemo 51) grafisch anzulegen, den ich heute mit meinen lieben Lesern teilen möchte (Achtung – Riesengrafik im Anmarsch! 😉 ).

Farblegende: grau = verstorben / rotbraun = abgekört / orange = preferent / blau = aktiv

Hengstlinien 04-05-2017

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Im Folgenden möchte ich gerne etwas näher auf die 6 Hengstlinien eingehen, die in der KFPS-Zucht unterschieden werden. Dazu ist allerdings vorab zu sagen, dass in der Betrachtung der einzelnen Hengstlinien nie vergessen werden darf, dass diese Einteilung nur die direkten Vaterlinien berücksichtigt, nicht jedoch die Abstammungslinien der Mutterstuten. Würde man diese miteinbeziehen, wären die Hengststammbäume so groß, dass sie kaum noch überschaubar und verständlich wären (ich habe ein Gesamtexemplar inklusive Muttervätern angefertigt, welches sich aus eben diesen Gründen nicht als Grundlage für einen Artikel eignet 🙂 ). Insofern muss man bedenken, dass die Hengstlinien in der Realität weitaus enger verflochten und verzweigt sind, als das aus dieser vereinfachten, nur auf der Vaterlinie basierenden Darstellung hervorgeht. Dabei gebe ich auch zu bedenken, dass man zumindest hinterfragen kann, ob man überhaupt vom “Aussterben” mancher Hengstlinien (z.B. der Gerke-Linie) sprechen kann, weil die “Gründerhengste” sich häufig auch über ihre Töchter sehr dominant in andere Hengstlinien einbringen.

Die Ritske-Linie

Hengststammbaum - Ritske

Die Ritske-Linie ist begründet durch den preferenten Ritske 202 (*1955, Eelke 183 x Tiemen 159) und in weiterer Folge durch seinen ebenso preferenten Enkelsohn Tsjalling 235 (*1967, Hotse 223 x Bouke 174 P), auf den alle heute noch aktiven Hengste dieser Linie zurückgehen.

Die Töchter von Ritske 202 P waren äußerst erfolgreiche Hengstmütter, er ist als Muttervater von imponierenden 13 Hengsten eingetragen (darunter Größen wie Mark 232P und Wessel 237 P).

In der direkten Linie ist vor allem der Preferenthengst Naen 264 (*1976, Ferdinand 252 x Kerst 190) zu nennen, welcher der modernen Friesenzucht durch erfolgreiche Nachkommen wie Barteld 292,  Jakob 302 und Doaitsen 420 einen beständigen Stempel aufgeprägt hat.
Aus einem Nebenzweig stammen darüber hinaus der im Dressursport hoch erfolgreiche Arjen 417 und dessen Söhne Wytse 462 und Haike 482.

13 Hengste aus dieser Linie sind beim KFPS als aktive Deckhengste geführt, der in der Grafik noch blau markierte Fede 350 befindet sich bereits seit Jahren in Rente und wird züchterisch nicht mehr genutzt.

Die Wessel-Linie

Hengststammbaum - Wessel

Die Wessel-Linie trägt den Namen des 1968 geborenen Wessel 237 Preferent (Jarich 226 x Ritske 202 P).

Die 10 heute noch aktiven Hengste dieser Linie stammen aus den beiden Wessel-Söhnen Oege 267 Preferent (*1977, Wessel 237 P x Hindrik 222) und Djurre 284 (*1982, Wessel 237 P x Nanne 197). Diese Linie erscheint relativ klein, hat aber in den letzten Jahren durch Thorben 466, Alwin 469 und Aarnold 471 drei sehr gefragte und qualitativ sehr gute Vererber dazu gewonnen.
Das preferente “Mähnenwunder” Anton 343 ist ein wichtiger, noch lebender Vertreter dieser Linie, genießt jedoch schon seit einigen Jahren seinen Ruhestand in den USA.

Die Ygram-Linie

Hengststammbaum - Ygram

Die Ygram-Linie ist eine relativ neue “Erfindung” in der Beschreibung der Hengstlinien. Noch vor wenigen Jahren wurden die Nachkommen von Ygram 240 gemeinsam mit den Nachkommen von Hearke 254 P und Jochem 259 P zur überdimensional großen “Mark-Linie” zusammengefasst (bezogen auf den Vater der drei vorgenannten, Mark 232 P). Durch die Aufspaltung dieser in drei Linien wurde der Stammbaum insgesamt übersichtlicher und leichter nachvollziehbar.

Ygram 240 (*1969, Mark 232 P x Ritske 202 P) war 20 Jahre als Deckhengst aktiv (von 1973 – 1993), seine Deckzahlen erreichten dabei aber nie nennenswerte Höhen. Von seinen 4  Hengstnachkommen konnte sich nur Sierk 326 (*1989, Ygram 240 x Tsjalling 235 P) in nennenswerter Weise durchsetzen, dessen Enkelsohn Maurits 437 in den letzten Jahren 3 Junghengste in die Linie einbringen konnte.

Mit 7 aktiven Deckhengsten gehört diese Linie mit zu den kleinsten, wenngleich sie durch die Ankörung von Eise 489, Markus 491 und Jurre 495 durchaus zukunftsträchtige Vererber beinhaltet.

Die Hearke-Linie

Hengststammbaum - Hearke

Mit 20 aktiven Deckhengsten ist die Hearke-Linie ein überaus starker Zweig mit ausgesprochen hochkarätigen Vererbern. Hearke 254 P (*1973, Mark 232 P x Tabe 203) gilt als einer der einflussreichsten Friesen-Deckhengste der letzten 50 Jahre – als erfolgreiches Tuigpaard posthum mit dem Sportprädikat geehrt, gab der gerne als “König der Friesen” bezeichnete Hengst nicht nur seine Sportbegabung, sondern auch sein hervorragendes Exterieur an 9 gekörte Söhne, als Muttervater an sagenhafte 13 Enkelsöhne und an unzählige weitere Nachkommen weiter.

Die großen Namen dieser Linie sprechen für sich: Reitse 272 P, Teunis 332 P, Brandus 345 P, Jasper 366 P und Beart 411 P! Besonders über die Linie von Jasper 366 und dessen Sohn Beart 411 konnte sich die Hearke-Linie zum wichtigsten Einfluss in der modernen Friesenzucht entwickeln, auch der viel zu früh verstorbene Teunis 332 prägte den modernen Friesen hinsichtlich Rassetyp und vor allem Stockmaß mit.
Mit Jouwe 485, Meinte 490 und dem jungen Siert 499 wurden auch in den letzten Jahren Junghengste aus dieser Linie angekört.

Die Jochem-Linie

Hengststammbaum - Jochem

40 aktive Deckhengste laut KFPS zählt die größte der 6 Hengstlinien, die auf den 1974 geborenen Jochem 259 Preferent (Mark 232 P x Gerke 220) zurückgeht. Dieser auch im Tuigsport erfolgreiche Stempelhengst brachte mit Feitse 293 Preferent (*1983, Jochem 259 P x Bjinse 241) einen der einflussreichsten Deckhengste der jüngeren KFPS-Geschichte. Besonders dessen ebenfalls preferenter Sohn Tsjerk 328 (*1990, Feitse 293 P x Nanne 197) konnte eine wahre Dynastie erfolgreicher Nachkommen hinterlassen, die bis heute die Friesenzucht mit dominieren – besonders zu nennen ist hier sicherlich der dreimalige HK-Kampioen Norbert 444, von dem in den letzten Jahren 5 Söhne gekört wurden und der seit Anfang 2016 seine Erfolgskarriere in den USA fortführt.

Auch der preferente Leffert 306 (*1986, Tamme 276 x Oepke 266) entspringt der Jochem-Linie – seine zahlreichen Nachkommen zeichnen sich bis heute in vielen Fällen durch einen unverwechselbaren, “halsbetonten” Look aus, der in der Friesenszene viele Liebhaber gefunden hat. Über seinen 2015 verstorbenen Sohn Mintse 384 ist Leffert 306 P darüber hinaus der Großvater des in den letzten Jahren überaus erfolgreichen Tsjalle 454, der sich anschickt, Norbert 444 den Rang als regierender “Vererbungskönig” abzulaufen.

Die Gerke-Linie

Hengststammbaum - Gerke

Nur noch durch Fabe 348 P und seine drei Söhne Sape 381, Jorn 430 und den jungen Alke 468 ist die Gerke-Linie repräsentiert, zu deren wichtigsten Vertretern der über lange Zeit populäre Lammert 260 Preferent (*1975, Bjinse 241 x Evert 216) zählt, der neben 5 gekörten Söhnen auch 12 Enkelsöhne als Muttervater hinterließ (darunter z.B. Olof 315, Teunis 332 P und Mintse 384).

Der Gründerhengst Gerke 220 (Age 168 x Wouter 162) wurde 1961 geboren und war zwischen 1964 und 1979 als Deckhengst aktiv. Zu seinen wichtigsten Nachkommen zählen kurioserweise nicht seine beiden Söhne, sondern vielmehr die Stute Ottsje Ster Pref, welche als Mutter von Jochem 259 P sozusagen die Gründerstute der oben beschriebenen Jochem-Linie ist.


