Maurus 441 Sport

In den letzten Jahren sorgte auf der alljährlichen Hengstenkeuring im niederländischen Leeuwarden vor allem ein Hengst immer wieder für kontroverse Diskussionen. Von einigen aufgrund seiner exaltierten Vorhandaktion als „Trabwunder“ verehrt, von anderen als „Lampenaustreter“ verspottet, rief sich der einzige noch in Deutschland stationierte KFPS-Deckhengst Maurus 441 immer wieder in das Gedächtnis der friesenbegeisterten Fangemeinde.

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Maurus 441 Sport – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

Seine Geschichte begann im Jahr 2004 in der deutschen Friesenzucht von Christine Meinecke-Twele, dem „Gestüt Friesenwiese“ in Niedersachsen, wo  am 29.04. der kleine Hengst „Oepke Gestüt Friesenwiese“  das Licht der Welt erblickte.  Gezogen als Sohn des damals überaus beliebten Tsjalke 397 (Leffert 306 P x Doeke 287) und der 2. Prämie-Sterstute Wytske van de Leidijk (Krist 358 x Jelmer 297) aus Stutenstamm 027 wurde der Junghengst als Fohlen auf der Zuchtschau im deutschen Behringen mit einer 2. Prämie bedacht und verbrachte seine weitere Jugend am Ort seiner Geburt.

Im Dezember 2006 wurde der junge Oepke in den Niederlanden der Besichtigungsjury vorgestellt und erhielt hervorragende Kritiken, wurde mit dem Sterprädikat bekrönt und schließlich zur Hengstleistungsprüfung  2007 eingeladen, in welcher der rassetypische Hengst mit durchaus guten Noten vor allem als Tuigpaard von sich reden machte. Seine soliden Leistungen im CO brachten im schließlich die heißbegehrte KFPS-Decklizenz ein – als einer von nur sehr wenigen nicht in den Niederlanden gezogenen Hengsten wurde er am 24.11.2007 unter dem Namen Maurus 441 in die Ränge der friesischen Deckhengste erhoben.

Bereits bei seinem ersten Auftritt in der Manege der Hengstenkeuring  2008 in Leeuwarden konnte der frisch gekörte Maurus 441 die Herzen des Publikums und der Richter erobern, er sicherte sich den ersten Platz in der sehr stark besetzten Gruppe des Körjahrgangs 2007, setzte sich damit gegen Hengste wie Maurits 437, Mewes 438 und Maeije 440 durch und erhielt ein Ticket für die Teilnahme an der Kampioenskeuring.

2009 reichte es schließlich in Leeuwarden sogar zum Sieg – Maurus 441 wurde zum Kampioen der Hengstenkeuring ernannt und erfreute sich fortan größter Beliebtheit bei den Friesenzüchtern – in seinen ersten vier Deckjahren brachte es der junge Hengste mit der beeindruckenden Front auf über 700 Bedeckungen und zählte zu den beliebtesten Hengsten des Stammbuchs.

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Maurus 441 Sport – Foto: Markus Neuroth / friesenwiki.de

2011 erreichte Maurus 441 das Sportprädikat im Tuigen, vor der Sjees war er darüber hinaus zwischen 2009 und 2013 fünfmal in Folge unangefochtener Kampioen der offenen Klasse, viermal gewann der die VHO-Trophäe und machte sich damit als hochkarätiges Tuigpaard einen verdienten Namen.

2013 legte Maurus 441 seine Abstammungskörung ab – zwar wurde ihm dabei ein weitgehend positiver Einfluss die Exterieurvererbung beschieden, die Jury sparte aber nicht mit Kritik am Leistungsprofil seiner Nachkommen. Insbesondere die schwache Schrittqualität der Maurus 441-Nachkommen wurde bemängelt und die Beliebtheit des deutschen Hengstes bei den Züchtern begann rapide zu sinken. In den letzten Jahren konnte der einstmals so beliebte Hengst keine signifikant hohen Deckzahlen mehr erzielen und auch seine Performance auf der HK zog immer wieder aufgeregte Diskussionen über seine allzu spektakuläre Bewegungsmechanik nach sich. Einen Teil seiner Kritiker ließ der schöne Maurus 441 aber verstummen, seit er  2017 in Leeuwarden erstmals nicht mehr an der Hand, sondern an den langen Leinen vorgestellt  wurde – diese Art der Präsentation kommt seinem Bewegungspotential überaus entgegen und ermöglichte es ihm, seine explosive Trabaktion in wunderbar rhythmischer Art und Weise zu zeigen.

Und trotz der harschen Kritik an seinem Vererbungsbild konnte Maurus 441 mehrere hochkarätige Nachkommen liefern – neben derzeit 57 Sterstuten erhielten zwei seiner Töchter das Modelprädikat, 5 weitere wurden Kroon erklärt. Desweiteren tragen derzeit fünf Maurus 441-Nachkommen das Sportprädikat. Bislang wurde keiner seiner Söhne als Deckhengst vom KFPS anerkannt, der überaus schöne Haiko van t Lansink (Maurus 441 x Maiko 373) scheiterte zuletzt 2016 im Endspurt der CO.  Es bleibt also abzuwarten, ob sich in Zukunft ein junger Maurus 441-Sohn qualifizieren wird können, um als Deckhengst in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten.