Aktuelle Altersstruktur der KFPS-Deckhengste

Nachdem innerhalb kurzer Zeit jüngst zwei (ehemalige) KFPS-Deckhengste (der erst 14-jährige Hedser 465 und der abgekörte Jorrit 363) verstorben sind, möchte ich heute einen kleinen Blick auf die aktuelle Altersstruktur der gegenwärtigen Vererber werfen.

Aktuell sind exakt 100 lebende KFPS-Deckhengste registriert (abgekörte Hengste nicht miteinberechnet), diese wurden zwischen 1990 und 2013 geboren.
Die Krone als ältester noch lebender Deckhengst trägt im Moment der am 24.03.1990 geborene Ulke 338 (Tjimme 275 x Reitse 272 P), der seit 2015 nicht mehr aktiv in der Zucht ist und seine Rente bei Willem Wester in den Niederlanden genießt. Anlässlich seines 25. Geburtstages präsentierte sich dieser Nestor nochmals auf der Hengstenkeuring in Leeuwarden mit ungebrochener Lauffreude an den langen Leinen.

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Ulke 338 – ein rüstiger Rentner. Foo: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Ihren 25. Geburtstag feierten dieses Jahr die beiden Hengste Abel 344 (*18.04.1992, Reitse 272 P x Wessel 237 P) und Abe 346 (*27.04.1992, Jillis 301 x Hearke 254 P). Beide deckten im Jahr 2015 zum letzten Mal.
Auch der in den USA stationierte Preferenthengst Anton 343 (Oege 267 P x Tjimme 275) wird heuer 25 Jahre alt – er wurde am 18.06.1992 geboren, befindet sich aber (mit einer Ausnahme 2015) bereits seit 2011 nicht mehr im aktiven Deckdienst.

Der älteste noch aktive KFPS-Hengst ist der am 27.03.1993 geborene Fabe 348 P (Melle 311 x Romke 234), der im Vorjahr immerhin noch 10 Stuten belegte. Ihm folgt auf dem Fuße der nur kurze Zeit später geborene Fetse 349 (*03.04.1993, Feitse 293 P x Djurre 284), welcher ebenfalls noch 2016 aktiv war und die Friesenzucht in seiner Heimat Südafrika bedeutend mitprägte.

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Oldie but goldie – Fabe 348 P ist der älteste noch aktive Deckhengst des KFPS. Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Der erfolgreichste noch aktive Althengst ist aber sicherlich der Publikumsliebling Jasper 366 P. Der am 20.05.1995 geborene Olof 315-Sohn feiert in wenigen Tagen seinen 22. Geburtstag und bewies im Januar 2017 im Zuge der Hengstenkeuring erneut, dass er noch lange nicht zum “alten Eisen” gehört. Er fesselte das Publikum mit seiner unfassbaren Präsenz und bestätigte damit seinen Ruf als “Kaiser unter Königen”. Auch bei den Züchtern erfreut er sich ungebrochener Beliebtheit und deckt immer noch in beachtlichen Zahlen.

Am anderen Ende der Altersstruktur finden wir Siert 499 (Dries 421 x Sape 389), der am 26.04.2013 geboren und somit erst kürzlich 4 Jahre alt wurde.

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Siert 499 – das jüngste Mitglied im Reigen der ehrwürdigen KFPS-Deckhengste. Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

 

Insgesamt zeigt sich das Defilé der KFPS-Stammbuchhengste als recht junge Gesellschaft – ein Großteil der lebenden Deckhengste ist unter 15 Jahre alt, was auch dem züchterischen Boom Anfang der 2000er geschuldet sein dürfte. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit bei 13,3 Jahren.

Alterstruktur Stand 15-05-2017

Hochdekorierte Qualitätsmütter – Teil 3

Nachdem ich in Teil 1 und Teil 2 von den jüngeren und noch aktiven Qualitätsmüttern der KFPS-Zucht geschrieben habe, möchte ich mich in Teil 3 zwei hinsichtlich der Leistungsveranlagung außergewöhnlichen Zuchtstuten widmen.

Stuten sind in der öffentlichen Wahrnehmung der Pferdezucht-Szene leider immer wieder etwas unterrepräsentiert, das Hauptaugenmerk liegt auf den “Stempelhengsten”, also jenen männlichen Vererbern, die die Zucht durch die Quantität und Qualität ihrer Nachkommen maßgeblich prägen bzw. prägten. Stuten können an diese Erfolge in quantitativer Hinsicht schon aus den gegebenen biologischen Gründen nicht anknüpfen – selten bringen es selbst äußerst fruchtbare Mütter in ihrer Karriere auf mehr als 15 Nachkommen. Qualitativ betrachtet steht so manche Stute aber einem “Stempelhengst” um nichts nach und insofern ist es mir ein Anliegen, in einer kleinen Serie solche “Qualitätsmütter” zu beleuchten.

Sjiekedame S. Model Pref*8 Prest

Die in Drogeham / NL bei H. Sijtsma geborene Sjiekedame S. besticht bereits auf den ersten Blick durch ihre beeindruckende Sammlung an Qualitätsprädikaten – Modelprädikat, mit 8 Prädikatsnachkommen dubbelpreferent und darüber hinaus noch als Prestatiemoeder eingetragen.
Wenn man noch etwas genauer recherchiert, stößt man aber auch auf ein sensationelles IBOP-Ergebnis aus dem Jahr 1995, bei dem die damals erst 6-jährige Stute ein rekordverdächtiges Ergebnis von 93 Punkten lieferte – darunter mit einer 9,0 für den Trab.

Geboren 1989 als Tochter von Feitse 293 P, stammt Sjiekedame S. aus einer äußerst prädikatreichen Mutterlinie aus Stam 015. Ihre Mutter ist die sterpreferente Walsdame S. (*1980, Tsjalling 235 P x Ritske 202 P), welche wiederum aus der ebenso sterpreferenten Geke (*1973, Ritske 202 P x Age 168) stammt, die Linie läuft weiter auf Tilana Model Pref und Celma Model Pref (v. Obscurant 150).

Als Fohlen erhielt Sjiekedame S. 1989 eine 2. Prämie – 1992 wurde sie mit dem Sterprädikat in das Stammbuch eingetragen, 1995 folgte ihre Modelerklärung. Im Laufe ihrer langen Karriere als Körungspferd sammelte die Ausnahmestute mindestens sieben 1. Prämien, die letzte davon im Jahr 2002 in Drachten.

Als Zuchtstute verdiente sie sich ihre Sporen durch 14 registrierte Nachkommen.

Ihre ersten beiden Fohlen waren zwei 1993 und 1994 geborene Hengste, 1995 folgte ihre erste Tochter Lies fan Bommelsteyn (v. Lute 304), die seit 2002 das Modelprädikat trägt und äußerst erfolgreich als Zuchtstute in den Vereinigten Staaten im Einsatz ist. 2016 brachte diese Stute ihr zehntes Fohlen zur Welt.

1996 brachte Sjiekedame ein weiteres Stutfohlen von Lute 304 zur Welt, es folgten die Hengste Skelte fan Bommelsteyn (*1997, v. Lute 304) und Wout fan Bommelsteyn (*1999, v. Abel 344), welche beide später als Sterwallache in das Ruinenboek eingeschrieben wurden.

Die im Jahr 2000 geborene Adeldame fan Bommelsteyn (v. Reitse 272 P) sollte sich zu einer der erfolgreichsten Töchter von Sjiekedame S. mausern. Die in ihrem Leben mit unzähligen 1. Prämien bedachte Stute erreichte eine ähnlich hohe IBOP-Punktzahl wie ihre Mutter (91,8 Totalpunkte im Jahr 2004), wurde 2007 zur Modelstute erklärt und trägt seit 2015 das Sportprädikat. Als Zuchtstute brachte sie bisher 9 Fohlen in den Niederlanden zur Welt, darunter 2 Wallache, die bereits mit dem Sterprädikat bedacht wurden.

2001 wurde Sjiekedame Mutter eines weiteren Fohlens von Reitse 272 P – der Hengst Douwe fan Bommelsteyn erlangte später ebenfalls das Sterprädikat.

Die 2002 geborene Gouddame fan Bommelsteyn (v. Onne 376) sollte die dritte Modeltochter von Sjiekedame S. werden. Die Stute lief 2006 eine ebenfalls sehr hoch bewertete IBOP (85,4 Punkte) und wurde 2008 Kroon, 2009 schließlich Model erklärt. Ein Jahr später erlangte sie darüber hinaus das Sportprädikat. 2007 wurde sie zur Reserve-Kampioene der CK in Drachten ausgerufen, sie ist mittlerweile als Zuchtstute in Australien im Einsatz.