Über die Hengstlinien gäbe es noch sehr viel mehr zu erzählen, das würde aber die Lesbarkeit des Artikels und damit die Geduld meiner lieben Leser etwas überstrapazieren. Darüber hinaus brauche ich ja auch noch Material für spätere Artikel ;), insofern belasse ich es bei diesem oberflächlichen Überblick. Wer die Muße hat, kann sich natürlich gerne in die grafische Aufarbeitung vertiefen, für Fragen / Beschwerden / Wünsche dazu stehe ich wie immer gerne via E-Mail oder PN auf meiner Facebook-Seite zur Verfügung.

Hochdekorierte Qualitätsmütter – Teil 2

Viele warten schon seit geraumer Zeit auf eine Fortsetzung der Portraitreihe “Hochdekorierte Qualitätsmütter”, deren erster Teil im Februar 2017 erschienen ist.
Das Warten hat nun ein Ende, hier kommt Teil 2!

Stuten sind in der öffentlichen Wahrnehmung der Pferdezucht-Szene leider immer wieder etwas unterrepräsentiert, das Hauptaugenmerk liegt auf den “Stempelhengsten”, also jenen männlichen Vererbern, die die Zucht durch die Quantität und Qualität ihrer Nachkommen maßgeblich prägen bzw. prägten. Stuten können an diese Erfolge in quantitativer Hinsicht schon aus den gegebenen biologischen Gründen nicht anknüpfen – selten bringen es selbst äußerst fruchtbare Mütter in ihrer Karriere auf mehr als 15 Nachkommen. Qualitativ betrachtet steht so manche Stute aber einem “Stempelhengst” um nichts nach und insofern ist es mir ein Anliegen, in einer kleinen Serie solche “Qualitätsmütter” zu beleuchten.

Els F.T. Kroon Sport Pref*5 Prest

Els F.T. ist interessierten Zuschauern der Hengstenkeuring als Pferd des Jahres 2015 bekannt – diese besondere Ehrung wurde der Ausnahmestute aufgrund ihrer außergewöhnlichen Vererbungsleistung zu teil. Und außergewöhnlich ist diese wirklich!

Els F.T. wurde am 05.03.2001 im niederländischen Terwispel bei F. van der Velde geboren. Die Fabe 348 P-Tochter stammt aus der wohlbekannten Hengstmutter Olcha Model Pref Prest (Feitse 293 P x Naen 264 P, Stam 050), zu deren Nachkommen auch der in den USA stationierte KFPS-Deckhengst Sape 381 (*1997, v. Fabe 348 P – Vollbruder von Els F.T.) zählt.

Als Fohlen nicht vorgestellt, erhielt Els F.T. im Jahr 2004 in Garijp eine 2. Prämie und wurde Ster erklärt. Im Jahr 2009 nahm die sportlich geförderte Stute an einer IBOP teil und erreichte schöne 76 Totalpunkte. Ein Jahr später, 2010, erhielt sie auf der Körung in Garijp eine 1. Prämie und erreichte kurz darauf die erforderlichen Ergebnisse, um das Sportprädikat zu erhalten. Noch im selben Jahr wurde die zu diesem Zeitpunkt 9-jährige Els Kroon erklärt.

Ihr erstes Fohlen brachte Els F.T. im Jahr 2005 bei Roelof Tjeerdsma (Friesenzucht “fan ‘e Boppelannen”) – die Doaitsen 420-Tochter Sinne T. fan ‘e Boppelannen erhielt ausschließlich 1. Prämien, wurde bereits 4-jährig Kroon erklärt (mit einem IBOP-Ergebnis von sagenhaften 88 Punkten!) und trägt seit 2012 wie ihre Mutter das Sportprädikat. Daneben wird diese Stute auch züchterisch genutzt – ihre bisher 6 geborenen Fohlen zeigen sich vielversprechend, die älteste Tochter wurde selbst bereits mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.

2006 brachte Els F.T. ein Hengstfohlen von Andries 415 zur Welt, 2007 folgte die Gjalt 426-Tochter Wende T. fan ‘e Boppelannen, die ihrerseits mittlerweile die Prädikate Ster und Sport trägt.
2008 wurde Alger T. fan ‘e Boppelannen Rb Ster Sport (v. Gjalt 426) geboren, der unter Heleen de Haas äußerst erfolgreich im Dressursport reüssiert und mittlerweile auf Intermediaire-Niveau vorgestellt wird.
Ebenfalls von Heleen de Haas im Sport herausgebracht wurde der 2009 geborene Fonger T. fan ‘e Boppelannen Ster Sport (v. Loadewyk 431).
Nach einem Jahr Pause brachte Els F.T. 2011 und 2012 jeweils ein Hengstfohlen von Tjalbert 460, 2013 brachte sie ihre bislang letzte Stertochter zur Welt – Rikst T. fan ‘e Boppelannen (v. Beart 411 P). Ein 2014 geborener Hengst von Norbert 444 sowie zwei Stutfohlen (*2015 v. Beart 411 P, *2016 v. Tsjalle 454) wurden bislang noch nicht vorgestellt.

Yasmijn R. Ster Pref*8 Prest

Auch diese Stute schaffte es bereits einmal ins Rampenlicht der Hengstenkeuring – sie war nominiert für den Titel “Pferd des Jahres 2016”. Der Titel ging zwar an den Deckhengst Eise 489, die züchterischen Hochleistungen von Yasmijn R. bleiben aber überaus bemerkenswert.

Die 1999 bei der Fam. Ruiter in Nij Beets geborene Yasmijn R. war das zehnte Fohlen der sterpreferenten Elsje (* 1983, Meindert 263 x Ritske 202 P). Ihr Vater Teunis 332 P zählte zum damaligen Zeitpunkt bereits mit zu den beliebtesten Deckhengsten aller Zeiten und führte über Jahre hinweg die Statistik der Deckzahlen an. Nichtdestotrotz ging Yasmijn R. aus ihrer ersten Körung im Jahr 1999 ohne Prämie hervor. Ein Jahr später konnte sie als Enter in Drachten eine 2. Prämie erreichen, 2002 wurde sie schließlich als 3-jährige ebenfalls in Drachten mit einer 2. Prämie zur Sterstute erklärt.

Im Jahr darauf brachte Yasmijn R. ihren ersten Sohn zur Welt, den Sape 381-Sohn Jorn S.R. Vb Ster. 2004 folgte ein weiteres Hengstfohlen von Sape 381 (Meint S.R. Vb Ster), 2005 wurde die Stute Sterre S.R. (v. Doaitsen 420) geboren, die später ebenfalls das Sterprädikat erhalten sollte.
2006 kam ein außergewöhnlich schönes Stutfohlen von Folkert 353 P zur Welt – Tinka S.R. wurde bereits 5-jährig mit dem Kroonprädikat ausgezeichnet und erreichte noch im selben Jahr (2011) das Prädikat Sport.
Die 2007 geborene Ypie S.R. (v. Doaitsen 420) wurde ebenfalls Ster erklärt, die 2008 geborene Annemieke S.R. (v. Onne 376) erreichte als zweite Tochter von Yasmijn R. die Prädikate Kroon und Sport.
2009 brachte Yasmijn R. ihre bislang letzte Stertochter, Fenne S.R. (v. Loadewyk 431) zur Welt und wurde im selben Jahr mit dem Preferentprädikat ausgezeichnet.
2010 und 2011 folgten zwei weitere Stutfohlen von Maurus 441 resp. Norbert 444, der 2012 geborene Folkert 353 P-Sohn Nozem S.R. erhielt als bislang letzter Hengstnachkomme von Yasmijn R. das Sterprädikat.
Ein weiteres Stufohlen von Thorben 466 (*2015) sowie ein 2016 geborener Sohn von Haike 482 warten noch auf ihre Körungen im Erwachsenenalter.

Mit bisher 8 Sternachkommen ist Yasmijn R. somit eine der wenigen “dubbelpreferenten” Zuchtstuten – es bleibt abzuwarten, welche Leistungen ihre Nachkommen weiterhin bringen werden und in welche Sphären die Zuchtleistung dieser Ausnahmestute noch vorzudringen vermag!

Mooi van Setse v.d. Hommershoeve Model Sport Pref*4

Mit sehr jungen Jahren reiht sich Mooi van Setse v.d. Hommershoeve in die ehrenvollen Ränge der Elite-Zuchtstuten ein. Die 2004 geborene und 2011 zur Modelstute erklärte Fabe 348-Tochter stammt aus der Zucht De Hommers Hoeve in Gameren, ihre Mutter ist die modelpreferente Setse Boszorg (v. Fetse 349, Halbschwester von Stendert 447!). In den vier ersten Generationen ihrer Mutterlinie (Stam 050) stehen ausschließlich Modelstuten – eine wahre Ausnahme in Sachen Zuchtsicherheit!

Mooi erhielt als Fohlen in Esbeek eine 2. Prämie, 2007 wurde sie mit einer 1. Prämie in das Sterregister eingeschrieben. Nach Absolvierung einer IBOP mit 79,5 Totalpunkten wurde die Stute im Jahr 2009 Kroon erklärt, 2011 erreichte sie das Sportprädikat und wurde schließlich als Modelstute ausgezeichnet.

Obschon erst 13 Jahre alt, brachte Mooi bislang 9 Fohlen, von denen bereits 4 mit dem Sterprädikat bedacht wurden. Dazu zählen die 2009 geborene Extra Mooi fan Dulve Ster Sport (v. Maeije 440), die 2010 geborene Gloria v. Mooi Ster Sport (v. Maurus 441), der Dries 421-Sohn Keimpe van de Demrostables Vb Ster (*2011) sowie dessen 2012 geborener Vollbruder Mazel Tov v. Mooi van de Demrostables Vb Ster. 2010 und 2012 wurden dabei via Embryotransfer jeweils 2 Fohlen dieser hervorragenden Zuchtstute geboren. 2015 brachte sie darüber hinaus ein Stutfohlen von Epke 474 zur Welt, im Vorjahr hatte sie ihr bisher letztes Fohlen von Tsjalle 454 (ebenfalls eine Stute).