2003 folgte ein weiteres Hengstfohlen von Onne 376, 2004 brachte Sjiekedame S. nach einem Umzug in die USA die Ulbert 390-Tochter Nelie of Noble zur Welt, die mit dem Sterprädikat bedacht wurde und seit 2011 im Besitz des Sportprädikats ist.

2006 fohlte Sjiekedame eine Tochter von Anne 340, die im Fohlenbuch registriert ist, 2007 wurde ihre bislang letzte Stertochter, Zarianna of Noble (v. Anton 343 P) geboren. Ihr letztes Fohlen brachte diese außergewöhnliche Zuchtstute schließlich im Jahr 2010 – die Stammbuchstute Heiress of Majestic Friesians (v. Wander 352).

Besonders erfreut war ich darüber, ein Video aus dem Jahr 2011 zu finden, das dieses wunderbare Zuchtjuwel in der Bewegung zeigt:

Aukje Boszorg Model Pref*10 Prest

Eine wohlbekannte Hengstmutter hat ebenfalls ihren Eindruck als hervorragendes Leistungspferd hinterlassen – die aus der prädikatreichen Boszorg-Familie (Stam 050) stammende Aukje Boszorg Model Pref Prest.

Aukje Boszorg wurde am 11. April 1992 bei der Züchterfamilie Bos in den Niederlanden geboren. Ihre 1984 geborene Mutter Hanneke Boszorg Model Pref (Lammert 260 P x Tsjalling 235 P) stammt aus der ebenfalls modelpreferenten Whita (*1980, Tsjalling 235 P x Freark 218), die bis in die 1990er-Jahre hinein viele hervorragende Prädikatstöchter lieferte.

Aukje Boszorg wurde bereits als Fohlen mit einer 1. Prämie bedacht, dieser sollten viele weitere folgen. 1995 wurde sie mit dem Sterprädikat in das Stammbuch aufgenommen, 1998 wurde ihr nach Absolvierung einer IBOP mit sensationellen 92 Punkten das Modelprädikat verliehen.

In der Zucht konnte sie mannigfaltige Erfolge feiern – die äußerst fruchtbare Qualitätsmutter schenkte zwischen 1996 und 2013 nicht nur 17 (!) Fohlen das Leben, ihre Nachkommen waren zu großen Teilen auch äußerst erfolgreich – 3 modelpreferente Töchter, eine Kroon-Tochter, 5 Sternachkommen und der Stammbuchhengst Stendert 447 finden sich in ihrem Abstammungsregister.

Ihre Karriere als Mutterstute begann mit der 1996 geborenen Nanneke Boszorg Stb (v. Oeds 318), 1997 folgte Setse Boszorg (v. Fetse 349). Diese Stute entwickelte sich zu einem außerordentlich erfolgreichen Körungspferd, erhielt ausschließlich 1. Prämien und wurde 2003 Model erklärt. Mit ihren zahlreichen Stutnachkommen gründete sie eine regelrechte Dynastie hochqualitativer Zuchtpferde (eine ihre Töchter ist die in Teil 2 dieser Serie beschriebene Mooi van Setse v.d. Hommershoeve Model Sport Pref) und trägt dahingehend auch das Preferentprädikat.

Nicht minder erfolgreich verlief der Lebensweg der nächsten Tochter von Aukje Boszorg  – die ebenfalls von Fetse 349 abstammende Tonne Boszorg wurde 1998 geboren, auch sie erreichte im Laufe ihrer langen und erfolgreichen Karriere zahlreiche 1. Prämien und lieferte 2003 einen IBOP-Score von 80,0 Punkten. 2006 folgte ihre Modelerklärung, seit 2012 ist sie darüber hinaus preferent. Unter ihren bislang 12 Nachkommen finden sich u.a. eine Kroonstute und ein Ster + Sport-Hengst, ihr jüngstes Fohlen wurde 2017 in den Vereinigten Staaten geboren.

Nur ein Jahr später, 1999, brachte Aukje Boszorg erneut ein Stutfohlen zur Welt – Whita Boszorg (v. Krist 358). Sie sollte als dritte der Aukje Boszorg-Töchter das Modelprädikat erhalten und Preferent erklärt werden, darüber hinaus lieferte auch sie ein hervorragendes IBOP-Ergebnis mit 83,0 Punkten (2006). Unter ihren 12 Nachkommen findet man eine Model- und eine Kroon-Stute.

Eine weitere Krist 358-Tochte wurde 2000 geboren, diese Stute konnte aber an die großen Erfolge ihrer Vollschwester Tonne Boszorg nicht anknüpfen. Sie wurde Ster erklärt und trägt das Sportprädikat.

Nach einem früh verstorbenen Stutfohlen im Jahr 2001 brachte Aukje Boszorg 2002 noch ein Krist 358-Tochter namens Hanneke II Boszorg zur Welt, die ebenfalls das Sterprädikat trägt und in der Zucht im Einsatz ist.

2003 folgte die Brandus 345 P-Tochter Jouke Boszorg, die seit 2009 das Kroonprädikat trägt. Ihre 2004 geborene Vollschwester von Brandus 345 P verstarb leider ebenfalls früh.

Nach 9 Töchtern brachte Aukje Boszorg 2005 ihren ersten Sohn zur Welt – dieser von Andries 415 stammende Junghengst wurde später unter seinem Hengstnamen STENDERT 447 weithin bekannt und ist wohl das Krönchen auf den hervorragenden Zuchtleistungen seiner Mutter.

Ihm folgten 2006 und 2007 zwei weitere Hengstfohlen, beide von Fetse 349. 2008 wurde die Jerke 434-Tochter Anthonia Boszorg Ster geboren, 2009 der Vb-Hengst Ennu Boszorg von Harmen 424. Im Jahr 2010 kam die spätere Sterstute Grootheid Boszorg (v. Pier 448) zur Welt, 2013 folgte ihr Vollbruder, der Vb-Hengst Johannes Boszorg.
Ihr letztes Fohlen brachte Aukje Boszorg 2013 zur Welt – die von Maurus 441 stammende Parel Boszorg Stb.

 

 

 

 

 

Quantitative Entwicklung der KFPS-Zucht 1996 – 2016

Meinen treuen Langzeit-Lesern ist meine Vorliebe für statistische Spielereien schon hinlänglich bekannt – um auch neue Leser damit vertraut zu machen, möchte ich heute einen Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der KFPS-Zucht in den letzten 20 Jahren werfen, auch um die Frage zu beantworten, wie man “hohe Deckzahlen” definieren kann.

Der sehr transparente Umgang des KFPS mit den quantitativen Fakten der eigenen Zuchtgeschichte erlaubt uns den Zugriff auf viele wichtige Daten der vergangenen Jahrzehnte – so u.a. auf sowohl die Gesamtdeckzahlen, als auch auf die Einzeldeckzahlen der lizenzierten Deckhengste.

Wie vielen langjährigen Beobachtern der Friesenzucht bekannt sein dürfte, erholt sich die KFPS-Zucht im Moment langsam von einem enormen Einbruch der Bedeckungszahlen (siehe Grafik).

Nach einem regelrechten Friesenboom im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre, stürzten die Deckzahlen zwischen 2008 und 2014 beinahe ins Bodenlose und erholen sich seither nur langsam.

Entwicklung Deckhengste 002

Für mich stellte sich in Anbetracht dessen die Frage, inwiefern dieser Einbruch der Deckzahlen die Populationsdynamik hinsichtlich des “popular sire”-Effekts beeinflusst hat. Um dieser Frage zu begegnen, habe ich in der oberen Grafik die Gesamtdeckzahlen dem jeweils höchsten Einzelwert (also der besten Deckzahl des Jahres eines einzelnen Hengstes) gegenübergestellt. Interessant daran ist, dass der rapide Rückgang der Total-Deckzahlen der Beliebtheit der jeweilig aktuellen “Modehengste” nicht besonders abträglich gewesen zu sein scheint. Erreichten in den Jahren des Friesenbooms die beliebtesten Hengste 276 (2002, Onne 376) bzw. 302 (2003, Folkert 353 P) von jeweils über 8400 Bedeckungen, so schaffte es im Jahr 2014 der junge Epke 474 auf 209 Bedeckungen bei einem Total von nur knapp über 4000 registrierten Decksprüngen.