Die Zuchtkarriere dieser noch recht jungen Stute ist jedoch noch nicht vorbei und es würde mich nicht wundern, wenn ihr Name noch größere Bekanntheit in den Annalen des KFPS erlangen würde.

 

 

Der moderne Friese – eine kritische Betrachtung

Der Friese an sich gehört wahrscheinlich mit zu den bekanntesten Pferderassen der Welt – sein typisches Exterieur, die exklusive Rappfarbe und das oft üppige, gelockte Langhaar machen ihn neben seinem typischen, “rollenden” Trab zu einer unverwechselbaren Erscheinung und zum idealisierten Traumpferd manch pferdebegeisterten Kindes (oder auch Erwachsenen).

Soviele Idealisierungen dem Friesen zugeschrieben werden, soviele Vorurteile existieren aber auch dieser alten Rasse gegenüber – Tulpentreter, Kutschpferd oder Kaltblut sind da nur ein denkbar kleiner Ausschnitt der mannigfaltigen Zuschreibungen von Kritikern und Unwissenden.

Ein besonders perfides Vorurteil hält sich aber hartnäckig und wird in vielen Diskussionen vor allem dazu genutzt, die Zuchtziele des KFPS und die züchterische Entwicklung des KFPS-Friesen zu kritisieren – es handelt sich um die Mär von der massiven Typveränderung in der Friesenzucht und dem damit immer wieder einhergehenden Vergleich von Sportfriesen vs. Barockfriesen.

Zeit für mich, mich etwas intensiver mit dieser immer wieder aufflammenden Diskussion konstruktiv auseinander zu setzen!

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Sportlich und kalibrig? Kein Widerspruch bei Hielke van ‘t Grupje Vb Ster (Reinder 452 x Oege 267)

Ist der Friese ein Barockpferd, und wenn ja, wie viele?

Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff “Barockpferd” weitaus weniger alt, als man im Allgemeinen annehmen möchte. Vor allem im Laufe der 1990er Jahre prägte eine Vielzahl von Autoren diesen Ausdruck mehr oder minder präzise als Begriff für solche Rassen, die zur Zeit des Barock (ca. 1575 – 1770) an den mitteleuropäischen Höfen als Kriegs-, Reitkunst- oder Karrossierpferde vermehrt eingesetzt wurden und / oder der im Barock beliebten, rubens’schen Idealform des beleibten Körpers entsprechen.

Eine griffige, einheitliche Definition lässt sich schon für den Begriff per se nicht finden, noch schwieriger wird es aber, die exakt dazu zählenden Rassen anhand belegbarer Gemeinsamkeiten fundiert festzulegen.

“Friesen” – im Sinne von Pferden aus den Niederlanden im Friesentyp – hat es zur Zeit des Barock bestimmt gegeben, aufgrund ihrer imposanten Erscheinung ist sicherlich auch davon auszugehen, dass solche Pferde bei Hofe beliebt waren. Inwiefern diese “Barockfriesen” dem heutigen Rassetyp oder dem rubens’schen Ideal qua Körperfülle entsprachen, lässt sich kurzgefasst nur sehr schwer beurteilen … Fotografien aus der Zeit sind bekanntlich rar 😉 und die idealisierten Malereien und Fresken der barocken Künstler sind nicht unbedingt als naturalistische Darstellungen zu betrachten.

Ob dahinter eine selektive Zucht im heutigen, stark an festgelegte Kriterien orientierten Sinne oder gar eine tragende Population von Friesen an den europäischen Höfen stand, lässt sich aus heutiger Sicht schwer beantworten. Pferde aus Friesland fanden aber jedenfalls Erwähnung in der zeitgenössischen Literatur – dort vor allem als besonders begabte Dressurpferde, die in den zur Zeit des Barock blühenden Hofreitschulen zum Einsatz kamen.

Das “Friesch Paarden Stamboek” allerdings wurde am 1. Mai 1879 gegründet und ist damit erst ein gutes Jahrhundert nach dem Niedergang des Spätbarock bzw. Rokoko entstanden – die Ursprünge unseres heutigen Friesenpferdes mögen also gerne (so wie die aller althergebrachten Pferderassen) bis dorthin und noch viel weiter zurückreichen, die selektive Zucht der heute unter der Bezeichnung “Friese” bekannten Rasse – nach festgelegten Kriterien in einer Kooperation aus mehreren Züchtern mit demselben Zuchtziel – begann 1879.

Ist der Friese also ein Barockpferd? Ich begnüge mich mit der Anschauung, dass diese Beurteilung mangels bindender Klassifikationskriterien dem Betrachter überlassen sein möge und antworte daher mit einem klaren: JEIN!

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Auch ohne Barock eine Schönheit – Noblesse fan Limbach (Jerke 434 x Jasper 366)

Ist der Friese ein Sportpferd?

Sofern man ein Sportpferd als ein solches klassifiziert, das im Exterieur die Veranlagung mitbringt, in Pferdesportdisziplinen (welcher Art auch immer) erfolgreich zu sein, so kann man diese Frage in Bezug auf die Gesamtheit der Rasse der Friesen getrost mit Ja beantworten. Die Ursprünge der KFPS-Zucht liegen in edlen, bewegungsstarken Reit- und Fahrpferden, die im Friesland des ausgehenden 19. Jahrhunderts den wohlstandsstärkeren Klassen als leichtfüßige Karrossierer vor der Sjees, als elegante Reitpferde und auch als leistungsstarke Trabrennpferde in den ‘kortebaan-draverijen’ unter dem Sattel dienten. Sie wurden als die “Prunkpferde des Bauernstandes” nicht in erster Linie für die schwere Arbeit in der Landwirtschaft selektiert und zeigten sich – wie zeitgenössische Fotografien und (naturalistische) Illustrationen beweisen – in einem dem heutigen Friesen gar nicht unähnlichen, sportlichen Typ.

Allerdings konkurrierten diese ursprünglichen Friesen stark mit den bedeutend schwereren Arbeitsrassen – die Notwendigkeit von Arbeitspferden war es auch, die den prunkvollen Friesen des 19. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung trieb, ehe die Gründung des FPS diesem Umstand entgegensteuerte und die letzten verbliebenen Zuchtpferde unter ihre Fittiche nahm.

Die militärischen Auseinandersetzungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, namentlich die beiden Weltkriege (1914 – 1918, 1939-1945), machten selbstverständlich auch nicht vor den Friesenpferden halt und hatten durchaus nachhaltige Auswirkungen auf die damals noch immer relativ kleine Rassepopulation. Ein “Prunkpferd” war in den bitteren Kriegs- und Zwischenkriegszeiten keine Überlebenshilfe, stattdessen war im ländlichen Friesland die Nachfrage nach kräftigen Arbeitspferden groß und auch die friesische Rasse entwickelte sich zusehends weg vom royalen, eleganten “Luxuspferd” hin zu einem Pferd, das den rauen Gegebenheiten mehr entsprach. So entwickelte sich der heute in den Niederlanden als “Landbouw”-Typ bekannte Friesenschlag, dessen Stärken mehr im Ziehen des Pfluges als im leichtfüßigen Trab vor der Sjees oder unter dem Sattel lagen – und  natürlich waren diese Pferde auch nicht mehr mit dem eleganten, hochbeinigen Exterieur ihrer Vorfahren gesegnet.

Diese Phase in der Rasseentwicklung des KFPS-Friesen ist auch heute noch in manchen Pferden sichtbar und wird gerne von Befürwortern der “Barockpferde”-Hypothese ins Feld geführt, um ihr persönliches Idealbild eines Friesen historisch zu belegen. Dabei wird aber gerne vergessen, dass der “Landbouw”-Typ weder ein Vertreter nach der wie auch immer gearteten “Barockpferde-Klassifikation” ist, noch jemals ein adoriertes Zuchtziel für die Rasse der Friesen an sich war. Vielmehr kann man die Entwicklung der Rasse in diese Richtung als ein notwendiges Übel betrachten, das den historischen Umständen geschuldet war.

Das KFPS jedenfalls hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung rückgängig zu machen und besinnt sich in seiner Zucht- und Körpolitik sozusagen auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Rassetypologie. Ziel ist demnach die Zucht eines eleganten, gangbegabten Gebrauchspferdes, das vielseitig sowohl unter dem Sattel als auch vor dem Wagen einsetzbar ist.

Der ominöse “Sportfriese”

Nun gut, der Friese war in seinen Ursprüngen – und ist es auch in der Gegenwart – eine Pferderasse, deren Verwendungszweck auch im Sport liegt. Entgegen der Meinung mancher Kritiker hat sich daraus allerdings keine ausgeprägte und forcierte Diversifikation der Rasse entwickelt, wie dies z.B. bei vielen deutschen Warmblutrassen (in Spring- und Dressurlinien) der Fall ist – vielmehr ist das KFPS auch gegenwärtig immer noch bestrebt, die multiple (Sport)eignung der gesamten Rasse bei Erhalt eines einheitlichen Rassetyps zu fördern, was u.a. durch die immer noch gängige Praxis der multidiszplinären Hengstleistungsprüfung geschieht. Einen forciert gezüchteten “Sportfriesen” gibt es also nicht, wenngleich es natürlich mittlerweile viele Individuen unter den Friesen gibt, die ihre Sporteignung durch den Erhalt des Sportprädikats stolz als Namenszusatz tragen.