Wenn man diese Zahlen in ein prozentuales Verhältnis umrechnet, so zeigt sich, dass in den bedeckungsstarken Jahren auf den jeweils beliebtesten Deckhengst 3,0 – 3,5% der gesamten Bedeckungen entfallen, wohingegen dieser Wert in den bedeckungsschwachen Jahren auf über 5,0% und teilweise sogar auf über 6,0% steigt.

Entwicklung Deckhengste 003

Noch stärker zeigt sich diese Auswirkung, wenn man die Deckzahlen der 5 beliebtesten Deckhengste jeden Jahres zusammennimmt und den prozentualen Wert aus den Totalzahlen errechnet. In den Jahren 2002 und 2003 gingen 14,0 – 15,0% aller Bedeckungen auf das Konto der “Top 5”, seit 2013 liegt dieser Wert konstant bei über 21,0%.

Rechnet man nun den Wert der 15 gefragtesten Deckhengste pro Jahr mit ein, wird anhand der Grafik schnell ersichtlich, welches Problem sich daraus ergibt. Deckten die 15 beliebtesten Deckhengste in den Jahren 2002 und 2003 ca. 35,0% aller Stuten, so stieg dieser Wert im Laufe der Jahre 2014 – 2016 auf konstant über 50,0%.

Dass das aber nicht an einer eingeschränkten Hengstauswahl liegen kann, zeigt die nächste Grafik.Entwicklung Deckhengste 001

Hier habe ich die Anzahl der aktiven Deckhengste pro Jahr (Hengste, von denen mindestens eine Bedeckung registriert wurde) der durschnittlichen Bedeckungszahl/Jahr gegenüber gestellt.

Deutlich zeigt sich hier, dass sich die Anzahl der aktiven Deckhengste seit 2003 in einem konstanten Hoch befindet (erst 2016 fiel diese Zahl erstmals wieder knapp unter 85 Hengste). Die durchschnittlichen Bedeckungen pro Hengst hingegen folgen weitestgehend dem Verlauf der Gesamtdeckzahlen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die jährlichen “Topper” in der Deckstatistik vom Rückgang der Gesamtdeckzahlen nur wenig betroffen sind, lässt dies nur den Rückschluss zu, dass die bei den Züchtern weniger beliebten (dabei aber für die genetische Diversität der Population äußerst wichtigen!) Deckhengste den Einbruch der Bedeckungen massiv zu spüren bekommen. Diese Entwicklung kann man durchaus als besorgniserregend betrachten, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass das Feld der beliebtesten Deckhengste teilweise über Jahre hinweg nur kleinen Änderungen unterworfen ist und zum Teil aus Hengsten besteht, die in enger verwandtschaftlicher Beziehung zueinander stehen.

In den letzten Jahren kann also durchaus beobachtet werden, dass die Friesenzucht in gewisser Weise auf einen “genetischen Flaschenhals” zusteuert, dem nur mit einer – in Bezug zur Gesamtpopulation – überlegten Zucht- und Körpolitik beizukommen ist, der auch einen Appell an die Mitverantwortung der Friesenzüchter beinhalten muss.

Hengstlinien in Wort und Bild

Für Züchter von Friesenpferden ist es essentiell, die Abstammung der von ihnen gewählten Zuchttiere genau zu studieren und in den Stammbäumen nach Kriterien und Merkmalen zu suchen, die ihrem persönlichen Zuchtziel entsprechen. Doch auch für interessierte Laien kann es höchst interessant sein, sich intensiver mit den Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnissen der Friesen auseinanderzusetzen, ergibt sich dadurch doch oft ein neuer Blickwinkel auf den eigenen Geschmack in Sachen Friesentyp.

Das KFPS macht es uns dabei leicht – zumindest für die Deckhengste wird jedes Jahr ein (abgespeckter) Hengststammbaum publiziert, der die direkte Abstammung (die Hengstlinie) aller aktiven Deckhengste über mehrere Generationen hinweg grafisch darstellt. Darauf fehlen aber größteils abgekörte und verstorbene Hengste sowie “blinde Zweige”, also Hengstlinien, aus denen kein Vererber mehr am Leben ist. Dieser Umstand ist der besseren Übersichtlichkeit geschuldet, vermittelt dadurch aber auch einen etwas verzerrten Eindruck des Stammbaums in seiner Gesamtheit.

Ich habe mir schon vor langer Zeit die Mühe gemacht, einen vollständigen Stammbaum der Hengstlinien (beginnend mit dem Vorfahren aller heute noch aktiven Deckhengste – Nemo 51) grafisch anzulegen, den ich heute mit meinen lieben Lesern teilen möchte (Achtung – Riesengrafik im Anmarsch! 😉 ).

Farblegende: grau = verstorben / rotbraun = abgekört / orange = preferent / blau = aktiv

Hengstlinien 04-05-2017

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Im Folgenden möchte ich gerne etwas näher auf die 6 Hengstlinien eingehen, die in der KFPS-Zucht unterschieden werden. Dazu ist allerdings vorab zu sagen, dass in der Betrachtung der einzelnen Hengstlinien nie vergessen werden darf, dass diese Einteilung nur die direkten Vaterlinien berücksichtigt, nicht jedoch die Abstammungslinien der Mutterstuten. Würde man diese miteinbeziehen, wären die Hengststammbäume so groß, dass sie kaum noch überschaubar und verständlich wären (ich habe ein Gesamtexemplar inklusive Muttervätern angefertigt, welches sich aus eben diesen Gründen nicht als Grundlage für einen Artikel eignet 🙂 ). Insofern muss man bedenken, dass die Hengstlinien in der Realität weitaus enger verflochten und verzweigt sind, als das aus dieser vereinfachten, nur auf der Vaterlinie basierenden Darstellung hervorgeht. Dabei gebe ich auch zu bedenken, dass man zumindest hinterfragen kann, ob man überhaupt vom “Aussterben” mancher Hengstlinien (z.B. der Gerke-Linie) sprechen kann, weil die “Gründerhengste” sich häufig auch über ihre Töchter sehr dominant in andere Hengstlinien einbringen.

Die Ritske-Linie

Hengststammbaum - Ritske

Die Ritske-Linie ist begründet durch den preferenten Ritske 202 (*1955, Eelke 183 x Tiemen 159) und in weiterer Folge durch seinen ebenso preferenten Enkelsohn Tsjalling 235 (*1967, Hotse 223 x Bouke 174 P), auf den alle heute noch aktiven Hengste dieser Linie zurückgehen.

Die Töchter von Ritske 202 P waren äußerst erfolgreiche Hengstmütter, er ist als Muttervater von imponierenden 13 Hengsten eingetragen (darunter Größen wie Mark 232P und Wessel 237 P).

In der direkten Linie ist vor allem der Preferenthengst Naen 264 (*1976, Ferdinand 252 x Kerst 190) zu nennen, welcher der modernen Friesenzucht durch erfolgreiche Nachkommen wie Barteld 292,  Jakob 302 und Doaitsen 420 einen beständigen Stempel aufgeprägt hat.
Aus einem Nebenzweig stammen darüber hinaus der im Dressursport hoch erfolgreiche Arjen 417 und dessen Söhne Wytse 462 und Haike 482.

13 Hengste aus dieser Linie sind beim KFPS als aktive Deckhengste geführt, der in der Grafik noch blau markierte Fede 350 befindet sich bereits seit Jahren in Rente und wird züchterisch nicht mehr genutzt.

Die Wessel-Linie

Hengststammbaum - Wessel

Die Wessel-Linie trägt den Namen des 1968 geborenen Wessel 237 Preferent (Jarich 226 x Ritske 202 P).

Die 10 heute noch aktiven Hengste dieser Linie stammen aus den beiden Wessel-Söhnen Oege 267 Preferent (*1977, Wessel 237 P x Hindrik 222) und Djurre 284 (*1982, Wessel 237 P x Nanne 197). Diese Linie erscheint relativ klein, hat aber in den letzten Jahren durch Thorben 466, Alwin 469 und Aarnold 471 drei sehr gefragte und qualitativ sehr gute Vererber dazu gewonnen.
Das preferente “Mähnenwunder” Anton 343 ist ein wichtiger, noch lebender Vertreter dieser Linie, genießt jedoch schon seit einigen Jahren seinen Ruhestand in den USA.

Die Ygram-Linie

Hengststammbaum - Ygram

Die Ygram-Linie ist eine relativ neue “Erfindung” in der Beschreibung der Hengstlinien. Noch vor wenigen Jahren wurden die Nachkommen von Ygram 240 gemeinsam mit den Nachkommen von Hearke 254 P und Jochem 259 P zur überdimensional großen “Mark-Linie” zusammengefasst (bezogen auf den Vater der drei vorgenannten, Mark 232 P). Durch die Aufspaltung dieser in drei Linien wurde der Stammbaum insgesamt übersichtlicher und leichter nachvollziehbar.

Ygram 240 (*1969, Mark 232 P x Ritske 202 P) war 20 Jahre als Deckhengst aktiv (von 1973 – 1993), seine Deckzahlen erreichten dabei aber nie nennenswerte Höhen. Von seinen 4  Hengstnachkommen konnte sich nur Sierk 326 (*1989, Ygram 240 x Tsjalling 235 P) in nennenswerter Weise durchsetzen, dessen Enkelsohn Maurits 437 in den letzten Jahren 3 Junghengste in die Linie einbringen konnte.

Mit 7 aktiven Deckhengsten gehört diese Linie mit zu den kleinsten, wenngleich sie durch die Ankörung von Eise 489, Markus 491 und Jurre 495 durchaus zukunftsträchtige Vererber beinhaltet.

Die Hearke-Linie

Hengststammbaum - Hearke

Mit 20 aktiven Deckhengsten ist die Hearke-Linie ein überaus starker Zweig mit ausgesprochen hochkarätigen Vererbern. Hearke 254 P (*1973, Mark 232 P x Tabe 203) gilt als einer der einflussreichsten Friesen-Deckhengste der letzten 50 Jahre – als erfolgreiches Tuigpaard posthum mit dem Sportprädikat geehrt, gab der gerne als “König der Friesen” bezeichnete Hengst nicht nur seine Sportbegabung, sondern auch sein hervorragendes Exterieur an 9 gekörte Söhne, als Muttervater an sagenhafte 13 Enkelsöhne und an unzählige weitere Nachkommen weiter.

Die großen Namen dieser Linie sprechen für sich: Reitse 272 P, Teunis 332 P, Brandus 345 P, Jasper 366 P und Beart 411 P! Besonders über die Linie von Jasper 366 und dessen Sohn Beart 411 konnte sich die Hearke-Linie zum wichtigsten Einfluss in der modernen Friesenzucht entwickeln, auch der viel zu früh verstorbene Teunis 332 prägte den modernen Friesen hinsichtlich Rassetyp und vor allem Stockmaß mit.
Mit Jouwe 485, Meinte 490 und dem jungen Siert 499 wurden auch in den letzten Jahren Junghengste aus dieser Linie angekört.

Die Jochem-Linie

Hengststammbaum - Jochem

40 aktive Deckhengste laut KFPS zählt die größte der 6 Hengstlinien, die auf den 1974 geborenen Jochem 259 Preferent (Mark 232 P x Gerke 220) zurückgeht. Dieser auch im Tuigsport erfolgreiche Stempelhengst brachte mit Feitse 293 Preferent (*1983, Jochem 259 P x Bjinse 241) einen der einflussreichsten Deckhengste der jüngeren KFPS-Geschichte. Besonders dessen ebenfalls preferenter Sohn Tsjerk 328 (*1990, Feitse 293 P x Nanne 197) konnte eine wahre Dynastie erfolgreicher Nachkommen hinterlassen, die bis heute die Friesenzucht mit dominieren – besonders zu nennen ist hier sicherlich der dreimalige HK-Kampioen Norbert 444, von dem in den letzten Jahren 5 Söhne gekört wurden und der seit Anfang 2016 seine Erfolgskarriere in den USA fortführt.

Auch der preferente Leffert 306 (*1986, Tamme 276 x Oepke 266) entspringt der Jochem-Linie – seine zahlreichen Nachkommen zeichnen sich bis heute in vielen Fällen durch einen unverwechselbaren, “halsbetonten” Look aus, der in der Friesenszene viele Liebhaber gefunden hat. Über seinen 2015 verstorbenen Sohn Mintse 384 ist Leffert 306 P darüber hinaus der Großvater des in den letzten Jahren überaus erfolgreichen Tsjalle 454, der sich anschickt, Norbert 444 den Rang als regierender “Vererbungskönig” abzulaufen.

Die Gerke-Linie

Hengststammbaum - Gerke

Nur noch durch Fabe 348 P und seine drei Söhne Sape 381, Jorn 430 und den jungen Alke 468 ist die Gerke-Linie repräsentiert, zu deren wichtigsten Vertretern der über lange Zeit populäre Lammert 260 Preferent (*1975, Bjinse 241 x Evert 216) zählt, der neben 5 gekörten Söhnen auch 12 Enkelsöhne als Muttervater hinterließ (darunter z.B. Olof 315, Teunis 332 P und Mintse 384).

Der Gründerhengst Gerke 220 (Age 168 x Wouter 162) wurde 1961 geboren und war zwischen 1964 und 1979 als Deckhengst aktiv. Zu seinen wichtigsten Nachkommen zählen kurioserweise nicht seine beiden Söhne, sondern vielmehr die Stute Ottsje Ster Pref, welche als Mutter von Jochem 259 P sozusagen die Gründerstute der oben beschriebenen Jochem-Linie ist.


Über die Hengstlinien gäbe es noch sehr viel mehr zu erzählen, das würde aber die Lesbarkeit des Artikels und damit die Geduld meiner lieben Leser etwas überstrapazieren. Darüber hinaus brauche ich ja auch noch Material für spätere Artikel ;), insofern belasse ich es bei diesem oberflächlichen Überblick. Wer die Muße hat, kann sich natürlich gerne in die grafische Aufarbeitung vertiefen, für Fragen / Beschwerden / Wünsche dazu stehe ich wie immer gerne via E-Mail oder PN auf meiner Facebook-Seite zur Verfügung.

Hochdekorierte Qualitätsmütter – Teil 2

Viele warten schon seit geraumer Zeit auf eine Fortsetzung der Portraitreihe “Hochdekorierte Qualitätsmütter”, deren erster Teil im Februar 2017 erschienen ist.
Das Warten hat nun ein Ende, hier kommt Teil 2!

Stuten sind in der öffentlichen Wahrnehmung der Pferdezucht-Szene leider immer wieder etwas unterrepräsentiert, das Hauptaugenmerk liegt auf den “Stempelhengsten”, also jenen männlichen Vererbern, die die Zucht durch die Quantität und Qualität ihrer Nachkommen maßgeblich prägen bzw. prägten. Stuten können an diese Erfolge in quantitativer Hinsicht schon aus den gegebenen biologischen Gründen nicht anknüpfen – selten bringen es selbst äußerst fruchtbare Mütter in ihrer Karriere auf mehr als 15 Nachkommen. Qualitativ betrachtet steht so manche Stute aber einem “Stempelhengst” um nichts nach und insofern ist es mir ein Anliegen, in einer kleinen Serie solche “Qualitätsmütter” zu beleuchten.

Els F.T. Kroon Sport Pref*5 Prest

Els F.T. ist interessierten Zuschauern der Hengstenkeuring als Pferd des Jahres 2015 bekannt – diese besondere Ehrung wurde der Ausnahmestute aufgrund ihrer außergewöhnlichen Vererbungsleistung zu teil. Und außergewöhnlich ist diese wirklich!

Els F.T. wurde am 05.03.2001 im niederländischen Terwispel bei F. van der Velde geboren. Die Fabe 348 P-Tochter stammt aus der wohlbekannten Hengstmutter Olcha Model Pref Prest (Feitse 293 P x Naen 264 P, Stam 050), zu deren Nachkommen auch der in den USA stationierte KFPS-Deckhengst Sape 381 (*1997, v. Fabe 348 P – Vollbruder von Els F.T.) zählt.

Als Fohlen nicht vorgestellt, erhielt Els F.T. im Jahr 2004 in Garijp eine 2. Prämie und wurde Ster erklärt. Im Jahr 2009 nahm die sportlich geförderte Stute an einer IBOP teil und erreichte schöne 76 Totalpunkte. Ein Jahr später, 2010, erhielt sie auf der Körung in Garijp eine 1. Prämie und erreichte kurz darauf die erforderlichen Ergebnisse, um das Sportprädikat zu erhalten. Noch im selben Jahr wurde die zu diesem Zeitpunkt 9-jährige Els Kroon erklärt.