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Stolzer Träger eines ELITE-Sportprädikats –  Zen ‘fan Panhuys’ Ster Sport-Elite (Dries 421 x Fabe 348 P)

Der Status quo – Alter Schlag oder “KWPN mit Kötenbehang”?

Das Argument, das KFPS würde den Friesen weg von seinem Ursprung und hin zu einem “KWPN mit Fesselbehang” entwickeln, stirbt in den leider immer wieder schwelenden Diskussionen mit Verfechtern des “alten Schlages” nicht aus.

Dabei kann – wie im oberen Teil hoffentlich geschehen – recht schlüssig dargelegt werden, dass der Friese nie als schweres, kaltblutartig anmutendes Pferd konzipiert war, sondern bereits in seinen Ursprüngen ein vielseitiges Gebrauchspferd von elegantem, luxuriösem Typ darstellte.

Doch auch wenn man sich die modernen Rassevertreter einmal nüchtern betrachtet, finde ich es schwer nachvollziehbar, von einer “Versportlichung” der gesamten Rasse zu reden. Ich kann keineswegs feststellen, dass die letzthin gekörten Deckhengste “nicht mehr wie Friesen” aussehen oder besonders leicht im Kaliber wären.

Möglicherweise lassen manche Kritiker dabei außer Acht, dass die frischgekörten Hengste zum Großteil gerade 3 oder 4 Jahre alt sind und sich in Sachen Kaliber noch deutlich entwickeln, darüber hinaus erfreuen sich auch durchaus im schwereren Typ stehende Hengste (so z.B. Tsjalke 397, Pier 448 oder Bartele 472) großer Beliebtheit in der momentanen Zucht und beweisen darüber hinaus, dass ein schwereres Kaliber nicht gleichbedeutend mit fehlender Sporteignung sein muss.

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Erfolgreich im Grand Prix und trotzdem ein ganzer Friese – Wirdmer fan ‘e Boppelannen Ster Sport-Elite (Beart 411 P x Jillis 302)

Umso bedauernswerter finde ich es, dass sich in den letzten Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum zunehmend eine “Parallelzucht” entwickelt, die abseits des KFPS-Zuchtziels mit Deckhengsten “aus besonders alten” oder “besonders barocken” Linien wirbt, ohne dabei erkennbare Qualitätskriterien als Maßstab anzulegen. Vielfach findet man Deckanzeigen von in deutschen oder österreichischen Spezialrassen- oder Ponyzuchtvereinen “gekörten” Friesenhengsten, die zumeist außer großem Kaliber (einige davon nicht einmal von Natur aus mit diesem gesegnet, sondern deutlich angefüttert) und wallender Mähne nur wenige von den vom KFPS hart angestrebten Qualitäten (von der Eleganz bis zur vielseitigen Verwendbarkeit) mitbringen und oft tatsächlich mehr an ein Kaltblut erinnern als an einen Friesen.

Bedauerlich finde ich persönlich diesen Umstand insofern, als er in der Öffentlichkeit immer wieder ein falsches Bild von einer wunderbaren Pferderasse kolporiert, aber auch deshalb, weil mit diesen Bestrebungen gezielt gegen die redlichen Bemühungen des Mutterstammbuchs gearbeitet wird – auch in Sachen der öffentlichen Wahrnehmung. Und ich frage mich doch ernstlich, welche Beweggründe dahinterstehen mögen, zumal es Rassen gibt, die den von der “Landbouw”-Typ-Fraktion geforderten Kriterien weit besser entsprechen, als Friesen in ihrer ursprünglichen und vermehrt auch wieder neuzeitlichen Erscheinungsform. Genannt seien hier z.B. der Noriker oder andere leichte Kaltblut-Rassen, die mehr und mehr auch dem Wunsch nach einem kalibrigen Reitpferd mit imposantem Exterieur gerecht werden.

 

Hochdekorierte Qualitätsmütter – Teil 1

In den letzten Tagen habe ich mir die Mühe gemacht, die KFPS-Datenbank nach hochdekorierten Zuchtstuten der letzten 60 Jahre zu durchforsten und bin dabei auf einige interessante Details gestoßen.

Stuten sind in der öffentlichen Wahrnehmung der Pferdezucht-Szene leider immer wieder etwas unterrepräsentiert, das Hauptaugenmerk liegt auf den “Stempelhengsten”, also jenen männlichen Vererbern, die die Zucht durch die Quantität und Qualität ihrer Nachkommen maßgeblich prägen bzw. prägten. Stuten können an diese Erfolge in quantitativer Hinsicht schon aus den gegebenen biologischen Gründen nicht anknüpfen – selten bringen es selbst äußerst fruchtbare Mütter in ihrer Karriere auf mehr als 15 Nachkommen. Qualitativ betrachtet steht so manche Stute aber einem “Stempelhengst” um nichts nach und insofern ist es mir ein Anliegen, in einer kleinen Serie solche “Qualitätsmütter” zu beleuchten.

Beginnen möchte ich heute damit, ausgewählte Stuten ins Rampenlicht zu holen, die aktuell noch aktiv in der Zucht sind und im letzten Jahr ein Fohlen gebracht haben.

Nanna fan Synaeda Model Pref*6

Nanna fan Synaeda wurde am 01.07.1996 bei dem höchst erfolgreichen Züchter Anne Oosterbaan (fan Synaeda) im niederländischen Tzummarum geboren. Sie ist eine Tochter der sehr bekannten Pyrrha fan Synaeda Model Pref*11 Prest (*1988, Oepke 266 x Tsjalling 235 P), die zwischen 1992 und 2010 18 Fohlen gebracht hat, darunter 2 Model- und eine Kroon-Stute.
Ihr Vater Tsjerk 328 P – damals noch ein junger Hengst in der 4. Decksaison –  war zum Zeitpunkt ihrer Geburt zwar bereits recht beliebt bei den Züchtern, jedoch noch lange nicht am Höhepunkt seiner Deckkarriere angelangt

1996 erhielt Nanna fan Synaeda eine 2. Fohlenprämie, 1999 folgte die Stammbuchaufnahme mit einer 1. Prämie und dem begehrten Sterprädikat. Ein Jahr später bekräftigte sie ihre 1. Prämie in St. Nicolaasga und brachte ihre erste Tochter, Anna fan Synaeda (v. Brandus 345 P) zur Welt, die mit einer 2. Fohlenprämie ausgezeichnet wurde. 2001 folgte ein Hengstfohlen von Nykle 309 (Fonger fan Synaeda, 1. Fohlenprämie).
Im Jahr 2002 erhielt Nanna fan Synaeda in Blauwhuis eine weitere 1. Prämie und wurde in weiterer Folge Model erklärt – im dazu notwendigen IBOP erreicht sie 78,5 Totalpunkte, darunter eine 8 für den Schritt.

In den folgenden Jahren brachte Nanna fan Synaeda 14 Fohlen zur Welt (7 Hengste, 7 Stuten), von denen 12 längere Zeit überlebten. Ihre ältesten 5 Nachkommen erhielten allesamt das Sterprädikat, ebenso die 2010 geborene Glorianda fan Synaeda (v. Jisse 433). 2008 wurde Nanna fan Synaeda aufgrund ihrer äußerst erfolgreichen Nachkommen Preferent erklärt.
Ihr bislang letztes Fohlen erblickte 2016 das Licht det Welt – ein Stutfohlen von Teunis 332 P (!), das mit einer 3. Fohlenprämie bedacht wurde.

3 Stertöchter von Nanna sind aktuell in der Zucht, die 2002 geborene Janna fan Synaeda Ster (v. Fabe 348 P) hat bereits 3 Sternachkommen und steht damit an der Schwelle zum Preferentprädikat.

 

Tjalda fan Lutke Peinjum Model Sport Pref*4

Die am 22.03.1998 bei Fam. Osinga in Boijl geborene Tjalda von Lutke Peinjum trägt geschichtsträchtiges Friesenblut in sich. Die Fabe 348 P-Tochter stammt aus einer der bekanntesten Friesenstuten überhaupt – der dreifach preferenten Setske F. Ster Pref Prest. Tjalda ist somit eine Halbschwester des preferenten Stempelhengstes Beart 411 (v. Jasper 366 P), mit dem sie in züchterischer Qualität durchaus mithalten kann.

Als Fohlen erhielt Tjalda eine 1. Prämie, 2001 wurde sie in St. Nicolaasga mit einer 2. Prämie in das Stammbuch aufgenommen und mit dem Sterprädikat ausgezeichnet. Im selben Jahr legte sie eine IBOP mit durchwegs soliden Noten ab. 2002 erhielt sie in Blauwhuis ein weiteres Mal eine 2. Prämie und wurde anschließend bis 2010 an keiner Körung mehr vorgestellt. Stattdessen wurde sie intensiv in der Zucht eingesetzt und brachte im Zeitraum von 2002 bis 2016 rekordverdächtige 16 Fohlen (7 Hengste, 9 Stuten – darunter 2012 und 2014 jeweils 2 Fohlen durch Embryotransfer).