Ihr erstes Fohlen brachte Els F.T. im Jahr 2005 bei Roelof Tjeerdsma (Friesenzucht “fan ‘e Boppelannen”) – die Doaitsen 420-Tochter Sinne T. fan ‘e Boppelannen erhielt ausschließlich 1. Prämien, wurde bereits 4-jährig Kroon erklärt (mit einem IBOP-Ergebnis von sagenhaften 88 Punkten!) und trägt seit 2012 wie ihre Mutter das Sportprädikat. Daneben wird diese Stute auch züchterisch genutzt – ihre bisher 6 geborenen Fohlen zeigen sich vielversprechend, die älteste Tochter wurde selbst bereits mit dem Sterprädikat ausgezeichnet.

2006 brachte Els F.T. ein Hengstfohlen von Andries 415 zur Welt, 2007 folgte die Gjalt 426-Tochter Wende T. fan ‘e Boppelannen, die ihrerseits mittlerweile die Prädikate Ster und Sport trägt.
2008 wurde Alger T. fan ‘e Boppelannen Rb Ster Sport (v. Gjalt 426) geboren, der unter Heleen de Haas äußerst erfolgreich im Dressursport reüssiert und mittlerweile auf Intermediaire-Niveau vorgestellt wird.
Ebenfalls von Heleen de Haas im Sport herausgebracht wurde der 2009 geborene Fonger T. fan ‘e Boppelannen Ster Sport (v. Loadewyk 431).
Nach einem Jahr Pause brachte Els F.T. 2011 und 2012 jeweils ein Hengstfohlen von Tjalbert 460, 2013 brachte sie ihre bislang letzte Stertochter zur Welt – Rikst T. fan ‘e Boppelannen (v. Beart 411 P). Ein 2014 geborener Hengst von Norbert 444 sowie zwei Stutfohlen (*2015 v. Beart 411 P, *2016 v. Tsjalle 454) wurden bislang noch nicht vorgestellt.

Yasmijn R. Ster Pref*8 Prest

Auch diese Stute schaffte es bereits einmal ins Rampenlicht der Hengstenkeuring – sie war nominiert für den Titel “Pferd des Jahres 2016”. Der Titel ging zwar an den Deckhengst Eise 489, die züchterischen Hochleistungen von Yasmijn R. bleiben aber überaus bemerkenswert.

Die 1999 bei der Fam. Ruiter in Nij Beets geborene Yasmijn R. war das zehnte Fohlen der sterpreferenten Elsje (* 1983, Meindert 263 x Ritske 202 P). Ihr Vater Teunis 332 P zählte zum damaligen Zeitpunkt bereits mit zu den beliebtesten Deckhengsten aller Zeiten und führte über Jahre hinweg die Statistik der Deckzahlen an. Nichtdestotrotz ging Yasmijn R. aus ihrer ersten Körung im Jahr 1999 ohne Prämie hervor. Ein Jahr später konnte sie als Enter in Drachten eine 2. Prämie erreichen, 2002 wurde sie schließlich als 3-jährige ebenfalls in Drachten mit einer 2. Prämie zur Sterstute erklärt.

Im Jahr darauf brachte Yasmijn R. ihren ersten Sohn zur Welt, den Sape 381-Sohn Jorn S.R. Vb Ster. 2004 folgte ein weiteres Hengstfohlen von Sape 381 (Meint S.R. Vb Ster), 2005 wurde die Stute Sterre S.R. (v. Doaitsen 420) geboren, die später ebenfalls das Sterprädikat erhalten sollte.
2006 kam ein außergewöhnlich schönes Stutfohlen von Folkert 353 P zur Welt – Tinka S.R. wurde bereits 5-jährig mit dem Kroonprädikat ausgezeichnet und erreichte noch im selben Jahr (2011) das Prädikat Sport.
Die 2007 geborene Ypie S.R. (v. Doaitsen 420) wurde ebenfalls Ster erklärt, die 2008 geborene Annemieke S.R. (v. Onne 376) erreichte als zweite Tochter von Yasmijn R. die Prädikate Kroon und Sport.
2009 brachte Yasmijn R. ihre bislang letzte Stertochter, Fenne S.R. (v. Loadewyk 431) zur Welt und wurde im selben Jahr mit dem Preferentprädikat ausgezeichnet.
2010 und 2011 folgten zwei weitere Stutfohlen von Maurus 441 resp. Norbert 444, der 2012 geborene Folkert 353 P-Sohn Nozem S.R. erhielt als bislang letzter Hengstnachkomme von Yasmijn R. das Sterprädikat.
Ein weiteres Stufohlen von Thorben 466 (*2015) sowie ein 2016 geborener Sohn von Haike 482 warten noch auf ihre Körungen im Erwachsenenalter.

Mit bisher 8 Sternachkommen ist Yasmijn R. somit eine der wenigen “dubbelpreferenten” Zuchtstuten – es bleibt abzuwarten, welche Leistungen ihre Nachkommen weiterhin bringen werden und in welche Sphären die Zuchtleistung dieser Ausnahmestute noch vorzudringen vermag!

Mooi van Setse v.d. Hommershoeve Model Sport Pref*4

Mit sehr jungen Jahren reiht sich Mooi van Setse v.d. Hommershoeve in die ehrenvollen Ränge der Elite-Zuchtstuten ein. Die 2004 geborene und 2011 zur Modelstute erklärte Fabe 348-Tochter stammt aus der Zucht De Hommers Hoeve in Gameren, ihre Mutter ist die modelpreferente Setse Boszorg (v. Fetse 349, Halbschwester von Stendert 447!). In den vier ersten Generationen ihrer Mutterlinie (Stam 050) stehen ausschließlich Modelstuten – eine wahre Ausnahme in Sachen Zuchtsicherheit!

Mooi erhielt als Fohlen in Esbeek eine 2. Prämie, 2007 wurde sie mit einer 1. Prämie in das Sterregister eingeschrieben. Nach Absolvierung einer IBOP mit 79,5 Totalpunkten wurde die Stute im Jahr 2009 Kroon erklärt, 2011 erreichte sie das Sportprädikat und wurde schließlich als Modelstute ausgezeichnet.

Obschon erst 13 Jahre alt, brachte Mooi bislang 9 Fohlen, von denen bereits 4 mit dem Sterprädikat bedacht wurden. Dazu zählen die 2009 geborene Extra Mooi fan Dulve Ster Sport (v. Maeije 440), die 2010 geborene Gloria v. Mooi Ster Sport (v. Maurus 441), der Dries 421-Sohn Keimpe van de Demrostables Vb Ster (*2011) sowie dessen 2012 geborener Vollbruder Mazel Tov v. Mooi van de Demrostables Vb Ster. 2010 und 2012 wurden dabei via Embryotransfer jeweils 2 Fohlen dieser hervorragenden Zuchtstute geboren. 2015 brachte sie darüber hinaus ein Stutfohlen von Epke 474 zur Welt, im Vorjahr hatte sie ihr bisher letztes Fohlen von Tsjalle 454 (ebenfalls eine Stute).

Die Zuchtkarriere dieser noch recht jungen Stute ist jedoch noch nicht vorbei und es würde mich nicht wundern, wenn ihr Name noch größere Bekanntheit in den Annalen des KFPS erlangen würde.

 

 

Start der NL-Körungen in Harich und Kronenberg

Am vergangenen Wochenende startete in den Niederlanden die Körungsaison mit zwei großen Körveranstaltungen in Harich (29.04) und Kronenberg (30.04.), in deren Verlauf insgesamt 81 Pferde beurteilt und prämiert wurden.

Überaus erfreulich waren dabei die Fohlenrubriken, im Zuge derer zwei 1. Prämien und acht 2. Prämien an die 10 gestarteten Fohlen vergeben wurden. Einen vielversprechenden Einstand lieferte dabei der junge Nane 492, dessen erster gekörter Sohn Freark D.S. (x Wierd 409) in Harich gleich zu einer 1. Prämie lief. Auch Doekele G. fan ‘e Oasterein (Thorben 466 x Tsjalle 454) erhielt eine orangene Schleife.

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Prima Einstand in die Körungssaison – Nane 492! – Foto: MArkus Neuroth / friesenwiki.de

Eine sehr große Gruppe von ingesamt 32 Vb-Stuten stellte sich auf den beiden Körungen der Stammbuchaufnahme. 13 dieser Stuten wurden aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Qualität mit dem Sterprädikat ausgezeichnet, für Saly fan ‘e Goengamieden (*2013, Tsjalle 454 x Andries 415) und Teunke fan de Slachtedyk (*2014, Wylster 463 x Olof 315) hagelte es darüber hinaus in Harich jeweils eine fantastische 1. Prämie und die damit einhergehende Anweisung zur CK 2017.

Besonders freue ich persönlich mich für Ursula Alig-Infanger aus der Schweiz, deren Zukunftshoffnung Sinne fan Synaeda (*2013, Pier 448 x Tsjerk 328 P) sich in Kronenberg ebenfalls das Sterprädikat verdienen konnte. Herzlichen Glückwunsch!

4 weitere Sterstuten brachten die Körungen der 19 gemeldeten Stammbuchstuten.

Bei den Wallachen wurden nur 2 Pferde gekört, beide erhielten dabei ein Sterprädkiat. Rb Ster mit 2. Prämie wurde der 2013 geborene Siemen van de Hofstad (Beart 411 P x Tsjerk 328 P), eine 1. Prämie wurde an den Uldrik 457-Sohn Tymon van de Kastanjehof (*2014, x Loadewyk 431) vergeben.

Abschließend stellten sich 18 junge Hengste in den separat durchgeführten Vb-Hengstenkeuringen der Stererklärung durch die Jury. 11 davon erhielten das begehrte Sterprädikat, davon jeweils 2 Nachkommen von Beart 411 P, Alwin 469 und Tsjalle 454.

In Kronenberg wurde neben der Körung eine IBOP mit 14 teilnehmenden Pferden (alle in der Rijproef) veranstaltet.

Mit satten 80,0 Punkten konnte in dieser Prüfung die 2013 geborene Pippa C. (Norbert 444 x Beart 411 P) reüssieren, die mit diesem tollen Ergebnis gleichermaßen ihr Kroon-Prädikat bestätigen konnte. Ebenfalls zum definitiven Kroon schaffte es darüber hinaus Jitske v.d.B. (*2011, Beart 411 P x Rypke 321) mit 77.0 Punkten.

Weitere beachtenswert gute Ergebnisse lieferten Lief fan Dulve Stb Ster (*2011, Gjalt 426 x Felle 422 – 78,5 Punkte) und Lobke M. Stb Ster (*2011, Pier 448 x Tetse 394 – 77,5 Punkte).
Als prominente Teilnehmerin startete die Kampioene der CK 2016, Pleun van ‘t Lansink. Die 4-jährige 1.Prämie-Sterstute (Norbert 444 x Onne 376) erreichte 73,0 Punkte und konnte damit ihr im Vorjahr erreichtes voorl. Kroon (noch) nicht in ein definitives Prädikat umwandeln.

ABFP- und IBOP-Ergebnisse der letzten Jahre statistisch betrachtet

Da der letzte Artikel hinsichtlich der statistischen Auswertung der aktuellen ABFP-Ergebnisse so viel positive Resonanz hervorgerufen hat, habe ich mich noch etwas stärker in die Statistik vertieft.

Herausgekommen ist eine Übersicht über alle Hengste, deren Nachkommen von 2015 bis dato in der Rij- oder Menproef mehr als 5 Ergebnisse in IBOP- oder ABFP-Prüfungen gebracht haben.

Zur grafischen Darstellung:

Die rote Linie gibt den Punkte- Durchschnitt der jeweiligen Disziplin unter Berücksichtigung aller registrierten Ergebnisse wieder.

Die vertikalen, blauen Balken zeigen die Varianz der Ergebnisse der Nachkommen des jeweiligen Hengstes (niedrigste Punktzahl bis höchste Punktzahl).

Die grüne Querlinie in den blauen Balken markiert die durchschnittliche Punktezahl der Nachkommen des jeweiligen Hengstes.

Unten an der horizontalen Achse finden sich die Namen der Väter der jeweilig geprüften Pferde, die in Klammern angestellte Zahl gibt Auskunft darüber, wie viele Ergebnisse in der Berechnung berücksichtigt wurden. Statistisch betrachtet steigt die Relevanz der Ergebnisse mit der Anzahl der berücksichtigten Datensätze – bedeutet also: viele berücksichtigte Ergebnisse = hohe Aussagekraft.

Aufmerksame Beobachter werden schnell feststellen, dass in dieser Listung mehrere bekannte Hengste fehlen. Dieser Umstand ist dem zeitlichen Ausschnitt der Daten geschuldet – meine detailgenauen Aufzeichnungen zu den IBOP- und ABFP-Ergebnissen reichen nur bis 2015 zurück, aussagekräftige (weil vollständige) Datensätze für einen früheren Zeitraum zu recherchieren ist darüber hinaus recht schwierig.

ABFP - IBOP - 2017 Rij

ABFP - IBOP - 2017

In beiden Statistiken sticht Aarnold 471 mit den bislang außerordentlich hohen Ergebnissen seiner Nachkommen deutlich hervor, dabei muss aber in Betracht gezogen werden, dass diese Zahlen aufgrund der schwachen Datenlage noch keine hohe Aussagekraft haben. Auch Epke 474 und Alke 468 starten in Anbetracht dessen positiv in ihre Nachkommenkörung,

Durch sehr gute Datenlage validiert sind jedoch die überaus positiven Ergebnisse der Nachkommen von Norbert 444, der in beiden Disziplinen deutlich über dem Durchschnitt reüssiert.

Dasselbe gilt für den seit diesem Jahr wieder im Deckdienst stehenden Take 455 und die kürzlich auf Abstammung gutgekörten Hengste Wimer 461 und Wolfert 467, deren Nachkommen ebenfalls in beiden Disziplinen überdurchschnittliche Werte erreichten.

Signifikant bessere Reit- als Fahrpferde liefert offenbar Tymon 456 – seine Nachkommen erreichten in der Rijproef überdurchschnittliche Prüfungsergebnisse, in der Menproef liegen ihre Resultate hingegen knapp unter dem errechneten Durchschnitt.

Beart 411 P – seines Zeichens bekannt als Vererber hervorragender Sportveranlagungen – konnte in den letzten Jahren viele positive Ergebnisse in der gerittenen Disziplin verzeichnen – auch in der Menproef schnitten seine Nachkommen überdurchschnittlich gut ab, wobei beachtet werden muss, dass lediglich 5 Ergebnisse aus dieser Disziplin vorliegen. Sinngemäß gilt dies auch für seinen Vater Jasper 366 P – dabei muss aber auch berücksichtigt werden, dass Jasper 366 mit seinen 22 Jahren mittlerweile zu den “alten Herren” des Stammbuchs gehört. Die immer noch überaus positiven Ergebnisse seiner Nachkommen beweisen damit einmal mehr, in welch tiefgreifender Weise dieser Stempelhengst die Friesenzucht über viele Jahre hinweg im positiven Sinne geprägt hat.

 

 

 

ABFP 2017 – Ergebnisse und Tendenzen

Der ABFP-Test ist eines der wichtigsten Instrumente des KFPS, um die Vererbungsleistung der lizenzierten Deckhengste hinsichtlich der Sportveranlagung zu bestimmen. Nicht umsonst spielen die Ergebnisse aus dieser Leistungsprüfung eine nicht unerhebliche Rolle in der endgültigen Beurteilung der Deckhengste, der sogenannten Abstammungskörung.

Insofern ist es auch jedes Jahr erneut hochinteressant, die Ergebnisse der teilnehmenden Pferde zu verfolgen und in Bezug zu deren jeweiligen Vätern zu stellen, lassen sich so doch laufend Tendenzen hinsichtlich der leistungsbezogenen Vererbungsqualität ermitteln.

Im Jahr 2017 wurden bislang 3 ABFP-Tests abgehalten, in denen auch bereits mehrere Nachkommen von Hengsten gestartet sind, deren Abstammungskörung noch aussteht (Wybren 464, Alke 468, Bikkel 470, Aarnold 471, Bartele 472 und Epke 474). Im Fall von Bartele 472 war dies bislang nur ein einziges Pferd, insofern macht eine Berücksichtigung in der Statistik noch nicht viel Sinn. Von den anderen Genannten liefen aber bereits mehrere Nachkommen (teilweise bereits 2016), was einen statistischen Vergleich der bisherigen Ergebnisse möglich macht.

Dazu habe ich die Ergebnisse aus der Reitprüfung und der Dressurfahrprüfung in zwei separaten Grafiken aufgeschlüsselt:ABFP 2017 - Stand 26-04-2017 Rijproef

ABFP 2017 - Stand 26-04-2017 Menproef

Die rote Linie zeigt dabei den jeweiligen Mittelwert aller Prüfungsergebnisse von Nachkommen der berücksichtigten Hengste in der jeweiligen Disziplin, die blauen Balken umreissen die Varianz der Ergebnisse der Nachkommen des jeweiligen Hengstes (von der niedrigsten bis zur höchsten Punktzahl) – die darin eingezeichnete grüne Linie wiederum gibt den Mittelwert der Ergebnisse der Nachkommen des jeweiligen Hengstes wieder.