Daneben wurde Tjalda von Ingeborg Klooster im Sport vorgestellt und erreichte 2009 das Sportprädikat – 2010 lief sie auf der Körung in Blauwhuis zur Hochform auf, wurde mit einer 1. Prämie ausgezeichnet und in weiterer Folge Model erklärt. Im selben Jahr erreichte sie auch – gerade erst 12-jährig – das Preferentprädikat.

Zu ihren Nachkommen zählen die Prädikatsstuten Lyske fan Lutke Peinjum Ster (*2003, v. Onne 376), Richt fan Lyutke Peinjum Ster (*2005, v. Rindert 406 – bereits 3 Sternachkommen!) und die Kroonstute Truke fan Lutke Peinjum (*2006, v. Eibert 419), die 2013 eine IBOP mit 79,0 Totalpunkten ablegte. Ihr 2002 geborener Sohn Germ fan Lutke Peinjum (v. Ulbert 390) legte einen sehr erfolgreichen ABFP-Test ab und wurde mit einer 1. Prämie und dem Sterprädikat in das Ruinenboek aufgenommen. 4 Töchter von Tjalda wurden aktuell noch nicht im Erwachsenenalter vorgestellt, darunter auch die 2016 geborene, jüngste Tochter Bialda vd Demrostables (v. Jehannes 484).

 

Hilly fan de Zuiderwaard Model Sport Pref*5 Prest

Eine wahrhaftig reich mit Orden behängte Stute ist die am 04.06.2002 geborene Hilly fan de Zuiderwaard. Mit gerade erst 15 Jahren trägt diese Stute die 4 höchsten Stutprädikate des KFPS und zählt damit zu der absoluten Elite des Stammbuchs.

Die Tsjerk 328 P-Tochter stammt aus der sterpreferenten Femke-Tina v.d. Zuiderwaard (*1993, Oege 267 P x Hearke 254 P) und wurde bei Fam. Kien in Kampen geboren. 2002 wurde sie in Oldeholtpade mit einer 2. Fohlenprämie in das Veulenboek eingetragen, 2005 erhielt sie in Ambt-Delden als 3-jährige das Sterprädikat mit einer 1. Prämie.
2006 brachte sie ihr erstes Fohlen zu Welt, die Fabe 348-Tochter Tetske van de Anne Hoeve, die mit einer 1. Fohlenprämie ausgezeichnet wurde. Bis 2016 schenkte sie ingesamt 9 Nachkommen das Leben (2 Hengsten, 7 Stuten), darunter 4 von Fabe 348 P.

2009 erreichte sie auf der Körung in Oudkarspel eine 1. Prämie, 2011 wiederholte sie diesen Erfolg, erreichte das Sportprädikat Dressur und wurde schließlich mit 9 Jahren zur Modelstute erklärt. 2015 schließlich erreichte sie das Preferentprädikat, 2016 folgte die letzte Auszeichnung – durch die Neuregelung bzgl. Voraussetzungen für das Prestatieprädikat wurde ihr auch diese hohe Ehrung zu Teil.

Unter ihren Nachkommen befinden sich bislang 2 Kroonstuten (Anne van de Anne Hoeve v. Onne 376 und Mette van de Anne Hoeve v. Beart 411 P), 2 Sterstuten sowie ein Sterhengst. 7 ihrer 9 Nachkommen erhielten darüber hinaus eine 1. Prämie als Fohlen.

 

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer erwähnenswerter Stuten, über die ich in weiteren Teilen der Serie näher berichten werde.

Fototermin bei Fam. Prexl

Nachdem ich mich ja in letzter Zeit sehr intensiv mit der Theorie in Sachen Friesen auseinandergesetzt habe, wurde es für mich dringend wieder einmal Zeit, mich den Pferden in praktischer Weise zu widmen :).

Ein äußerst schöner Anlass dafür war mein Foto-Besuch bei Familie Prexl und ihrer Friesenzucht ‘fan Limbach’, im schönen Mostviertel in Niederösterreich.

Claudia und Perry Prexl widmen sich seit vielen Jahren leidenschaftlich der niederländischen Rasse und gehören mit zu den Wegbereitern des Erfolges der Friesen in Österreich. Ihre Sporthengste sind mittlerweile wohlbekannt, gehören sie doch zu den ganz wenigen Friesen, die auf internationalem Niveau erfolgreich im Grand Prix laufen.

Doch auch in der Zucht beweisen sie immer wieder außerordentliches Geschick – die österreichischen Fohlenchampions der letzten beiden Jahre stammen aus ihrer Zucht und die erste Generation der ‘fan Limbach’-Friesen ist mittlerweile zu außerordentlich schönen Jungpferden herangewachsen. Dass dazu im Jahr 2015 noch ihr Hengst Epke als Erryt 488 gutgekört wurde, ist ein weiteres Highlight.

Mit großer Vorfreude trat ich also den Weg ins Mostviertel an und wurde nicht nur mit großer Gastfreundschaft und wunderschönen Pferden, sondern auch mit echtem Kaiserwetter empfangen.

Einige Pferde und Bilder meines überaus schönen Shooting-Tages möchte ich meinen lieben Lesern nicht vorenthalten ;).

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Als erstes Pferd des Tages hatte ich die wunderschöne Noblesse fan Limbach vor der Linse. Die Jerke 434-Tochter wurde 2012 als erstes Fohlen bei Fam. Prexl geboren, sie stammt aus der Jasper 366 P-Tochter Shylo fan de Honingbeek, einer 1. Prämie Sterstute, die im Rahmen der CK 2014 voorl. Kroon erklärt wurde.

Für mich war es eine sehr große Freude, diese Stute, die ich schon als Fohlen gekannt habe, wiederzusehen und dabei festzustellen, wie toll sie sich entwickelt hat. Aus dem 1. Prämie-Stutfohlen ist eine fantastische Jungstute geworden, die sowohl optisch als auch charakterlich verzaubert.

 


 

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Mit Liekele V. van de Miedwei hatte ich einen Ster-Sohn von einem meiner persönlichen Lieblingshengste vor der Kamera. Der äußerst schicke Uldrik 457-Sohn stammt aus der sterpreferenten Wiefkje V. (Jelte 365 x Leffert 306 P), die u.a. die Hengstmutter von Sjouke 453 ist. Der als Fahrpferd im Pavo Fryso-Bewerb erfolgreiche Liekele imponierte nicht nur durch sein schönes Exterieur, sondern auch durch seinen goldenen Charakter. Ein echtes Kuscheltier :).

 


 

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Abschließend wurde mir dann noch ein weiterer “alter Bekannter” zum Shooting gebracht. Hielke van ‘t Grupje (* 2010, Reinder 452 x Ster Pref. v. Oege 267 P) lebt schon mehrere Jahre als besonderer Liebling bei Fam. Prexl und ist ein verlässliches und optisch überaus ansprechendes Fahr- und Reitpferd. Im Schnee ließ sich der Sterhengst nicht lumpen und bewies eindrucksvoll die unglaubliche Schönheit, die einem Friesenpferd inne wohnt.

 

Mein herzlicher Dank geht an Claudia und Perry Prexl / Friesen Exklusiv für ihre immer wieder erwiesene Gastfreundschaft und die Bereitstellung der wunderschönen Fotomodelle :).

Levenstotalen 2016 – viele bunte Statistiken :)

Alljährlich wird vom KFPS eine aktualisierte Hochrechnung der sog. ‘Levenstotalen’ der Deckhengste veröffentlicht, in welcher die Anzahl der Nachkommen und deren Prädikate verzeichnet sind, sowie einige statistisch interessante Daten zu den einzelnen Hengsten (z.B. zur Weißvererbung). Auf Basis dieser Levenstotalen errechnen sich auch die Anwartschaftspunkte für die Preferentschaft von Deckhengsten (mehr dazu im Friesen-ABC).

Die kürzlich veröffentlichte Hochrechnung schließt alle Nachkommen der Hengste bis Dezember 2016 ein und ist auf der Webseite des KFPS im Original für jedermann abrufbar (Excel-Tabelle).

Den eifrigen FP-Lesern wird nun unzweifelhaft nicht entgangen sein, dass ich eine kleine große Leidenschaft für die grafische Aufbereitung von statistischen Daten hege und insofern lasse ich mir es natürlich auch dieses Mal nicht nehmen, euch mit vielen bunten Grafiken zu versorgen :).

Wir beginnen mit den Stutnachkommen der KFPS-Deckhengste.
In der vom KFPS veröffentlichten Tabelle sind die mindestens in das Stb aufgenommenen Stutnachkommen aller Hengste ab Feitse 293 P (*1983, gekört 1986) verzeichnet und nach ihren Stutprädikaten (Stb, Ster, Kroon & Model) gelistet.

In der nachfolgenden Tabelle habe ich diese Aufgliederung für die 20 nach absoluten Zahlen stärksten Deckhengste in der Statistik übernommen.

stuten-2017-relativ

Die absoluten Zahlen geben dabei auch Aufschluss darüber, in welchem Ausmaß einzelne Hengste durch ihre Nachkommen die Zucht aufgrund der schieren Menge an potentiell zuchtfähigen Stuten beeinflussen.
Deutlich zu erkennen ist ein sich selbst erklärender Überhang der bereits preferent erklärten Deckhengste – betrachtet man die Statistik etwas näher, fällt ein massiver Einfluss von Feitse 293 P und seinen Söhnen Tsjerk 328 P, Folkert 353 P, Rypke 321 und Fetse 349 auf. Zu bedenken ist dabei auch , dass Feitse 293 P der MV des ebenfalls weit vorne in der Statistik aufscheinden Beart 411 P ist. Der auf Platz 19 vertretene Andries 415 ist über seinen Vater Tsjerk 328 P ebenfalls ein Enkel von Feitse 293 P.