Von Wybren 464 wurden bislang 19 Nachkommen in ABFP-Tests vorgestellt, in beiden Disziplinen schnitten die Pferde dabei eher unterdurchschnittlich ab.

Von Alke 468 wurden bislang nur 6 Nachkommen geprüft, deren Leistung vor allem unter dem Sattel deutlich über Durchschnitt lag. In der Menproef konnten die Pferde knapp über dem Mittel reüssieren.

Die 17 geprüften Nachkommen von Bikkel 470 zeigten bislang vor allem vor dem Wagen ein eher schwaches Leistungsbild und schnitten auch unter dem Sattel unterdurchschnittlich ab.

Ganz anders verhält es sich mit den bislang 6 geprüften Aarnold 471-Nachkommen, die in beiden Disziplinen bis dato mit außerordentlich guten Ergebnissen zu beeindrucken wussten und für ihren Vater einen prima Start in die Abstammungskörung lieferten.

Auch die Nachkommen von Epke 474 (5 geprüft) konnten bislang überdurchschnittliche Leistungen erbringen, bei ihnen zeigt sich dabei im Moment ein signifikant höheres Leistungspotential vor dem Wagen als unter dem Sattel.

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die weiteren ABFP-Tests des Jahres bringen und wie diese die momentanen Tendenzen in der Beurteilung der einzelnen Hengste beeinflussen.

 

Super-Topper im ABFP 3

Der heute zu Ende gegangene ABFP 3 (13.03.2017 – 26.04.2017) brachte erneut hervorragende Ergebnisse von den Nachkommen von Aarnold 471.

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Erneut Vater des ABFP-Toppers – Aarnold 471! Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Der absolute Topper in dieser ABFP-Runde (7 Teilnehmer im regulären Ablauf) war der Aarnold 471 x Model Sport v. Beart 411 P gezogene Tymen van ‘t Lansink Ster (*2014).
Er lieferte unter dem Sattel ein Ergebnis von hervorragenden 89,0 Punkten und konnte diese Top-Leistung in der Menproef sogar noch steigern, wo er 90,0 Totalpunkte abzuliefern verstand. Eine glatte 8,0 in der Tuigproef bestätigte seine hervorragenden Allround-Qualitäten und bescherten ihm die aktuelle Kopfposition im Klassement aller bisherigen ABFP-Teilnehmer des Jahres.

Auf dem 2. Platz findet sich der Sterhengst Ubbo v/d Maria Louise Hoeve (*2014, Bikkel 470 x Kroon v. Onne 376) mit ebenfalls hervorragenden 80,5 Punkten in der Rijproef, 75,5 Punkten in der Dressuranspannung und einer 6,0 im Tuig.

Der 3. Platz geht an einen weiteren Aarnold 471-Sohn. Der in Deutschland von H.J. Bothmer gezogene Viktor van den Meyerhöfen Ster (*2014, Aarnold 471 x Kroon Sport v. Mintse 384) brachte es auf schöne 77,0 Punkte sowohl unter dem Sattel als auch in der Dressuranspannung. Auch im Tuig wurde ihm mit einer 7,0 eine gute Veranlagung bescheinigt.

5 Pferde wurden darüber hinaus im 2-wöchigen ABFP-Test vorgestellt, alle starteten dabei unter dem Sattel. Mit ex aequo 74,5 Punkten gingen die beiden Stuten Quincy Ster (*2013, Norbert 444 x Ster Pref. Teunis 332 P) und Silke fan Teakesyl Ster (*2013, Maurits 437 x Ster Pref v. Onne 376, Vollschwester von Markus 491) als Topper dieser Gruppe aus der PRüfung.

Die Detailergebnisse sind wie immer auf kfps.nl abrufbar

Der moderne Friese – eine kritische Betrachtung

Der Friese an sich gehört wahrscheinlich mit zu den bekanntesten Pferderassen der Welt – sein typisches Exterieur, die exklusive Rappfarbe und das oft üppige, gelockte Langhaar machen ihn neben seinem typischen, “rollenden” Trab zu einer unverwechselbaren Erscheinung und zum idealisierten Traumpferd manch pferdebegeisterten Kindes (oder auch Erwachsenen).

Soviele Idealisierungen dem Friesen zugeschrieben werden, soviele Vorurteile existieren aber auch dieser alten Rasse gegenüber – Tulpentreter, Kutschpferd oder Kaltblut sind da nur ein denkbar kleiner Ausschnitt der mannigfaltigen Zuschreibungen von Kritikern und Unwissenden.

Ein besonders perfides Vorurteil hält sich aber hartnäckig und wird in vielen Diskussionen vor allem dazu genutzt, die Zuchtziele des KFPS und die züchterische Entwicklung des KFPS-Friesen zu kritisieren – es handelt sich um die Mär von der massiven Typveränderung in der Friesenzucht und dem damit immer wieder einhergehenden Vergleich von Sportfriesen vs. Barockfriesen.

Zeit für mich, mich etwas intensiver mit dieser immer wieder aufflammenden Diskussion konstruktiv auseinander zu setzen!

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Sportlich und kalibrig? Kein Widerspruch bei Hielke van ‘t Grupje Vb Ster (Reinder 452 x Oege 267)

Ist der Friese ein Barockpferd, und wenn ja, wie viele?

Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff “Barockpferd” weitaus weniger alt, als man im Allgemeinen annehmen möchte. Vor allem im Laufe der 1990er Jahre prägte eine Vielzahl von Autoren diesen Ausdruck mehr oder minder präzise als Begriff für solche Rassen, die zur Zeit des Barock (ca. 1575 – 1770) an den mitteleuropäischen Höfen als Kriegs-, Reitkunst- oder Karrossierpferde vermehrt eingesetzt wurden und / oder der im Barock beliebten, rubens’schen Idealform des beleibten Körpers entsprechen.

Eine griffige, einheitliche Definition lässt sich schon für den Begriff per se nicht finden, noch schwieriger wird es aber, die exakt dazu zählenden Rassen anhand belegbarer Gemeinsamkeiten fundiert festzulegen.

“Friesen” – im Sinne von Pferden aus den Niederlanden im Friesentyp – hat es zur Zeit des Barock bestimmt gegeben, aufgrund ihrer imposanten Erscheinung ist sicherlich auch davon auszugehen, dass solche Pferde bei Hofe beliebt waren. Inwiefern diese “Barockfriesen” dem heutigen Rassetyp oder dem rubens’schen Ideal qua Körperfülle entsprachen, lässt sich kurzgefasst nur sehr schwer beurteilen … Fotografien aus der Zeit sind bekanntlich rar 😉 und die idealisierten Malereien und Fresken der barocken Künstler sind nicht unbedingt als naturalistische Darstellungen zu betrachten.

Ob dahinter eine selektive Zucht im heutigen, stark an festgelegte Kriterien orientierten Sinne oder gar eine tragende Population von Friesen an den europäischen Höfen stand, lässt sich aus heutiger Sicht schwer beantworten. Pferde aus Friesland fanden aber jedenfalls Erwähnung in der zeitgenössischen Literatur – dort vor allem als besonders begabte Dressurpferde, die in den zur Zeit des Barock blühenden Hofreitschulen zum Einsatz kamen.

Das “Friesch Paarden Stamboek” allerdings wurde am 1. Mai 1879 gegründet und ist damit erst ein gutes Jahrhundert nach dem Niedergang des Spätbarock bzw. Rokoko entstanden – die Ursprünge unseres heutigen Friesenpferdes mögen also gerne (so wie die aller althergebrachten Pferderassen) bis dorthin und noch viel weiter zurückreichen, die selektive Zucht der heute unter der Bezeichnung “Friese” bekannten Rasse – nach festgelegten Kriterien in einer Kooperation aus mehreren Züchtern mit demselben Zuchtziel – begann 1879.

Ist der Friese also ein Barockpferd? Ich begnüge mich mit der Anschauung, dass diese Beurteilung mangels bindender Klassifikationskriterien dem Betrachter überlassen sein möge und antworte daher mit einem klaren: JEIN!

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Auch ohne Barock eine Schönheit – Noblesse fan Limbach (Jerke 434 x Jasper 366)

Ist der Friese ein Sportpferd?

Sofern man ein Sportpferd als ein solches klassifiziert, das im Exterieur die Veranlagung mitbringt, in Pferdesportdisziplinen (welcher Art auch immer) erfolgreich zu sein, so kann man diese Frage in Bezug auf die Gesamtheit der Rasse der Friesen getrost mit Ja beantworten. Die Ursprünge der KFPS-Zucht liegen in edlen, bewegungsstarken Reit- und Fahrpferden, die im Friesland des ausgehenden 19. Jahrhunderts den wohlstandsstärkeren Klassen als leichtfüßige Karrossierer vor der Sjees, als elegante Reitpferde und auch als leistungsstarke Trabrennpferde in den ‘kortebaan-draverijen’ unter dem Sattel dienten. Sie wurden als die “Prunkpferde des Bauernstandes” nicht in erster Linie für die schwere Arbeit in der Landwirtschaft selektiert und zeigten sich – wie zeitgenössische Fotografien und (naturalistische) Illustrationen beweisen – in einem dem heutigen Friesen gar nicht unähnlichen, sportlichen Typ.

Allerdings konkurrierten diese ursprünglichen Friesen stark mit den bedeutend schwereren Arbeitsrassen – die Notwendigkeit von Arbeitspferden war es auch, die den prunkvollen Friesen des 19. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung trieb, ehe die Gründung des FPS diesem Umstand entgegensteuerte und die letzten verbliebenen Zuchtpferde unter ihre Fittiche nahm.

Die militärischen Auseinandersetzungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, namentlich die beiden Weltkriege (1914 – 1918, 1939-1945), machten selbstverständlich auch nicht vor den Friesenpferden halt und hatten durchaus nachhaltige Auswirkungen auf die damals noch immer relativ kleine Rassepopulation. Ein “Prunkpferd” war in den bitteren Kriegs- und Zwischenkriegszeiten keine Überlebenshilfe, stattdessen war im ländlichen Friesland die Nachfrage nach kräftigen Arbeitspferden groß und auch die friesische Rasse entwickelte sich zusehends weg vom royalen, eleganten “Luxuspferd” hin zu einem Pferd, das den rauen Gegebenheiten mehr entsprach. So entwickelte sich der heute in den Niederlanden als “Landbouw”-Typ bekannte Friesenschlag, dessen Stärken mehr im Ziehen des Pfluges als im leichtfüßigen Trab vor der Sjees oder unter dem Sattel lagen – und  natürlich waren diese Pferde auch nicht mehr mit dem eleganten, hochbeinigen Exterieur ihrer Vorfahren gesegnet.

Diese Phase in der Rasseentwicklung des KFPS-Friesen ist auch heute noch in manchen Pferden sichtbar und wird gerne von Befürwortern der “Barockpferde”-Hypothese ins Feld geführt, um ihr persönliches Idealbild eines Friesen historisch zu belegen. Dabei wird aber gerne vergessen, dass der “Landbouw”-Typ weder ein Vertreter nach der wie auch immer gearteten “Barockpferde-Klassifikation” ist, noch jemals ein adoriertes Zuchtziel für die Rasse der Friesen an sich war. Vielmehr kann man die Entwicklung der Rasse in diese Richtung als ein notwendiges Übel betrachten, das den historischen Umständen geschuldet war.

Das KFPS jedenfalls hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung rückgängig zu machen und besinnt sich in seiner Zucht- und Körpolitik sozusagen auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Rassetypologie. Ziel ist demnach die Zucht eines eleganten, gangbegabten Gebrauchspferdes, das vielseitig sowohl unter dem Sattel als auch vor dem Wagen einsetzbar ist.

Der ominöse “Sportfriese”

Nun gut, der Friese war in seinen Ursprüngen – und ist es auch in der Gegenwart – eine Pferderasse, deren Verwendungszweck auch im Sport liegt. Entgegen der Meinung mancher Kritiker hat sich daraus allerdings keine ausgeprägte und forcierte Diversifikation der Rasse entwickelt, wie dies z.B. bei vielen deutschen Warmblutrassen (in Spring- und Dressurlinien) der Fall ist – vielmehr ist das KFPS auch gegenwärtig immer noch bestrebt, die multiple (Sport)eignung der gesamten Rasse bei Erhalt eines einheitlichen Rassetyps zu fördern, was u.a. durch die immer noch gängige Praxis der multidiszplinären Hengstleistungsprüfung geschieht. Einen forciert gezüchteten “Sportfriesen” gibt es also nicht, wenngleich es natürlich mittlerweile viele Individuen unter den Friesen gibt, die ihre Sporteignung durch den Erhalt des Sportprädikats stolz als Namenszusatz tragen.

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Stolzer Träger eines ELITE-Sportprädikats –  Zen ‘fan Panhuys’ Ster Sport-Elite (Dries 421 x Fabe 348 P)

Der Status quo – Alter Schlag oder “KWPN mit Kötenbehang”?

Das Argument, das KFPS würde den Friesen weg von seinem Ursprung und hin zu einem “KWPN mit Fesselbehang” entwickeln, stirbt in den leider immer wieder schwelenden Diskussionen mit Verfechtern des “alten Schlages” nicht aus.

Dabei kann – wie im oberen Teil hoffentlich geschehen – recht schlüssig dargelegt werden, dass der Friese nie als schweres, kaltblutartig anmutendes Pferd konzipiert war, sondern bereits in seinen Ursprüngen ein vielseitiges Gebrauchspferd von elegantem, luxuriösem Typ darstellte.

Doch auch wenn man sich die modernen Rassevertreter einmal nüchtern betrachtet, finde ich es schwer nachvollziehbar, von einer “Versportlichung” der gesamten Rasse zu reden. Ich kann keineswegs feststellen, dass die letzthin gekörten Deckhengste “nicht mehr wie Friesen” aussehen oder besonders leicht im Kaliber wären.

Möglicherweise lassen manche Kritiker dabei außer Acht, dass die frischgekörten Hengste zum Großteil gerade 3 oder 4 Jahre alt sind und sich in Sachen Kaliber noch deutlich entwickeln, darüber hinaus erfreuen sich auch durchaus im schwereren Typ stehende Hengste (so z.B. Tsjalke 397, Pier 448 oder Bartele 472) großer Beliebtheit in der momentanen Zucht und beweisen darüber hinaus, dass ein schwereres Kaliber nicht gleichbedeutend mit fehlender Sporteignung sein muss.

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Erfolgreich im Grand Prix und trotzdem ein ganzer Friese – Wirdmer fan ‘e Boppelannen Ster Sport-Elite (Beart 411 P x Jillis 302)

Umso bedauernswerter finde ich es, dass sich in den letzten Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum zunehmend eine “Parallelzucht” entwickelt, die abseits des KFPS-Zuchtziels mit Deckhengsten “aus besonders alten” oder “besonders barocken” Linien wirbt, ohne dabei erkennbare Qualitätskriterien als Maßstab anzulegen. Vielfach findet man Deckanzeigen von in deutschen oder österreichischen Spezialrassen- oder Ponyzuchtvereinen “gekörten” Friesenhengsten, die zumeist außer großem Kaliber (einige davon nicht einmal von Natur aus mit diesem gesegnet, sondern deutlich angefüttert) und wallender Mähne nur wenige von den vom KFPS hart angestrebten Qualitäten (von der Eleganz bis zur vielseitigen Verwendbarkeit) mitbringen und oft tatsächlich mehr an ein Kaltblut erinnern als an einen Friesen.

Bedauerlich finde ich persönlich diesen Umstand insofern, als er in der Öffentlichkeit immer wieder ein falsches Bild von einer wunderbaren Pferderasse kolporiert, aber auch deshalb, weil mit diesen Bestrebungen gezielt gegen die redlichen Bemühungen des Mutterstammbuchs gearbeitet wird – auch in Sachen der öffentlichen Wahrnehmung. Und ich frage mich doch ernstlich, welche Beweggründe dahinterstehen mögen, zumal es Rassen gibt, die den von der “Landbouw”-Typ-Fraktion geforderten Kriterien weit besser entsprechen, als Friesen in ihrer ursprünglichen und vermehrt auch wieder neuzeitlichen Erscheinungsform. Genannt seien hier z.B. der Noriker oder andere leichte Kaltblut-Rassen, die mehr und mehr auch dem Wunsch nach einem kalibrigen Reitpferd mit imposantem Exterieur gerecht werden.