Der 1986 geborene Leffert 306 P macht gemeinsam mit seinen Söhnen Onne 376 (auf den ich später noch eingehend zu sprechen kommen werde) und Tsjalke 397 ebenfalls einen nicht unerheblichen Einfluss geltend.

Das selbe gilt für den immer noch aktiven Jasper 366 P (*1995), der gemeinsam mit seinem Vater Olof 315 und seinem höchst erfolgreichen Sohn Beart 411 P weit vorne in der Statistik reüssiert. Der 2000 geborene Beart 411 P bringt in der Gesamtstatistik auch die meisten Kroon- & Model-Stuten ins Feld, ingesamt 43 seiner weiblichen Nachkommen wurden bisher mit diesen höchsten KFPS-Stutprädikaten ausgezeichnet (27 Kroon, 16 Model).

 

In der nächsten Grafik habe ich die Hengste nach aktuellem prozentualem Sterstutenanteil gereiht.
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Zu bedenken ist in dieser Statistik, dass nicht alle Ergebnisse gleich aussagekräftig sind, da die prozentuale Auswertung für manche Hengste auf nur wenigen registrierten Stuten beruht, wohingegen von anderen (älteren) Hengsten sehr viele Nachkommen in die Statistik einfließen und das Ergebnis somit bedeutend tragfähiger wird.

In dieser Grafik erweist sich die mittlerweile weithin bekannte Vererberqualität von Tsjalle 454 als wahr – mit 66% Sterstuten (bei immerhin 131 registrierten Stutnachkommen, 7 davon bereits Kroon!) macht der 2006 geborene Deckhengst von sich reden. Nimmt man mit in Betracht, dass seine ältesten Nachkommen erst 2011 geboren wurden, ist dieses Ergebnis umso respektabler.

Dicht auf den Fersen ist ihm der mittlerweile legendäre Norbert 444, der seit Anfang 2016 seinen Deckdienst in den USA verrichtet. Bereits 219 Stutnachkommen sind von ihm in der Statistik erfasst, von denen 64% minimal mit dem Sterpädikat ausgezeichnet wurden –  darunter 24 (!!!) Kroon und 3 Modelstuten. In Anbetracht der Tatsache, dass seine ältesten Nachkommen erst 2009 geboren wurden, lässt sich erahnen, wie stark sich diese Zahlen in den nächsten Jahren noch steigern werden.

Auf Platz 3 folgt der junge, 2011 gekörte Alwin 469. Von ihm wurden bislang 16 Stuten in das Stammbuch aufgenommen, darunter 2 mit dem Prädikat Kroon. Seine 63% Sterstutenanteil versprechen eine positive Zukunft, sind aber aufgrund der geringen Nachkommenanzahl noch nicht besonders aussagekräftig.

 

Ebenfalls in der Statistik aufgeführt sind die Stutnachkommen, welche das Preferent-Prädikat erhalten haben.

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Über die  sportlichen Erfolge der Nachkommen gibt die Anzahl der verliehenen Sportprädikate Aufschluss. Hier zeigt sich ein weiteres Mal der unerreichte Einfluss von Jasper 366 P auf die Sportveranlagung in der KFPS-Zucht.

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Abschließend möchte ich noch einmal das Rätselraten um die Preferentschaft der Hengste eröffnen – mit einer Auswertung der bis Ende 2016 gesammelten Preferentschaftspunkte.

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Verzeichnet sind die 20 Hengste mit den höchsten Preferentpunkten lt. Statistik, die bislang noch kein Preferentprädikat tragen.
Der blaue Balken gibt die bis Ende 2011 gesammelten Ist-Punkte wieder, der grüne Balken den Zugewinn bis Ende 2016. Die seit wenigen Jahren gültige Neuregelung für die Vergabe der Preferentschaft besagt, dass der Soll-Punktestand anhand der Nachkommen berechnet wird, die vor mindestens 5 Jahren (gerechnet ab dato) geboren wurden. Aus der Gesamtzahl dieser Nachkommen wird mit Faktor 0.51 eine individuelle Mindestpunktzahl für den jeweiligen Hengst errechnet, die nochmals um 150 Punkte erhöht wird. Diese Soll-Punktzahl muss über der “magischen Grenze” von 700 Punkten liegen, um die Vergabe des Preferentprädikates überhaupt zu ermöglichen.

Die blaue Linie markiert die “magische” Grenze von 700 Soll-Punkten, ab der das Preferentschaftsprädikat vergeben werden kann, sofern die benötigte Punkteanzahl auch tatsächlich erreicht wurde.
Die hintan gestellten roten Balken geben die ungefähre Soll-Punktzahl wider, die sich aus den registrierten Nachkommen der Hengste errechnet.

Ganz vorne in dieser Aufstellung finden wir den 2016 leider verstorbenen Onne 376, der Ende 2016 bei 1184 Ist-Punkten hält und mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zuge der HK 2017 das redlich verdiente Preferent erhalten wird.
Eindrucksvoll ist sein Zugewinn von Preferentpunkten innerhalb der letzten 5 Jahre – er konnte seinen Punktestand nahezu verdoppeln.

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Onne 376 – wahrhaft ‘royaal’ und vielleicht bald ‘preferent’?

Der 1996 geborene Onne 376 (Leffert 306 P x Hearke 254 P) erhielt seine Decklizenz im Jahr 2000 und war bis zu seinem Ableben im August 2016 ein überaus gefragter Deckhengst, der vor allem für seinen hervorragenden Rassetyp von den Züchtern geschätzt wurde. 2007 ernannte ihn die KFPS-Jury zum Kampioen der Hengstenkeuring, im Laufe seiner Deckkarriere zeugte er zahlreiche hochprämierte Nachkommen (54% Sterstuten, 15 Kroontöchter , 12 Modeltöchter, 28 Sportpferde), 3 seiner Söhne wurden gekört (der ebenfalls 2016 verstorbene Jerke 434, der 2012 abgekörte Lutger 436 und der ausgesprochen schöne Junghengst Bartele 472). Als Muttervater lieferte er 2015 den Maurits 437-Sohn Markus 491, über seinen Sohn Jerke 434 hinterlässt er darüber hinaus seinen gekörten Enkelsohn Djoerd 473.

Auf dem zweiten Platz findet sich Olof 315, der mit 1007 Punkten ebenfalls auf eine eindrucksvolle Vererber-Karriere zurückblicken kann. Der bereits 2011 verstorbene Reitse 272 P-Sohn war als leistungsfähiges Sportpferd bekannt und vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ein wahrer Züchterliebling. Obowhl nur ein einziger Sohn von diesem Hengst gutgekört wurde, konnte ebendieser eine wahre Dynastie begründen – wir sprechen von keinem Geringeren als Jasper 366 P! Würde man Olof 315 das Preferentprädikat zuerkennen, würden in seiner Linie damit 6 Preferenthengste direkt hintereinander stehen – Mark 232 P – Hearke 254 P – Reitse 272 P – Olof 315 – Jasper 366 P – Beart 411 P. Das wäre einzigartig in der Geschichte des KFPS.
Die Chancen dafür stehen gut, liegt der errechnete Soll-Wert für Olof 315 doch bei rund 900 Punkten – tatsächlich hat er aber bereits über 1000 Preferentschaftspunkte gesammelt.

Auf dem dritten Platz finden wir Doaitsen 420, der seit einigen Jahren wieder in seiner ursprünglichen Heimat, den USA, steht. Er war lange Zeit der beliebteste Deckhengst des KFPS und hält bis heute den Bedeckungsrekord in der KFPS-Geschichte. 2009 deckte er ganze 419 mal!
Seine große Beliebtheit bei den Züchtern brachte ihm im Laufe seiner Deckkarriere auch eine große Schar an Nachkommen und damit eine hohe Soll-Punktzahl in der Preferentschaftsberechnung ein. Noch hat er sein Soll nicht erfüllt, sein überaus großer Punktezugewinn in den letzten Jahren lässt aber hoffen, dass er es in den kommenden Jahren schaffen könnte, das ehrenvolle Prädikat ‘Preferent’ zu ergattern.

Spannend könnte es im Fall von Jakob 302 werden. Der 2012 im stolzen Alter von 27 Jahren verstorbene Sporthengst galt als einer der Wegbereiter für Friesen im Dressursport.

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Jakob 302 – leistungsstarker Sportvererber

Er liegt lt. Statistik knapp über seinem Soll und kommt somit evt. für eine Preferentschaft in Frage.

Ähnliches trifft auf den Tsjerk 328 P-Sohn Andries 415 zu. Auch er scheint die benötigten Punkte hauchdünn erreicht zu haben.

Schlußendlich sei noch Norbert 444 zu erwähnen. Zwar ist er mit 611 erreichten Punkten noch ein gutes Stück weit von einer möglichen Preferentschaft entfernt, allerdings ist die Geschwindigkeit, in der er Punkte sammelt, tatsächlich atemberaubend. Er ist der mit Abstand jüngste Hengst in den vorderen Rängen der Punktestatistik und es scheint kein Weg daran vorbeizuführen, dass er in absehbarer Zeit den begehrten Titel für sich beanspruchen kann. Bleibt zu hoffen, dass er sich seine Preferentschaft dann persönlich in Leeuwaarden abholt und das Publikum noch einmal mit seinem fantastischen Trab in Begeisterungsstürme versetzt.

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Norbert 444 – ein Kaiser unter Königen!

 

Die fantastischen Bilder stammen von Markus Neuroth / friesenwiki.de

Der große FP-Jahresrückblick 2016

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu – Zeit, die Geschehnisse in der Friesenwelt Revue passieren zu lassen.

Chronologie 2016

Januar 2016
Das Friesenjahr 2016 begann traditionell mit der Hengstenkeuring im niederländischen Leeuwarden, wo sich die alten und jungen Stammbuchhengste dem Publikum und der Jury präsentierten. Zum ersten Mal mit dabei waren die 7 bis dahin jüngsten Mitglieder des Stammbuchs, die im Dezember 2015 gekört wurden und 2016 in ihre erste Decksaison starteten:
Walt 487 (Gjalt 426 x Ulke 338 – VO-Hengst)
Erryt 488 (Meinse 439 x Sytse 385 – im Besitz von Fam Prexl, Österreich!)
Eise 489 (Maurits 437 x Jochem 259)
Meinte 490 (Beart 411 P x Anton 343 P)
Markus 491 (Maurits 437 x Onne 376)
Nane 492 (Wimer 461 x Brandus 345 P – CO-Topper 2015)
Omer 493 (Gjalt 426 x Karst 362)

Die Hengstenkeuring 2016 präsentierte sich als buntes Spektakel, in dem nicht nur der züchterische Aspekt einen hohen Stellenwert hatte – zahlreiche Sportveranstaltungen (z.B. der ‘Friesian Talent Cup’) und die Show “Fri(e)sian Proms” sorgten für Begeisterung beim zahlreich angereisten Publikum.
Im Zuge der HK wurden auch die Köranwärter des Jahres 2016 ausgewählt und in die Hengstleistungsprüfung verwiesen, 28 jungen Hengsten wurde diese große Ehre zu Teil.

Der 2015 verstorbene Folkert 353 (Feitse 293 P x Wessel 237 P) wurde in einer großen Zeremonie posthum mit dem Titel ‘Preferent’ bedacht, eine weitere Preferenterklärung ging an den 1992 geborenen Anton 343 (Oege 267 P x Tjimme 275), der seinen Lebensabend in den USA genießt und deshalb seinen Titel nicht persönlich entgegen nehmen konnte.

Zum “Pferd des Jahres 2015” wurde die Top-Zuchtstute Els F.T. Kroon Sport Pref. Prest. (Fabe 348 P x Feitse 293 P) erwählt. Die 2001 geborene Vollschwester des Hengstes Sape 381 präsentierte sich im Ring in beeindruckender Kondition.

Ihren Höhepunkt fand die Veranstaltung in der Wahl der Kampioenen 2016 – 19 Hengste wurden dazu zurück in den Ring gerufen.
Bei den Althengsten ging die Kampioenschap an den unter Züchtern hochgeschätzten Tsjalle 454 (Mintse 384 x Brandus 345 P), den Reservetitel holte der zu diesem Zeitprunkt bereits 21-jährige Jasper 366 P (Olof 315 x Franke 251), dessen fantastische Trabaktion vom Publikum mit frenetischem Applaus gefeiert wurde.
Im Kampioensring der Junghengste profilierten sich die gerade erst gekörten Junghengste mit imposanten Auftritten – Kampioen in dieser Rubrik wurde Markus 491 (Maurits 437 x Onne 376), der CO-Topper 2015 Nane 492 (Wimer 461 x Brandus 345 P) konnte sich den Reservetitel sichern.
Diese 4 Hengste konkurrierten abschließend um den großen Titel des allgemeinen Kampioen 2016.
Tsjalle 454 konnte diese Ehrung schließlich in Empfang nehmen und wurde damit zum besten Hengst des Stammbuchs 2016 erkoren.
Der Reservetitel wurde an den gerade erst 4-jährigen Markus 491 verliehen.

Wer sich die gesamte Kampioenskeuring und den Showabend “Fri(e)sian Proms” nochmals zu Gemüte führen möchte, kann dies im folgenden Video.

Ende Oktober fand die Herkeuring statt, in der 2 weitere Hengste in den CO angewiesen und die Zahl der CO-Hengste damit auf 30 aufgestockt wurde.

April 2016
Auf Omrop Fryslan wurde die aufwändig gestaltete und später mit einem amerikanischen Filmpreis ausgezeichnete Dokumentation “It Swarte Goud” erstmals ausgestrahlt, in der besondere Friesenpferde und -menschen rund um den Globus im Fokus stehen.

Der in den USA stationierte Feike 395 (Feitse 293 P x Naen 264 P) verstarb 23-jährig auf seiner Deckstation in Utah.

Mai 2016
Teeuwis 389 Sport (Fetse 349 x Reitse 272 P) musste 18-jährig eingeschläfert werden, nachdem sich sein Gesundheitszustand über Wochen hinweg laufend verschlechtert hatte. Teeuwis 389 deckte zuletzt bei De Nieuwe Heuvel in Lunteren (Fam. Folmer).

Ebenfalls im Mai verstarb der erst 13-jährige Jerke 434 Sport (Onne 376 x Tsjerk 328 P) an einer Kolik. Jerke 434 war vor allem als Vererber hevorragender Reitpferdeeigenschaften bekannt.

Ende Mai 2016 hielt der Ledenraad des KFPS seine Frühjahrssitzung ab. Dabei wurde u.a. eine Neuerung hinsichtlich des Prestatiemoeder-Prädikats beschlossen – seither zählen ABFP-, IBOP- und CO-Resultate über 75 Punkte als Prestatie-Punkt für die Mutter des Pferdes. Diese Neuerung resultierte in zahlreichen Neuvergaben des Prädikats an Zuchtstuten und führte somit zu einem sprunghaften Anstieg der Prestatiemütter.

Juni 2016
Im Zuge der Herkansing wurden zwei weitere Hengste zum CO angewiesen.

August 2016
Im Alter von 20 Jahren verstarb der 1996 geborene Onne 376 Sport (Leffert 306 P x Hearke 254 P). Onne 376 gilt als einer der Topvererber des Stammbuchs und konnte als Züchterliebling und HK-Kampioen 2007 in seiner langen Zuchtkarriere zahlreiche Prädikatspferde liefern.

September 2016
In Stadl-Paura fand die jährliche Österreichische Friesenzuchtschau statt. Zur Kampioene wurde Soleil vom Pilzhof Ster (Stendert 447 x Onne 376) aus der Zucht von Peter Lackner erkoren, den Reservetitel holte Juliette Ster (Uwe 458 x Lukas 324) im Besitz der Fam. Horky-Haas. Die Veulenkampioenschap 2016 holte das ausgesprochen typvolle 1.Prämie-Stutfohlen Ayse fan Limbach (Bartele 472 x Hinne 427) aus der Zucht von Fam. Prexl.

Zum Anlass der Zuchtschau 2016 wurde auch die Idee zum Friesenpanorama geboren, das am 06.September 2016 als Facebook-Seite online ging.

Mitte September ging mit der Centralen Keuring in Ermelo ein weiterer Höhepunkt des Zuchtjahres über die Bühne. Die erst 3-jährige Pleun van’t Lansink (v. Norbert 444) holte sich den Kampioenstitel vor der Altkampioene Wealtsje A. (v. Teeuwis 389). Auch der Jeugdkampioenstitel ging mit Vroukje C. an eine Tochter von Norbert 444.

Oktober 2016
Mit 1. Oktober 2016 startete in Ermelo der 70-tägige Centraal Onderzoek. 22 junge Hengste wurden dazu angeliefert, 19 davon wurden für die umfangreiche Überprüfung ihrer Leistungsfähigkeit in den CO eingecheckt.

November 2016
Der Sporthengst Djorn van de Demro Stables wurde als einziger Teilnehmer zum VO zugelassen.

In der 1. Besichtigung 2016 stellten sich 276 Junghengste der Begutachtung durch die KFPS-Jury. Davon wurden 96 ausgewählt, sich der 2. Besichtigung im Zuge der HK 2017 zu stellen.

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In der Herbstsitzung des KFPS-Ledenraads wurde u.a. die Einführung des Elite-Sportprädikats beschlossen, welches zukünftig an Pferde vergeben werden soll, die besonders gute Leistungen in den hohen Klassen des Dressursports erbracht haben oder aber ihre Vielseitigkeit durch das Erreichen der für das Sportprädikat notwenigen Kriterien in den Disziplinen Dressur, Mennen und Tuigen beweisen konnten.

Dezember 2016
Am Ende des CO 2016 wurden 6 neue Hengste in das Stammbuch eingeschrieben:
Elias 494 (Jorn 430 x Maiko 373)
Jurre 495 (Maurits 437 x Jasper 366 P)
Menne 496 (Norbert 444 x Beart 411 P)
Mees 497 (Tymon 456 x Dries 421)
Rommert 498 (Norbert 444 x Jasper 366 P)
Siert 499 (Dries 421 x Sape 381)

Die Nachkommenkörungen 2016 ergaben Gutkörungen für die Hengste Wimer 461, Wylster 463 und Alwin 469.

Über die Na- en Herkeuring wurden 4 weitere Hengste in die 2. Besichtigung verwiesen, somit werden im Januar exakt 100 Junghengste in Leeuwarden vor die Jury treten.

Mit der Veröffentlichtung der aktualisierten Zuchtwerte wurde Ende Dezember 2016 bereits der erste Schritt in Richtung der kommenden Zuchtsaison 2017 gesetzt.

Statistik 2016

Deckhengst-Sportprädikate 2016
Folgende Stb-Hengste konnten 2016 die Voraussetzungen für das Sportprädikat erfüllen:
Bikkel 470 (Dressur, Beart 411 P x Tsjerk 328 P)
Djoerd 473 (Dressur, Jerke 434 x Bonne 341)
Epke 474 (Dressur, Beart 411 P x Anton 343)
Fonger 478 (Dressur, Olgert 445 x Doeke 287)
Gerben 479 (Dressur, Doaitsen 420 x Sape 381)
Hessel 480 (Dressur, Norbert 444 x Jelke 367)
Hette 481 (Dressur, Norbert 444 x Rindert 406)
Jehannes 484 (Mennen, Tsjalle 484 x Oepke 266)
Eise 489 (Dressur, Maurits 437 x Olof 315)

Deckzahlen 2016
Folgende Hengste waren nach vorläufigen Zahlen 2016 am beliebtesten:
Tsjalle 454 – 236 Bedeckungen
Alwin 469 – 188 Bedeckungen
Jehannes 484 – 183 Bedeckungen
Epke 474 – 182 Bedeckungen
Eise 489 – 180 Bedeckungen

Körergebnisse 2016

1. Besichtigung 2016 – Analyse

Die 1. Besichtigung ist geschlagen! 276 junge Hengste stellten sich von 28.11. – 01.12.2016 den fachkundigen Augen der KFPS-Juroren, 96 von ihnen (34,8 %) wurden schließlich dazu angewiesen, am 12. Januar 2017 im Zuge der Hengstenkeuring in Leeuwaarden an der 2. Besichtigung teilzunehmen.

Das Körprozedere

Dies ist allerdings nur der erste Schritt auf dem langen und beschwerlichen Weg zum KFPS-Deckhengst. Bereits in der 2. Besichtigung wird die Jury wieder hart selektieren und nur einen Bruchteil der antretenden Hengste zur nächsten Stufe, der 3. Besichtigung anweisen.

Nur die besten Junghengste werden schließlich aus der 3. Besichtigung in die Hengstleistungsprüfung (Centraal Onderzoek) entsandt – und müssen sich nun, nachdem sie durch das Bestehen einer veterinärmedizinischen und röntgenologischen Begutachtung, sowie durch einen Nachweis ihrer Spermaqualität ihre Startberechtigung zusätzlich bestätigt haben, einem 70-tägigen Leistungstest stellen, in dem nicht nur ihre Leistung unter dem Sattel und vor dem Wagen (in den Disziplinen Dressur- und Showfahren) bewertet wird, sondern auch ihre Leistungsbereitschaft, ihr Stallverhalten und weitere Charaktereigenschaften.

Dieses Körprozedere ist in seiner Rigidität einmalig und darf mit Recht als das strengste der Welt bezeichnet werden – die damit einhergehende Vererberqualität der schlußendlich gekörten Hengste spricht aber Bände.

Die Hengstväter

Die 96 angewiesenen Junghengste stammen von 31 unterschiedlichen Vätern ab.
Die meisten Söhne entsendet der im Moment überaus erfolgreiche und beliebte Tsjalle 454 (*2006, Mintse 384 x Brandus 345 P x Jurjen 303), der Anfang des Jahres als Kampioen der HK geehrt wurde und auch die Deckzahlenstatistik 2016 mit großem Vorsprung anführt.
Er schickte 34 Söhne ins Rennen, 14 davon wurden angewiesen (41,18 %).

Mit 12 angewiesenen Söhnen (von 24, 50,0 %) folgt der junge Epke 474 (*2009, Beart 411 P x Anton 343 P x Reitse 272 P). Für den ebenfalls bei den Züchtern sehr beliebten Hengst zählen die angewiesenen Junghengste zu seinem ersten Fohlenjahrgang.

Platz 3 geht zahlenmäßig an den ebenfalls noch sehr jungen Bartele 472 (*2008, Onne 376 x Tsjerk 328 P x Anton 343 P). 8 von 26 gestarteten Söhnen wurden angewiesen (28,57 %), auch diese Hengste stammen dem ersten Fohlenjahrgang ihres Vaters.

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Die Hengstmütter

In den vergangenen Beiträgen zur 1. Besichtigung habe ich bereits einige Hengstmütter herausgegriffen und näher beschrieben, die mir besonders ins Auge gestochen sind. Einige Hengste aus solchen Müttern sind immer noch im Rennen.

Insgesamt sind sehr viele Mütter der jungen Hengste mit Stutprädikaten ausgezeichnet (94,79 % Ster oder höher), auch viele Sportstuten (15 x Sportprädikat, 15,63 %) befinden sich darunter, 10 Stuten trugen vor der 1. Besichtigung den Titel ‘Preferent’ (in die 2. Besichtigung angewiesene Hengste bringen Punkte für die Preferentschaft, insofern kann diese Zahl nun bereits höher sein!) und 4 wurden durch die sportlichen Leistungen ihrer Nachkommen mit dem raren Prädikat ‘Prestatiemoeder’ bedacht.

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Zwei Hengstmütter können mit dem besonders eindrucksvollen Titel ‘Model Sport Preferent Prestatie’ aufwarten. Es sind dies:

Hilly van de Zuiderwaard (Tsjerk 328 P x Oege 267 P x Hearke 254 P)
Mutter von Take van de Anne Hoeve (v. Tsjalle 454)

Tsjitske van de Hamelspoel (Teunis 332 P x Piter 312 x Reitse 272 P)
Mutter von Valco van de Demro Stables (v. Tsjalle 454)

Die Stute Femke Oo. Kroon Preferent Prestatie (Feitse 293 P x Naen 264 P x Ritske 202 P) gehört ebenfalls zu den hochdekoriertesten Hengstmüttern in der Auswahl (Mutter von Teeres van Visser v. Epke 474).

Aber auch 3 Stammbuch-Stuten ohne weitere Prädikate konnten Söhne für die 2. Besichtigung liefern, ein weiterer Hengst stammt aus einer Stb Preferent Prestatie-Mutter und ein Hengst ist der Sohn einer Stb Sport Preferent-Stute.

Die Mutterväter

Die 93 Hengstmütter stammen von 50 verschiedenen Vätern. Bei diesen Muttervätern der jungen Hengste zeigt sich ein deutlicher Überhang von Jasper 366 P (7 Stuten) und seinen Söhnen Beart 411 P (11 Stuten) und Dries 421 (3 Stuten), sein Sohn Haitse 425 bringt eine weitere Hengstmutter in die 2. Besichtigung. Auch Feitse 293 P und seine Söhne (Folkert 353P, Tsjerk 328 P und Rypke 321) bzw. Enkel (Norbert 444, Loadewyk 431, Hinne 427, Andries 415 und Wierd 409) spielen als Mutterväter eine große Rolle.

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Verwandtschaftsgrad der jungen Hengste

Den niedrigsten Verwandtschaftsgrad bringt der Fabe 348 P x Karst 362 x Naen 264 P gezogene Thys fan Bartlehiem aus Stam 47 mit. Mit 15,8% liegt sein Verwandtschaftsgrad sehr günstig – er hat auch bereits einen gekörten Halbbruder, Omer 493 (Gjalt 426 x Karst 362).

Teade S. van Swichum (Alke 468 x Ielke 382 x Folkert 353 P) bringt mit 16,3 % ebenfalls einen niedrigen VWG mit.

Gleich 5 der jungen Hengste liegen hingegen in ihrem VWG über 18,5 % und damit im recht hohen Bereich. 3 davon stammen von Epke 474 (dessen Vater Beart 411 P sehr großen Einfluss in der Friesenpopulation hat).

41 der 96 angewiesenen Hengste stammen – über 3 Generationen betrachtet – von Jasper 366 P ab – das sind 42,71 % und beweist wieder eindrucksvoll, wie stark Jasper 366 mit seinen überaus positiven Vererbereigenschaften die aktuelle Friesenzucht beeinflusst.
Im Ausgangsfeld der 276 Starter stammten noch 39,49 % der Junghengste über 3. Generationen von Jasper 366 P – der Einfluss dieses Hengstes hat sich also im selektierten Feld leicht verstärkt.

Einige der angewiesenen Hengste sind auch durch ihre direkte Abstammung untereinander sehr nahe verwandt.
Die Aarnold 471-Söhne Victor T.T., Tymen van ‘t Lansink und Thomas T. stammen allesamt aus Töchtern von Beart 411 P, die Abstammung Tsjalle 454 x Jasper 366 P findet sich bei Thomas van de Noeste Hoeve, Vorst van de Noeste Hoeve und Sake van de Marne.

 

News aus dem CO 2016

Das KFPS hat heute in einem ausführlichen Blogbeitrag auf die Stimmen vieler Beobachter reagiert, die die engen Verwandtschaftsverhältnisse der 5 noch im CO befindlichen Körkandidaten kritisieren.
Alle 5 Hengste stammen bekanntermaßen durch ihren Vater oder ihre Mutterlinie von Jasper 366 Sport Preferent ab, insgesamt war in den letzten Jahren zu beobachten, dass Jasper 366 durch die Erfolge seiner Nachkommen in der Zucht eine immer dominantere Rolle einnimmt.

 

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